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Der Hörbuch / Hörspiel Thread

MrBond | 10.11.2016
Nach einer kleinen Suche, stelle ich fest, dass es noch keinen Thread mit diesem Thema gibt. Wieso ist das interessant? Für mich sieht der Alltag so aus: Da ich tagsüber arbeite und am Wochenende entweder Familie, oder Sport meine vollste Aufmerksamkeit genießt, bleibt für`s Lesen nicht all zu viel Zeit. Ich komme gerade einmal dazu, die Tageszeitung, oder diverse wissenschaft... weiterlesen

Nach einer kleinen Suche, stelle ich fest, dass es noch keinen Thread mit diesem Thema gibt. Wieso ist das interessant? Für mich sieht der Alltag so aus: Da ich tagsüber arbeite und am Wochenende entweder Familie, oder Sport meine vollste Aufmerksamkeit genießt, bleibt für`s Lesen nicht all zu viel Zeit. Ich komme gerade einmal dazu, die Tageszeitung, oder diverse wissenschaftliche Literatur zu studieren, aber darüber hinaus fehlt einfach die Zeit.

So habe ich Hörbücher für mich entdeckt. Im Auto von und zur Arbeit gibt es eine Menge Autobahn-Stunden (pro Wochen) zu überbrücken und unsere Radiosender sind jetzt auch nicht so der Brüller. Hörbücher gibt es zu fast jedem aktuellen "Bestseller" - so auch zu so manchem Buch, welches verfilmt wird, oder wurde.

Teilweise sind die (Vor-)Lesungen langweilig, manchmal aber auch sehr gut. Der Marsianer, gelesen von Richard Barenberg, war eins der Hörbücher, die richtig Spaß machten. Barenberg konnte den trockenen Humor wunderbar rüber bringen.

Seid ihr auch schon auf den Geschmack gekommen? Was hört ihr so? Was war super umgesetzt, was war eher mit der Begeisterung von Hausstaub aufgenommen?

Ich hoffe auf viel Beteiligung und Kommentare in diesem Thread... smile

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122 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
21.07.2020 22:45 Uhr | Editiert am 22.07.2020 - 00:04 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.682 | Reviews: 151 | Hüte: 487

Robinson Crusoe (Nachtrag)

Das Lesen beziehungsweise Hören der zweiten Hälfte des Romans ist eine ambivalente Erfahrung.

Die Beziehung zwischen Crusoe und dem Kannibalen Freitag steht im Zeichen der Missionierung des "Heiden" hin zum guten Christen. Defoe lässt Freitag dabei sogar Zweifel ob der Widersprüche im christlichen Weltbild hegen und beschreibt Crusoe als mäßig talentierten Glaubenslehrer, geht dann aber ohne Weiteres darüber hinweg und lässt Freitag im Widerspruch zu seiner eigentlichen Charakterisierung zum Christentum konvertieren. Bezüglich der antagonistischen Kannibalen, sobald diese einen Christen töten und essen wollen, wendet sich Crusoe von seiner ursprünglichen neutralen, gesetzes- und justizbezogenen Haltung ab und entschließt sich bereitwillig zur Selbstjustiz und Tötung der Kannibalen. Letztendlich gewichtet er das Leben eines Christen dann doch höher als das eines "Heiden".

Abseits davon wird hier aber eben auch eine sehr innige Freundschaft zwischen einem Europäer und einem Eingeborenen aufgebaut, die sich gegenseitig perfekt ergänzen und jeweils die Schwächen des anderen ausgleichen. Sicherlich ist diese Freundschaft klar durch die christliche Konvertierung Freitags bedingt, sie fußt allerdings nicht auf einer reinen Überlegenheit des Europäers gegenüber dem amerikanischen Eingeborenen. Freitag ist Crusoe zum Beispiel körperlich und im Umgang mit der Waffe überlegen. Auch wird Freitags kannibalischer Stamm im Gegensatz zum antagonistischen Kannibalenstamm den Europäern gegenüber als freundlich, hilfsbereit und friedliebend charakterisiert, die Eingeborenen werden im Roman also ambivalent gezeichnet. Und hier muss man wohl auch das Erscheinungsjahr berücksichtigen, ich habe keine Ahnung, wie (un)konventionell die Annahme einer solchen Freundschaft zu Beginn des 18. Jahrhunderts ausfiel. In jedem Fall kommt "Robinson Crusoe" ohne Romantisierungen und nationale Mythenbildung aus, wenn man die Freundschaft Crusoes und Freitags mal mit jener von Old Shatterhand und Winnetou in den Büchern Karl Mays vergleicht.

Sehr gut gefallen hat mir darüberhinaus die Passage in den Pyrenäen gegen Ende des Romans, die an sich so gar nicht in die Geschichte passen möchte, sich im Endeffekt jedoch als gelungene Spiegelung des Afrika-Bildes entpuppt, welches Defoe zu Beginn des Romans zeichnet. Afrika wird in "Robinson Crusoe" unter Anderem beschrieben als ein Land der wilden Menschen (auch als ein Land der Neger- und Mohrenvölker), der wilden Natur und der tierischen Bestien (Löwen, Leoparden), welche dem Menschen nach dem Tod trachten. In den Pyrenäen müssen die Menschen im Allgemeinen und Crusoe, Freitag und ihre Gefährten im Speziellen ebenso der wilden Natur trotzen. Ein kalter, verschneiter Winter treibt Wölfe und Bären in die Siedlungen, Crusoes Gruppe muss während der Überquerung der Pyrenäen nicht nur gegen das Wetter sondern auch gegen Bären und Hunderte von Wölfen ankämpfen, was in der Form analog zum Afrika-Bild geradezu grotesk anmutet. Zudem hat die Gruppe Angst davor, "Wölfen auf zwei Beinen" zu begegnen.

Drei kurze Passagen, die mir ansonsten noch Kopfschmerzen bereiteten: Das zum Narren Halten und Erschießen eines Bären in den Pyrenäen, was als großer, witziger und vergnüglicher Spaß dargestellt wird. Das Zwingen von Eingeborenen-Frauen in die Ehe mit europäischen Männern, was Defoe als etwas Einverständliches und Gutes, gar als Happy End versteht. Gegen Ende entwickelt Crusoe Allmachtsfantasien und Herrschaftswillen gegenüber den Spaniern auf der Insel, die sich laut Defoe bereitwillig und entgegen vorheriger Motive in dieses Schicksal fügen. Da sich am Rand der Konflikt zwischen Katholizismus und Protestantismus durch den Roman zieht, scheint es so, als wolle der protestantische Engländer Defoe hier etwas mit den katholischen Spaniern abrechnen. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sich England und Spanien im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach u.A. aus religiösen Gründen im Krieg miteinander befanden.


Alles in Allem würde ich "Robinson Crusoe" wohl mit 7-8 von 10 Punkten bewerten. Trotz so Einigem an Befremdlichkeit und Überholtheit ein durchaus progressiver Roman, den es sich auch heute noch zu lesen oder hören lohnt.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
13.01.2021 18:11 Uhr | Editiert am 13.01.2021 - 18:28 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.682 | Reviews: 151 | Hüte: 487

"Diabolus" von Dan Brown

In den letzten beiden Wochen gehört. Dan Browns Debutroman und zugleich auch einer seiner besten.

Der Roman ist seiner Zeit weit voraus, 1998 hat Dan Brown hier bereits die gesamte Affäre um die NSA und Whistleblower Edward Snowden vorweggenommen. Thriller und Spannung beherrscht Brown ohnehin wie kein Zweiter, darüberhinaus verfügt "Diabolus" über einen gut durchdachten und hintersinnigen, dramaturgischen Aufbau.

Der Roman besteht aus zwei Haupthandlungssträngen, einem statischen und einem dynamischen. Der statische Handlungsstrang spielt im NSA-Hauptquartier in der Kryptographieabteilung und lässt dort verschiedene Charakterfraktionen miteinander und gegeneinander arbeiten, der dynamische Handlungsstrang befasst sich mit der Agenten-Jagd nach einem Ring quer durch die Stadt Sevillas und deren Kulturstätten. "Diabolus" deckt somit alle Aspekte der Geheimdienstarbeit ab, die (über Leichen gehende) innen- und außendienstliche Beschaffung, Vertuschung, Entschlüsselung und Verarbeitung von Informationen.

Beide Handlungsstränge entspringen einem gemeinsamen Startpunkt, spalten sich auf und vereinen sich im Finale wieder, die Handlungsstränge schließen sich zu einem Kreis zusammen. Prolog und Epilog über den Whistleblower Ensei Tankado bilden ebenfalls einen Kreis. Oder besser gesagt: Alles nimmt die Form eines Ringes an, einem der zentralen Handlungselemente des Romans.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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