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Der Hörbuch / Hörspiel Thread

MrBond | 10.11.2016
Nach einer kleinen Suche, stelle ich fest, dass es noch keinen Thread mit diesem Thema gibt. Wieso ist das interessant? Für mich sieht der Alltag so aus: Da ich tagsüber arbeite und am Wochenende entweder Familie, oder Sport meine vollste Aufmerksamkeit genießt, bleibt für`s Lesen nicht all zu viel Zeit. Ich komme gerade einmal dazu, die Tageszeitung, oder diverse wissenschaft... weiterlesen

Nach einer kleinen Suche, stelle ich fest, dass es noch keinen Thread mit diesem Thema gibt. Wieso ist das interessant? Für mich sieht der Alltag so aus: Da ich tagsüber arbeite und am Wochenende entweder Familie, oder Sport meine vollste Aufmerksamkeit genießt, bleibt für`s Lesen nicht all zu viel Zeit. Ich komme gerade einmal dazu, die Tageszeitung, oder diverse wissenschaftliche Literatur zu studieren, aber darüber hinaus fehlt einfach die Zeit.

So habe ich Hörbücher für mich entdeckt. Im Auto von und zur Arbeit gibt es eine Menge Autobahn-Stunden (pro Wochen) zu überbrücken und unsere Radiosender sind jetzt auch nicht so der Brüller. Hörbücher gibt es zu fast jedem aktuellen "Bestseller" - so auch zu so manchem Buch, welches verfilmt wird, oder wurde.

Teilweise sind die (Vor-)Lesungen langweilig, manchmal aber auch sehr gut. Der Marsianer, gelesen von Richard Barenberg, war eins der Hörbücher, die richtig Spaß machten. Barenberg konnte den trockenen Humor wunderbar rüber bringen.

Seid ihr auch schon auf den Geschmack gekommen? Was hört ihr so? Was war super umgesetzt, was war eher mit der Begeisterung von Hausstaub aufgenommen?

Ich hoffe auf viel Beteiligung und Kommentare in diesem Thread... smile

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86 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
24.06.2019 11:34 Uhr | Editiert am 24.06.2019 - 13:01 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.485 | Reviews: 166 | Hüte: 376

The Stand
gelesen von David Nathan

Meine ersten Eindrücke:

Das Vorwort an sich hat schon Klasse. Zum Einen deutet Stephen King selbstlos darauf hin, dass es sich bei der erweiterten Fassung um keinen neuen Roman, sondern lediglich um seine ursprüngliche Fassung handelt, die bei der ersten Veröffentlichung auf Drängen der Herausgeber gekürzt wurde. Zum Anderen beweist er erneut seinen großartigen Humor, was durch David Nathans Vorlesung noch besser zur Geltung kommt. Seine Version von "Hänsel und Gretel" ist göttlich laughing

Zur eigentlichen Geschichte:
Wegen David Nathan und des charakterlichen Allgemeingeplänkels, welches King beschreibt, fühlte ich mich direkt angenehm an "Es" erinnert, ansonsten gefällt mir der Einsatz von Musik zur atmosphärischen Untermalung. In Kapitel 2 folgt bereits der erste kleine Schock, da man nach einem Zeitsprung und einem veränderten Point-of-View urplötzlich erfährt, was mit Charlie Campion und seiner Familie geschah, nachdem sie vom Militärstützpunkt flohen. In Kapitel 3 fungiert die Erkrankung durch den Virus wie Es in "Es" als Mittel zur (gedanklichen) Offenlegung von Rassismen und Sexismen. Der Charakter Norm muss auf seine Kinder aufpassen, während seine Frau arbeiten ist, leidet währenddessen unter den ersten Symptomen der Erkrankung und beschwert sich deswegen über die Gleichstellung der/seiner Frau und die damit einhergehende Veränderung der Familien-/Haushaltstruktur sowie über die "Nigger" in der Nachbarschaft und ihre Jazzmusik.

In Kapitel 3 sticht zudem das metaphorische Sprachbild heraus, mit dem King Fran Goldsmiths Entjungerung und Schwängerung durch ihren Freund Jesse Rider beschreibt. Während man als Leser durch Frans Monologe und ihre Dialoge mit Jesse Informationen über jene Entjungerung und Schwängerung erhält, lässt King sie nach einem Biss auf die Zunge ständig ausspucken. Handelt es sich dabei zunächst um mit Blut verschmischte Spucke (Scheidensekret vermischt mit Blut), wandelt es sich schließlich gegen Ende ihres gemeinsamen Aktes in diesem Abschnitt des Kapitels zu weißer Spucke (reines Scheidensekret und/oder Sperma).

Kapitel 5: Eine Ratte - der ursprünglich angenommender Pestüberträger - frisst eine Katze, der Jäger bzw. das höhere Glied in der Nahrungskette wird selbst zum Opfer.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
26.06.2019 11:04 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.485 | Reviews: 166 | Hüte: 376

Die Art und Weise, wie Stephen King in "The Stand" den Ausbruch und die Folgen des Virus beschreibt und wie das im Hörbuch musikalisch untermalt wird, erinnert mich sehr an das Hörspiel von Frank Schätzings "Der Schwarm". Schätzings Beschreibungen der Umwelt- und Biokatastrophen sowie deren Folgen, auch das wird musikalisch untermalt. Beides sehr erschreckend.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
27.06.2019 17:06 Uhr
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Highlight in Kapitel 12:

Wie King den Tod von Fred Goldsmith und das dadurch in ihrer Trauer entstandene festgefahrene, konservative Welt- und Familienbild seiner Mutter Carla sprachlich gleichsetzt. Der Salon als Symbol dieses Welt- und Familienbildes. "Vertrocknete Zeit währt ewig und Blut ist im Salon nicht gestattet." Und dennoch tickt die Uhr der Familienstanduhr weiter.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
05.07.2019 22:53 Uhr
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The Stand (Stand: Kapitel 25)

Immer, wenn jemand hustet oder niest, überkommt mich ein Gefühl der Traurigkeit.
Ich habe mittlerweile schon in der Realität leichte Panik, wenn andere oder ich husten bzw. niesen^^


Der Nick-Andros-Handlungsstrang und dabei insbesondere der Gefängnis-Handlungsstrang gefallen mir aktuell ziemlich gut.

Folgendes funktioniert wahrscheinlich nur wegen der deutschen Übersetzung und vielleicht auch nur im Hörbuch: David Nathan betont beim Vorlesen immer, wenn im Text "Nick nickte" steht. Nick ist ja ein Taubstummer, diese Wortwiederholung verdeutlicht dabei wunderbar den Umstand, dass Nick nicht sprechen kann.

Im Gefängnis-Handlungsstrang geht es darum, dass Nick als provisorischer Deputy drei Gefangene im Gefängnis bewachen muss, weil sich der Sheriff mittlerweile das Virus eingefangen hat. Auch die Gefängnisinsassen erkranken nach und nach, wollen aus der Stadt und vor dem Virus fliehen, einer möchte seine Frau wiedersehen, sie können aber nicht, weil Nick sie nicht freilassen möchte. Stephen King nutzt hier den Virus als Mittel, um die Konsequenzen der Freiheitsstrafe darzustellen, zudem nutzt er den Virus als Katalysator für die Entwicklung von Reuegefühlen und für eine sehr schnelle Resozialisierung der Kriminellen. Wobei Lezteres geradezu ironisch ausfällt, da es keine Gesellschaft mehr gibt, in welche sie wieder eingegliedert werden könnten.

Ansonsten zwingt der gesellschaftliche Ausnahmezustand Nick zu Extremhandlungen, um den Insassen Essen zu beschaffen, bricht er in ein mittlerweile geschlossenes Restaurant ein. Eine erneute Ironie, nun ist er der Kriminelle, während sich die eigentlichen Kriminellen wünschen, sie hätten ihre Taten niemals begangen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
06.07.2019 12:11 Uhr
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Zusatz zum Gefängnis-Handlungsstrang:

Stephen King nutzt den Handlungsstrang des Weiteren, um das von ihm oft genutzte Archetyp der Schulhof-Bullies aufzuweichen oder zu dekonstruieren.

Obwohl sie freigelassen werden wollen, hält Nick die drei Männer, die ihn brutal zusammenschlugen, weiterhin gefangen. Nicht weil er Angst vor ihnen hat, sondern weil er dem Sheriff ein Versprechen gegeben hat und dieser mittlerweile am Virus gestorben ist. Nick geht sogar davon aus, dass die Gefangenen ihm nichts tun würden.

Er handelt also nur aus einem Verpflichtungs- und Ehrgefühl heraus. Die Sympathien sind da ambivalent verteilt und eher auf Seiten der Gefangenen, während die Bowers-Gang in "Es" bis zum Ende hin antagonistisch bleibt.

@RolandDeschain: Danke für den Hut!

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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
09.07.2019 10:16 Uhr | Editiert am 09.07.2019 - 10:21 Uhr
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The Stand - Kapitel 26

Die Wandlung der USA von einer Demokratie über einen totalitären Militärstaat hin zur Anarchie. Das hat etwas fragwürdig Humoristisches und Surreales an sich. Wie die regionale Machtpositionen ständig neu ausgefüllt werden und sich alle gegenseitig umbringen...

Und wie zynisch der Codename "Karneval" für diese Militäroperation ist! Im eigentlichen Sinn bedeutet "Karneval" ja "Fleisch verteilen". Hier werden dann die zahlreichen Tode durch die Pandemie vertuscht, Leichen - also totes Fleisch - werden massenweise im.Meer versenkt.

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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
11.07.2019 21:12 Uhr | Editiert am 11.07.2019 - 21:24 Uhr
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The Stand (Stand: Kapitel 33)

Wie die Llyod-Henreid-Gefängnispassage durch die Kaninchen-Analogie eine tiefergehende Ebene erlangt, hat mich vorhin beim Joggen unerwartet emotional mitgenommen. Sicherlich ist die Analogie nicht sonderlich feingeistig oder subtil, aber sie vermittelt dennoch einen greifbaren und realer wirkenden Eindruck dessen, wie sich Lloyd in der Gefängniszelle und dem Hungertod entgegenblickend fühlen muss.

Wie Lloyds Kaninchen von ihm in seiner Kindheit vergessen wurde, so wird nun auch Lloyd selbst vom Gefängnispersonal - das schlichtergreifend wegstirbt - "vergessen". Damals war Lloyd die Macht und der Täter, nun ist er selbst das Opfer. Allerdings ein Täter in der Opferrolle, Lloyd sitzt zurecht wegen Raubmord im Gefängnis, auch wenn er von sich selbst behauptet, er sei unschuldig. Vor diesem kriminellen Hintergrund wird Lloyd nun mit dem Kaninchen gleichgesetzt, einem unschuldigen, reinen und niedlichen Wesen, das im Käfig gefangen ist und verhungert. Durch diesen im Normalfall unpassenden Vergleich verdeutlicht Stephen King auf harte Weise, dass sich die US-Gesellschaft und speziell das Gefängnisleben aufgrund der Pandemie nicht mehr im Normalzustand befinden. Hier geht es nicht mehr darum, dass ein Krimineller zurecht im Gefängnis sitzt, für Lloyd ist es ein Kampf ums Überleben - ein Kampf, für den er keine Schuld trägt. Entweder ihm gelingt die Befreiung aus der Gefängniszelle oder er stirbt den Hungertod.


Ansonsten ist mir während des Joggens aufgefallen, dass man den Schwarzen Mann (Randall Flagg, der Mann in Schwarz, siehe "Der Dunkle Turm") auch als Symbolbild interpretieren kann. Der Schwarze Mann, der Schwarze Tod, wie bei der Pest verfärbt sich die Haut durch die Viruserkrankung in "The Stand" ebenfalls schwarz. In welchem Ausmaß der Schwarze Mann mit der Pandemie in Verbindung steht, kann ich noch nicht abschätzen, aber allein die Vorstellung, dass er analog zu mittelalterlichen Gemälden o.Ä. als Seuchen-Schreckgestalt für Mensch und Tier quer durch die USA reist, ist schon eine gruselige.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
14.07.2019 16:41 Uhr | Editiert am 14.07.2019 - 18:34 Uhr
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The Stand - Kapitel 35

Larry und Rita im Lincoln-Tunnel. Dunkelheit, Leichen, Echos, Paranoia, die Fantasie geht mit einem durch und Panik kommt auf.
King erweckt hier existentielle (Ur-)Ängste zum Leben, wie es sonst kaum einem Zombie-/Infiziertenhorrorfilm gelingt.

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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
15.07.2019 16:09 Uhr | Editiert am 15.07.2019 - 17:03 Uhr
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The Stand - Kapitel 37

Glen Bateman und seinen Hund Cojack habe ich fast sofort ins Herz geschlossen. Glen scheint ein lustiger Geselle mit zynischem Humor zu sein, Cojack ein lieber und verspielter Hund. Glen ist zudem Naturwissenschaftler und erötert gerade, wie sich die Ökologie des Planeten (Menschen, Hunde und Pferde sind vom Virus befallen; Katzen, Ratten, Kühe und Wild dagegen nicht) und das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen in der Zukunft verändern könnte bzw. verändern wird - das finde ich als wissenschaftlich begeisterter Mensch gerade ziemlich spannend.

Ansonsten scheint Stephen King "The Stand" auch als eine Antwort auf die Weltuntergangsängste gegen Ende des 20. Jahrhunderts angelegt zu haben. Nicht nur das Jahrhundert endet, es endet auch das Jahrtausend, als 1992 geborener Mann habe ich davon natürlich nichts mitbekommen, aber die Ängste waren anscheinend so groß wie vor dem 21.12.2012 oder sogar noch größer.

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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
16.07.2019 20:30 Uhr | Editiert am 16.07.2019 - 20:35 Uhr
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The Stand (Stand: Kapitel 41)

Der Mann in Schwarz über den ausgehungerten bzw. verhungernden Lloyd Henreid im Gefängnis:
"Du siehst aus wie eine Werbung für einen Sommerurlaub in Dachau."

LOL. Ich liebe den schwarzen Humor des Mannes in Schwarz! Badumm tss^^

Und kann es sein, dass der Mann in Schwarz wie Jesus als Wunder vollbringender Messias bzw. Zauberer nun Jünger um sich scharen möchte? Wow! Falls ja, fände ich das als Handlungsantrieb und Themenkomplex ziemlich faszinierend.


Stephen King hat es erneut geschafft, mich zu schockieren. In Kapitel 38 erläutert er, wie auf die erste Virus-induzierte Epidemie eine zweite soziologische, zivilisatorische und primär wohlstandsgesellschaftliche Epidemie folgt. Diese zweite Epidemie betrifft Menschen, die als Folge der veränderten Lebensumstände, des gesellschaftlichen Zusammenbruchs und der Trauer-/Traumabewältigung zu Tode kommen. Dahingehend beschreibt King diverse tragisch-tödliche Einzelschicksale von Menschen, die dem Leser oder Hörer vorher unbekannt waren und die aufgrund ihres Todes auch direkt wieder aus der Handlung entlassen werden.

Durch diesen schriftstellerischen Kniff suggeriert King, dass die schon bekannten und protagonistischen Charaktere vor einem solchen Schicksal gefeit sind. Fehlanzeige. In Kapitel 41 stirbt überraschend Rita Blakemoor, die als wohlhabende und verwöhnte Frau unter den veränderten, unzivilisatorischen Lebensbedingungen leidet, an einer Überdosis ihrer Pillen. Und das kurz nachdem Larry Underwood am Unabhängigkeitstag nackt, im Freien und sexlustig die Nationalhymne intonierte und man als Leser bzw. Hörer zusammen mit ihm einem neuen, lebensfreudigen und weiterhin stolzen Amerika entegegenblickte. Der Schock nach dem in Sicherheit wiegenden Kapitel 38 wird durch dieses kurz zuvor aufgebaute emotionale Hoch nochmals verstärkt. Vielen Dank, Stephen King...^^

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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
17.07.2019 22:00 Uhr | Editiert am 17.07.2019 - 22:12 Uhr
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The Stand - Kapitel 43

Mittlerweile habe ich das 1. Buch "Captain Trips" abgeschlossen.

In Kapitel 43 findet sich eine Parallele zu "Der Dunkle Turm IV: Glas" und damit zusammenhängend zu "Der Zauberer von Oz", wobei manche Handlungelemente und Begrifflichkeiten aus letzterem Werk umgekehrt werden oder eine andere Bedeutung erhalten. In einer Passage in "Glas" betreten die Revolvermänner einen grünen Glaspalast und treffen dort auf den Mann in Schwarz, der sich selbst als Zauberer von Oz bezeichnet, im Kapitel 43 von "The Stand" geschieht Folgendes:

Nick Andros trifft in May, einer Stadt im Norden Oklahomas an der Grenze zum Bundesstaat Kansas, auf den geistig zurückgebliebenen Mann Tom Cullen, der der einzige Überlebende in May zu sein scheint und behauptet, alle anderen Menschen seien nach Kansas City aufgebrochen. Auch wenn er diese Aussage wörtlich meint, ist es im Kontext der Pandemie viel wahrscheinlicher, dass die meisten dieser Menschen gestorben sind. "Nach Kansas City gehen" bzw. "in Kansas City sein" steht hier sprichwörtlich also für "sterben" oder "Tod".

Nick und Tom möchten May verlassen, entschließen sich jedoch dazu, (mit dem Fahrrad) nicht nach Kansas City sondern irgendwo anders hin zu fahren. Prompt werden sie von einem Tornado überrascht, diesem tödlichen Naturereignis können sie nur entrinnen, indem sie sich in einer Scheune verstecken. Ausschlaggebend ist hier allerdings, dass es sich bei dem Tornado um den Mann in Schwarz selbst handelt, der über die beiden Protagonisten hereinbricht und Nick bis ins Mark verstört, indem er einen in der Scheune zuvor verborgenen Haufen angefressener Leichen durch die Luft wirbelt.

Wenn Kansas (City) dem Tod entspricht, dann regiert der Mann in Schwarz als Zauberer über Oz, das Reich der Lebenden, und nutzt zugleich seine Macht, um Leid, Schrecken, Grauen und Tod über die Menschheit (hier: Nick und Tom) zu bringen. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass der Mann in Schwarz auf eine noch nicht klar definierte Art und Weise mit der Viruspandemie zusammenhängt, und passt wunderbar zu einer Aussage in einem der vorherigen Kapitel: Der einzelne Mensch möge zwar von Gott abstamen bzw. erschaffen worden sein, aber das menschliche Zusammenleben in Gesellschaften sei ein Werk von Gottes Gegenspieler. Denn menschliche Gesellschaften seien zwangsläufig geprägt von Vorurteilen, Diskriminierungen, dem Ernennen von Sündenböcken, Gewalt und Krieg.

Zu 100% zufrieden bin ich mit dieser Interpretation nicht, aber ich lasse das jetzt mal so stehen^^

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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