Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das ist natürlich ein passendes Wortspiel für einen Spider-Man-Band über Peters College-Zeit. Im Original heißt die fünfteilige Geschichte allerdings Amazing Spider-Man: Torn. Und der Titel passt besser: Peter ist in dieser Phase zwischen Studium, Harry Osborn, Mary Jane Watson, Gwen Stacy und seinem Leben als Spider-Man ständig hin- und hergerissen – „torn“. Geschrieben wurde die Geschichte von J. Michael Straczynski (Schöpfer von Babylon 5), gezeichnet von Pere Pérez. Straczynski kehrt damit zu einer ganz anderen Phase von Spider-Mans Geschichte zurück: zu Peters Zeit als Student an der Empire State University.
Inhalt
Peter Parker studiert an der Empire State University und versucht, Studium, Freundschaften und sein Doppelleben als Spider-Man unter einen Hut zu bekommen. Harry Osborn gehört zu seinem Freundeskreis, ebenso Mary Jane Watson und Gwen Stacy. Nebenbei legt sich Peter natürlich mit den üblichen Schurken an, unter anderem mit Sandman.
Dann wird es allerdings ungewöhnlich. Eine mysteriöse Frau stiehlt ein altes Buch aus der Universitätsbibliothek. Damit setzt sie Kräfte frei, die deutlich größer sind, als sie zunächst ahnt. Ein geflügeltes Monster und eine fremde Macht bringen Peter schließlich in eine Situation, in der es nicht mehr nur um einen gewöhnlichen Kampf gegen einen Superschurken geht.

Review
Was uns an Lehrjahre besonders gefällt, ist die angenehme Bodenständigkeit. Obwohl Straczynski durchaus ein großes übernatürliches Abenteuer daraus macht, steht zunächst einmal Peter Parker im Mittelpunkt. Er studiert, trifft sich mit Harry, hat Probleme mit Mary Jane und Gwen und muss gleichzeitig als Spider-Man aufpassen, dass in New York niemand zu viel Unsinn anstellt.
Pere Pérez liefert dazu passende Zeichnungen. Seine Figuren wirken besonders in den Dialogen und ruhigeren Szenen sehr lebendig, gleichzeitig funktioniert die Action. Insgesamt entsteht ein stimmiges Bild, das gut zu dieser Mischung aus Studentenalltag und Superheldenabenteuer passt. Einziges Manko sind für uns gelegentlich die gezeichneten Gesichter von Peter Parker. Sie wirken teilweise etwas merkwürdig, während die Gesichter der Frauen deutlich stimmiger gezeichnet sind.
Damit steckt in diesem Band erstaunlich viel von der Essenz klassischer Spider-Man-Comics. Schule beziehungsweise Studium, Freundschaften, Liebesleben, Alltag, Wissenschaft, Humor, Superheldenaction und natürlich die Verantwortung, die mit Peters Kräften einhergeht.
Autor Straczynski hat ein gutes Gespür für Peter Parker. Gerade die kleinen Einfälle machen den Comic für uns sympathisch. So kommt Peter mit einem Sprachwissenschaftler ins Gespräch, der bemerkt, dass er seine Stimme verstellt. Dabei wird thematisiert, dass selbst eine verstellte Stimme für Sprachprofis charakteristische Merkmale besitzt und damit gewissermaßen einen akustischen Fingerabdruck darstellen kann. Das ist nur ein kleiner Moment, doch genau solche Details geben der Geschichte etwas Bodenständiges und geben dem Band ein Alleinstellungsmerkmal.
Das mystische Element funktioniert dabei ebenfalls. Die Geschichte wird immer größer, je weiter sie voranschreitet, ohne dass Peter dabei als Figur verloren geht. Der Band erzählt ein durchaus zeitgemäßes Abenteuer, fühlt sich aber trotzdem nach einem klassischen Spider-Man-Comic auf hohem Niveau an. Etwas, das Spider-Man Fans in den letzten Jahren in der Heftserie häufig vermisst haben.
Nicht nur Peter, so ziemlich alle Figuren in diesem Band sind auf die eine oder andere Weise hin- und hergerissen. Nur bei unserem Fazit sind wir es nicht.
Fazit
Spider-Man: Lehrjahre konzentriert sich auf viele der Dinge, die Spider-Man seit Jahrzehnten ausmachen, und genau das macht ihn so angenehm zu lesen.
Für uns ist Spider-Man: Lehrjahre deshalb vor allem ein angenehm klassischer Spider-Man-Comic. Bodenständig, unterhaltsam und mit genügend fantastischen Elementen, damit es trotzdem nie langweilig wird. Neue, junge und alte Spider-Man Fans können hier bedenkenlos zugreifen.
