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Peppermint - Angel of Vengeance

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Mit Pfefferminz bin ich dein Tod

Peppermint - Angel of Vengeance Kritik

Peppermint - Angel of Vengeance Kritik
9 Kommentare - 31.01.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Peppermint - Angel of Vengeance" ist.
Peppermint - Angel of Vengeance

Bewertung: 3.5 / 5

Tja, während ich also weiterhin auf die Aufnahme des besten jemals gedrehten und zu drehenden Filmes aller Zeiten in der MJ Datenbank warte, kritisier ich jetzt auch mal filme, die ich normalerweise einfach mal links liegen lassen würde. Heute haben wir das Thema Selbstjustizreisser.

Selbstjustizreisser sind ein zweischneidiges Schwert (um es mal gelinde auszudrücken): Einerseits bedienen Sie die Urinstinkte eines jeden Menschen, andererseits haben sie eine extrem archaische und damit auch irgendwie ideologisch fragwürdige Komponente, die, wenn übertrieben oder falsch aufgesetzt, einen extrem üblen Beigeschmack - wenn man sich die Mühe des ein bißchen Mitdenken mal macht - haben kann.

Trailer zu Peppermint - Angel of Vengeance

Das Problem wird meistens irgendwie gebannt, indem die Rache möglichst grafisch und spektakulär ausfällt und der/die Bösewichte möglichts einfach und grausam gestrickt präsentiert werden. Außerdem setzt man noch einen charismatischen "Helden" als "identifikationsfigur" möglichst ikonisch in Szene und fertig ist der Selbstjustizreisser.

In meinen Augen sind die besten plumpen Selbstjustizreisser diejenigen, die sich erst gar nicht um irgendwelche rechtfertigenden Ecken kümmern, sondern möglichst geradlinig daherkommen. Oder eben diejenigen, die das Sujet irgendwie schon kritisch hinterfragen, sozusagen eine kleine Demontage betreiben. Ich spreche hier bewust von Selbstjustizreisser und nicht Rache-Actioner, weil ich gerade die Unterkategorie bespreche, in der einem Familienmenschen ein Unglück widerfährt, das System dieser person nicht wirklich hilft, so dass diese Person dann die Justiz in die eigene Hand nimmt. Außerdem ist für mich der Begriff Rache-Film mittlerweile untrennbar mit der sdkoreanischen Filmindustrie verwoben, wo das thema rache ausreichend, spektakulär und sehr intelligent zu Ende besprochen wurde mit diversen Titeln, die auch jenseits der berühmten Rache-Trilogie liegen.

Was hat das alles mit Peppermint zu tun? Verdammt viel, wie ihr gleich lesen werdet!

In peppermint geht es um eine Frau, deren Mann und Tochter von einer Gang umgebracht wurden, sie kann die Mörder zwar identifizieren, doch da diese Gang auch das System irgendwie in der Tasche hat, kommen alle frei. Die Frau taucht unter, bringt sich selbst alles Mögliche, was dafür nötig ist, sich zu rächen, bei und kommt am 5. jahrestag der Tode zurück, um alle möglichen Leute zur Rechenschaft zu ziehen.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass der dramaturgische Unterbau exzellent aufgebaut wird. Die Fallhöhe wird ziemlich schnell und glaubwürdig etabliert. Es gibt sogar die eine Ambivalenz, die zeigt, dass diese Familie an einem Scheideweg war und gerade dabei ist, sich zu berappeln. Dies macht die folgende Entwicklung natürlich umso bitterer.

Als es dann zur Racheausübung kommt, etabliert die Handlung die Figur der Rächerin einerseits als eiskalt und berechnend, andererseits aber immer noch mit dem Herz am rechten Fleck (Parallelen zu Spawn und dem Punisher sind da natürlich Klischee oh Klischee nicht von der Hand zu weisen). Auch der Humor kommt nicht zu kurz, indem eigentlich nicht mehr relevante Nebenhandlungsbögen zufriedenstellen abgeschlossen werden (Sinngemäß: "Ich werde dein Haus abrennen mit dir da drinnen"). Was aber besonders hervorzuheben ist, ist dass wir eben nicht den einen Polizisten haben, der immer mehr Sympathien für die Figur entwickelt, ideologisch komplett mit ihr übereinstimmt usw.

Sondern der Film bleibt immer angenehm geradlinig, verfolgt sein Ziel mit angemessener Ambivalenz und bleibt bis zum Ende spannend und gut.

Klar, er ist eine Fingerübung insofern, dass er wirklich alle Stationen eines Selbsjustiz-Reissers akribisch wie nach Checkliste abarbeitet (inkl. das Monster hat ja selbst ein Kind, und jetzt?!?), selbst die Auflösung am Ende geht wieder in diese Richtung, aber eben nicht aus ideologischen Gründen, sondern rein persönliche und praktische.

Damit ist Peppermint solchen rohen und fragwürdigen Selbsjustiz-Vehikeln wie Punisher, Equalizer, Death Sentence, Death Wish (dazu gleich mehr) und erst recht dem thematisch extrem ähnlichen, und trotzdem meilenweit entfernten Gesetz der Rache um Lichtjahre voraus.

Was ihn beispielsweise von Death Wish abhebt - und ich spreche hier dem Original mit Charles Bronson (übrigens auch einer der Vorlagen für Joker) - ist eben der Umstand, dass er die moralische Fragestellung komplett ausblendet und nicht irgendeinen philopohischen Diskurs darüber anleiert. Death Wish macht eben genau das, aber der Film ist hintersinnig und schlau genug, dass er diese Frage bewusst offen belässt und ambivelent bleibt. Das hebt Death Wish nach wie vor über die Norm, und damit bleibt Death wish auch über 40 jahre nach erscheinen das Mass aller Dinge in diesem Subgenre.

Beispielsweise der Film Die Fremde in Dir/Mir (der mit Foster und Howard) ist ja im Prinzip ein 1:1 Remake, der genau an dieser moralischen aufarbeitung kläglich scheitert und zu einem revanchistischen Machwerk werden lässt.

Letztlich noch zur Einwertung dieses Genres: Natürlich muss ein Selbstjustizreisser revanchistisch sein. Es geht ja darum "Auge-um-Auge" für den Verlust der Familie zu bekommen. Und da kann man noch so pazifistisch veranlagt sein (siehe Death Wish), diesen Umstand kann jeder nachvollziehen, und wenn der Film das gut genug aufbaut, bin ich der letzte der nicht sehen will, wie der Schurke an seinen eigenen Gedärmen baumelt. Aber es muss auch immer im richtigen Kontext geschehen und darf gewisse gesellschaftliche Konventionen trotzdem nicht überschreiten. Das ist schwer zu erklären, ich will mal sublim77 zitieren wenn ich darf zur Veranschaulichung: Wenn in Atmic Blonde ein haufen Polizisten lediglich seinen Job macht und Charlize Theron in eine Falle gelockt wird, und anstatt einfach nur abzuhauen, was in ihren Fähigkeiten liegt, diese unschuldigen Polzisten abzuschlachten anfängt und das auch noch so inszeniert wird, dass das Publikum diesem Umstand auch noch zujohlt, dann macht der Film definitiv was falsch. Wenn Gerard Butler einen Zellennachbarn tötet, um in die Zelle zu kommen, die er vorbereitet hat, dann ist das nicht nur irgendwie fragwürdig, dann ist das komplett falsch. Usw.

Peppermint macht keinen dieser Fehler. Peppermint ist ein extrem angenehmer und sensationell routiniert inszenierter Selbstjustiz-Actioner mit einer glaubwürdig toughen Hauptdarstellerin, die keinen auf John Wick oder so macht, sondern einfach old School tough Lady ist.

Hut ab!

Für mich persönlich ein überraschend gelungener Beitrag in diesem zur schlechten Qualität neigenden Subgenre und locker in den Top 5 überhaupt angesiedelt.

7 Punkte

Peppermint - Angel of Vengeance Bewertung
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710
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9 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
01.02.2020 11:48 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.425 | Reviews: 134 | Hüte: 375

PaulLeger:

Jup, da hast du vollkommen recht, ich halte von diesem Subgenre nicht sonderlich viel, und den Großteil dieser Produktionen könnte ich in die Tonne kloppen. Wenn also tatsächlich mal ein wirklich brauchbares Teil mir über den Weg läuft in dem wirklich sehr engen Korridor, den das Genre zulässt, dann bin ich da tatsächlich ein bisschen euphorisiert. Selbst wenn der Film jetzt ganz sicher nicht im Filmolymp mitspielt ;)

Dünyayi Kurtaran Adam
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
01.02.2020 01:07 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 255 | Reviews: 4 | Hüte: 37

MobyDick

Aber ansonsten scheint der dich ja auch ganz gut unterhalten zu haben, ich meine 6 und 7 liegen ja jetzt nicht Die Welt auseinander... ?

Ja hat er, Ich bezog mich auch weniger auf deine Wertung, sondern auf den Text, der kommt stellenweise ziemlich euphorisch rüber.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
31.01.2020 20:54 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.425 | Reviews: 134 | Hüte: 375

PaulLeger

Genau dass da unter anderem diese Punkte nicht unnötig aufgebläht wurden, sondern der Film sie lediglich lapidar am Rande mit erwähnt, fand ich erfrischend geradlinig.

Und glaubwürdig ist wie du ja sagtest immer in den Kontext der Verfilmung zu setzen. Es ist glaubwürdiger, dass eine Frau in 5 Jahren zu einer Killermaschine werden kann als dass eine gelähmte Frau innerhalb eines Nachmittags durch pure Willenskraft wieder laufen kann ;)

Aber ansonsten scheint der dich ja auch ganz gut unterhalten zu haben, ich meine 6 und 7 liegen ja jetzt nicht Die Welt auseinander... ?

Dünyayi Kurtaran Adam
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
31.01.2020 20:07 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 255 | Reviews: 4 | Hüte: 37

MobyDick

mit einer glaubwürdig toughen Hauptdarstellerin

Also allzu glaubwürdig fand ich die Wandlung von der Familienfrau zur unaufhaltsamen Killermaschine durch ein paar Cagefights in Asien jetzt nicht. Hat mich in Kontext des Genres nicht groß gestört, aber den Ausdruck "glaubwürdig" finde ich da doch etwas unpassend.

Lande eher bei 6/10. Für ne höhere Wertung hätte er einige interessante Ansätze (der Social-Media-Hype um sie, das Setting im Obdachlosenviertel) ausbauen müssen statt sie nur zu streifen.

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Silencio : : Moviejones-Fan
31.01.2020 14:59 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.798 | Reviews: 48 | Hüte: 195

Moby:

"Zum Film selbst: Ich würde dem an deiner stelle trotzdem mal eine Chance geben, der ist angenehm geradlinig. Außerdem würde ich dazu auch gerne mal deine Meinung hören ,-)"

Gerade gesehen, dass der im Moment bei Prime streamt, ich guck da morgen oder Sonntag mal rein. ;)

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
31.01.2020 14:56 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.425 | Reviews: 134 | Hüte: 375

Raven13

Danke für den Hut, und wie gesagt, ich war wirklich sehr positiv überrascht, guter Film :-)

Silencio

Wieder einmal hast du vollkommen recht, ich hätte gebannt tatsächlich in Anführungsstrichen setzen sollen, aber du verstehst was ich meine. Zum Film selbst: Ich würde dem an deiner stelle trotzdem mal eine Chance geben, der ist angenehm geradlinig. Außerdem würde ich dazu auch gerne mal deine Meinung hören ,-)

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
31.01.2020 14:45 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 2.245 | Reviews: 51 | Hüte: 237

@ MobyDick

Schöne Kritik zu einem guten Film, den ich selbst damals im Kino gesehen habe. Ich hätte nie gedacht, dass der Streifen bei dir so gut wegkommen würde. Hut ab! wink

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Silencio : : Moviejones-Fan
31.01.2020 14:35 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.798 | Reviews: 48 | Hüte: 195

Moby:

"Das Problem wird meistens irgendwie gebannt, indem die Rache möglichst grafisch und spektakulär ausfällt und der/die Bösewichte möglichts einfach und grausam gestrickt präsentiert werden."

Damit wird das Problem doch eigentlich nur verschlimmert: so wird aus den Filmen simpelste Triebbefriedigung, bei der der undifferenzierte Zuschauer seine niedersten Instinkte ja ausleben darf und vor allem bestätigt kriegt. Von einer "Bannung" würde ich da nicht sprechen.

Ansonsten klingt das nach der üblichen Post-"Taken" Schiene und für mich daher eher uninteressant.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
31.01.2020 14:25 Uhr
1
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.425 | Reviews: 134 | Hüte: 375

Nochmal kurz zur Unterscheidung zu Death Wish, ich glaube das kommt nicht so verständlich bzw missverständlich rüber:

Death Wish ist für mich insgesamt der bessere Film, da auch ambivalenter.

Peppermint ist für mich aber ideologisch gesehen weniger fragwürdig, und damit thematisch gesehen in diesem Kontext besser.

ich hoffe das ist verständlich?

Dünyayi Kurtaran Adam
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