
Totgesagte leben länger: Nach Jahren voller Krisenmeldungen hat das Kino in den USA einen Rekordsommer hingelegt. Spider-Man - Brand New Day, Die Odyssee und Toy Story 5 sorgten gemeinsam mit überraschenden Indie-Erfolgen dafür, dass die nordamerikanischen Kinokassen zwischen Anfang Mai und dem Labor Day am gestrigen 07. September auf geschätzte 4,76 Milliarden US-Dollar kamen.
Damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2013 von rund 4,75 Milliarden Dollar knapp übertroffen, während das Ergebnis gegenüber dem Sommer 2025 sogar um mehr als eine Milliarde Dollar zulegte. Doch hinter den beeindruckenden Zahlen verbirgt sich eine Schwäche, die Hollywood vielleicht noch beschäftigen dürfte.
Spider-Man, The Odyssey & Co. sorgen für Milliarden
Angetrieben wurde der Erfolg von einer ungewöhnlich breiten Mischung. Neben großen Franchises sorgten auch kleinere Produktionen für Überraschungen. Der Horrorfilm Obsession spielte demnach allein in Nordamerika rund 263 Mio. Dollar ein und überschritt weltweit die Marke von 500 Mio. Dollar. A24s Backrooms kam auf knapp 198 Mio. Dollar in den USA und Kanada.
Die zweite Hälfte des Sommers gehörte jedoch wieder den ganz großen Namen. Toy Story 5 brachte es auf rund 478 Mio. Dollar in Nordamerika und 1,13 Mrd. Dollar weltweit. Noch stärker schlugen Spider-Man - Brand New Day und Christopher Nolans Die Odyssee ein. Gemeinsam nahmen die drei Filme allein in Nordamerika mehr als zwei Milliarden Dollar ein.
Vor allem Nolans neues Werk entwickelt sich dabei zu einem außergewöhnlichen Erfolg. Die Odyssee hat bereits den weltweiten Rekord für einen R-Rated-Film erreicht und könnte am Ende auf mehr als 1,8 Mrd. Dollar weltweit kommen. Auch die anhaltende Nachfrage nach IMAX-70mm-Vorstellungen sorgt dafür, dass der Film noch bis Ende September in ausgewählten Kinos läuft.
Der Rekordsommer hat einen entscheidenden Haken
Doch der Rekordsommer erzählt nur die halbe Geschichte. Denn während die Einnahmen steigen, liegt die tatsächliche Zahl der Kinobesucher weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie. Schätzungsweise 547 Millionen Tickets wurden diesen Sommer in den USA verkauft. 2019 waren es noch rund 745 Millionen. Gleichzeitig sind die Eintrittspreise kräftig gestiegen: Ein Standardticket kostet inzwischen durchschnittlich etwa 12,87 Dollar, Premiumvorstellungen im Schnitt sogar 18,46 Dollar.
Hinzu kommt die starke Abhängigkeit von einzelnen Mega-Erfolgen. Allein Spider-Man - Brand New Day und Die Odyssee waren für 73 Prozent der gesamten August-Umsätze von 1,26 Milliarden Dollar verantwortlich. Kein anderer Film erreichte in diesem Monat überhaupt 50 Millionen Dollar.
Kann Hollywood den Kino-Boom jetzt fortsetzen?
Die große Frage lautet deshalb, ob Hollywood diesen Aufschwung auch dann halten kann, wenn nicht gerade Christopher Nolan oder Spidey einen neuen Film im Kino haben.
Für den Herbst stehen immerhin mehrere potenzielle Publikumsmagneten bereit. Dazu zählen unter anderem Zauberhafte Schwestern 2, das neue Resident Evil, Verity, Street Fighter, Godzilla - Minus Zero, Primetime sowie Die Tribute von Panem - Der Tag bricht an. Im Dezember dürften dann mit Avengers - Doomsday und Dune - Part Three die nächsten großen Blockbuster folgen.
Der Sommer 2026 liefert damit jedenfalls ein starkes Lebenszeichen für die Kinos. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, dürfte allerdings weniger davon abhängen, wie viele Umsatzrekorde einzelne Blockbuster brechen - sondern davon, ob es Hollywood gelingt, wieder deutlich mehr Menschen regelmäßig vor die große Leinwand zu locken.
Vielleicht besonders interessant mit Blick auf die Zukunft des Kinos: Ausgerechnet die Generation, der oft nachgesagt wird, Filme lieber zu streamen als ins Kino zu gehen, trägt kräftig zum Aufschwung bei. Die 14- bis 29-Jährigen gehörten im Sommer 2026 zu den besonders aktiven Kinogängern - ein durchaus ermutigendes Signal für die Branche.
Was meint ihr: Erlebt das Kino gerade tatsächlich ein großes Comeback oder täuschen Rekordpreise und einige wenige Mega-Hits über die eigentlichen Probleme hinweg?
