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Amsterdam

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Schräges Nonsens-Artkino

Amsterdam Kritik

Amsterdam Kritik
0 Kommentare - 28.10.2022 von Moviejones
Wir haben uns "Amsterdam" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Amsterdam

Bewertung: 3.5 / 5

Eines ist sicher: Amsterdam wird eure Erwartungen so gar nicht erfüllen! Das neue Werk von David O. Russell mit ordentlich Starpower lebt vor allem von deren Leistungen, macht das trotz Nonsens auch richtig Sinn? Denn wer einen nervenaufreibend spannenden und zugleich epischen Gangsterkrimi samt Verschwörungs-Politthriller erwartet, wird sicherlich enttäuscht. Warum uns das originelle Nonsens-Konzept trotzdem gefallen hat, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Zwei eng befreundete Kriegsveteranen (Christian Bale, John David Washington) werden in einen Aufsehen erregenden Mordfall verwickelt, und bieten im Verlauf mysteriösen Kriminellen die zufällig gut passende Sündenbock-Vorlage. Dabei wollten sie doch eigentlich nur helfen. Wie werden sie die Zielscheibe auf ihrem Rücken nun wieder los? Bei dem Versuch, ihren Namen wieder rein zu waschen, landen sie unverhofft in einem Komplott, der weit über das hinausgeht, was sie sich zu Beginn hätten ausmalen können, während sie zugleich ihre Vergangenheit wieder einholt...

Trailer zu Amsterdam

Amsterdam Kritik

Dass die Geschichte von Amsterdam auf wahren Begebenheiten beruht, wird gleich vorab im Film erwähnt. Sie dreht sich um einen realhistorischen US-Politskandal, den wir natürlich nicht weiter ausführen, um euch nicht zu viel zu verraten. Zu Beginn fühlt man sich auch in einem typisch historisch angehauchten US-Krimithriller, der 30er Jahre-Look ist cool, wenn auch nicht besonders spektakulär, sondern eher vertraut für das Genre. Zugleich wird aber auch flott klar, dass man es mit ungewöhnlichen Charakteren zu tun bekommt, und man sich ordentlich Zeit nimmt, euch diese vorzustellen.

Im ersten Part von Amsterdam gelingt ein schräger Mix aus Krimifall und Charaktereinführung, die sich erst einmal auf Christian Bales Figur konzentriert, er sticht schon durch seinen Look hervor und man lernt seine Arbeit mit Veteranen kennen, die mit nicht weniger ungewöhnlichen Methoden vonstatten geht. Gewürzt mit einer Prise teils schwarzem, teils absurdem Humor fragt man sich schon bald, worauf das wohl hinauslaufen wird. Es fängt noch recht simpel an mit einer Frau in Not, welche den Tod ihres Vaters untersucht haben möchte, denn sie befürchtet ein gewollt verfrühtes Ableben für den Mann aus hohen Kreisen.

Doch dieser Krimifall führt das Publikum überraschend weit zurück in die Vergangenheit von nicht nur Bales Kriegsveteran als ungewöhnlichem Arzt, sondern auch seinem engsten und bedeutsamsten Umfeld. Denn man wird den Verlauf von Amsterdam nicht verstehen können, wenn man nicht weiß, mit was für Charakteren man es hier zu tun hat, welche Abgründe sie hinter sich, und eng verbunden damit noch vor sich haben, aber auch welch enge Beziehungsgeflechte sie durch dunkle und zugleich wunderbare Zeiten getragen haben, die auch ihre Gegenwart und Zukunft prägen.

Es gibt mehr als nur einen Sprung in die Vergangenheit, und dabei handelt es sich in Amsterdam nicht um kurz informierende Flashbacks, nein, auch hier nimmt man sich reichlich Zeit. Die gesamte Inszenierung, der Score, das Auserzählen, der Schwerpunkt auf Details machen deutlich: Hier geht es mehr um die Menschen und ihre emotionalen Motive für ihre Entscheidungen als um einen spannenden Plot. Dieser verkommt einen Großteil (!) des Films eher zur Rahmenhandlung, so unglaublich dieser Rahmen vor allem im enthüllten Endergebnis im letzten Part des Films auch sein mag.

Unglaublich? Nein! Amsterdam sorgt eben genau dafür, dass der Plot im Ganzen durch all die Verkettungen so unglaublich gar nicht mehr wirkt, denn hinter all den unglaublichen Momenten und Entwicklungen der Weltgeschichte stecken oftmals einzelne Menschen und ihre Verkettung miteinander, die wiederum aus der je persönlichen Geschichte und Wahrnehmung der Geschehnisse um sie herum und mitten drin im Geschehen entspringt. Wie konnte dies oder jenes geschehen, oder wie konnte man nicht merken, dass...? Eine häufige Frage, nimmt man sich Zeit, findet man die Antwort, und die liegt oftmals in vielen kleinen prägenden Momenten, im Guten wie Schlechten.

Hinzu kommt die Erzählperspektive von Amsterdam mit Bales Figur Burt im Fokus, welcher, nunja, gewisse Medikamenten-Experimente nicht nur mit seinen Patienten, sondern auch an sich selbst durchführt - aus guten Gründen zwar, aber auch das beeinflusst seine Wahrnehmung wie auch Erinnerung, und damit auch das, was wir davon zu sehen bekommen als Zuschauer:innen. Das Trio Bale, Margot Robbie und John David Washington wird aus Mysterygründen erst im Verlauf des Films komplett, und hier erzählen wir euch nicht grundlos nichts allzu Konkretes über ihre Charaktere, um die Mystery zu erhalten.

Verraten können wir aber, dass ihr enges Beziehungsgeflecht die Basis und das Herz von Amsterdam sind. Denn über all den finster horriblen und schmerzhaften Abgründen, die jede/r von ihnen persönlich und zum Teil gemeinsam erlebt hat, steht eine liebevolle und etwas verrückte Verbindung, erwachsen aus gemeinsamen scheinbar grenzenlos lebendigen Momenten der Freiheit an einem Ort in der Fremde - ihr ahnt es, genau, Amsterdam -, welche sie für den Rest ihres Lebens prägen wird: denn diese Zeit in Amsterdam ließ sie vom Überleben in ein Leben mit intensiven und schönen Momenten in einem Hier und Jetzt zurückfinden.

Doch irgendwann muss jede/r von ihnen auch einen eigenen Lebensweg ganz für sich selbst finden, statt einer gemeinsamen Traumzeit, in der ihre Namen, ihre Vergangenheit in der Heimat keine Rolle mehr zu spielen schienen, wieder den früheren mal gewachsenen eigenen Träumen nachjagen in der Heimat. Kann das gelingen?

Amsterdam verbindet Kriegstrauma und seine Folgen, den Versuch von Veteranen, in ihr Leben zurück zu finden, mit weiteren realhistorisch politischen und gesellschaftlichen Themen von 1918 bis 1933 auf eine originelle Weise, und stellt dabei dar, wie Menschen zu Lebenskünstlern werden, die es entweder auf oftmals für Außenstehende scheinbar ungewöhnliche bis verrückte Weise schaffen - oder eben auch daran scheitern.

Neben der emotionalen und schrägen Dramaebene in Amsterdam wird auch viel Symbolismus betrieben, wenn man genau aufpasst, als kleiner Tipp: Achtet auf den ersten Nonsens-Song, ihr werdet wissen, was wir meinen, wenn ihr es seht. Merkt euch die Worte auf den Zetteln und rekapituliert den Film am Ende anhand dieser Worte.

Zugleich erzählt Amsterdam aber auch nicht nur im Mikrokosmos von tragischen Schicksalen, sondern auch von grenzenloser Selbstgefälligkeit, Arroganz und Ignoranz Mächtiger und ihrer Makrokosmos-Interessen, für die all die Einzelschicksale, die unter ihren Machenschaften leiden, unbedeutsam sind. Zugleich ist ihr Mikrokosmos oftmals so hohl, dass es wohl einen scheinbar sinnstiftenden Makrokosmos braucht für ihren ansonsten trostlosen Alltag. Ihr merkt, viel steckt drin im Film, und genau dafür braucht es eure Geduld und Fähigkeit, sich darauf einzulassen.

Amsterdam wird spalten, denn der Film nimmt letztlich einen Nonsens-Song ernst und erschafft daraus lauter bedeutsame Einzelmomente in einer jedoch so lang und breit sich ausrollenden Verkettung von Geschehnissen und Emotionen, dass dies nicht jedem gefallen wird. Vor allem, weil man anderes erwartet. Bei all dem Drama, Symbolismus, Thrill, schrägem Geschehen und gefälligen Look, der zudem tollen Darstellerleistung nicht nur des Haupttrios, auch jedes anderen im Film in seinen kleineren und etwas größeren Momenten um das Trio herum, wird zwar alles auch zu einem dazu passenden Ende geführt, aber letztlich fehlt einem auch etwas, um wirkliche Begeisterung zu empfinden.

Denn in Amsterdam gehen Spannung und Entspannung 134 Min. lang immer Hand in Hand, nichts haut nachhaltig lang genug vom Hocker, aber es ist auch nichts bedeutungslos. Wer dieses Konzept des sich Zeit Nehmens für jedes einzelne kleine Glied der Verkettung im Verlauf akzeptieren kann, kann all die Momente im Guten wie Schlechten bis Absurden mit einer ebenso langen Kette an Starpower genießen und die Reise mitgehen, zufrieden aus dem Kino gehen und über so viele Momente des Films noch lange nachdenken. Zugleich wird wohl niemand wirklich geflasht aus dem Kino gehen, sondern mit gemischten Gefühlen und einigen Fragezeichen, und doch werden viele Momente des Films sich auch dauerhaft eingeprägt haben. Zu gewollt zu viel oder gelungen Vieles nicht spektakulär, aber dennoch auf originelle Weise kunstvoll und mit Herz verbunden? Das wird jede/r subjektiv für sich selbst entscheiden müssen.

Wiederschauwert: 70%

Amsterdam Bewertung
Bewertung des Films
710

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