
Crimson Desert (PC, Xbox, PS)
Das Spiel der Woche spaltet aktuell erheblich die Gemüter. Die Rede ist natürlich von Crimson Desert, dem neuen Open World-Spiel. Es ist inzwischen bestimmt fünf Jahre her, wo wir das erste Mal über den Titel gestolpert und ihn auf unsere Steam-Wunschliste gepackt haben. Unzählige Verschiebungen später steht es nun bereit und es ist genau genommen nicht das, was wir und sicher auch viele andere erwartet haben. Crimson Desert, ist kein zweites The Witcher 3 und es ist auch kein Skyrim, kein Baldurs Gate 3 und auch kein Breath of the Wild. Was wir damit sagen wollen, trotz bekannter Genreelemente ist Crimson Desert anders. Ob dies jetzt gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden.
Die Handlung bleibt dabei verhältnismäßig simpel. Die Handlung verschlägt euch auf den Fantasy-Kontinent Pywel, einer vom Krieg geprägten Welt, in der verschiedene Reiche und Fraktionen um die Macht kämpfen. Dabei übernehmt ihr die Rolle des Söldnerns Kliff, Anführer der Graumähnen, der nach einem verheerenden Hinterhalt seine verstreuten Kameraden wiederfinden und seine zerstörte Heimat zurückerobern will. Während seiner Reise gerät Kliff immer tiefer in politische Intrigen und Konflikte zwischen Königreichen, Rebellen und rivalisierenden Söldnertruppen. Die Handlung in Crimson Desert soll euch primär einen Rahmen bieten, der euch durch die Welt führt. Abseits des Weges gibt es dann unzählige Nebenaufgaben, die aber nie an die Dramaturgie und Komplexität der Genregrößen heranreichen.
Wo sich aber Crimson Desert abhebt, ist die gigantische und durchaus lebendige Spielewelt. Überall gibt es etwas zu entdecken, die Grafik ist wunderschön, die Performance überraschend stabil und als Spieler wird man regelrecht von den Möglichkeiten erschlagen, die das Spiel einen bietet. Dazu kommen die überall in der Welt verstreuten Puzzle, die nicht einfach nur nebenbei gelöst werden können, sondern eine ganze Menge Gehirnschmalz erfordern. Den braucht ihr aber auch für die Steuerung, denn auch hier ist Crimson Desert anders. Entwickler Pearl Abyss geht eigene Wege und das führt nicht selten dazu, dass sich die Bedienung ein wenig sperrig, fremd und überladen anfühlt. Tatsächlich sehen wir das aber durchaus als Stärke. Zwar ist nun wirklich nicht jede Tastenbelegung ideal, aber da inzwischen sich fast jedes Spiel spielerisch, visuell und auch steuerungstechnisch wie aus der Retorte anfühlt, ist diese Fremdartigkeit etwas, was uns fasziniert.
Bei Crimson Desert muss man nicht nur im Spiel die vertrauten Pfade verlassen, um die wirklich coolen Orte zu entdecken, sondern auch vor dem Bildschirm. Wer das wagt, wird mit einer gigantischen Open World verwöhnt, die euch bockschwere Bosse wie in einem Soulslike vor die Füße wirft, im nächsten Moment Tiere Huckepack nehmen lässt, euch mit Sammeln, jagen und Crafting beschäftigt, euch Puzzle vor die Füße wirft, Gegner in den Weg stellt, euer Lager ausbauen, euch mit Minispielen bombardiert und später sogar Drachen reiten lässt. Das kann überwältigen und nachdem man 60h für die Hauptstory gebraucht hat, hat man eigentlich nur einen Bruchteil gesehen. Daher ist dieses Spiel etwas für Menschen, die Zeit haben und diese auch irgendwo versenken wollen. Es ist anders, es ist sperrig und dennoch genau deswegen einzigartig.
Death Stranding 2 - On the Beach (PC, PS)
Letztes Jahr erschien bereits Death Stranding 2 auf der Playstation 5 und schafft jetzt den Sprung auf den PC. In Death Stranding 2 - On the Beach von Hideo Kojima begleitet man erneut Sam Porter Bridges, der in einer zerstörten Welt neue Regionen miteinander verbinden soll. Nach den Ereignissen des ersten Teils zeigen sich neue Gefahren, und die Geschichte stellt die Frage, ob es richtig war, die Menschheit wieder zu vernetzen. Während der erste Teil der Reihe viele Spieler überraschte, da sie nicht wussten, was sie erwartet, hat es die Fortsetzung hier deutlich leichter.
Primär wird die aus dem Vorgänger begonnene Geschichte konsequent weitererzählt und auch beim Gameplay bleibt man sich treu. Der von manchen als Postbotensimulator verschriene Teil, will auch hier nichts anderes sein. Hier mag manch einer kritisieren, das das ungewöhnliche Gameplay des Vorgängers hier nur wiederholt wird. Dennoch wurde versucht, dieses konsequent zu verbessern. Positiv fällt auf, dass das Spiel viel mehr Freiheiten bietet: Kämpfe, Schleichen oder das Umgehen von Gegnern ist nun deutlich flexibler möglich, und neue Waffen, Gegner sowie ein Tag-Nacht-System sorgen dabei auch für mehr Abwechslung. Hierdurch fällt gar nicht mehr so sehr auf, dass man auch in Death Stranding 2 - On the Beach die meiste Zeit Routen plant und Dinge ausliefert.
Naturereignisse wie Überschwemmungen oder Erdbeben verändern dabei immer mal wieder die Routen und zwingen uns dazu, deutlich spontaner zu planen. Neu ist außerdem ein Ausbau- und Fähigkeitssystem, mit dem Sam je nach Spielstil stärker im Kampf, beim Schleichen oder beim Transport wird. Dadurch fühlt sich die Entwicklung persönlicher an als im ersten Teil und durch die stärke Betonung von Kämpfen, wird der zweite Teil auch deutlich actionreicher. Was viele Spieler aber auch bei Death Stranding 2 - On the Beach am Ball bleiben lassen dürfte, ist die verrückte aber auch wirklich spannend erzählte Geschichte. Emotional erzählt, mit komplexen Fragen und interessanten Figuren. Hier zeigt Hideo Kojima wieder einmal, warum er ein ganz besonderer Spieleentwickler ist.
Ghost Master - Resurrection (PC)
Es ist noch gar nicht lange her, da stellten wir euch Ghost Keeper vor, den spirituellen Nachfolger des spaßigen Strategie-Horrorklassikers Ghost Master. Während der Nachfolger mehr in der Vergangenheit herumspukt, schafft es das Original nun nicht nur spielerisch in die Gegenwart. Denn mit Ghost Master - Resurrection erschien jetzt ein inhaltlich erweitertes Remaster des Originals. Aufpoliert bedeutet hier höhere Auflösungen, ein paar QoL-Funktionen und was viel wichtiger ist, ein paar neue Geister und Missionen, die damals der Schere zum Opfer gefallen sind.
Visuell sollte man dabei nicht viel erwarten, dem Spiel merkt man sein über 20-jähriges Alter an, so wurden auch Zwischensequenzen und Sprachausgaben 1:1 übernommen. Doch spielerisch bleibt es weiterhin einzigartig. In abwechslungsreichen und fast schon stereotypen Horrorszenarien versucht ihr mit einer Bande von Geistern Menschen das Gruseln zu leeren. Mal ist es ein Verbindungshaus von Studentinnen, mal eine Seance zu stören, dann soll der Pate Angst bekommen und so weiter. Die Missionen in Ghost Master - Resurrections sind oft typischen Horrorfilmszenen entliehen, was es gerade für Filmfans spannend macht. Wenn dann auch noch die Geisterjäger auftauchen, und dem Spuk ein Ende bereiten wollen, dann ist Kreativität gefragt. Denn jeder Geist im Spiel, ihr schaltet immer wieder neue frei, hat Vor- und Nachteile und individuelle Skills. Diese geschickt einzusetzen, damit der Spuk maximalen Effekt erzielt, ist eure Aufgabe. Also ran an die Geister und Grusel verbreiten!
Modulus (PC)
Erscheinen neue Automationsspiele, müssen wir uns diese natürlich anschauen. Seit Factorio lieben wir dieses Genre und auf Modulus hatten wir schon länger ein Auge geworfen. Hier werden vor allem wieder Zen-Bauer auf ihre Kosten kommen. Als Teil eines neuronalen Netzes sollt ihr Bauwerke errichten und Wissen schaffen, hierzu gilt es vor allem mit Würfeln zu hantieren. Diese werden abgeerntet, geformt und für den Bau von Gebäuden benötigt, die daraus neue Items herstellen, die für den Fortschritt und die Forschung notwendig sind.
Auch wenn Modulus optisch wie Factorio aussieht und Förderbänder und Maschinen bietet, ist es deutlich stärker mit Shapez verwandt und wir würden es eher als Puzzle-Automation bezeichnen. Hier gibt es keinen Zeitdruck, sondern immer nur die nächste Herausforderung, die ihr völlig frei nach eurem Tempo und eurem Geschmack lösen könnt. Das Spielprinzip ändert sich dabei im Laufe der ca. 50-60h bis zum Endgame kaum. Ihr erntet Polygestein ab, daraus baut ihr aus kleineren Würfeln bestehende größere Würfel. Dies ist eure Grundressource für den Rest des Spiels, auch wenn es später noch Öl und farbige Ressourcen als Ergänzung gibt. Ziel ist es nun Industrieketten aufzubauen, damit Gebäude errichtet werden können. Jedes Gebäude braucht ganz spezielle geometrische Formen. Zu Beginn sind es weiße 4x1 Platten, später weiße 8x2x2 Stäbe. Mit der Zeit werden die Formen komplexer, es müssen Teile ausgestanzt, gedreht, gestapelt oder gefärbt werden. Entsprechend komplex werden die Industrieketten. Jeder benötigte Baustein in Modulus kann dabei frei von euch gebaut werden und jede Lösung ist valide. Wie effizient ihr zum Ziel kommen wollt, liegt bei euch.
Mit der Zeit expandiert ihr in der Spielwelt auf andere Inseln, denn der Platz ist eng begrenzt und das ist eine weitere Komplexitätsstufe. Die Inseln für die Bebauung sind immer anders geformt, haben Hindernisse und unterschiedliche Rohstoffquellen, weswegen, wie bei einem Puzzle, der Platz optimal genutzt werden muss. Gleichzeitig ist hier aber auch eine akute Schwäche des Spiels zu finden, welches es momentan schwächer sein lässt als Shapez 1&2. Die Karte im Spiel ist immer gleich, es gibt keine Variation, weder kleiner noch größer. Durch die unterschiedlichen Formen der Inseln und durch sehr individuelle Gestaltung der geforderten Objekte können auch keine echten Ressourcenketten aufgebaut werden. Jedes Objekt braucht seine eigene Ressourcenkette von der Quelle bis zum Ziel und muss individuell konfiguriert werden. Das kann in ziemliche Klickerei enden, da die im Spiel vorhandene Blaupausenfunktion zwar eine nette Idee ist, aber oft nur für kleine Setups geeignet ist, da die Inselformen größere Duplizierungen gar nicht erst zulassen. Dadurch ist es auch schwer im späteren Spiel bestehende Strukturen zu skalieren und man baut eher woanders neu.
Trotz dieser Kritikpunkte weiß Modulus zu gefallen. Es ist ein wirklich entspanntes Automatisierungsspiel, wo jeder relativ frei die für ihn ideale Komplexität ausleben kann.
Starship Troopers - Ultimate Bug War (PC, PS)
Zum Abschluss gibt es heute noch eine kleine Boomer-Shooter-Perle, die uns selbst überrascht hat. Als große Starship Troopers-Fans mussten wir uns unbedingt Starship Trooper - Ultimate Bug War anschauen. Der in retroartiger Pixeloptik präsentierte 3D Shooter bietet euch Ballerspaß zum kleinen Preis. Als neues Mitglied der mobilen Infanterie ist es eure Aufgabe den Bugs mal so richtig in den Hintern zu treten. Dazu bietet euch das Spiel vor allem die Waffen und ihr müsst nur noch das Talent mitbringen, denn wie wir wissen, ist nur ein toter Bug ein guter Bug.
Spielerisch mag hier zwar nur die bekannte Shooter-Kost geboten werden, die Grafik und Aufmachung lassen aber bei Fans des Films das Herz höher schlagen. Die Missionen sind kurzweilig und bieten sogar mehrere Lösungsansätze, da die meiste Zeit auf bekannten Planeten aus der Reihe gekämpft wird und es somit weitläufige Areale mit unterschiedlichen Wegen gibt. Zwar ist die Kampagne von Starship Trooper - Ultimate Bug War recht kurz, doch gerade die alternativen Ansätze bei den Missionen laden zum erneuten spielen ein. Dazu gibt es eine kurze Bug-Kampagne, in der man als übermächtiger Killerkäfer den Spieß umdrehen kann. Womit Starship Trooper - Ultimate Bug War aber besonders punktet, ist sein aus den Filmen entliehener Humor UND die Zwischensequenzen. Die sind nicht nur albern, man hat sich sogar die Mühe gemacht Caspar Van Dien zu reaktivieren. Inzwischen einäugig und General geworden, brieft er uns regelmäßig vor den Missionen und gibt wertvolle Tipps. Wunderbar, wenn sich ein Schauspieler dazu bereiterklärt.
