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Gleichgültigkeit gegenüber Richtlinien

Erste rechtliche Konsequenzen: Geldstrafe für Sicherheitsverstöße bei "Rust"

Erste rechtliche Konsequenzen: Geldstrafe für Sicherheitsverstöße bei "Rust"
1 Kommentar - Do, 21.04.2022 von A. Seifferth
Das Amt für Arbeitsschutz in New Mexico hat die Produzenten des Westerns "Rust" wegen Verstößen gegen das Waffengesetz mit einer Höchststrafe von fast 137.000 Dollar belegt.

Der tragische Tod der Kamerafrau Halyna Hutchins und die traumatische Verletzung des Kameramanns Joel Souza am Set des Western Rust erschütterte im Oktober letzten Jahres die gesamte Filmwelt. Hollywood-Star Alec Baldwin schoss beim Dreh unwissentlich mit echter Munition auf die Beteiligten. Nun werden erste rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen gezogen. Das erschreckende Resümee: Missachtung der geltenden Sicherheitsvorkehrungen und "offensichtliche Gleichgültigkeit" zum Umgang mit Schusswaffen am Filmset.

Das Büro für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz des Umweltministeriums von New Mexico stellte bei Rust zahlreiche Verstöße gegen die Sicherheitsprotokolle fest, darunter die Einführung von scharfer Munition am Set und das Versäumnis, die Crew im richtigen Umgang mit Schusswaffen zu schulen. Man sprach deshalb die höchste Vorladung und die höchste nach dem staatlichen Gesetz zulässige Geldstrafe von 136.793 US-Dollar aus.

In dem Bericht heißt es, dass bei der Produktion "die mit Schusswaffen verbundenen Gefahren ignorierten, indem die routinemäßig eigens erstellten Sicherheitsprotokolle nicht eingehalten bzw. durchgesetzt worden."

Dem vernichtenden Urteil zufolge, schenkten die Verantwortlichen dem Umgang mit tödlichen Waffen nicht die gebührende Zeit und scheuten den entsprechenden Aufwand, der für die Sicherheit der Schauspieler und der Crew erforderlich gewesen wäre. Darüber hinaus habe der Arbeitgeber von Rust keine Nachforschungen angestellt, Fragen gestellt oder versucht zu verstehen, was passiert sei, als die Mitarbeiter das Management im Vorfeld der Tragödie über Fehlzündungen und das mangelnde Sicherheitsgefühl am Set informierten.

Die Behörde kam zu dem Schluss, dass ein "schwerer Verstoß" gegen das Arbeitsschutzgesetz von New Mexico vorlag. Das Sicherheitsprotokoll besagte unter anderem, dass keine scharfe Munition verwendet werden dürfe. Den Behörden zufolge habe man für den Dreh von Rust "kein Verfahren entwickelt, das sicherstellt, dass keine scharfe Munition an den Drehort gebracht wird." Man habe es außerdem versäumt, "dem Waffenmeister Zeit für eine gründliche Bestandsaufnahme der Munition einzuräumen".

Der Bericht kam auch zu dem Schluss, dass die Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed zu sehr eingespannt war. Gutierrez-Reed übernahm bei Rust auch die Rolle der Requisiteurin, wenn die Schusswaffen nicht aktiv im Einsatz waren. Gabrielle Pickle, die leitende Produzentin, teilte ihr mit, dass sie acht bezahlte Tage als Waffenschmiedin arbeiten dürfe und die restliche Zeit als Requisiteurin tätig sein müsse.

Besonders verheerend ist in diesem Zusammenhang ein Schriftwechsel zwischen den beiden Frauen, bei dem die an Hannah Gutierrez-Reed zugewiesenen Kompetenzbereiche von Pickle moniert wurden. Dabei war von zwei ungesicherten Schrotflinten und der möglichen Einführung eines entsprechenden Check-In- bzw. Check-Out-Systems die Rede.

Allerdings kam Pickle in der entsprechenden E-Mail auch auf die fehlende Unterstützung durch Gutierrez-Reed bei den Requisiten von Rust zu sprechen. Guiterrez-Reed verwies in dem Zusammenhang auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe der Sicherheit am Set, da sonst "gefährliche Fehler" drohen könnten. Demzufolge wird nicht nur der Anspruch der Waffenmeisterin auf Akkuratesse ersichtlich, sondern auch, dass sie die doppelte Belastung nicht zielführend bewältigen konnte.

Besonders brisant: In einem anderen Gespräch wurden der Waffenmeisterin durch die leitende Produzentin weiterführende Waffentrainings für Baldwin und der übrigen Crew von Rust untersagt. Der Anwalt von Hannah Gutierrez-Reed kommt deshalb zum Schluss, dass seiner Mandantin "trotz ihrer geäußerten Bedenken nicht genügend Zeit oder Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden, um ihre Arbeit effektiv zu erledigen."

Da wir auf juristischem Gebiet nicht über die nötige Expertise verfügen und über die tragischen Begebenheiten bei Rust ledlich aus sicherer Entfernung berichten, möchten wir keine eigene Einordnung der Begebenheiten vornehmen. Trotz all der verheerenden Feststellungen im Zusammenhang mit Rust, hoffen wir auf eine sachliche Diskussion unter euch Usern.

Vorerst möchten wir dieses düstere Kapitel mit den Worten des Umweltkabinettssekretärs James Kenney schließen und sind dabei in Gedanken an die Hinterbliebenen von Halyna Hutchins:

"Unsere Untersuchung hat ergeben, dass dieser tragische Vorfall nie passiert wäre, wenn Rust Movie Productions, LLC die nationalen Standards der Filmindustrie für die Sicherheit von Schusswaffen eingehalten hätte. Dies ist ein komplettes Versagen des Arbeitgebers, anerkannte nationale Protokolle zu befolgen, die die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleisten."

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Serum : : Moviejones-Fan
21.04.2022 18:45 Uhr
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Dabei seit: 25.01.15 | Posts: 320 | Reviews: 0 | Hüte: 9

Ein Menschenleben ist also nur 136.793 US-Dollar wert, oder wieso gibt es bis auf eine Geldstrafe bisher keine weiteren Konsequenzen für Gabrielle Pickle und Rust Movie Productions, LLC?

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