
Bewertung: 4 / 5
Es darf endlich wieder über alle moralischen Grenzen hinweg hart miteinander gestritten werden. Mit der zweiten Staffel von Beef wird die erfolgreiche Serie, die vor drei Jahren bereits Zuschauer begeistert und unterhalten hat, fortgesetzt. Ein neuer Cast und eine neue Story machen aus Beef eine Anthologieserie, welche in dieser Form durchaus noch Potenzial für viele weitere Staffeln besitzt. Wenngleich die neuen Folgen uns nicht ganz so sehr begeistert haben, wie einerseits die erste Staffel, so hatten wir doch wieder jede Menge Spaß. Vor allem dank der tollen schauspielerischen Leistungen.
Unsere Review zu Beef Staffel 2
Das frisch verlobte Gen-Z-Pärchen Ashley Miller (Cailee Spaeny) und Austin Davis (Charles Melton) sind Angestellte in einem Country Club und werden zufällig Zeugen eines heftigen Ehestreits des Geschäftsführers Joshua Martín (Oscar Isaac) und dessen Frau Lindsay Crane-Martín (Carey Mulligan). Es folgt ein Taktieren aus Erpressung und Gefälligkeiten. Als beide Paare auch noch beginnen, um die Gunst der milliardenschweren Eigentümerin des Clubs, der Vorsitzenden Park (Youn Yuh-jung), wettzueifern, die ihrerseits mit einem Skandal um ihren zweiten Ehemann, Doctor Kim (Song Kang-ho), fertig werden muss, drohen die Dinge vollständig außer Kontrolle zu geraten.
Trailer zu Beef Staffel 2
Die Formel ist so simpel wie effektiv: Man nehme unterschiedliche Menschen, setze sie auf einen Kollisionskurs und schaut zu, was passiert. Dies funktionierte bereits in der ersten Staffel und funktioniert auch erneut in der zweiten. Dies ist vermutlich so alt, wie die Menschheit selbst: Man schaut den Leuten einfach gerne beim Streiten und vor allem auch bei der Selbstzerstörung zu. Irgendwo haben wir alle diesen voyeuristischen Drang tief in uns drin.
Warum dies bei Beef besonders gut funktioniert, liegt an den Charakteren. Sie sind hervorragend geschrieben, nicht überzeichnet, und wirken tatsächlich wie einfache, richtige Personen. Bei allen Beteiligten erkennt man genau, wo die Motivation für diese oder jene Handlung herkommt, und man versteht es sogar. Niemand hier ist ein Monster oder besonders böse. Es sind normale Menschen mit guten wie schlechten Seiten. Auf der einen Seite wünscht man sich, dass Dinge eskalieren und sie einander den letzten Nerv rauben. Auf der anderen Seite hofft man aber auch für alle auf einen glücklichen Ausgang.
Die Serie selbst steht dabei auf niemandes Seite. Hier bekommen alle ihr Fett weg. Bei jeder Figur werdet ihr zwischendurch mit den Augen rollen und hoffen, dass ihr was Schlimmes passiert. Gleichzeitig hat aber auch jede Figur ihre positiven Momente.
Doch es sind nicht nur schlicht Personen, die hier aufeinandertreffen. Die Serie geht diesbezüglich noch viel tiefer. Mit dem jungen Gen-Z-Pärchen und dem bereits seit vielen Jahren verheirateten Ehepaar stoßen hier auch Generationen und unterschiedliche Lebensweisen aufeinander, die von der Serie ebenfalls teils köstlich dekonstruiert werden. Und dann wären da auch noch die etlichen gesellschaftlichen Schichten. Die, die eher unten sind, die Mittelklasse und natürlich die reiche Oberschicht. Sie alle spielen hier eine Rolle in einem scheinbar ewig währenden Kreislauf.
In der zweiten Staffel werden so viele Themen behandelt, dass man dies auch durchaus als schlicht zu viele Themen kritisieren kann. Zwischendurch geht der eigentliche Streit zwischen den Paaren ein wenig verloren. Die zweite Staffel fühlt sich im Verlauf stärker wie eine reine Gesellschaftskritik an und vergisst dabei, sich auf das Wesentliche, eben den eigentlichen Streit, zu konzentrieren. Auch hätten wir uns gewünscht, wenn dieser Streit insgesamt noch etwas würziger dahergekommen wäre. Ab einem gewissen Punkt eskaliert zwar so manches, doch dies aus eher anderen Gründen.
Dazu passt dann auch, dass uns vor allem zwei Szenen im Kopf geblieben sind, die mit einem gewissen Ekel-Effekt daherkommen, und am Ende keinerlei Wert besitzen. Wir sehen, wie etwas gemacht wird, und es sind Szenen, die auch einen Aufbau erhalten, der verdeutlicht, dass dies nicht unwichtig ist und mit Konsequenzen einhergehen wird. Doch weder haben diese Momente Konsequenzen, noch werden sie anschließend jemals wieder erwähnt, was uns dann doch etwas verwirrt zurückgelassen hat.
Der eigentliche Streit hat uns in dieser Staffel also nicht ganz überzeugt. Dennoch bleibt Beef auch in Staffel 2 richtig stark. Es mag einige stören, andere werden es begrüßen, dass sich die neuen Folgen diesbezüglich von der ersten Staffel etwas unterscheiden. Auch die Dynamik ist eine andere, gerade auch durch die Tatsache, dass es dieses Mal Paare und keine Einzelpersonen sind. Und es nicht nur Streit zwischen den Paaren gibt, sondern durchaus auch untereinander. Eigentlich hätte man die neue Staffel auch in Beefs umbenennen können.
Die Stärke dieser Serie bleibt das toll geschriebene Drehbuch wie auch die gelungene Inszenierung. Wenn dieses Niveau gehalten werden kann, hoffen wir auf noch viele weitere Staffeln. Und dann ist da noch das exzellente Schauspiel aller Beteiligten. Wir können hier schlicht niemanden groß hervorheben oder kritisieren, denn sie sind alle schlicht fantastisch: Oscar Isaac, Carey Mulligan, Cailee Spaeny, Charles Melton, Youn Yuh-jung und Song Kang-ho. Wir mögen hier und da ein paar inhaltliche Kritikpunkte haben, aber glaubt es uns, es macht unfassbar viel Spaß, diesen Leuten hier beim Schauspielern zuzusehen.
Nur was William Fichtner hier zu suchen hat, haben wir nicht ganz verstanden. Er ist nicht schlecht, das nicht. Doch warum man ihn für diese eher kleine Rolle haben wollte, hat sich uns nicht ganz erschlossen. Es wirkt einfach so Random.
Die neue Staffel umfasst dieses Mal nur acht statt wie zuvor zehn Episoden. Doch dafür sind die einzelnen Folgen etwas länger. Am Ende, und wir haben dies ausgerechnet, kommen beide Staffeln auf die fast exakte Gesamtlaufzeit: Staffel 1 umfasst 348 Minuten und Staffel 2 umfasst 349 Minuten. Das ist entweder richtig gut geplant oder ein interessanter Zufall.
Fazit
Auch in Staffel 2 weiß Beef zu überzeugen. Die neuen Folgen bieten aufgrund der Figurenkonstellation eine andere Dynamik, als man es in der ersten Staffel gewohnt war, und der Streit selbst kommt dieses Mal etwas weniger bissig daher. Dafür bieten die neuen Folgen eine tiefgehende, amüsante Gesellschaftskritik. Und auch der Generationenkonflikt kommt gut zur Geltung.
Glänzen tun die acht neuen Episoden erneut vor allem mit tollen Drehbüchern, gelungener Inszenierung und vor allem einem gut aufgelegten Cast, dem man mit großer Freude beim Schauspielern zusieht. Aus Beef ist eine Anthologieserie geworden, die ihrem Kern zwar treu bleibt, aber die erste Staffel nicht nur bloß kopiert. Dadurch wirkt die Serie auch in Staffel 2 noch frisch und zudem sehr unterhaltsam. Wenn dieses Niveau gehalten werden kann, würden wir uns noch über einige weitere Staffeln freuen.


