Nur wenige Filmemacher haben vermutlich eine so enge Verbindung zum Filmfestival in Cannes, wie es bei Regisseur Quentin Tarantino der Fall ist. Vor 31 Jahren gewann der Filmemacher nämlich für sein non-lineares Gangster-Epos Pulp Fiction die Goldene Palme im Wettbewerb und war seitdem sehr häufig entweder mit einem eigenen Werk oder als Special-Guest an der Croisette vertreten. So auch dieses Jahr, als Tarantino nicht nur die Ehre gebührte, das traditionsreiche Festival lautstark zu eröffnen, sondern auch selbst Die rote Schlucht von George Sherman zu präsentieren und Vorstellungen von Regie-Kollegen, wie etwa Richard Linklaters Nouvelle Vague, zu besuchen. In einem Interview sprach der Filmemacher jetzt über seinen filmischen Werdegang, sein Vermächtnis und über Herausforderungen, die sein letzter Film bereithalten könnte.
???? Quentin Tarantino déclare "ouveeeeeeeeeeeeert" le 78e Festival de Cannes pic.twitter.com/yu45uBqdZT
— franceinfo (@franceinfo) May 13, 2025
Zunächst wurde Tarantino gefragt, warum er gerade einen Film von George Sherman auswählte, um ihn in Cannes zu zeigen, worauf der 62-Jährige antwortete, dass er ein großer Fan dessen Werke sei und ihn als seinen liebsten Action-Regisseur der 50er-Jahre bezeichnen würde. Auf die Frage, ob er sich selbst filmisch und im Leben zensieren würde, entgegnete der Kill Bill-Macher, dass er es für gewöhnlich vermeide, gerade was anstößige Eigenschaften seiner Charaktere betreffe. Was die Balance zwischen Kontrolle und Freiheit bei seiner Arbeit anbelange, meinte der zweifache Oscarpreisträger: "Ich mit der Ansicht, dass das Drehbuch und das Szenario für Struktur sorgt, wohingegen die Freiheit darin besteht, wie ich das Szenario dramatisiere und wie ich es filmisch einfange." So sei es dies vergleichbar mit einem Trapezkünstler, der seine Kunststücke aufführt und durch ein Netz, in dem Falle das Skript, aufgefangen werden kann.
Darüber hinaus würde der Regisseur später viel mehr durch seine Charaktere als seine Filme selbst in Erinnerung bleiben, während er es selbst mag, dass andere Filmemacher sich von seinen Werken inspirieren lassen würden, genau wie er Einflüsse von seinen Lielings-Regisseuren übernommen habe. Tarantino winkte ab, als gefragt wurde, ob sein zehnter sein schwerster Film werde und brachte viel mehr seinen ersten Reservoir Dogs - Wilde Hunde ins Spiel, da er jetzt wisse, was er tue und damals förmlich durch den Entstehungsprozess gezogen worden sei. Der Filmemacher selbst sei sich nicht sicher, ob es tatsächlich noch weitere Herausforderungen gebe, obwohl er mit einem Schmunzeln gerne noch eine zweite Goldene Palme gewonnen hätte.
Fans müssen sich also weiterhin auf spezifischere Neuigkeiten zum letzten Film von Quentin Tarantino gedulden; auch weil jener gerade wohl an seinem ersten Theaterstück werkelt. Wer sich bis dahin die Zeit vertreiben möchte, bekommt zumindest nach Tarantinos ersten Büchern bald Nachschub geliefert, denn wie Deadline berichtet, wird er mit Journalist Jay Glennie Making-of-Literatur von zunächst drei seiner Filme veröffentlichen. Diese seien beim Verlag Insight Editions bereits in Arbeit, während jenes zu Once Upon a Time... in Hollywood den Anfang machen und in den USA am 11. November 2025 erscheinen soll.
Wie die vorherigen Romane Tarantinos werden die Making-of-Bücher vermutlich auch in Deutschland erhältlich sein.
— Deadline (@DEADLINE) May 20, 2025
