
Bewertung: 2.5 / 5
Das europäische Kino überzeugt schon seit vielen Jahren mit starken Filmen, insbesondere wenn es um Charakterdramen geht. Gerade die skandinavischen Filmemacher machen es vor. Wenn es jedoch um pure Action oder Abenteuer geht, muss man schon etwas genauer suchen. So überzeugte vor Kurzem der finnische Sisu als Actionfilm. In Sachen Monsterfilme könnte man Troll erwähnen. Sicher kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber durchaus unterhaltsam und mit Witz. Nun läuft Kraken - Erwachen der Tiefe in den Kinos an. Kann man hier den europäischen Weißen Hai erwarten oder worauf sollte man sich einstellen? Wir verraten es.
Am Sognefjord in Norwegen soll das große Geschäft mit dem Lachs abgewickelt werden. Dafür sind japanische Investoren angereist, die großes Interesse zeigen. Denn einem norwegischen Unternehmen ist es gelungen, den Lachsertrag mithilfe von Schallkanonen zu optimieren. Das führt jedoch auch zu ungewöhnlichen Meeresaktivitäten, die die Biologin Johanne untersuchen möchte. Denn in diesem Meer scheint sich mehr herumzutreiben als nur Lachs.
Trailer zu Kraken - Erwachen der Tiefe
Kraken - Erwachen der Tiefe Kritik
Mit Kraken - Erwachen der Tiefe bekommen wir einen Streifen präsentiert, bei dem man sich vorstellen könnte, dass er in eine ähnliche Richtung wie Troll geht. Es gibt eine offensichtliche übernatürliche, monsterhafte Bedrohung, die die Menschen heimsucht, gegen die sie sich jedoch zur Wehr setzen wollen.
Der Film von Regisseur Pål Øie hat den Vorteil, dass er in wunderschönen Fjordlandschaften spielt. Hier fangen allerdings bereits die ersten kleinen Schwierigkeiten an. Denn so beeindruckend Norwegens Landschaften auch sind, so wenig werden sie leider stimmungsvoll eingefangen und in Szene gesetzt. Das ist zwar zunächst nur ein optischer Eindruck, verweist jedoch auf ein grundlegendes Problem von Kraken - Erwachen der Tiefe. Dabei verfügt der Film durchaus über eine solide Grundlage und das sind seine Schauspieler. Sie gehören zu den stärkeren Aspekten des Films, können die Schwächen des Drehbuchs und der Regie aber letztlich nicht auffangen.
Sara Khorami etwa besitzt eine fantastische Ausstrahlung und ein markantes Gesicht. Ebenso weiß Jenny Evensen zu überzeugen und erinnert stellenweise an Sydney Sweeney. Evensen spielte bislang vor allem in der Netflix-Serie La Palma. Auch die weiteren Darsteller verstehen ihr Handwerk.
Zudem wirken die Produktion durchaus hochwertig. Sets und Requisiten überzeugen, während auch die visuellen Effekte für das, was Kraken - Erwachen der Tiefe sein möchte, durchaus akzeptabel sind. Durch gelungene Kameraperspektiven und einen soliden Schnitt entstehen immer wieder überzeugende Bilder. Doch all das reicht nicht aus, um die eigentlichen Probleme des Films zu kaschieren.
Dem Film gelingt es nicht, über seine sehr knackige Laufzeit von 94 Minuten, durchgängig zu unterhalten oder größere Spannung zu erzeugen. Das größte Problem ist dabei, dass Kraken - Erwachen der Tiefe oft erstaunlich spannungsarm bleibt und seine Geschichte kaum Dynamik entwickelt. Dabei scheint er sich an zwei prominenten Vorbildern zu orientieren: zum einen an Der Weiße Hai, zum anderen an Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt. Anfangs wirkt die Inszenierung mit der unbekannten Bedrohung aus dem Meer stark an Spielbergs erstem Blockbuster angelehnt. Wenn man der Gefahr dann allmählich auf die Schliche kommt, gibt es Einstellungen, die auch aus einem Alien-Film stammen könnten.
Doch an der richtigen Stelle zu kopieren, ist leider noch nicht die halbe Miete. Denn die Inszenierung von Kraken - Erwachen der Tiefe wirkt oft etwas lustlos, trotz der großen Vorbilder, bei denen man sich bedient. Vermutlich stellen sich Regie und Drehbuch hier jedoch gegenseitig ein Bein, denn das Skript bietet nur wenige Möglichkeiten, die Schauspieler wirklich zu fordern und ihnen spannende Charaktermomente zu geben.
So folgt Kraken - Erwachen der Tiefe in seinem grundsätzlichen Ablauf einer typischen Monster-Horror-Schablone, nur dass dem Film über weite Strecken das Salz in der Suppe fehlt. Relativ früh werden interessante Charaktermomente angedeutet, über die Laufzeit hinweg jedoch nie konsequent ausgespielt. Das liegt nicht an den Schauspielern, sie könnten das vermutlich sehr gut, aber das Skript fordert es leider kaum. Dadurch bleibt vieles überraschend austauschbar und letztlich auch ein Stück weit belanglos. Zum Finale hin kommt es einem vor, als würde der Regisseur sich an Gareth Edwards Godzilla orientieren wollen. Auch das funktioniert leider nur bedingt.
Trotzdem gibt es einige wenige Momente und Einstellungen, die sehr gut funktionieren und bei denen man sich fragt, warum es davon nicht mehr gibt. An dieser Stelle soll auch noch einmal auf die visuelle Präsentation eingegangen werden. Natürlich verfügt Kraken - Erwachen der Tiefe über ein vergleichsweise geringes Budget und kann mit großen Hollywood-Produktionen nicht mithalten. Doch durch geschickte Kameraausschnitte sowie das Spiel mit Licht und Schatten entstehen durchaus solide Effekte. Schade ist allerdings, dass man den riesigen Kraken nur relativ selten in seiner ganzen Pracht zu sehen bekommt.
Fazit
Durch die kurze Laufzeit von rund 90 Minuten können Genre-Fans bei Kraken - Erwachen der Tiefe zwar einmal reinschauen, sollten ihre Erwartungen allerdings deutlich herunterschrauben. Am Ende bleibt ein Monsterfilm mit ordentlichen Ansätzen und einem guten Cast, der seine Möglichkeiten jedoch viel zu selten ausschöpft und trotz seiner kurzen Laufzeit erstaunlich wenig Eindruck hinterlässt. Von Jenny Evensen und Sara Khorami werden wir in Zukunft vermutlich dennoch noch das eine oder andere Interessante sehen.


