
Während moderne Blockbuster immer häufiger auf digitale Produktionsmethoden und virtuelle Sets setzen, scheinen aktuell ausgerechnet Filme zu überzeugen, die bewusst den aufwendigeren Weg gehen.
Praktische Effekte, echte Drehorte und physische Kulissen stehen laut einem Kommentar des Hollywood Reporter bei vielen der größten Kinoerfolge des Jahres wieder stärker im Mittelpunkt. Autor James Hibberd sieht darin ein deutliches Signal des Publikums – auch wenn er selbst einräumt, dass es für weitreichende Schlussfolgerungen noch zu früh ist.
Als Beispiele nennt Hibberd Christopher Nolans Die Odyssee, die aktuell weltweit bei 264 Millionen Dollar steht und weiter zulegt, Der Astronaut (683 Millionen Dollar), Backrooms (384 Millionen Dollar) sowie Obsession (442 Millionen Dollar). Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Budgets verbindet diese Produktionen eines: Sie setzen in erheblichem Umfang auf praktische Effekte und reale Sets, anstatt sich ausschließlich auf computergenerierte Bilder zu verlassen.
Besonders Der Astronaut sorgte bereits vor dem Kinostart für Aufmerksamkeit, nachdem die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller öffentlich machten, bewusst auf Green Screens verzichtet und stattdessen Puppen eingesetzt zu haben – auch wenn der Film selbstverständlich weiterhin umfangreiche visuelle Effekte nutzt.
Nolan und Co. setzen auf Handwerkskunst
Christopher Nolan verfolgte bei Die Odyssee einen radikalen Ansatz. Mehrfach berichtete er über die aufwendigen Dreharbeiten an schwer zugänglichen Originalschauplätzen. Digitale Set-Erweiterungen lehnte der Regisseur nach eigenen Aussagen bewusst ab, obwohl sich etwa Ithaka per CGI problemlos größer und dichter bevölkert hätte darstellen lassen.
Nolan selbst fasste seine Arbeitsweise so zusammen: „Ich habe definitiv die Grenzen meiner eigenen Ausdauer und der aller anderen erreicht. Ich meine, es ist Die Odyssee – natürlich muss es schwer sein. Wir machen unseren Job nicht richtig, wenn ein Film von Die Odyssee nicht aufwendig wirkt.“
Selbst kleinere Produktionen gingen diesen Weg. Für Backrooms entstanden trotz eines Budgets von lediglich zehn Millionen Dollar umfangreiche physische Sets. Obsession-Regisseur Curry Barker wiederum musste bei einem Budget von nur 750.000 Dollar kreative praktische Lösungen entwickeln, um die Horror-Effekte umzusetzen.
CGI-Blockbuster geraten unter Druck
Demgegenüber verweist Hibberd auf mehrere Franchise-Produktionen, deren digitale Optik in den sozialen Medien und von Kritikern negativ aufgenommen wurde. Als Beispiele nennt er Masters of the Universe, Supergirl, The Mandalorian & Grogu sowie Vaiana.
Interessant sei zudem, dass Lucasfilm nach der positiven Resonanz auf die praktischen Effekte von Der Astronaut eigens ein Video veröffentlichte, das die Puppenarbeit bei The Mandalorian & Grogu in den Mittelpunkt stellte. Dennoch blieb bei vielen Zuschauern der Eindruck bestehen, der Film setze insgesamt sehr stark auf CGI.
Nach Ansicht des Hollywood Reporter könnte diese Entwicklung auch mit dem Siegeszug künstlicher Intelligenz zusammenhängen. Je einfacher sich heute täuschend echte Bilder per KI erzeugen lassen, desto stärker scheinen viele Zuschauer wieder auf sichtbar handwerklich entstandene Filme zu reagieren. Gleichzeitig rückt nicht mehr nur das fertige Werk in den Fokus, sondern zunehmend auch die Geschichte seiner Entstehung.
Trend oder nur eine Momentaufnahme?
Darüber hinaus beobachtet Hibberd einen weiteren Trend: Während im vergangenen Jahr zwölf der dreizehn erfolgreichsten US-Kinofilme auf bestehenden Marken oder Franchises basierten, finden sich 2026 mit Der Astronaut, Michael, Hoppers, Wuthering Heights und Send Help gleich mehrere erfolgreiche Produktionen in den Jahrescharts, die nicht Teil einer bestehenden Filmreihe sind. Die Odyssee dürfte sich dieser Gruppe angesichts ihres starken Kinostarts schon bald anschließen.
Ob sich daraus tatsächlich ein nachhaltiger Wandel in Hollywood ableiten lässt, bleibt allerdings offen. Zu viele Faktoren beeinflussen den Erfolg eines Films, als dass sich bereits jetzt von einer generellen Franchise-Müdigkeit sprechen ließe. Dennoch zeigt die Entwicklung, dass das Publikum derzeit offenbar besonders positiv auf Produktionen reagiert, die durch praktische Effekte, echte Schauplätze und sichtbare Handwerkskunst ein möglichst authentisches Kinoerlebnis vermitteln. Ob daraus ein langfristiger Trend entsteht, werden die kommenden Jahre zeigen.
