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Die Odyssee

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Episch, Bildgewaltig und Imposant

Die Odyssee Kritik

Die Odyssee Kritik
0 Kommentare - 20.07.2026 von ZSSnake
In dieser Userkritik verrät euch ZSSnake, wie gut "Die Odyssee" ist.
Die Odyssee

Bewertung: 4.5 / 5

2026 ist ein Jahr für Filme, auf das ich, ohne es zu wissen, viele Jahre gewartet hatte. In der Tat warte ich seit 2004 auf etwas, was damals, nach Roland Emmerichs epochalem Troja und zuvor der „Rückkehr des Sandalenfilms“ mit Ridley Scotts Gladiator zum Greifen nah schien. Eine zeitgemäße Verfilmung der Odyssee – der zweiten Hälfte von Homers Epos um den Trojanischen Krieg und die scheinbar endlose Heimreise des Königs von Ithaka – Odysseus. Damals schien es so nah, Emmerich hätte einfach weitermachen können, Sean Bean wirkte wie die Idealbesetzung und nicht wenige hatten natürlich wie ich Hoffnungen darauf. Heute, 22 Jahre später, komme ich aus dem Kino, nachdem ich Christopher Nolans Vision dieser zeitlosen Geschichte auf der großen Leinwand sehen durfte. So viel vorab: meine liebste Variante der Odyssee, den TV-Zweiteiler von 1997 mit Armand Assante, konnte Nolan nicht vergessen machen.

Inhalt:

Trailer zu Die Odyssee

Den Inhalt dieses Epos kann ich mir im Grunde sparen, werde ihn aber, für den Fall, dass einige wenige ihn nicht kennen, trotzdem kurz umreißen:

Odysseus, der König des Inselreichs Ithaka, hat sich dem Feldzug Agamemnons angeschlossen, dessen Schwägerin Helena von den Trojanern geraubt wurde. Ziel ist zunächst die Rückgewinnung der, der Legende nach unbeschreiblich schönen, Holden das Ziel, doch am Ende entspinnt sich ein 10 Jahre andauernder Belagerungskrieg um die Festungsstadt Troja. Sein Ende findet er schließlich, als Odysseus eine List einfällt, die den Griechen ermöglicht ungesehen im Bauch eines großen Holzpferdes in die Stadt zu gelangen und die Tore von innen zu öffnen.

Die anschließende Rückfahrt gestaltet sich dann jedoch nicht so einfach wie erhofft und Odysseus und seine Männer geraten ein ums andere Mal in Kämpfe und Abenteuer auf unterschiedlichen Inseln, auf denen sie Zauberinnen, Monstern und mythischen Gestalten begegnen. Erzählt wird das alles in Form von Berichten und Rückblicken durch Odysseus selbst und auch Agamemnons Bruder Menelaos.

Kritik:

Hier liegt auch direkt ein Kernaspekt dieser Geschichte: Sie wird nicht chronologisch erzählt, sondern macht immer wieder Zeitsprünge in die Vergangenheit und die Gegenwart, zum Beginn des Krieges, die lange Reise, verschiedene Etappen. So ist es in der Vorlage und daran orientiert sich auch Nolan, der ohnehin immer schon ein Faible für non-lineare Erzählstrukturen hatte.

Der Film legt, wie auch die 1997er TV-Variante, einen großen Teil des Fokus auf die Perspektive von Odysseus Sohn Telemachos (Große Klasse: Tom Holland), der herauszufinden versucht, ob sein Vater nach all den Jahren noch heimkehren wird, oder er wirklich tot ist. Mutter Penelope (Meisterhaft verkörpert von Nolan-Rückkehrerin Anne Hathaway) soll einen Nachfolger für Ihren Mann aus einer schieren Armee von Freiern, angeführt von Antinous (Wunderbar brillantes Ekelpaket an dieser Stelle: Robert Pattinson), erwählen – doch weder sie noch ihr Sohn wollen das eigene Königreich kampflos aufgeben.

Die andere Hälfte der Erzählung dreht sich natürlich um Odysseus, hier wunderbar gespielt von Matt Damon, der seinen Heimweg und zugleich einen Weg zurück zu sich selbst und dem Mann, der er vor den Gräueln des Krieges war, zu finden versucht. Hier wird viel mit Motiven um PTSD und traumatische Erfahrungen gespielt – Odysseus fühlt eine unendliche Schuld daran, dass die Welt um ihn herum zerfällt, sich von ihren Werten abkehrt und er daran, mit seiner List zum Fall Trojas, einen nicht unwesentlichen Anteil hatte. Immer wieder wird das „Gesetz des Zeus“ – also die unabdingbare Gastfreundschaft und damit einhergehende Waffenruhe zwischen Gast und Gastgeber, zitiert und thematisiert. Als Troja jedoch gebrandschatzt und zerstört wurde, eine Stadt der Händler und der Zusammenkunft, scheint dieses Gesetz unwiederbringlich zerstört.

Doch auch Treue zu den eigenen Männern und das Gefühl Odysseus, er habe sie im Stich gelassen, ist immer wieder zentrales Element. Athene (bezaubernd verzweifelt verkörpert von Zendaya) erscheint ihm in Visionen und warnt ihn davor, sich über die Götter und deren Urteil zu stellen. Hier steht immer wieder die Frage im Raum, wieviel Macht über das eigene Schicksal ein einziger Mann hat und wieviel Verantwortung für natürliche Ereignisse und auch die Entscheidungen seiner Männer dieser Mann sich aufbürden sollte. Odysseus droht an seiner Verantwortung zu zerbrechen, stemmt sich mit aller Macht gegen den Willen der Götter, gegen die Weissagungen und Ratschläge, die er bekommt und versucht stets, sich aufzulehnen und Herr seines Schicksals und dessen seiner Männer zu bleiben.

Motivisch vermengt Nolan hier moderne Aspekte eines Kriegers und Anführers mit den seit Menschengedenken relevanten Themen und Ideen, die bereits vor 3000 Jahren die Menschen umtrieben. Nolan trotzt dabei genau wie seine Hauptfigur dem Gedanken daran, dass Götter das Schicksal bestimmen, und gesteht Odysseus ebenso viel Trotz dagegen zu wie er selbst in das Skript einfließen ließ. Die phantastischen Elemente der Geschichte entspringen den vom Lotus umnebelten Verstand eines Odysseus, der die Geschichten von Monstern und Zauberei seiner Retterin Calypso (wie immer wunderschön: Charlize Theron) erzählt – alle eher faktischen Erlebnisse rund um den Krieg werden von Rückkehrern berichtet.

Mir gefiel der Ansatz, mit dem Nolan die Option lässt an die Mythologie zu glauben, ohne sie als Option wirklich auszuklammern und trotzdem immer wieder das Gesehene in Relation zu ihrem Erzähler und dessen geistigen und psychischen Zustand setzt.

Optisch – ich sag nur Hoyte van Hoytema und von der Musik her – Ludwig Goransson – lässt sich Christopher Nolang zu keinem Zeitpunkt nehmen das absolute Optimum aus seinem Film herauszuholen, berauschende Bilder, ein Score, der zwischen mythisch, alptraumhaft und mitunter fast heroisch umherwabert und dazu die Detailverliebtheit durch das Filmen mit IMAX machen The Odyssey zu einem der audiovisuell eindrucksvollsten Filme der letzten Jahre, dem vermutlich einzig Villeneuves Dune-Filme das Wasser reichen können. Filmfans kommen hier um den Kinobesuch schwerlich herum, wenn sie mal wieder wirkliche Filmkunst mit großem Budget auf der Leinwand sehen wollen. Trotzdem: Ein wenig mehr Mut zu den Farben des mediterranen Raumes wäre schön gewesen, leider ist das Bild häufig ziemlich entsättigt.

Die knapp 3 Stunden Laufzeit gönnen sich keine Längen, der Film wirkt vom Pacing her nahezu perfekt und schafft es durchweg im Fluss zu bleiben, ohne durch die verschiedenen Erzählebenen zu verwirren. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt, wenn man über den Kinobesuch und das dafür nötige Sitzfleisch nachdenkt. Selbst meiner Frau, die mit derlei langen Filmen häufig so ihre Probleme hat, wurde die Zeit nie lang.

Fazit:

The Odyssey ist exakt das imposante High-Budget-Epos geworden, das ich mir erhofft hatte. Nolan hält sich nicht sklavisch an die Vorlage und lässt durchaus hier und da die eine oder andere „Episode“ der Geschichte unter den Tisch fallen, schafft es so aber einen Film über Verlust und Wiederfinden, Schuld und Sühne und auch über die Liebe zu Heim und Familie zu zaubern, der diese mythologische Geschichte von zeitloser Brillanz gekonnt in ein modernes Gewand hüllt. Audiovisuell ein Schmaus, schauspielerisch bis in die Nebenrollen grandios besetzt und trotz 3 Stunden Laufzeit durchweg unterhaltsam gelingt es The Odyssey mich wirklich abzuholen und zu begeistern.

Und auch wenn ich Armand Assantes 1997er TV-Odysseus bis heute weiterhin als meinen persönlichen Liebling sehe, auch weil er die farbenprächtige Schönheit des mediterranen Raums so wundervoll einfängt, hat Nolans Epos sich für mich einen Platz direkt daneben mehr als verdient.

Von mir gibt es herausragende

9/10 Punkte bzw. 4,5/5 Hüte

und an jeden Filmfan die unbedingte Kinoempfehlung!

Die Odyssee Bewertung
Bewertung des Films
910

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