
Nach dem enormen Erfolg von Der Super Mario Bros. Film schien die Marschrichtung eigentlich vorgezeichnet: ein klassisches Sequel, das die Geschichte im Pilz-Königreich fortsetzt und die vertrauten Figuren weiter ausbaut.
Umso bemerkenswerter ist es, dass genau dieser Ansatz für Der Super Mario Galaxy Film offenbar früh verworfen wurde. Statt als direkte Fortsetzung im engeren Sinne gedacht zu sein, entwickelte sich der neue Film von Beginn an eher als eigenständige Erweiterung des Universums.
Wie Mario-Erfinder Shigeru Miyamoto in einem Interview erklärt, habe man das Projekt intern gar nicht als klassische Fortsetzung betrachtet. Stattdessen sprach man bewusst vom „nächsten Film“ – eine Herangehensweise, die neue kreative Möglichkeiten eröffnete. „Wir haben es nie als Fortsetzung betrachtet, sondern als den nächsten Film“, erinnert sich Miyamoto. Die Idee, Elemente aus Super Mario Galaxy zu nutzen, sei dabei aus Gesprächen mit Illumination hervorgegangen.
Schließlich hätte die bekannte Welt rund um Peach, Bowser und Co. noch genügend Raum für weitere Abenteuer geboten. Doch laut Miyamoto ging es dem Team bewusst nicht darum, einfach anzuknüpfen. Auch Illumination-Chef Chris Meledandri beschreibt den kreativen Prozess als bewusste Abkehr vom klassischen Sequel-Denken. Die Galaxy-Spiele hätten sich angeboten, weil sie „eine ganz andere Größenordnung und visuelle Vielfalt“ mitbringen. Statt eine direkte Fortsetzung zu erzählen, sei es darum gegangen, die Welt von Mario in eine neue Richtung zu entwickeln.
Ein wichtiger Baustein dabei ist der veränderte Tonfall. Mit Figuren wie Rosalina rückt eine emotionalere Ebene stärker in den Fokus. Miyamoto verweist darauf, dass die Galaxy-Reihe „eine ruhigere, nachdenklichere Stimmung“ transportiere – ein Element, das dem Film zusätzliche Tiefe verleihen soll.
Hinzu kommt das prägende Spielprinzip der Gravitation, das im Galaxy-Universum eine zentrale Rolle spielt. Die daraus entstehenden Perspektivwechsel und Bewegungsabläufe eröffnen visuelle Möglichkeiten, die sich deutlich von der eher klassischen Struktur des ersten Films unterscheiden.
Die Wahl von Super Mario Galaxy erscheint damit weniger als bloße Fortsetzung, sondern vielmehr als bewusste Neuausrichtung. Nintendo und Illumination setzen früh auf Expansion statt Wiederholung – ein Schritt, der das Franchise langfristig breiter aufstellen könnte, zugleich aber die Erwartungshaltung an ein klassisches Sequel bewusst unterläuft.
Ob dieser Ansatz beim Publikum als mutige Weiterentwicklung ankommt oder ob sich manche Zuschauer zunächst mehr Kontinuität gewünscht hätten, wird sich erst mit der weiteren Resonanz zeigen.
Der Start liefert jedoch bereits starke Zahlen: Mit rund 190 Millionen Dollar in den ersten Tagen und etwa 372 Millionen Dollar weltweit bewegt sich der Film auf hohem Niveau, bleibt aber leicht hinter dem Vorgänger zurück. Auch die etwas verhalteneren Reaktionen von Kritikern und Publikum könnten die langfristige Entwicklung beeinflussen.
Klar ist dennoch: Der Super Mario Galaxy Film versteht sich weniger als Fortsetzung im engeren Sinne, sondern als nächster Entwicklungsschritt eines wachsenden Kino-Universums.
