Anzeige
Anzeige
Anzeige
Wenn Filme plötzlich anders sprechen

Verfälscht, entschärft, umgeschrieben: Wie Synchros Filme verändern

Verfälscht, entschärft, umgeschrieben: Wie Synchros Filme verändern
16 Kommentare - Mo, 08.06.2026 von MJ-MrBond
Synchronisation ist weit mehr als bloße Übersetzung. Manchmal reichen wenige geänderte Dialogzeilen, um Figuren, Botschaften oder sogar die Aussage eines ganzen Films zu verändern.
Verfälscht, entschärft, umgeschrieben: Wie Synchros Filme verändern

Wenn von Filmzensur die Rede ist, denken die meisten Menschen an herausgeschnittene Gewaltszenen. An beschlagnahmte Horrorfilme. An schwarze Balken oder plötzlich abbrechende Einstellungen.

Doch die wirksamste Form der Zensur fällt vielen Zuschauern überhaupt nicht auf.

Man sieht sie nicht...

Man hört sie!

Seit Jahrzehnten werden ausländische Filme für den deutschen Markt synchronisiert. Meist geschieht das professionell und werkgetreu. Doch immer wieder wurden Dialoge verändert, Aussagen abgeschwächt oder ganze Figuren neu interpretiert. Manchmal geschah dies aus politischen Gründen, manchmal aus Rücksicht auf das Publikum, manchmal aus wirtschaftlichen Erwägungen. Und gelegentlich entstand daraus etwas völlig Neues.

Die Geschichte der deutschen Synchronisation ist deshalb weit mehr als die Geschichte bloßer Übersetzungen. Sie ist auch eine Geschichte von Anpassung, Umdeutung und gelegentlich sogar Zensur.

Der Film, den Deutschland nie sehen sollte

Der vielleicht spektakulärste Fall stammt ausgerechnet von einem der berühmtesten Filme aller Zeiten.

Als Casablanca Anfang der fünfziger Jahre erstmals in Deutschland erscheinen sollte, stand man vor einem Problem. Der Film erzählt vom Kampf gegen den Nationalsozialismus. Die Helden sind Widerstandskämpfer. Die Nazis sind die Bösewichte.

Nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erschien das offenbar nicht jedem Verantwortlichen als ideale Grundlage für eine deutsche Kinofassung. Also entschied man sich für eine radikale Lösung. Man übersetzte den Film nicht einfach. Man schrieb ihn um.

Aus dem tschechischen Widerstandskämpfer Victor Laszlo wurde ein norwegischer Wissenschaftler namens Victor Larsen. Politische Zusammenhänge verschwanden. Hinweise auf Konzentrationslager verschwanden. Die deutsche Besatzung Europas verschwand. Selbst die berühmte Szene, in der die Gäste von Rick´s Café die deutschen Offiziere mit der Marseillaise übertönen, wurde entfernt.

Wer die damalige deutsche Fassung sah, bekam nicht denselben Film präsentiert wie das internationale Publikum. Er bekam eine völlig neue Geschichte.

Heute gilt dieser Eingriff als einer der extremsten Fälle von Synchronisationszensur überhaupt. Gerade deshalb wirkt er wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Eine Kuriosität der Nachkriegsjahre. Ein Kapitel der Filmgeschichte, das längst abgeschlossen scheint.

Doch genau hier beginnt die eigentliche Geschichte.

Denn die Manipulation durch Synchronisation verschwand nie. Sie wurde lediglich subtiler.

Stirb Langsam und die verschwundenen Deutschen

Springen wir ins Jahr 1988.

Bruce Willis wird mit Stirb langsam Die Hard über Nacht zum Actionstar. Alan Rickman erschafft mit Hans Gruber einen der charismatischsten Filmschurken der Kinogeschichte. Im Original ist dabei völlig klar, wer Gruber und seine Männer sind: Deutsche!

Sie sprechen Deutsch. Sie stammen aus Deutschland und mehrere Dialoge beziehen sich ausdrücklich darauf.

Doch in der deutschen Synchronfassung beginnt plötzlich eine merkwürdige Verwandlung: Hans wird zu Jack, Karl wird Charlie, Heinrich wird Henry, Fritz wird Fred… und der ein oder andere bekommt einen italienischen Akzent.

Auch verschiedene Dialoge, die eindeutig auf Deutschland verweisen, werden umgeschrieben und andere in ihrer Kaltblütigkeit entschärft.

Ein besonders kurioses Beispiel betrifft eine Bemerkung über Berlin. Im Original erwähnt einer der Terroristen beiläufig, dass er eine bestimmte Stereoanlage mehrfach in Berlin besitzt. In der deutschen Fassung verschwindet Berlin komplett aus dem Gespräch. Stattdessen stand die Anlage im Büro des Gefängnisdirektors.

Als Beispiel wird die entschärfte Skrupellosigkeit in einem Dialog zwischen Takagi und Hans Gruber deutlich:

Original:

Takagi: „[…] I´m telling you, you´ll just have to kill me!”
Hans: “Okay, we do it the hard way!”

Synchro:

Takagi: „[…] Wenn Sie mir nicht glauben, müssen Sie mich umbringen!“
Hans: „Leider. Dann eben auf die harte Tour, schade!“

Die Handlung bleibt erhalten. Der Sinn der Szene ebenfalls.

Doch sowohl die Härte, als auch die deutsche Herkunft der Figuren wird im Laufe des Films Stück für Stück verwischt.

Warum?

Eine offizielle Erklärung existiert nicht. Die Vermutung liegt allerdings nahe: Deutsche Terroristen als zentrale Schurken eines großen Hollywood-Blockbusters erschienen Ende der achtziger Jahre für den deutschen Markt möglicherweise als problematisch und, auch wenn er den wehrlosen Takagi kaltblütig ermordet, sollte man doch den Eindruck gewinnen, Hans Gruber erledigt seinen Job nicht ganz ohne Reue.

Das Interessante daran ist nicht die Größe des Eingriffs. Es ist seine Unsichtbarkeit. Die meisten Zuschauer bemerkten ihn nie. Wer nur die deutsche Fassung kennt, wird kaum auf die Idee kommen, dass hier überhaupt etwas verändert wurde.

Starship Troopers – Der Film, den viele deutschsprachige Zuschauer nie vollständig verstanden haben

Noch faszinierender ist der Fall Starship Troopers, denn hier wurden nicht einfach nur Namen verändert… Hier wurde die politische Aussage eines Films deutlich abgeschwächt.

Als Paul Verhoeven 1997 seinen Science-Fiction-Film veröffentlichte, hielten viele Zuschauer ihn für einen simplen Actionfilm über Soldaten, die gegen riesige Alien-Insekten kämpfen. Tatsächlich war Starship Troopers etwas ganz anderes.

Verhoeven hatte eine bitterböse Satire gedreht. Eine Satire auf Militarismus, auf Propaganda, auf autoritäre Gesellschaftssysteme und auf die Bereitschaft von Menschen, Freiheit gegen Sicherheit einzutauschen.

Im Original wird immer wieder deutlich gemacht, dass die Föderation keine Demokratie im klassischen Sinn ist.

Das berühmte Motto lautet:

„Service guarantees citizenship“: Der Dienst garantiert Staatsbürgerschaft… bzw. Staatsbürgerschaft ist nicht selbstverständlich. Sie muss verdient werden.

Wer Militärdienst oder einen anderen Staatsdienst leistet, erhält politische Rechte. Wer dies nicht tut, bleibt außen vor. Mehrfach wird im Film ausdrücklich erklärt, dass politische Macht nur denjenigen zusteht, die dem Staat gedient haben.

Noch deutlicher wird die Ideologie in den Unterrichtsszenen des Lehrers Jean Rasczak. Dort wird offen darüber gesprochen, dass Gewalt mehr politische Probleme gelöst habe als jede andere Methode. Demokratische Systeme der Vergangenheit werden als gescheitert dargestellt. Militärische Tugenden werden verherrlicht.

Original:

Rasczak: "This year we explored the failure of democracy, how the social scientists brought our world to the brink of chaos. We talked about the veterans, how they took control and imposed the stability that has lasted for generations since." (Wörtlich: „In diesem Jahr haben wir uns mit dem Scheitern der Demokratie befasst und damit, wie die Sozialwissenschaftler unsere Welt an den Rand des Chaos gebracht haben. Wir haben über die Veteranen gesprochen und darüber, wie sie die Kontrolle übernommen und eine Stabilität durchgesetzt haben, die seitdem seit Generationen Bestand hat“)

Synchro:

Rasczak: "Unser Thema war dieses Jahr die politische Entwicklung der Jahrtausendwende. Und wie Außerirdische diese Entwicklung beeinflußt haben. Wir sprachen über die Bugs, wie sie die Erde angriffen und Tausenden unserer Vorfahren den Tod brachten."

Kein Wort vom Scheitern der Demokratie und der Machtübernahme durch Kriegsveteranen.

"Starship Troopers" Trailer 1

Nicht so drastisch wie bei Casablanca, aber deutlich genug, um die Wahrnehmung des Films entscheidend zu verändern.

Das Verrückte daran:

Die Gewalt blieb vollständig erhalten. Die Schlachten blieben erhalten. Die Propagandabilder blieben erhalten. Doch die Erklärungen, warum diese Gesellschaft überhaupt so funktioniert, wurden an verschiedenen Stellen abgeschliffen. Dadurch verloren viele Zuschauer den entscheidenden Kontext.

Während internationale Kritiker den Film als Satire auf faschistische Strukturen diskutierten, sahen viele deutsche Zuschauer lediglich einen Science-Fiction-Kriegsfilm mit spektakulären Spezialeffekten.

Die Bilder waren dieselben, die Botschaft nicht unbedingt.

Die Macht kleiner Veränderungen

Genau hier zeigt sich die besondere Wirkung von Synchronisation. Ein herausgeschnittener Kopf fällt jedem Zuschauer auf. Eine gekürzte Actionszene ebenfalls.

Ein leicht veränderter Dialog hingegen verschwindet nahezu unsichtbar im Gesamtwerk. Dabei kann gerade ein einzelner Satz die Wahrnehmung einer Figur vollständig verändern.

Wird aus einem Terroristen plötzlich ein gewöhnlicher Verbrecher?

Wird aus einer politischen Satire ein Actionfilm?

Wird aus einem Widerstandskämpfer ein Wissenschaftler?

Oft genügt dafür nur eine Handvoll umformulierter Dialogzeilen. Die stärksten Eingriffe sind deshalb nicht immer die sichtbarsten.

Und dann war da noch Rainer Brandt

Die Geschichte deutscher Synchronisationen hat aber auch noch eine andere Seite - eine deutlich lustigere. Denn dieselbe Technik, mit der Filme entschärft oder verändert werden konnten, wurde manchmal genutzt, um etwas Neues zu erschaffen. Etwas, das viele Zuschauer sogar besser fanden als das Original.

Hier kommt Rainer Brandt ins Spiel.

Der Synchronautor und Regisseur prägte die deutsche Synchronlandschaft wie kaum ein anderer. Sein Name ist untrennbar mit der sogenannten "Schnoddersynchronisation" verbunden. Besonders bekannt wurde dieser Stil durch die Kultserie Die Zwei The Persuaders!. Doch sie war keineswegs das einzige Werk, das durch kreative deutsche Dialoge ein völlig neues Eigenleben entwickelte.

Die Zwei – Die Serie, die in Deutschland neu erfunden wurde

Wer heute Die Zwei sieht, versteht sofort, warum die Serie Kultstatus besitzt. Roger Moore und Tony Curtis liefern sich einen permanenten Schlagabtausch. Jede Szene scheint voller Wortwitz zu stecken. Jeder Dialog endet mit einer Pointe. Die beiden Hauptfiguren necken sich ununterbrochen.

Das Überraschende daran:

Im Original ist die Serie deutlich nüchterner. Viele der legendären deutschen Sprüche existieren dort überhaupt nicht. Die deutschen Autoren nutzten die Synchronisation nicht als Übersetzung, sondern als kreative Neuerfindung. Dialoge wurden umgeschrieben, neue Gags erfunden, Anspielungen auf deutsche Prominente eingebaut und aktuelle Ereignisse kommentiert. Manchmal gingen die Bearbeiter sogar noch weiter.

Wenn eine Figur von hinten zu sehen war oder ihr Mund nicht klar erkennbar war, wurden zusätzliche Kommentare eingefügt, die im Original niemals existierten. Plötzlich sprach jemand, obwohl er eigentlich schwieg… und niemand bemerkte es.

Das Ergebnis war so erfolgreich, dass viele Zuschauer bis heute die deutsche Version für die bessere halten. Ein bemerkenswerter Gedanke.

Dieselbe Technik, die bei Casablanca politische Inhalte entfernte, erschuf bei Die Zwei The Persuaders! einen Fernsehklassiker.

Bud Spencer, Terence Hill und die Macht der Synchronisation

Noch deutlicher wurde dieser Effekt bei den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill. Wer ausschließlich die deutschen Fassungen kennt und irgendwann die Originale sieht, erlebt häufig eine Überraschung.

Die Filme sind zwar wiederzuerkennen, die Handlung ist dieselbe und auch die Prügeleien sind identisch. Doch der Humor wirkt oft deutlich zurückhaltender. Viele der Sprüche, die Generationen deutscher Zuschauer auswendig zitieren können, stammen nicht aus den italienischen Originalfassungen. Sie entstanden erst im Synchronstudio.

Dort wurden harmlose Bemerkungen zu frechen Wortgefechten ausgebaut. Aus kurzen Dialogen wurden ganze Comedy-Nummern. Figuren erhielten Charakterzüge, die sie ursprünglich gar nicht besaßen. Das Publikum liebte es.

Und so entstand ein kurioses Paradox:

Ausgerechnet die deutsche Synchronisation machte manche Filme erfolgreicher, als sie es durch reine Werktreue vermutlich gewesen wären.

Zwischen Übersetzung und Veränderung

Die Geschichte deutscher Synchronisationen ist deshalb keine einfache Geschichte von richtig oder falsch.

Sie bewegt sich in einer Grauzone.

Zwischen Übersetzung und Interpretation.

Zwischen Anpassung und Verfälschung.

Zwischen Kreativität und Zensur.

Casablanca zeigt die grobe politische Brechstange der Nachkriegszeit.

Stirb langsam Die Hard demonstriert die Rücksicht auf nationale Empfindlichkeiten.

Starship Troopers verdeutlicht, wie politische Aussagen durch kleine Änderungen teils deutlich an Schärfe verlieren können.

Die Zwei The Persuaders! und die Spencer-Hill-Filme beweisen dagegen, dass dieselben Werkzeuge auch Kult erschaffen können.

Am Ende bleibt eine überraschende Erkenntnis:

Die mächtigsten Veränderungen eines Films entstehen nicht immer im Schneideraum. Manchmal entstehen sie erst im Synchronstudio.

Und manchmal reicht dafür ein einziger Satz.

Mehr zum Thema
Horizont erweitern
Was denkst du?
Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!
16 Kommentare
1 2
Avatar
Koboldjaeger : : Moviejones-Fan
15.06.2026 00:03 Uhr
0
Dabei seit: 05.01.13 | Posts: 192 | Reviews: 0 | Hüte: 9

@MrBond
Vielen Dank für diesen informativen Artikel. Das meiste davon war mir tatsächlich nicht bekannt. Dafür auch von mir einen Hut.

Eine symbolische Uhr gereicht dem menschlichen Verstand so sehr zur Nahrung wie ein Bild von Luft einem Ertrinkenden. -- Dr. Manhattan

Avatar
MrBond : : Imperialer Agent
09.06.2026 20:52 Uhr
1
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.144 | Reviews: 30 | Hüte: 651

@Tim

Ich denke mal, dass das eben so ein "Verhoeven-Ding" ist. Im Prinzip hat er ja mit Robocop, Total Recall und Starship Troopers in dieselbe Kerbe geschlagen.

Alle drei "Meisterwerke" bilden eine inoffizielle Einheit, da er ihnen seine unverkennbare Handschrift als zynische Gesellschafts- sowie Mediensatire verleiht – perfekt inszeniert durch fiktive Werbespots oder Propaganda-Einspieler –, und darin das Thema der Unterwerfung des Individuums durch Technologie, Medien, Diktatur oder Konzerne geschickt mit Gewaltspitzen und totalitären Strukturen verknüpft.

Gerade bei Total Recall und Starship Troopers hat er sich scheinbar bewusst nicht eins zu eins an die literarischen Vorlagen gehalten, um stattdessen seine ganz eigene filmische Interpretation und subversiven gesellschaftspolitischen Aussagen einzubetten.

Bei der Neuverfilmung von Total Recall ist der Unterschied unverkennbar. Bei Starship Troopers wäre es interessant zu sehen, was ein anderer Regisseur aus dem Stoff machen würde.

P.S.: Danke an meine Hütchengeber heart

“Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

Avatar
Poisonsery : : One Piece Fan
09.06.2026 15:02 Uhr
0
Dabei seit: 02.03.18 | Posts: 3.085 | Reviews: 9 | Hüte: 48

Mir fiel zum Thema noch die Dinos ein.

Wer richtig hin hört und schaut kommen häufig Ungereimheiten auf. Als Kind fiel mir das nie auf. Direkt fällt mir die Urlaubsfolge ein. Wo man den Urlaub gerade erfindet. Da sprachen Sie im Deutschen von viele Dinos die einschlafen bei der Arbeit. In Wirklichkeit sind diese aber gestorben. Sehr viele Folgen wurden entschärft. Trotzdem Kult und immer noch mit aktuellen Themen. Kann man sich bei Disney Plus gönnen.

Sir Crocodile „Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert."

Avatar
Batman76 : : Moviejones-Fan
09.06.2026 14:35 Uhr
0
Dabei seit: 12.12.11 | Posts: 1.093 | Reviews: 0 | Hüte: 88

Echt guter Artikel. Neben der Bearbeitung von "Stirb langsam" fällt mir in den 80ern übrigens der Bond-Film "Im Angesicht des Todes" ein. Im Original ist Hauptbösewicht Max Zorin das Ergebnis biologischer Versuche eines Nazi-Wissenschaftlers. In der Synchronisation wurde aus Letzterem ein polnischer Biologe.

"With great power comes great responsibility!"

"To boldly go, where no one has gone before!"

"Bei der Macht von Grayskull, ich habe die Zauberkraft!"

Avatar
Rayne : : Moviejones-Fan
09.06.2026 14:18 Uhr
0
Dabei seit: 25.09.24 | Posts: 65 | Reviews: 0 | Hüte: 6

Guter Artikel! Dass die Zensur von Casablanca so extrem war, war mir nicht bekannt.
Noch ein klassisches Beispiel: In der Star Trek TOS Episode "Amok Time" erlebt Spock die vulkanische "Brunftzeit" Pon Farr und reist nach Vulkan, wo ihn seine Verlobte zu einem Kampf auf Leben und Tod mit Kirk anstiftet. Für deutsche Zuschauer wohl zu starker Tobak, also wurde erstens aus Spocks Sexualität eine Krankheit(!) und zweitens die gesamte Reise plus Kampf zur Traumsequenz umsynchronisiert. Erst die Remastered Edition versuchte die Originalstory wiederherzustellen (deutlich zu hören an den anders klingenden Stimmen).

Und die Nazi-Episode "Patterns of Force" wurde gleich vollständig gestrichen...

Avatar
Tim : : King of Pandora
08.06.2026 23:21 Uhr
0
Dabei seit: 06.10.08 | Posts: 3.187 | Reviews: 192 | Hüte: 92

Sehr schön geschrieben mit vielen coolen Details. Vor allem bei Starship Troopers bin ich aber immer wieder schockiert. So sehr ich den Film wegen seiner Absurdität und überzogenen Darstellung mag, dem großartigen Buch und dessen Geschichte hat man damit keinen Gefallen getan und rückt das alles in eine Ecke, die das Buch niemals ausdrücken will. Bin mal gespannt, falls das Remake kommt, wie das dann gemacht wird.

Avatar
Pixeler : : Moviejones-Fan
08.06.2026 20:08 Uhr | Editiert am 08.06.2026 - 20:09 Uhr
0
Dabei seit: 11.07.23 | Posts: 159 | Reviews: 0 | Hüte: 4

...und Animes im Allgemeinen noch zu erwähnen.

Hayao Miyazakis "Nausicaa aus dem Tal der Wnde" mit einer Laufzeit von 117 Min. ist bei uns 1984-85 auf VHS unter dem Namen "Sandra die Sternenkriegerin" mit einer Laufzeit von ca. 80 Min. erschienen. Die Story ist komplett anders - im Dichten waren die Deutschen ja schon immer gut.
Schaut man sich den Anfang von Pichas "Tarzoon" an, wo englischer Text eingeblendet wird, lautet die Übersetzung:
Africa...where the web of life is spun from cheaper thread!
Afrika...hier ist mehr als eine Banane krumm!
Africa...where elephants have a graveyard and men are left to rot where they fall!
Afrika...hier hat man nur Angst das die Krokodile Chinesisch lernen, die Moskitos nach Öl bohren und die Kokosnüsse einen russischen Reissverschluss bekommen...usw usf.

Seht ihr, das ist der Grund warum ich die 70er und 80er mag. tongue-out
Und natürlich einen Hut für Meister Bond und diesen XL-Beitrag.

Avatar
Daywalker : : Moviejones-Fan
08.06.2026 17:05 Uhr
0
Dabei seit: 01.01.23 | Posts: 368 | Reviews: 0 | Hüte: 7

Da wären Dragonball, Sailor Moon und Animes im Allgemeinen noch zu erwähnen.

Avatar
Mxyzptlk : : Moviejones-Fan
08.06.2026 13:52 Uhr
0
Dabei seit: 29.03.16 | Posts: 611 | Reviews: 3 | Hüte: 14

@MrBond Danke für die Aufklärung. Faszinierend, das Medium Film.

Avatar
MrBond : : Imperialer Agent
08.06.2026 13:37 Uhr | Editiert am 08.06.2026 - 13:38 Uhr
5
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.144 | Reviews: 30 | Hüte: 651

Danke für die postive Resonanz. Kleine Anmerkung, die ich im Artikel nicht erwähnt hatte: Gerade bei Stirb Langsam wäre eine mögliche Erklärung, dass zu dem Zeitpunkt, als der Film herauskam, die RAF noch sehr aktiv war (die sog. Dritte Generation)... vielleicht wollte man neben den realen deutschen Terroristen nicht auch noch fiktive deutsche Film-Terroristen haben. Auch nicht auszuschließen, dass gerade die RAF nicht sogar Pate für die Stirb-Langsam-Autoren standen. Das ist, wie gesagt, nur ein Erklärungsversuch. Es würde zumindest zeitlich passen.

@Mxyzptlk

" Da gab es einen Film von denen, wovon 2 Fassungen existieren glaub ich. Eine Ernste und eine Lustige."

Ja, genau (es gibt mehrere Filme). Ein Beispiel wäre der Film Gott vergibt – wir beide nie!, der als ernster Western ins Kino kam. Später, mit dem Erfolg der "Schnodderübersetzungen", wurde der Film 14 Jahre später unter dem Titel Zwei vom Affen gebissen neusynchronisiert re-released. Sprich: Nicht nur die Synchro wurde witziger, sondern auch der Titel des Films komplett neu interpretiert.

Bei Vier Fäuste für ein Halleluja war`s übrigens gerade umgekehrt: Da kam zuerst die lustige (und teilweise gekürzte) Version heraus, bevor man eine zweite ernste Synchro nachlegte.

“Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

Avatar
Poisonsery : : One Piece Fan
08.06.2026 11:33 Uhr
0
Dabei seit: 02.03.18 | Posts: 3.085 | Reviews: 9 | Hüte: 48

Ich weiß noch wie verwirrt ich war. Als Hulks Gegenspieler der Leader nie mehr als das Megahirn genannt wurde. Die Zeichentrickserie von Hulk 90er hat mich so geprägt. Das ich eigentlich immer erwarte, dass das der grüne Genius ständig sagt " also sprach das Megahirn ". Es kam aber nie mehr. Es ist ein alberner Spruch und alberner Name. Aber ich erwarte es gefühlt immer noch laughing

Ein toller Artikel.

Sir Crocodile „Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert."

Avatar
Darkclaw : : Moviejones-Fan
08.06.2026 11:32 Uhr
0
Dabei seit: 24.04.25 | Posts: 446 | Reviews: 1 | Hüte: 12

Ja ich musste auch gleich an "ein Käfig voller Helden" denken :-D Da macht die Synchro auch sehr viel aus. Eben mit Dialekten etc.

Dass Casablanca aber so "verunstaltet" wurde, das war mir bisher nicht bewusst.

Avatar
Mxyzptlk : : Moviejones-Fan
08.06.2026 09:55 Uhr
0
Dabei seit: 29.03.16 | Posts: 611 | Reviews: 3 | Hüte: 14

Sehr schöner Artikel. Danke dafür.
Kurz vor Ende der 2. Seite kam mir der Gedanke Spencer/Hill. Da gab es einen Film von denen, wovon 2 Fassungen existieren glaub ich. Eine Ernste und eine Lustige. Da gibt es eine Szene, in der der Hill Poker spielt? Oder irre ich mich?

Naja, gibt es von Die Hard auch "richtige" Fassung?

Avatar
GPJ : : Popcornologe
08.06.2026 09:31 Uhr
0
Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 1.457 | Reviews: 5 | Hüte: 87

Sehr interessant!

Und es zeigt, dass politische Einflussnahme keine Erfindung der Neuzeit ist, das gab es schon immer.

Avatar
CountDooku : : Moviejones-Fan
08.06.2026 08:43 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.11 | Posts: 786 | Reviews: 8 | Hüte: 8

Bei der Serie "Ein Käfig voller Helden " kam auch die berühmte Synchro von Brandt zum Einsatz. Da hatten Klink und Schulz Dialekte und Newkirk hat gestottert.

Besonders lustig ist es wenn man sich bei der Serie die deutschen Untertitel laufen lässt. Die sind nämlich eine wirkliche Übersetzung und haben ganz andere Inhalte.

1 2
Forum Neues Thema