
Bewertung: 4.5 / 5
Im Star Wars Universum gibt es etliche Bösewichte und Schurken, doch wenige von ihnen sind so vielschichtig und spannend wie Maul. Der einstige Schüler von Darth Sidious, der in Star Wars - The Clone Wars zum Unterweltboss auftsieg und in Star Wars Rebels ein würdiges Ende fand, ist weder das absolute Böse, noch ein Antiheld. In seiner eigenen Serie, Star Wars: Maul - Shadow Lord, bekommt er nun die Geschichte und Tiefe, die er verdient. Und nebenbei zeigt uns der neue Lucasfilm Co-Präsident Dave Filoni, dass er, trotz zuletzt umstrittener Serien, immer noch in der Lage ist, geniale Star Wars GEschichten zu erzählen.
Star Wars: Maul - Shadow Lord Review
Star Wars: Maul - Shadow Lord setzt zeitlich nach dem Staffelfinale der siebsten Staffel Star Wars - The Clone Wars an, also nach den Ereignissen mit Ahsoka auf Mandalor, die teilweise zur selbben Zeit wie Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith spielen. Mauls Schattensydikat ist auseinandergebrochen und die Verbrecherorganisationen haben ihn verraten. Wenig überraschend sinnt der ehemalige Sith-Lord auf der Welt Janix auf Rache und bereitet mit einigen verblieben Verbündeten einen Coup vor.
Trailer zu Star Wars: Maul - Shadow Lord
Doch ist Maul auch auf der Suche nach einer Schülerin und hat sie in der Jedi-Padawan Devon Izara gefunden, die allerdings noch mit ihrem Meister Eeko-Dio Daki im Verborgenen lebt und der hellen Seite der Macht folgt. Derweil kümmert sich der Polizist Brander Lawson mit seinem Droiden-Kollegen Two-Boots um die Verbrechen, die Maul begeht, um an die Verbrecherorganisation Crimson Dawn, die wir aus Solo - A Star Wars Story kennen, heranzukommen. Als das Imperium eintrifft, müssen alle zusammenarbeiten, um vom Planeten zu fliehen. Doch die Inquisitoren sind ihnen dicht auf den Versen.
Mauls tragische Geschichte und interessante Nebencharaktere
Es gibt eine Szene, in der Maul verletzt einen windigen Schacht durchquert. Geplagt von der Demütigung, den vorherigen Kampf nicht gewonnen zu haben und fliehen müssen, hört ein ihm wohl bekanntes Lachen, nämlich das seines ehemaligen Meisters. Doch wir sehen auch etwas, beispielsweise wie Maul von Sidious mitgenommen wird, während sein Bruder ihn bittet, zu bleiben. Sein Bruder, Savage Opress wird später von Sidious getötet. Es sind Momente die klar machen, wie tragisch Mauls Geschichte ist. Sein ganzes Leben, seine Ausbildung, alles, was er kann, basiert auf der Ausbildung durch seinen Meister - der ihn später für jemand anderen verriet. Sein Hass und sein Wille, das Imperium zu vernichten und Rache zu üben, wird die ganze Serie über sichtbar und ist auch der Grund, warum Maul überhaupt eine Schülerin braucht.
Am Anfang der Staffel gab es durchaus Sorgen, dass Maul in seiner eigenen Serie zur Nebenfigur wird, doch das ist überhaupt nicht der Fall. Er hält sich vor allem zu Beginn noch zurück, doch ist das Story-technisch sehr nachvollziehbar. Immerhin lernen wir in dieser Zeit die anderne Figuren kennen und schließen sie in unser Herz.
So etwa den Polizisten Brander Lawson, der zwar immer recht ruhig bleibt, aber als für seinen Sohn tut und trotz seiner Arbeit für die Polizei, die vom Imperium kontrolliert wird, ein rechtschaffender Mann ist. Sein Sohn Rylee kämpft währenddessen damit, dass er seinen Vater kaum sieht und seine Mutter als hohes Tier beim Imperium ebenso wenig Zeit für ihn hat. Er möchte Anerkennung und gemeinsame Zeit mit seinem Vater, den er auch bewundert, erhält diese aber nicht.
Spannend, wenn auch etwas vorhersehbar, ist die Charakterentwicklung bei dem Jedi-Meister und seiner Padawan. Meister Eeko-Dio Daki ist weise und behaart auf Ruhe und Zurückhaltung, während Devon noch energiegeladener ist und einige Grundsätze der Jedi nicht versteht. Maul versucht sie mit den klassischen Methoden zu brechen, doch braucht es am Ende doch einen vorhersehbaren und dennoch in seiner Art traurigen Tod, um sie zur Schülerin zu gewinnen.
Wundervolle Animation und packender Soundtrack
Die gut ausgearbeiteten Charaktere sind aber nicht das einzige, das Star Wars: Maul - Shadow Lord so gut macht. Denn während frühere Animationsserien sich oft den Vorwurf gefallen lassen mussten, sie seien hässlich, ist das spätestens bei Maul überhaupt nicht mehr so. Der Planet Janix ist mit seiner Cyperpunk-Ästhethik eine visuelle Wucht. Auch die Dschungelgebiete des Planeten sehen schön aus, wenngleich der Wow-Effekt bei einem Dschungel nicht mehr so groß ist.
Dafür ist der Animationsstil extrem gut gelungen, und das durchgehend. Star Wars: Maul - Shadow Lord ist düster, schmutzig und rau, was sowohl fürs Visuelle als auch für die Geschichte gilt. Die Lichtschwertkämpfe, von denen es nicht zu wenige gibt, sind zum Großen Teil gut insezeniert. Bei der ein oder anderen Szene waren die Gefechte auch so episch, dass uns kaum etwas Vergleichbares im Star Wars Universum einfällt. Insbesondere der Kampf zwischen den Inquisitoren und Maul im Finale ist hier zu erwähnen.
Apropos Finale, das ist nämlich sehr spannend inszeniert. Die Flucht vom Planeten, in denen alle uns liebgewonnenen Charaktere zusammenarbeiten müssen, sorgt für den ein oder anderen Tod, der uns gnadenlos mitgenommen hat. Dass die Charaktere, die wir mögen, nicht sicher sind, fügt einfach eine Spannung hinzu, die letztere Star Wars Serien vermissen lassen, wenn etwa Lichtschwertstiche nicht mehr so tödlich sind wie früher. Die Krönung für die ohnehin gute Serie ist die Musik, die von eigenen Themen, bis hin zur Nutzung klassischer Themen vollends überzeugt.
Fazit
Nach Andor - A Star Wars Story kam die Frage auf, ob wir jemals wieder etwas von Disney sehen wird, dass auch nur in die Nähe dieses Meisterwerks kommt. Zugegeben, Star Wars: Maul - Shadow Lord ist noch kein Meisterwerk und die Tiefe und Relevanz von Andor - A Star Wars Story ist auch noch nicht erreicht, aber Star Wars: Maul - Shadow Lord kommt das schon näher ran, als das Meiste. In zehn Folgen mit jeweils etwa 25 Minuten Laufzeit, mehrere Charaktere zu etablieren, die uns etwas bedeuten, ist an sich schon eine starke Leistung. Doch zusätzlich erhalten wir grandiose Animationen, epische Musik und Kämpfe und einen weiteren Einblick in die Figur Maul. Wenn die Serie in der zweiten Staffel so weiter macht und endlich damit anfängt, die eigentliche Geschichte vom erneuten Aufstieg Mauls zu erzählen, statt nur wie in Staffel 1 die Grundlage dafür zu liefern, dann erwartet uns hier etwas, das noch richtig, richtig gut werden könnte.


