Moviejones.de ist ein kostenloses Angebot, welches sich durch Werbung refinanziert. Adblocker minimieren die Einnahmen monatlich um 40%. Wenn du möchtest, dass wir auch in Zukunft unsere Redakteure bezahlen können, deaktiviere bitte deinen Adblocker.

Du willst dennoch keine Werbung oder diese deutlich minimieren?

Hier mehr erfahren
Moviejones finanziert sich nur über Werbung
Möchtest du MJ helfen, deaktivere bitte deinen Adblocker. Falls du dennoch weniger Werbung sehen willst und das sogar kostenlos, erfährst du hier mehr.

Christopher Nolan Top-Liste

luhp92 | 27.08.2017

Hier dreht sich alles um die Topliste Christopher Nolan Top-Liste. Tausch dich mit anderen Film- und Serienfans aus.

Was denkst du?
43 Kommentare
Avatar
Tim : : King of Pandora
08.02.2019 18:14 Uhr
1
Dabei seit: 06.10.08 | Posts: 2.875 | Reviews: 192 | Hüte: 76

Ich verstehe nicht warum alle Dunkirk so hochjubeln, in meinem Bekanntenkreis ist niemand der den Film als gut empfunden hat, bestenfalls mittelmäßig. Für mich auf jeden Fall zu experimental, da blieb die Botschaft auf der Strecke. Ansonsten kann man gut mitgehen mit der Liste, BB wäre bei mir noch weiter vorn.

MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
08.02.2019 19:16 Uhr | Editiert am 08.02.2019 - 19:47 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.171 | Reviews: 158 | Hüte: 362

@TiiN
"Was versteht ihr alle unter dem Begriff "Eventmovie" ?"

Ich hätte auch Blockbuster schreiben können, Filme mit einer groß angelegten Geschichte bzw. Thematiken und einer dementsprechenden Inszenierung. Nolan und/oder kündigten "Dunkirk" ja sogar als Blockbuster an.

"alle Filme seit seiner Batman-Trilogie in eine "Schublade" zu packen. Denn die Machart von Dunkirk (ich betone einmal mehr, ich meine nicht die Zeitebenen) unterscheidet sich doch stark von Batman oder Inception."

Natürlich unterscheidet sich "Dunkirk" von seinen vorherigen Filmen - z.B. keine Twists oder Mindfucks, kaum (Erklärbär-)Dialoge -, es bleibt aber dennoch ein Large-Scale-Action- und Spannungsfilm (s. MobyDick). Ich würde aber zustimmen, dass es unter Nolans Mainstream-Filmen der am wenigsten mainstreamartige ist, was man u.A. auch am Einspielergebnis sieht.

@Silencio
"Natürlich hat der Antagonisten. Wir sehen die nie, aber der Film funktioniert doch nur, wenn wir verstehen, dass die Nazis die Bösen sind. Im Grunde benutzt er da auch wieder so einen lowest common denominator, weil ja wirklich JEDER weiß, dass die Nazis "Monster" sind."

Das würde ich so nicht sagen. Der Feind ist hier nicht näher definiert, es fallen weder die Begriffe Nazi noch Deutsch. Die Assoziationen gehen aus dem Film nicht hervor, sondern die bringt der Zuschauer mit. Ich empfinde es hier eher so, dass der Krieg selbst der Antagonist ist, der Gegner könnte jeder Mögliche sein.

@Tim
Danke für das Listen-Lob! smile

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Avatar
TiiN : : Goldkerlchen 2019
08.02.2019 22:18 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 4.265 | Reviews: 102 | Hüte: 170

@Tim
Ich verstehe nicht warum alle Dunkirk so hochjubeln, in meinem Bekanntenkreis ist niemand der den Film als gut empfunden hat, bestenfalls mittelmäßig. Für mich auf jeden Fall zu experimental

Danke! (Hut) Also nicht, dass ich deine Meinung zum Film teile, da haben wir in der Vergangenheit schon diskutiert. Aber du scheibst das, was ich meine.
Ja, Dunkirk hat ein großes Budget und wurde für die große Leinwand gemacht, damit möglch viel Publikum ihn sehen kann. Aber so wie Nolan den Streifen inszeniert hat ist es ein Stil, der doch deutlich weniger Leute von diesem Mainsteam überzeugen konnte. In meinem Bekanntenkreis ging es mir ähnlich, dass viele ihn eher mittelmäßig sahen, das hörte ich auch bei Gesprächen von anderen Kinobesuchern. Der Film ist von seinem Erzählstil nämlich wie Tim es schon schrieb recht experimentell und nichts, was sich die breite Masse unter Sommer-Eventkino oder Blockbuster etc. vorstellt. Auch wenn Marketing, Budget & Co in diese Kerbe schlagen.

Avatar
Silencio : : Moviejones-Fan
09.02.2019 07:51 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.354 | Reviews: 46 | Hüte: 128

luhp:

"Das würde ich so nicht sagen. Der Feind ist hier nicht näher definiert, es fallen weder die Begriffe Nazi noch Deutsch. Die Assoziationen gehen aus dem Film nicht hervor, sondern die bringt der Zuschauer mit. Ich empfinde es hier eher so, dass der Krieg selbst der Antagonist ist, der Gegner könnte jeder Mögliche sein."

Sorry, aber der Film heißt "Dunkirk", er zeigt eines der bekanntesten Ereignisse des Zweiten Weltkriegs UND der endet auf einer der berühmtesten Reden von Winston Churchill. Der spricht "Nazis" und "Deutsche" nicht aus, weil er das nicht braucht, nicht weil er irgendeine Allgemeingültigkeit haben wollte. Die Assoziationen sind schon gewollt, wir müssen die Kriegsmaschine ja irgendwie verstehen. Und gerade die letzte Einstellung auf Tom Hardy ergibt nur Sinn, wenn wir uns vorstellen, wie die Nazis mit Kriegsgefangenen umgegangen sind...

Der Krieg ist in diesem Kontext auch nicht der Antagonist. Es mag ja sein, dass Nolan seinen Bösewicht in diesem Film mythisch übersteigert, aber bei diesem handelt es sich nicht um das sehr diffuse Konzept "Krieg" (und da Kriege auch nicht mehr auf diese Art geführt werden, ergibt es auch wenig Sinn, sich heutzutage gegen diese Art Krieg zu positionieren...), denn am Ende wird der Krieg zwar als schrecklich, aber auch als notwendig dargestellt. Nicht jeder Film, der die Schrecken des Krieges zeigt (wobei "Dunkirk" da mehr als handzahm ist...), ist automatisch auch gegen ihn.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
11.02.2019 01:11 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.724 | Reviews: 49 | Hüte: 250

Tiin:

tatsächlich habe ich komischerweise auch nichts dazu gefunden, aber dennoch: Eine Kritik zu Wege zum Ruhm verfasst, der sehr ausführlich darauf eingeht, kannst es ja mal lesen wink

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
11.02.2019 16:41 Uhr | Editiert am 11.02.2019 - 16:43 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.171 | Reviews: 158 | Hüte: 362

@Silencio

Ich denke halt, dass "Dunkirk" auch von Leuten verstanden werden kann, die kaum etwas vom Zweiten Weltkrieg wissen. Weil es eben weniger um das klassische Alliierte gegen Nazis geht, sondern mehr um das reine, allgemeine und wertungsfreie Erleben des Krieges aus Sicht von Soldaten in einer auswegs- und hoffnungslosen Situation. Analog dazu: das Intro von "Saving Private Ryan". Theoretisch hätte es sich in "Dunkirk" um jeden möglichen Krieg handeln können, darin sehe ich dann die Antikriegsbotschaft.

"und da Kriege auch nicht mehr auf diese Art geführt werden, ergibt es auch wenig Sinn, sich heutzutage gegen diese Art Krieg zu positionieren..."

Genau davon - von den politischen und histoischen Hintergründen - koppelt sich "Dunkirk" ja los, es geht um den reinen Überlebenskampf. Und dahingehend hätte das theoretisch zum Beispiel auch der Vietnamkrieg, Golfkrieg oder Irakkrieg sein können.

"wobei "Dunkirk" da mehr als handzahm ist..."

Das stimmt wohl, es entwickelt sich meiner Meinung nach aufgrund des Handwerklichen (Kamera, Schnitt, Ton) in Kombination mit Zimmers ernervierendem Soundtrack allerdings eine so unerträgliche Spannung, dass für mich gar keine Blut- und Goreeffekte nötig sind, um den Schrecken greifbar zu machen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Avatar
Silencio : : Moviejones-Fan
11.02.2019 17:19 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.354 | Reviews: 46 | Hüte: 128

luhp:

Nicht nur, dass man die These vom "wertungsfreien Erleben" recht simpel widerlegen könnte, indem man darauf hinweist, dass im Erschaffungsakt ("Ich filme das so, ich entscheide mich, diesen Teil zu zeigen" etc.) bereits eine Wertung angelegt ist, ist doch deine Aussage, wenn man sie runterbricht, bereits eine Wertung. Alleine vom "Schrecken des Krieges" zu reden ist eine wertende Aussage, weil damit eben eine Qualität des Krieges vorausgesetzt wird, die vom Standpunkt abhängig ist. Es ist genauso denkbar, dass es Leute gibt (und immer wieder gegeben hat: die Geschichtsbücher sind voll von denen), die den Krieg eben nicht als Schrecken empfinden. Um da mal eben auch ein bisschen Klarheit zu schaffen: ich halte Krieg auch für schrecklich (auch wenn er wie im vorliegenden Fall manchmal unvermeidlich zu sein scheint), aber lass uns bitte nicht so tun, als wäre das eine unumstößliche Wahrheit.

Dann könnte es sich beim gezeigten Krieg nur um jeden Krieg handeln, wenn man... ja, wenn man was eigentlich macht? Richtig: wenn man den Titel, die Handlungsort und das Ende ignoriert. Nene, der muss sich schon im Zweiten Weltkrieg verorten, sonst wäre dem auch gar keine Aussage möglich - und der Zweite Weltkrieg bietet sich nunmal an, weil das der letzte Konsenskrieg (im Sinne von: da weiß jeder, wer die Guten und die Bösen sind) ist. Allgemeingültigkeit (zumindest solche, die er aus seiner Perspektive vertritt) könnten wir ihm dann allenfalls wegen der Wertigkeiten, die er vertritt, zugestehen (Glory of Britain und so...). Das hat aber nichts mit einer Antikriegsbotschaft zu tun. Warum sollte der auch eine haben? Denkst du ernsthaft, der Nolan wäre GEGEN die Kriegshandlungen der Alliierten, die nach der Rettung von Dunkrik stattgefunden haben?

Um übrigens die Allgemeingültigkeit des Filmes zu hinterfragen, können wir ein ganz einfaches Experiment anstellen. Stellen wir uns "Dunkirk" doch einfach mal im Vietnamkrieg vor: GIs laufen durch den Dschungel und flüchten vor einer unsichtbaren Gefahr ("Predator"-Vergleiche bitte HIER einfügen): glaubst du nicht, der Nolan hätte sich da einiges bezüglich Rassismus (Yellow Peril lässt grüßen) und Geschichtsverfälschung anhören müssen? Nicht mal ein Propagandastreifen wie "Wir waren Helden" traut sich eine solche einseitige Darstellung des Vietnamkrieges. Im Zweiten Weltkrieg geht das aber, weil da gesellschaftlich die Fronten wesentlich klarer angesehen werden.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
11.02.2019 17:32 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.724 | Reviews: 49 | Hüte: 250

Silencio:

Wieder einmal hast du valide Punkte, aber du schiesst ein bißchen mit deinem letrzten Abschnitt über das Ziel hinaus. Ein Gegenbeispiel ist nämlich sehr schnell gefunden: Ein Film wie Black Hawk Down funktioniert nämlich trotz dieser rassistisch empfindbaren Elemente und trotz seiner Hurra-Patriotismus- und Pro-Millitär- Einstellung dennoch als Unterhaltungsfilm perfekt. Wenn ein fähiger Mann wie Ridley Scott oder Christopher Nolan sich eines bestimmten Themas annimmt, werden sie auch Mittel und Wege finden, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Das sieht man ja in diversen parallel stattfindenden Diskussionen zu Nolans Werken gerade.

Dünyayi Kurtaran Adam
Avatar
Silencio : : Moviejones-Fan
11.02.2019 17:58 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.354 | Reviews: 46 | Hüte: 128

Moby:

Ich hab doch nirgendwo was dazu gesagt, ob das nicht trotzdem unterhaltsame/effektive Unterhaltungsfilme sein können. Ich hab mich in meiner Review zu "Dunkirk" doch durchaus auch positiv zu dem geäußert, wenn ich mich da gerade nicht vertue. Auch "Black Hawk Down" ist halbwegs unterhaltsam (wobei ich den ein bisschen schnarchig in Erinnerung habe, ist aber auch schon länger her...) und kompetent gemacht. Deswegen hat er aber nicht weniger rassistische Implikationen, die Scott sich ja auch von der Kritik anhören durfte, ist nicht weniger manipulativ. Kann doch beides nebeneinander stehen.
Mir geht es hier einzig darum, dass hier eine Antikriegsaussage hereininterpretiert wird, die auch noch auf andere Kriege übertragen können werden soll, die aber einfach nicht vorhanden ist. Am Werk lässt sich so eine Lesart gerade nicht festmachen...

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
11.02.2019 18:02 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.724 | Reviews: 49 | Hüte: 250

Silencio:

Ok, dann habe ich das etwas falsch verstanden oder überinterpretiert, sind hier auf der gleichen Seite; alles gut wink

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
17.02.2019 19:06 Uhr | Editiert am 17.02.2019 - 19:07 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.171 | Reviews: 158 | Hüte: 362

@Silencio

Zum "wertungsfreien Erleben": Da hast du mit deinen Ausführungen sicherlich Recht. Ich meine hier allerdings, dass Nolan beim Zeigen des Krieges historische, politische und ideoligische Standpunkte beiseite lässt. Er konzentriert sich nur auf das, was die Soldaten tatsächlich erleben.

"weil das der letzte Konsenskrieg (im Sinne von: da weiß jeder, wer die Guten und die Bösen sind) ist. [...] Das hat aber nichts mit einer Antikriegsbotschaft zu tun. Warum sollte der auch eine haben? Denkst du ernsthaft, der Nolan wäre GEGEN die Kriegshandlungen der Alliierten, die nach der Rettung von Dunkrik stattgefunden haben?"

Gegenfrage: Warum sollte er keine haben? Terrence Malick, Quentin Tarantino und David Ayer dürften wohl auch froh über den Gegenangriff der Alliierten sein, dennoch zeichnen sie in ihren Filmen ("The Thin Red Line", "Inglourious Basterds" und "Fury") ein ambivalentes Bild beider Kriegsparteien. Kategorisierungen in Gut und Böse funktionieren auf politischer, ideologischer und allgemeiner Ebene, scheitern aber auf individueller Ebene, wenn man die einzelnen Soldaten betrachtet.

In "Dunkirk" ist es aber so, dass hier nie der Angriffskrieg der Alliierten thematisiert wird, sondern es immer um die Verteidigung des britischen Volkes und der britischen Inseln ging. Die Evakuierung war erfolgreich, aber der Angriff auf Großbritannien stand noch bevor. Darum geht es ja auch in Churchills Rede, um die Verteidung Großbritanniens.

"Stellen wir uns "Dunkirk" doch einfach mal im Vietnamkrieg vor: GIs laufen durch den Dschungel und flüchten vor einer unsichtbaren Gefahr: glaubst du nicht, der Nolan hätte sich da einiges bezüglich Rassismus (Yellow Peril lässt grüßen) und Geschichtsverfälschung anhören müssen?"

Ohne Dschungel, dafür aber in der Stadt und du hast "Full Metal Jacket". Hier bekommt man die vietnamesischen Schützen auch kaum bis gar nicht zu Gesicht und das funktioniert als Antikriegsbotschaft trotzdem perfekt, ohne rassistisch oder einseitig rüberzukommen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Avatar
Silencio : : Moviejones-Fan
17.02.2019 20:36 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.354 | Reviews: 46 | Hüte: 128

luhp:

Wie soll man denn beim Zeigen einer konkreten Situation, die so (ähnlich) stattgefunden hat, die historischen Belange weglassen? Vor allem, wenn man dann auch mit einer Tonaufnahme einer konkreten, historischen Figur endet?

Politische und ideologische Standpunkte braucht Nolan auch kaum noch zu zeigen (und der Akt der Erschaffens ist bei einer solchen Geschichte immer politisch/ideologisch), weil der Konflikt von JEDEM in der westlichen Welt verstanden wird. Und sorry, "Nazis = Böse" ist auch ein ideologischer Standpunkt, nur weil ich den teile, wird das nicht weniger ideologisch.

So, dass er sich auch nicht nur auf das konzentriert, was "die" Soldaten "tatsächlich" erleben, dürften wir doch bitte nicht mehr als gegeben ansehen. "Die" Soldaten erleben "tatsächlich" das, was Nolan ihnen als Autor/Regisseur aufgibt zu erleben. Gerade weil hier mit der Realität auch relativ frei umgegangen wird, sollte das eigentlich auf der Hand liegen. Das ist eine Narrative, keine unumstößliche Wahrheit.

Und nochmal: denkst du ernsthaft, Nolan würde gegen den Krieg gegen die Nazis argumentieren? Wir reden hier gerade nicht über die genannten Filme (bei denen es auch um gaaanz andere Dinge geht - und von denen keiner gegen den Krieg gegen die Nazis argumentiert), wir reden über "Dunkirk". Also, Butter bei die Fische, wie argumentiert Nolan gegen den Krieg gegen die Nazis und warum tut er das?

Dann mag es ja sein, dass die genannten Filme ein Auflösen der Narrative betreiben, Nolan gibt sich aber gezielt Allgemein. Deswegen ja der Versuch, die Soldaten als möglichst breite Flächen zu zeichnen und uns trotzdem mitfühlen zu lassen, gleichzeitige Unbestimmt- und Konkretheit. Das ist klassische Mythenbildung, wie der Barthes sie zum Beispiel beschreibt.

Und es liegt doch schon ziemlich nahe, dass gerade ein Film, der auf der Rede über die Verteidigung des Heimatlandes endet, wohl eher für den (Verteidigungs-)Krieg ist, als gegen ihn. Ich mein, der Verteidigungskrieg ist ja immer gerechtfertigt und so...

Und nein, ohne Dschungel und in der Stadt habe ich nicht "Full Metal Jacket". Den hätte ich dann allenfalls, wenn ich das Ende nicht verstehen würde. Kubrick positioniert sich wesentlich direkter, wesentlich geschickter, gerade weil es bei ihm auch um den psychologischen Effekt geht (Thema: Entmenschlichung usw.). Kubrick untersucht (also, unter anderem, "Full Metal Jacket" wirst du, wie den anderen Kubricks auch, nicht gerecht mit ein paar Sätzen), was es nötig macht, um in ein fremdes Land zu reisen und Leute umzubringen. Deswegen hat er ja die ganze erste Hälfte...

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
19.02.2019 17:07 Uhr | Editiert am 19.02.2019 - 17:10 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.171 | Reviews: 158 | Hüte: 362

@Silencio

"Wie soll man denn beim Zeigen einer konkreten Situation, die so (ähnlich) stattgefunden hat, die historischen Belange weglassen? Vor allem, wenn man dann auch mit einer Tonaufnahme einer konkreten, historischen Figur endet?"

Wie ich ja schon schrieb, indem sich "Dunkirk" davon abkoppelt, einen klar definierbaren und zu benennenden Antagonisten zu zeichnen, der existiert im Film nur als passive Macht oder als aktives, aber anonymisertes Individuum.

"Und nochmal: denkst du ernsthaft, Nolan würde gegen den Krieg gegen die Nazis argumentieren?"

Natürlich nicht, das habe ich unten aber auch schon geschrieben. Nolan argumentiert aber sehr wohl gegen den Krieg allgemein - als Mittel zum Durchsetzen eigener Interessen. Indem er den Schrecken des Krieges und den Schaden am Menschen zeigt, ohne chauvinistischen oder nationalistischen Gedankenmustern zu verfallen. Und das trifft auch auf meine anderen genannten Filmbeispiele zu.
Oder anders formuliert: Auch wenn Nolan, du oder ich die kriegerische Befreiung durch die Alliierten befürworten, wünschen wir uns trotzdem, dass Konflikte in der Gegenwart und der Zukunft nicht mehr per Krieg gelöst werden.

"dass gerade ein Film, der auf der Rede über die Verteidigung des Heimatlandes endet, wohl eher für den (Verteidigungs-)Krieg ist, als gegen ihn. Ich mein, der Verteidigungskrieg ist ja immer gerechtfertigt"

Genau, "Dunkirk" positioniert sich klar für den - logischerweise aufgezwungenen - Verteidigungskrieg, das schrieb ich unten ebenfalls^^ Aber eben nicht für einen Angriffskrieg und ohne Angriffskrieg brauchst du keinen Verteidugungskrieg mehr.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Neues Thema