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Transterrestrische Scham im Kino

Aliens im Kino: Diese 3 Muster erklären fast jeden Film von "Arrival" bis "Life"

Aliens im Kino: Diese 3 Muster erklären fast jeden Film von "Arrival" bis "Life"
7 Kommentare - Do, 23.04.2026 von MJ-GPJ
Was unterscheidet die Außerirdischen in "Independence Day", "Das Ding" und "Der Astronaut"? Und sie haben eines gemeinsam, sie sollen in uns transterrestrische Scham erzeugen?
Aliens im Kino: Diese 3 Muster erklären fast jeden Film von "Arrival" bis "Life"

Wir lieben Science-Fiction mit Aliens. Und es gibt unzählige Varianten des Außerirdischen im Kino. Invasoren, Monster, rätselhafte Intelligenzen, wohlwollende Besucher. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein kreatives Chaos, eine Vielzahl an Möglichkeiten.

Schaut man genauer hin, ordnet sich dieses Chaos erstaunlich klar. Der folgende Text basiert auf der Studie Transterrestrische Scham. Zur Konstruktion fiktionaler Alien-Bilder in Klassikern der englischsprachigen Science Fiction-Literatur im 20. Jahrhundert von Noah Sproß und Andreas Anton (Zeitschrift für Anomalistik, 2025), die genau diese Muster herausarbeitet und systematisiert.

Die zentrale These: Hinter den vielen Gesichtern des Fremden stehen im Kern drei immer wiederkehrende Typen – bis heute. Im Folgenden wird die von Sproß und Anton entwickelte Typologie auf das moderne Kino angewendet und anhand bekannter Filme illustriert.

1. Die feindlichen Eroberer

Das wohl archetypischste Alien-Bild: überlegen, kalt, und vor allem feindlich.

Kernidee:
Diese Wesen stehen für Angst vor Überlegenheit, Kontrollverlust und Fremdherrschaft. Kommunikation scheitert oder findet gar nicht erst statt. Die Begegnung ist ein Konflikt. Es ist aber klar, dass sie uns beherrschen wollen. Sie verhalten sich aus menschlicher Sicht ziemlich rational und teilweise vorhersehbar.

Klassische Funktion:

  • Spiegel von Imperialismus, Krieg und geopolitischer Angst
  • Ausdruck von „existenzieller Erschütterung“ und Bedrohung

Moderne Filmbeispiele:

Independence Day – klassische Invasionsfantasie, maximale militärische Konfrontation
Edge of Tomorrow – scheinbar unbesiegbare, taktisch überlegene Spezies
A Quiet Place – reduzierte Variante: reine Bedrohung ohne Kommunikation
Krieg der Welten (2005) – direkte Aktualisierung des Wells-Motivs

Was sich verändert hat:
Früher standen oft Staaten oder Ideologien im Hintergrund (Kalter Krieg). Heute verschiebt sich die Angst stärker in Richtung Kontrollverlust durch Chaos, Katastrophe oder „das Unkontrollierbare“.

2. Kosmische Horror-Entitäten

Hier wird es existenziell. Diese Aliens sind nicht einfach nur Gegner, sie sprengen das menschliche Verständnis selbst.

Kernidee:
Das Problem ist nicht nur, dass sie uns angreifen. Das Problem ist, dass wir sie und ihre Motive nicht richtig begreifen können.

Typische Merkmale:

  • radikale Fremdheit
  • biologische oder ontologische Überlegenheit
  • Identitätsbedrohung (Paranoia, Assimilation)

Moderne Filmbeispiele:

Auslöschung – Das Fremde als verzerrende Kraft von Realität und Identität
The Thing (Remake/Prequel) – klassische Paranoia durch Formwandel
Life – evolutionär perfekter Organismus ohne Moral
Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt- unverständliches System, kaum erklärbar, reine Konfrontation mit dem Fremden. Erst in Aliens - Die Rückkehr kann man sie in Kategorie 1 zuordnen.

Zentraler Unterschied zum ersten Typ:
Nicht nur der Angriff, sondern Erkenntnisgrenze ist das Problem. Wir verstehen diese Aliens kaum. Dieser Typ erzeugt zwar „klassische Angst“ doch gleichzeitig Verunsicherung, Bedeutungsverlust sowie eine Kränkung des menschlichen Selbstbildes.

3. Wohlwollende Katalysatoren

Der dritte Typ wirkt zunächst beruhigend, beinahe schon freundlich, ist aber oft ambivalenter als er scheint.

Kernidee:
Aliens als Lehrer, Mentoren oder Evolutionsbeschleuniger.

Funktion:

  • Spiegel von Hoffnung, Fortschrittsglauben und Transzendenz
  • Ausdruck des Wunsches, die eigenen Grenzen zu überwinden

Moderne Filmbeispiele:

Arrival – Kommunikation führt zu kognitiver Erweiterung
Contact – Begegnung als spirituell-wissenschaftliche Erfahrung
Der Tag, an dem die Erde stillstand – moralische Intervention von außen
Der Astronaut - der wohl freundlichste Kontakt seit langem im Kino.

Diese Aliens helfen, aber oft kontrollieren sie, oft verstehen wir ihre Motive nicht vollständig und oft stellen sie die Menschheit als „noch nicht bereit“ dar. Das erzeugt eine subtile Hierarchie: Der Mensch ist entwicklungsfähig, aber keinesfalls auf Augenhöhe.

Die drei Alien-Typen nach Sproß und Anton (2025)
1. Die feindlichen Eroberer Aliens als überlegene, feindlich gesonnene Macht
2. Kosmische Horror-Entitäten Aliens als evolutionär unverständliche Spezies
3. Wohlwollende Katalysatoren Aliens als Mentoren oder Vermittler

Die Autoren Sproß und Anton formulieren daraus eine These, die zu allen drei Typen passt: Außerirdische sind vor allem Projektionsflächen. Sie machen ein Gefühl von Minderwertigkeit sichtbar, die Ahnung, dass der Mensch im Vergleich zu einer fremden Intelligenz nicht ausreicht.

Diese „transterrestrische Scham“ zeigt sich nicht nur als Angst oder Verunsicherung. Sie enthält auch etwas anderes: den Wunsch, sich weiterzuentwickeln, besser zu werden oder die eigenen Grenzen zu überwinden.

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7 Kommentare
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GPJ : : Moviejones-Fan
23.04.2026 16:49 Uhr
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Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 1.046 | Reviews: 4 | Hüte: 61

Wenn du das so meinst, dass die Auflistung der Beispiele nicht vollständig ist, dann hast Du natürlich Recht.

Starlord Peter Quill hat aber durchaus Kräfte, falls Du ihn meinst.

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Rotwang : : Moviejones-Fan
23.04.2026 16:44 Uhr
0
Dabei seit: 11.06.20 | Posts: 1.457 | Reviews: 0 | Hüte: 42

GPJ, das trifft aber nur auf einige zu, in der Zukunft spielt nur Enemy Mine auch bei Guardians ist es eigentlich ein normaler Typ.

Es gibt auch eine Folge von eine Schrecklich nette Familie, wo die Aliens in einer Notlage auf menschliche Hilfe angewiesen sind.

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GPJ : : Moviejones-Fan
23.04.2026 16:21 Uhr
0
Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 1.046 | Reviews: 4 | Hüte: 61

E.T. wäre wohl Stufe 3. In seinen Augen sind die Menschen wohl nicht so weit entwickelt.

Das Konzept bezieht sich vor allem auf halbwegs realistische Szenarien der Gegenwart. Es stößt an seine Grenzen, wenn Menschen selbst übernatürliche Kräfte haben (im Supergenre), oder es in so ferner Zukunft (oder Vergangenheit wie bei Star Wars) spielt, wo die Menschen selbst weit überlegene Technologien nutzen.

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Rotwang : : Moviejones-Fan
23.04.2026 15:09 Uhr | Editiert am 23.04.2026 - 16:10 Uhr
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Dabei seit: 11.06.20 | Posts: 1.457 | Reviews: 0 | Hüte: 42

Bei Arrival ist es für mich erstmal nicht klar was die wollen, das fande ich sehr gut, ich hatte das Gefühl es könnte auch in die andere Richtung umschlagen .

Alien I lebt für mich primär durch die Spannung und das nicht so wahnsinnig viel passiert.

Glaube die Typen 2 und 3 sind meine Favoriten, Invasion ist meist nicht so spannend.

ET fehlt noch als Referenz, der Alien-Buddy, Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe, Guardians of the Galaxy, Enemy Mine, Lilo und Sticht, Der Gigant aus dem All oder Starman. Hier geht es über wohlwollen hinaus, sie wollen unsere Freunde sein bestimmt wollen einige sogar Sex.

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Darkclaw : : Moviejones-Fan
23.04.2026 14:52 Uhr
0
Dabei seit: 24.04.25 | Posts: 317 | Reviews: 1 | Hüte: 11

Allerdings, District 9 war und ist schon speziell... Den Film damals im Kino gesehen und irgendwie darauf gehofft, dass es mal eine Fortsetzung gibt.

Jedoch muss man auch klar sagen, manchmal gibt es Filme, die brauchen keine Fortsetzung und es ist gut wenn sie einfach so, komplett, für sich alleine stehen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich "Gefahr aus dem Weltall" von Jack Arnold aus dem Jahr 1953. Ein Sci-Fi-Film, schwarz-weiss, ein Kind seiner Zeit. Ein amerikanisches Wüstenstädchen, ein Wissenschaftler, eine Beobachtung... doch tatsächlich sind die Aliens nicht feindlich gesinnt, sondern möchten einfach Ihr Raumschiff reparieren...

Zu der Zeit wurden Ausserirdische ja gerne als Alegorie auf den Kommunismus angesehen, doch hier wird etwas komplett anderes daraus.

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GPJ : : Moviejones-Fan
23.04.2026 12:55 Uhr
0
Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 1.046 | Reviews: 4 | Hüte: 61

Stimmt, District 9 nimmt eine Sonderstellung ein. Das war etwas Neues.

Die Theorie der Autoren müsste man für die moderne also erweitern.

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Manisch : : Moviejones-Fan
23.04.2026 12:41 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 1.907 | Reviews: 31 | Hüte: 125

Was ich an District 9 mag ist, dass der Film mit diesen Kategorien bricht. Die Erwartungshaltung der Menschheit dort ist erstmal irgendwas zwischen 1 und 3, aber am Ende stellt sich irgendwie raus: Weder noch.

Es sind Geflüchtete, die selber erstmal Hilfe brauchen. Sie greifen nicht an, wollen ihre Technologie aber auch nicht wirklich teilen. Also packt man sie in ein Ghetto und sie werden zum sozialen Problem...

AfD-Verbot (:

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