
Sommerzeit ist bei uns immer die Zeit, bei der wir uns besonders intensiv mit der 3D-Drucktechnik beschäftigen, und diesmal hat es uns der BambuLab H2C angetan. Seit wir mit dem X1C vor einigen Jahren über BambuLab gestolpert sind, ist diese Marke für uns zum Standard geworden, was 3D-Drucke betrifft, und der H2C verspricht mit seinem neuartigen Vortek-System gleich eine ganz neue Liga des Multi-Material-Drucks. Ein Testgerät hatten wir für diesen Artikel nicht selbst im Keller stehen, dafür haben wir uns aber intensiv durch die Datenblätter, Herstellerangaben und ersten Praxisberichte aus der Community gewühlt, um euch einen fundierten Überblick zu geben.
Disclaimer: BambuLab hat uns den H2C zu Testzwecken zur Verfügung gestellt, Einfluss auf den Artikel wurde aber zu keinem Zeitpunkt genommen.

Der BambuLab H2C präsentiert sich als spezialisierter Multi-Material- und Multi-Color-Drucker – anders als sein großer Bruder H2D setzt er zwar auch auf Laser, Schneid- oder Plottermodule, aber er konzentriert sich vor allem darauf, den klassischen Farbwechsel-Frust beim 3D-Druck zu beseitigen. Im Kern ist er ein leistungsfähiger Core-XY-FDM-Drucker, dessen Herzstück das neue Vortek Hotend-Wechselsystem ist: Statt wie bisher Filament in einer einzigen Düse zu spülen, tauscht der H2C bei Bedarf gleich das komplette Hotend – und das automatisch, berührungslos und in nur rund 8 Sekunden. Ein großzügiges Bauvolumen von rund 330 × 320 × 325 mm³ (im Zweidüsenbetrieb) sowie moderne Features wie eine aktive Kammerheizung bis 65 °C, ein servogesteuerter Präzisionsextruder und eine umfangreiche KI-Sensorik unterstreichen den professionellen Anspruch dieses Geräts. Typisch für BambuLab wird das Gerät in unterschiedlichen Konfigurationen angeboten, die sich preislich unterscheiden und an unterschiedliche Käuferschichten richten.
| Ausführung | Preis (inkl. MwSt.) |
| H2C Basis-Set (1x AMS 2 Pro) | ab ca. 2.149 - 2.249 € |
| H2C AMS Combo (2x AMS 2 Pro, empfohlenes Set) | ab ca. 2.149 - 2.249 € |
| H2C Ultimate Set (zusätzliche Hotends, mehrere AMS) | ca. 2.550 - 3.760 € |
Alle Preise sind Straßenpreise Stand August 2026 und können abweichen - ein Blick auf die Bambu-Lab-Website oder Preisvergleichsportale lohnt sich vor dem Kauf. Der H2C ist seit dem 18. November 2025 erhältlich und gibt es vereinzeilt auch mal rabattiert.
Das Herzstück: Das Vortek Hotend-Wechselsystem
Der eigentliche Star des BambuLab H2C ist zweifelsohne das Vortek-System. Bis zu sieben smarte, austauschbare Hotends stehen bereit, jedes davon mit einer maximalen Düsentemperatur von 350 °C, kompatibel mit nahezu dem gesamten BambuLab-Filamentsortiment. Statt wie bei klassischen Multi-Material-Systemen jede Farbe mühsam durch dieselbe Düse zu spülen und dabei literweise Purge-Material zu verschwenden, wechselt der H2C bei einem Materialwechsel einfach das komplette, bereits vorgeheizte Hotend aus. Das Ergebnis: Bis zu 58 % weniger Spülabfall im Vergleich zu klassischen AMS-Systemen mit Einzeldüse.

Technisch steckt hier einiges an Feinarbeit: Die induktive Aufheizung eines Hotends dauert nur rund 8 Sekunden, der gesamte Wechselvorgang läuft kontaktlos ab, und ein integrierter Filamentschneider sorgt für saubere Übergänge ohne manuelles Eingreifen. Kombiniert mit mehreren AMS-Einheiten lassen sich so bis zu 24 verschiedene Filamente in einem einzigen Druckauftrag verwalten - ideal für alles von mehrfarbigen Miniaturen bis zu funktionalen Bauteilen mit unterschiedlichen Materialeigenschaften. Wer beispielsweise ein Bauteil mit TPU für flexible, stoßdämpfende Verbindungen und gleichzeitig glasfaserverstärktem PA6 für strukturelle Stabilität drucken möchte, kann das nun in einem Stück tun, ganz ohne nachträgliche Montage.
Der Platz für das Hotend-Magazin muss allerdings irgendwoher kommen: Das effektive Bauvolumen fällt im Vergleich zu den "geschwisterlichen" H2-Modellen etwas kleiner aus. Im Einzeldüsenbetrieb (rechte Düse) stehen etwa 305 × 320 × 325 mm zur Verfügung, bei Nutzung nur der linken Düse rund 325 × 320 × 325 mm, im Dualdüsenbetrieb mit beiden Düsen gleichzeitig sind es rund 300 × 320 × 325 mm. Ein fairer Kompromiss für die gewonnene Flexibilität.

Angetrieben wird der Vorschub von einem hochpräzisen Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM) mit bis zu 10 kg Extrusionskraft im geschlossenen Regelkreis, der Verstopfungen oder Verwicklungen in Echtzeit erkennt und den Druck bei Bedarf automatisch pausiert. Unterstützte Düsendurchmesser reichen von 0,2 über 0,4 und 0,6 bis zu 0,8 mm, optional lässt sich mit dem Vision Encoder eine Bewegungsgenauigkeit von bis zu 50 µm erreichen.
Erste Schritte mit dem H2C
Wer schon einmal einen BambuLab-Drucker eingerichtet hat, weiß, was ihn erwartet: Der Käufer erhält einen gut verpackten, mit rund 32,5 kg spürbar gewichtigen Drucker, der am besten zu zweit bewegt und ausgepackt wird. Man bekommt es allein hin, wir können es aber auf keinen Fall aus eigener Erfahrung empfehlen. Nach dem Auspacken und dem Lösen der Transportsicherungen führt der Touchscreen größtenteils automatisch durch die Einrichtung - inklusive Kalibrierung, Düsentest und Filamentführung. Für die gesamte Vorbereitung inklusive Einbindung der AMS-Einheiten sollte man 30-60 Minuten einplanen. Dank WLAN-Anbindung lassen sich Druckaufträge komfortabel über die Bambu Studio Software oder per App starten und überwachen, für sicherheitssensible Umgebungen bietet der H2C zudem einen vollständigen Offline-Modus inklusive Firmware-Updates ohne Internetverbindung - für fortgeschrittene Nutzer gibt es sogar einen Developer-Modus mit MQTT-Port-Zugriff für die Anbindung eigener Software.

Unterschied zwischen FDM- und SLA-Druck
Der BambuLab H2C gehört zu den FDM-Druckern und unterscheidet sich damit grundlegend von SLA-Druckern. Der Unterschied zwischen FDM (Fused Deposition Modeling) und SLA (Stereolithografie bzw. Resin-Druck) liegt im Verfahren und im verwendeten Material. Beim FDM-Druck wird ein Kunststofffaden (z. B. PLA, ABS oder PETG) erhitzt, weich gemacht, durch eine Düse aufgetragen und das Modell schichtweise aufgebaut.

Die Vorteile liegen in der Robustheit, den günstigen Materialien und dem großen Bauraum. Allerdings zeigen FDM-Teile oft sichtbare Schichten, und ihre mechanische Stabilität kann durch die Schichtung begrenzt sein. SLA arbeitet hingegen mit flüssigem Harz (Resin), das durch UV-Laser oder Lichtquellen Schicht für Schicht ausgehärtet wird. Dies führt zu extrem feinen Details, glatten Oberflächen und hoher Maßhaltigkeit, ideal für detailreiche Figuren. Allerdings ist SLA teurer, aufwendiger in der Nachbearbeitung (Reinigen, Aushärten), und der Umgang mit Harzen erfordert mehr Vorsicht. In unserem Elegoo-Artikel ging es um den Saturn 4 Ultra 16k Resin-Drucker, ein typisches Beispiel für hochauflösenden SLA-Druck, der besonders glatte und detailreiche Miniaturen ermöglicht. Wer sich zwischen H2C und einem SLA-Drucker entscheiden muss, sollte vor allem daran denken: Der H2C spielt seine Stärken vor allem bei Multi-Color- und Multi-Material-Objekten aus, nicht bei feinsten Details im Miniaturenmaßstab.
Nutzbare Filamente
Der BambuLab H2C ist dank seiner beheizten Kammer (bis 65 °C), den bis zu sieben Hotends und der AMS-Anbindung extrem flexibel, wenn es um Materialien geht. Die gängigen Einsteiger-Filamente wie PLA oder PETG lassen sich problemlos und stabil drucken - perfekt für schnelle Prototypen oder einfache Alltagsobjekte. Wer mehr will, profitiert von der Möglichkeit, auch ABS, ASA, PC oder Nylon zu verarbeiten, die durch die geschlossene, aktiv beheizte Baukammer weniger anfällig für Verzug sind. Mit der richtigen Düse lassen sich sogar gefüllte Materialien wie Carbon- oder glasfaserverstärktes Filament (PA6-GF, PPS, PPA) verarbeiten, wodurch sich robuste und belastbare Bauteile herstellen lassen. Für weiche Objekte wie Handyhüllen oder Dämpfungselemente ist auch TPU eine Option. Hier ist aber zusätzliches Geschick nötig, es empfiehlt sich bei sehr weichen TPU-Materialien sich weitere Halterungen zu drucken und die Materialien können nicht über das AMS eingeführt werden.

Damit deckt der H2C praktisch die gesamte Bandbreite ab - vom flexiblen Gummi bis hin zu technischen Hochleistungswerkstoffen, und das Besondere: Dank Vortek-System lassen sich mehrere dieser Materialien in einem einzigen Druck kombinieren, ohne dass die Düse zwischen chemisch sehr unterschiedlichen Filamenten aufwendig gespült werden muss. Auch Filamente von Drittherstellern sind kein Problem, auch wenn diese nicht automatisch vom Typ und der Farbe erkannt werden wie hauseigenes BambuLab-Filament.
Einsatzgebiete des H2C
Kommen wir zu den spannenden Themen, die vor allem Bastler, Sammler und Tabletop-Fans betreffen dürften. Was kann man mit dem H2C eigentlich alles anfangen? Dank Vortek-System und Multi-Color-Fähigkeit ergeben sich vor allem folgende praktische Einsatzgebiete:
Prototyping und Technik: Ingenieure und Bastler können präzise Gehäuse, Funktionsbauteile oder Verbindungselemente kombinieren, etwa starre Strukturteile aus Carbon-Filament mit flexiblen TPU-Elementen in einem Bauteil.
- Tabletop und Miniaturen: Wer wie wir gerne Monster, Helden oder ganze Armeen für Spiele wie Monsterpocalypse selbst druckt, kann dank echtem Multi-Color-Druck auf klassisches Handbemalen von Grundfarben verzichten oder zumindest deutlich Zeit sparen.
- Kreative Anwendungen: Für Cosplayer ist der H2C ideal, um großformatige Rüstungsteile, Helme oder Accessoires zu fertigen, die dank Multicolor-Fähigkeit auch direkt farbig entstehen können.
- Ersatzteile & Alltag: Vom defekten Kühlschrankgriff bis zum individuell angepassten Halter für das Fahrradlicht - die Einsatzmöglichkeiten im Haushalt sind nahezu endlos.

Bastler profitieren dabei vor allem von der starken Community, die sich inzwischen rund um BambuLab entwickelt hat. BambuLab setzt dabei wie Apple bei Smartphones auf ein vergleichsweise geschlossenes Ökosystem. Die hauseigene Bambu-Studio-Software und das AMS-Filamentmanagement sind stark integriert, was für eine reibungslose Nutzererfahrung sorgt: Updates, Profile und Slicer-Einstellungen funktionieren out of the box. Für Einsteiger ist das geschlossene System ein Segen, weil es Frust reduziert. Profis hingegen hätten manchmal gerne noch mehr Freiheiten - insbesondere, weil das Vortek-System dem H2C vorbehalten ist.
Vor allem durch sein Lasermodul und die Cutting-Erweiterung lassen sich Ideen umsetzen, die weit über die Möglichkeiten eines reinen 3D-Druckers hinausgehen und für das gewöhnlich mehrere Geräte notwendig sind und weiteren Platz benötigen. Dabei profitieren Bastler vor allem von der starken Community, die sich inzwischen rund um BambuLab entwickelt haben. BambuLab setzt dabei wie Apple bei Smartphones auf ein vergleichsweise geschlossenes Ökosystem. Die hauseigene Bambu Studio Software und das AMS-Filamentmanagement sind stark integriert, was für eine reibungslose Nutzererfahrung sorgt: Updates, Profile und Slicer-Einstellungen funktionieren out of the box.

Hier gibt es dann für einige aber auch den großen Kritikpunkt zu finden. BambuLab-Geräte sind in sich geschlossen, sie zielen mit ihren Funktionen besonders stark auf Nutzer ab, denen es um die Ergebnisse geht und nicht um den Weg zu den Ergebnissen. Klärt also für euch vorab unbedingt die Frage, ob ihr lieber Bastler sein wollt oder Erschaffer. Hier gibt es kein falsch oder richtig. Wer gerne alles von Hand optimiert oder auf völlig freie Systeme setzt, fühlt sich unter Umständen eingeschränkt. Auf der anderen Seite ist die Community rund um BambuLab sehr aktiv – insbesondere auf Reddit und in Foren findet man unzählige Tipps, Profile und Tricks, wie man den H2C noch besser nutzt. Auch wenn das System in sich geschlossen wirkt, gibt es reichlich Austausch, und die Software ist offen genug, um auch STL- oder G-Code aus Drittprogrammen einzubinden, auch Filamente anderer Hersteller können problemlos genutzt werden, auch wenn diese nicht automatisch vom Typ und der Farbe erkannt werden. Für Einsteiger ist das geschlossene System ein Segen, weil es Frust reduziert. Profis hingegen hätten manchmal gerne noch mehr Freiheiten.
Der Weg zum 3D-Druck
Natürlich fragen sich gerade Einsteiger, woher man die passenden 3D-Modelle für den 3D-Drucker erhält. Wer keinen eigenen 3D-Designer im Blut hat, muss nicht verzweifeln: Im Netz gibt es eine Vielzahl von Plattformen, die fertige STL-Dateien für den Druck anbieten. Manche sind kostenlos, andere eher auf professionelle, kostenpflichtige Modelle spezialisiert. Hier eine Übersicht:
- Makerworld (kostenlos) - die 3D-Druckplattform für BambuLab-Geräte. Eine Vielzahl an Modellen und kreativen Ergüssen, unkompliziert in die Produktkette integriert.
- Thingiverse (kostenlos) - eine der ältesten und größten Plattformen mit unzähligen Modellen, vom Schlüsselanhänger bis zur Drohne.
- Printables (Prusa) (kostenlos) - moderne Alternative, stark wachsend, mit aktiver Community und hoher Qualität.
- Nexprint (Elegoo) (kostenlos) - das neue Gegenstück zu Printables von Elegoo.
- Cults3D (kostenlos & kostenpflichtig) - viele Designer bieten hier ihre Modelle an, darunter exklusive Premium-STLs.
- MyMiniFactory (kostenlos & kostenpflichtig) - beliebt bei Miniaturen-Fans (Tabletop, Figuren), gute Qualitätskontrolle - gerade für Multi-Color-Miniaturen auf dem H2C eine spannende Anlaufstelle.
- CGTrader / TurboSquid (kostenpflichtig) - eher professionelle Plattformen für Designer und Maker, oft sehr detaillierte Modelle.
- Yeggi (Suchmaschine) - durchsucht verschiedene STL-Plattformen gleichzeitig.

Sobald man aber nicht das findet, was man sucht, kommt man irgendwann um eine dedizierte Software für 3D-Modelle nicht herum. Wer eigene Ideen verwirklichen möchte, braucht eben passende Software. Hier gibt es Unterschiede: einsteigerfreundlich, semi-professionell und Profi-Tools.
- 3D Builder (Microsoft, kostenlos): Direkt in Windows 11 integriert und leicht zu erlernen. Für die ersten Gehversuche nutzbar, man stößt aber schnell an Grenzen.
- Tinkercad (Autodesk, kostenlos, online): Super für Anfänger, einfach im Browser nutzbar. Perfekt, um erste Designs oder kleine Anpassungen vorzunehmen. Die fehlende Parametrisierung von Entwürfen macht spätere Anpassungen aber zu einer Herausforderung.
- Fusion 360 (Autodesk, kostenlos für Hobby, Profi-Version kostenpflichtig): Sehr mächtig, besonders für technische Bauteile. Mit etwas Lernkurve, dafür extrem präzise.
- FreeCAD (Open Source, kostenlos): Parametrisches CAD-Tool, ähnlich wie Fusion, aber frei verfügbar. Beliebt bei Bastlern, die funktionale Teile konstruieren wollen.
- Blender (Open Source, kostenlos): Kein klassisches CAD-Programm, sondern ein 3D-Modelling-Tool. Ideal für organische Formen, Figuren, Schmuck oder komplexe Modelle. Hat aber eine steile Lernkurve. Eher für SLA-Drucker geeignet.
- ZBrush (kostenpflichtig): Branchenstandard für organisches Modellieren (z. B. Figuren, Statuen, Fantasy-Miniaturen). Sehr stark, aber auch teuer und komplex.
- SolidWorks (kostenpflichtig, Profi): Im professionellen Bereich weit verbreitet, etwa im Maschinenbau oder Produktdesign.
KI-Überwachung und Sensorik
Ein weiterer starker Trumpf des H2C ist seine Sensorik: 59 verbaute Sensoren und ein Quad-Kamera-Vision-System, orchestriert von einem proprietären neuronalen Algorithmus, liefern während des Drucks Echtzeit-Diagnosen und erkennen selbst subtile Druckfehler frühzeitig. Eine KI-gestützte Nozzle-Kamera mit Makrolinse überwacht kontinuierlich das Extrusionsmuster und erkennt Materialansammlungen, Filamentabweichungen und Extrusionsfehler. Vor jedem Druck führt das System zudem einen vollständigen Pre-Flight-Check durch und scannt die Druckfläche auf Verunreinigungen. Ein dreistufiges Filtersystem sorgt außerdem dafür, dass auch beim Druck technischer Filamente die Luftqualität im Griff bleibt.
Der Lasercutter in Aktion
Ein großes Verkaufsargument für den BambuLab H2D ist natürlich der Lasercutter. So kann jeder H2D mit einem 10W oder 40W Lasermodul ausgestattet werden. Die Wahl des Moduls ist ganz entscheidend für die geplanten Einsatzgebiete. Soll vor allem Laserschnitt (Cutting) betrieben werden, sollte auf das 40W-Modul zurückgegriffen werden, auf diese Weise können auch dickere Materialien mühelos in Form gebracht werden. Dünne Materiallien zu schneiden ist zwar auch mit dem 10W-Modul möglich, jedoch muss Holz bereits bei wenigen Millimetern Dicke mehrfach gecuttet werden. Ist der Plan vor allem das Gravieren, reicht ohne Frage das 10W-Modul aus.

Der Wechsel zwischen 3D Druck und Laseranwendung ist relativ einfach, bedarf aber eines händischen Eingriffs. So muss die Bauplatte für Laserarbeiten umgebaut werden und bekommt einen Gitterrost eingesetzt. Ebenfalls muss der Druckkopf durch das Lasermodul ausgetauscht werden. Die Umbauten gehen schnell, aber erfordern dennoch Konzentration und sind im Vergleich zu dedizierten Geräten ein Nachteil. Dafür spart man Platz und kann alles in einem Gerät durchführen. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Laserschnitt und Lasergravuren immer Feinstaub erzeugen, der über geeignete Absaugeinrichtungen und Filter während der Laserarbeit entnommen werden muss. Der von BambuLab ebenfalls angebotene Filter verrichtet diese Arbeit ohne Weiteres, schlägt aber natürlich mit weiteren 500 Euro zu Buche. Dabei handelt es sich aber durchaus um einen marktüblichen Preis, da gute Absaugeinrichtungen immer teuer sind.

Graviert und lasert man nur selten, sollte auf jeden Fall nach jeder Arbeit der Bauraum gesäubert werden. Hierzu reicht es den Innenraum mit einem Lappen und ggf. etwas Isopropanol auszuwischen, die Gewindestangen zu prüfen und etwas nachzufetten und die Luftfilter zu prüfen. 30 Minuten sollten hierfür eingeplant werden, damit der Bauraum nicht irgendwann verschmutzt und die Qualität der 3D Drucke beeinträchtigt. Wer regelmäßig den Laser im Einsatz hat, kann diese Wartungsarbeiten einmal die Woche machen.
Die Qualität der Schnitte hat uns auf jeden Fall überzeugt und erste Ergebnisse waren zügig umsetzbar. Aber wie beim 3D Druck ist die Lernkurve steil. Erste Ergebnisse sieht man schnell, aber die Feinheiten der Technik und die Abstimmung von Laserpower und Tempo je Materialtyp erfordert Geduld und manchmal auch Frusttoleranz. Wir hadern aber immer noch damit, ob wir nicht doch Fan von eigenständigen Lösungen sind, da der Umbau zwar flott von der Hand geht, die dadurch entstehenden Mehraufwände bei der Reinigung uns aber etwas störten.

H2C, H2D und H2S - welches Modell passt zu wem?
Wer sich für die H2-Familie von BambuLab interessiert, steht schnell vor der Qual der Wahl. Der H2D ist der Allrounder mit klassischem Dual-Düsen-Kopf, der sich über Zusatzmodule (Laser 10 W/40 W, Schneid- und Plottereinheit) zum echten Multitool erweitern lässt - ideal für alle, die neben dem 3D-Druck auch Gravieren, Schneiden oder Plotten wollen. Der H2S wiederum ist die abgespeckte, günstigere Variante mit nur einem Hotend, dafür aber höheren Druckgeschwindigkeiten. Der H2C wiederum ist der Spezialist unter den dreien: Wer regelmäßig mehrfarbige oder aus verschiedenen Materialien kombinierte Objekte drucken will, ohne dabei literweise Filament beim Spülen zu verschwenden, bekommt mit dem Vortek-System eine Lösung, die weder der H2D (nur als Addon) noch der H2S bieten können, dabei muss man auch nicht auf die Laserfunktion verzichten. Am Ende läuft es dann nur auf den nutzbaren Bauraum hinaus, bei dem der H2D immer die Nase vorn hat.
Abschließende Worte
Kommen wir langsam zum Ende dieses Artikels und fassen wir die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen. Der BambuLab H2C punktet vor allem mit seiner cleveren Lösung für ein altbekanntes Problem: den nervigen und materialintensiven Farb- und Materialwechsel beim FDM-Druck. Das Vortek-System mit seinem automatischen Hotend-Tausch, der beheizten Kammer und der umfangreichen KI-Sensorik verspricht hohe Druckqualität bei gleichzeitig deutlich reduziertem Abfall - ein Versprechen, das laut Herstellerangaben und ersten Praxisberichten aus der Community durchaus eingehalten wird.
Auch der Preis ist nicht ganz unerheblich - besonders in den voll ausgestatteten Varianten mit mehreren AMS-Einheiten und zusätzlichen Hotends schlägt der H2C spürbar zu Buche, auch wenn er günstiger startet, als es die Gerüchteküche im Vorfeld erwartet hatte. Und auch die Größe (≈ 32,5 kg) sollte bei der Standortwahl bedacht werden, ebenso wie eine gute Belüftung des Raums.

Natürlich ist der H2C nichts für jeden Käufer und richtet sich in erster Linie an alle, die regelmäßig mit mehreren Farben oder Materialien in einem Druck arbeiten wollen - seien es Tabletop- und Miniaturenfans, Cosplayer oder alle, die technische Bauteile mit kombinierten Materialeigenschaften fertigen möchten. Wer dagegen ohnehin nur einfarbig druckt oder eher an Lasergravur und -schnitt interessiert ist, ist beim H2D oder H2S besser aufgehoben. Zu guter Letzt: Die 3D-Community, insbesondere auf Reddit oder im Bambu-Forum, ist eine wahre Fundgrube für Erfahrungen, Druckprofile und Hilfen zum H2C - nutzt diese unbedingt.
Alles in allem ist der BambuLab H2C ein mutiger und in dieser Form einzigartiger Vorstoß gegen den Purge-Frust beim Multi-Material-Druck, für alle, die mehr Farbe und mehr Material in ihre Drucke bringen wollen, ohne dabei kiloweise Filament zu verschwenden. BambuLab muss nur aufpassen, sich nicht mit zu vielen Modellen zu zerfasern, da dies von der ursprünglichen Vision, die sie einst beim X1C hatten abweicht.
