
Bewertung: 4 / 5
Wenn Spielbergs Jurassic Park auf amerikanische Vorstadtidylle und eine gewaltige Portion Edel-Trash trifft: In The End of Oak Street kämpft Anne Hathaway mit der Schrotflinte gegen Dinosaurier in der Einfahrt. Ein nostalgischer, fesselnder Sommerblockbuster!
The End of Oak Street startet mit einer völlig normalen Familie in den frühen 1980er-Jahren: Die Platts, das sind Mutter Denise (Anne Hathaway), Vater Greg (Ewan McGregor) sowie die Kinder Brian (Christian Convery) und Audrey (Maisy Stella), führen ein beschauliches Dasein in der Oak Street, einer adretten amerikanischen Vorstadtstraße. Doch die Idylle bricht schlagartig zusammen, als ein mysteriöses kosmisches Ereignis die gesamte Straße aus ihrem Gefüge reißt.
Das schockierende Resultat: Die Bewohner sowie die gesamte Nachbarschaft inklusive der Häuser und Vorgärten sind durch die Zeit gereist und finden sich plötzlich mitten im Zeitalter der Dinosaurier wieder. Für Familie Platt beginnt nun ein skurriler, atemloser Kampf ums nackte Überleben.
Nostalgischer Charme trifft auf cleveren Trash
Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell (It Follows, Under the Silver Lake) beweist einmal mehr sein Gespür für Genre-Nostalgie. Bei The End of Oak Street spürt man in jeder Faser seine liebevolle Hommage an die ikonischen Science-Fiction-, Horror- und Abenteuerfilme der 80er-Jahre.
Der Film wirkt stellenweise wie eine überdrehte Variante von Jurassic Park – allerdings deutlich trashiger, und das im absolut positiven Sinn.
Auch visuell und handwerklich überzeugt The End of Oak Street auf ganzer Linie: Das Set- und Kostümdesign lässt die 80er detailgetreu wiederauferstehen. Die Dinosaurier und prähistorischen Kreaturen sind erfreulich authentisch und hochwertig animiert; sie fügen sich erstaunlich "harmonisch" in das Bild von Vorgärten, Garageneinfahrten und Hecken ein.
Perfektes Timing und trockener Humor
Erzählerisch gelingt Mitchell das Kunststück, ohne wirkliche Durststrecken und Kaugummi-Effekt durchzuheizen. Mit knackigen 100 Minuten Laufzeit wird die Geduld des Publikums an keiner Stelle überstrapaziert. The End of Oak Street lässt sich dennoch zu Beginn genau die richtige Zeit, um die Atmosphäre und eine echte Grundspannung behutsam aufzubauen.
Wenn der Schrecken dann einbricht, sitzen die Jump-Scares punktgenau und gut getaktet.
Tragendes Fundament des Films ist das herausragend harmonierende Ensemble. Die Familiendynamik ist authentisch und lädt zum Mitfiebern ein. Besondere Highlights liefert auch die Situationskomik (The End of Oak Street solltet ihr, wenn möglich, in der OV schauen), die erfrischend treffsicher geraten ist und nie in flaches Klamauk abschweift: Es ist schlichtweg urkomisch mitzuerleben, wie Tochter Audrey lediglich mit einem Taschenmesser bewaffnet oder Anne Hathaways Figur mit einer Flinte im Anschlag versucht, ihr Eigenheim gegen tonnenschwere prähistorische Echsen zu verteidigen.
Hoher Unterhaltungswert mit Twist
Was The End of Oak Street von anderen Genre-Filmen abhebt, ist seine erzählerische Unvorhersehbarkeit. Der Film bietet zahlreiche Überraschungen und wartet gegen Ende mit einem echten Twist auf. Lange Zeit bleibt das Publikum im Unklaren darüber, wie das Schicksal der Oak Street ausgehen könnte.
Kritisch anmerken lässt sich lediglich, dass The End of Oak Street im Finalakt der letzte Mut fehlt, noch radikalere eigene Wege zu gehen. Am Ende wird dann doch lieber auf das Altbekannte zurückgegriffen und auf Nummer Sicher gegangen. Das tut dem Vergnügen jedoch nicht wirklich einen Abbruch: Die Mischung aus Nervenkitzel, Humor und Fantasy funktioniert auch so herausragend.
Lohnt sich der Kinobesuch?
Ja, absolut!
The End of Oak Street ist das, was man perfektes Popcorn-Kino nennt. Er muss sich keineswegs hinter aktuellen Schwergewichten wie Die Odyssee (bei dem Hathaway übrigens auch mitspielt) oder Spider-Man - Brand New Day verstecken.
The End of Oak Street liefert schlichtweg das rundere, unterhaltsamere Gesamtpaket für heiße Sommertage.
Wer Lust auf ein fesselndes, technisch starkes und herrlich unterhaltsames Abenteuer mit viel Herz, Witz, Nostalgie und Grusel hat, bekommt hier beste Kinounterhaltung geboten.


