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Kontroverse in Südkorea

Ist das neue K-Drama "Snowdrop" geschichtsverfälschend?

Ist das neue K-Drama "Snowdrop" geschichtsverfälschend?
0 Kommentare - Di, 28.12.2021 von Moviejones, L. K.-Jokesch
Die von Disney+ vertriebene koreanische Historienserie "Snowdrop" steht derzeit in Korea in der Kritik, geschichtsverfälschend zu sein. Im Westen bekommt man davon nur wenig mit. Was ist an den Vorwürfen dran?

Südkorea kennt man heute als demokratisches Gegenstück zur Diktatur im Norden, doch noch in den 80ern herrschte in der südlichen Republik ein durch einen Militärputsch ausgerufenes Einparteiensystem unter Präsident Chun Doo-hwan, von dem sich längst nicht die ganze Gesellschaft distanziert. Aktuell wird dem K-Drama Snowdrop vorgeworfen, mit dem Regime zumindest teilweise zu sympathisieren und vor allem dessen Narrativ zu stärken.

Snowdrop spielt im Jahre 1987, als Studentenbewegungen eine Demokratisierung des Landes erwirkten. Unter dem Vorwand der Jagd auf kommunistische Spione aus dem Norden kam es damals zu Inhaftierungen und Folter von Studenten, teils mit tödlichen Folgen.

Die Serie relativiert diese politische Verfolgung, das zumindest schonmal insofern, als es sich bei einer der Hauptfiguren tatsächlich um einen Spion handelt, der unter den linken Studenten verkehrt.

Am bemerkenswertesten ist jedoch, dass die Studentin, bei der er Unterschlupf findet und mit der sich eine Romanze anbahnt, im ursprünglichen Script Eun Young-cho hieß, was als Verweis auf die reale Aktivistin Chun Young Cho aufgefasst wurde. Englischsprachige Informationen über diese sind rar gesät und nicht immer frei von fälschlichen Darstellungen. So wird auf einem Artikel der International Business Times über sie und die Kontroverse um die Serie fälschlicherweise das Gwangju-Massaker auf 1987 datiert, obwohl es eigentlich sieben Jahre vor der Handlung der Serie stattfand.

Diverse Quellen verweisen auf einen Publisher ihrer Biografin Seo Myung Sook, der ein kritisches Statement über die Serie abgab, und erzählen von Chun Young Chos Ehemann, der als politischer Aktivist verhaftet worden und später an Mangelernährung gestorben sein soll, leider jedoch ohne konkret darzulegen, ob dies während der Haft oder erst später geschah.

In jedem Fall sollte festzuhalten sein, dass das Benennen einer Figur, die mit einem nordkoreanischen Spion ein Verhältnis hat, nach einer realen Aktivistin, die zudem aktuell aufgrund von Gehirnschäden nach einem Unfall unter dauerhafter Pflege lebt und wohl selbst keine Stellung mehr beziehen kann, geschmacklos ist. Der Sender reagierte sogar tatsächlich, änderte den Namen der Figur jedoch nur leicht ab. Auch die grundsätzliche Prämisse, dass die Serie einen nordkoreanischen Spion mit den Studentenbewegungen in Verbindung bringt, ist nach wie vor kritisch zu betrachten.

Bekannt sind Autorin Hyun-mi Yoo und Regisseur Hyun Tak Jo für das progressive, wenn auch leicht versöhnlich-naive K-Drama Sky Castle, eine Satire auf die südkoreanische Leistungsgesellschaft. Laut der Inhaltsangabe auf Disney+ soll auch Snowdrop sich in eine versöhnliche Richtung entwickeln, in der der Spion und der Regierungsbeauftragte, der auf ihn angesetzt ist, zusammenarbeiten. Vor dem historischen Kontext klingt das jedoch nicht, als würde es die Probleme der Serie beheben, sondern hört sich im Gegenteil erneut verharmlosend an.

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