
Bewertung: 2 / 5
Liest man sich die Beschreibung von André Øvredals Passenger durch, klingt das Konzept zunächst spannend: ein Horrorfilm über einen Dämon, der Reisenden auflauert und sie terrorisiert. Ein erster Trailer machte dann tatsächlich Hoffnung. Das Problem dabei: Er verrät allerdings bereits die stärksten Szenen des Films, die sich allesamt am Anfang befinden. Passenger ist eine auf Spielfilmlänge aufgeblähte Kurzfilmidee, die sich an allen Horrorklischees bedient, die aktuell im Trend sind.
Passenger - Kritik des Horror-Roadmovies
Das Paar Maddie (Lou Llobell) und Tyler (Jacob Scripio) möchte ihr altes Leben hinter sich lassen und in einem Wohnwagen leben. Als sie nachts eine Landstraße im Wald entlang fahren, werden sie von Lucas (Miles Fowler) überholt, der vor dem Passenger (Joseph Lopez) flieht. Das dämonische Wesen hat seinen Freund Daniel (Alan Tong) ermordet. Lucas kracht vor dem Paar in einen Baum und Maddie sieht, wie etwas Übernatürliches ihm den Todesstoß versetzt. Doch weil die beiden geholfen haben, ist der Passenger nun hinter ihnen her.
Trailer zu Passenger
Wenig Jumpsacres, viel Langeweile
Passenger kann am Anfang durchaus überzeugen. Wie es in Horrorfilmen oft der Fall ist, fehlt es den Hauptfiguren zwar ein wenig an Authentizität und die Geschichte der beiden Verliebten ist aus dem kleinen Ein-Mal-Eins des Horrorgenres zusammengewürfelt. Doch liegt der Fokus bei solchen Filmen ohnehin nicht auf den Figuren. Und so sind die ersten 10 bis 20 Minuten vielversprechend und bieten den klassischen, wenn auch belanglosen, Aufbau eines Schockers.
Nur passiert bei fortschreitender Laufzeit recht wenig. Es gibt eine Vielzahl an langen Szenen, die sich auf verschiedenen Weisen mit Maddies Angst vor dem Verfolger und Tylers Unverständnis darüber beschäftigen. Das wäre auch okay, wenn der Film daraus irgendeine Konsequenz zöge oder das ganze zumindest glaubhaft geschrieben wäre. Es ist aber die Langform dessen, was jeder Horrorfilm mit Paaren macht. Echte Schreckensmomente sind rar gesät.
Von den fünf bis sechs Jumpsacres, die es in den endlos langen 94 Minuten des Films gibt, funktionieren vielleicht zwei. Grusel durch Atmosphäre gibt es maximal ein Mal. Die Musikauswahl könnte genauso gut aus einem Werbeclip fürs Campen in den USA stammen und die Kamera und Übergänge bleiben bis auf den Anfang weitesgehend uninspiriert. Blut gibt es zwei Mal zu sehen, die Kills sind aber selbst in Marvel-Filmen brutaler und spannender.
Langer Weg zum durchschnittlichen Ende
Wie in jedem mittelmäßigen Horrorfilm, weiß natürlich auch in Passenger jemand ganz genau über den Dämon Bescheid. Und wie üblich wird die Person erst als verrückt abgestempelt, dann doch aufgesucht, damit sie dem Zuschauer nochmal alles erklären kann, und schließlich stirbt sie. Überleben kann das Paar schlussendlich nur mit der (buchstäblichen) Kraft Gottes. Originell ist das alles nicht, zumindest bereitet es aber keine größeren Kopfschmerzen.
Statt Kopfschmerzen bekommen wir dafür eine Portion Fremdscham serviert. Sätze wie "Du bist voll der Netzwerker" mögen in der deutschen Übersetzung zwar nochmal besonders seltsam klingeln, uns wäre es aber neu, dass der Satz im Original viel jünger und passender klingen würde. Die Chemie zwischen Maddie und Tyler stimmt daher nie so richtig. Die Darsteller können da auch nichts mehr raus holen, ob es nun am schlechten Skript oder mangelnden Fähigkeiten liegt, können wir nicht abschließend beurteilen.
Das Ende von Passenger ist immerhin recht zielgerichtet und so nimmt der Film die letzten 10 Minuten nochmal die Fahrt auf, die wir uns schon einige zeit vorher gewünscht hätten. Retten tut es das Werk aber auch nicht mehr.
Fazit - Eine lange Fahrt mit wenig Spaß
Passenger ist einer dieser Horrorfilme, die selbst die Liebhaber langweilt. Zwischen hölzernen Dialogen, belangloser Geschichte und fehlendem Grusel bleibt nämlich nicht mehr viel übrig, außer ein vielversprechender Anfang und ein durchschnittliches Ende. Fans von blutigen Kills oder einer guten Atmosphäre gehen hier leer aus. Dafür gibt es alle 20 Minuten einen nicht funktionierenden Jumpscare und eine Menge langweiliger Szenen. Wer den Trailer bereits gesehen hat, kennt den besten Teil vom Film und kann sich einen Kinobesuch damit sparen.
Passenger hat eine Laufzeit von 94 Minuten und ist hat eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Der Film läuft seit dem 28. Mai in den deutschen Kinos im Verleih von Paramount Pictures.


