Intrige

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Prädikat: besonders wertvoll

Intrige Kritik

Intrige Kritik
0 Kommentare - 02.02.2020 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Intrige

Bewertung: 4 / 5

Kaum ein anderer Ausspruch ist in der französischen Kultur so in das kollektive Bewusstsein eingegangen wie das "J´accuse", mit dem Émile Zola 1898 in einem offenen Brief an den Staatspräsidenten die Öffentlichkeit über die Hintergründe der Dreyfus-Affäre informierte. Dies ist auch der Originaltitel des neuen Films von Roman Polanski, und "Ich klage an" wäre auch ein guter Filmtitel gewesen. Intrige klingt dagegen vielleicht ein wenig zu harmlos, denn hier geht es ja tatsächlich um diese gigantische Staatsaffäre, die Frankreich viele Jahre lang so gespalten hat wie etwa heute der Brexit Großbritannien.

Und es geht um Antisemitismus, denn der Offizier Alfred Dreyfus wurde nur deshalb der Spionage verdächtigt und ohne Beweise verurteilt, weil er Jude war. Und letzen Endes geht es auch um einen Whistleblower, denn der den Fall untersuchende Offizier Marie Georges Picquart war so darüber empört, wie die französischen Militärs den Skandal vertuschen wollten, dass er seine Ergebnisse an die Öffentlichkeit weitergab und so alles ins Rollen brachte.

Trailer zu Intrige

Nur selten wird in einem historischen Film so treffend und pointiert von der Gegenwart erzählt. In fast jeder Wendung, in fast jeder Szene kann man die Spiegelung aktueller Geschehnisse und politische Strömungen erkennen - und dies ohne dass Roman Polanski auch nur einmal mit direkten Bezügen oder gar ironischen Anspielungen gearbeitet hätte. Stattdessen erzählt er in Form des klassischen aufklärerischen Kinos und es gelingt ihm, die komplexe und widersprüchliche Geschichte sehr klar und im Stil eines auf jeder Ebene virtuos inszenierten Historiendramas in Szene zu setzen.

Das Paris des späten 18. Jahrhunderts wird da atmosphärisch dicht und mit einer detailreichen, stimmigen Ausstattung heraufbeschworen, ohne dass dieses Eintauchen in eine andere Zeit wie so oft bei aufwändigen Historienfilmen zum Selbstzweck wird. Nichts soll von der Geschichte ablenken, und diese wird, seltsamerweise, ganz in der Art eines angelsächsischen Politthrillers erzählt. Allzu sehr muss man sich darüber nicht wundern, denn der Film basiert schließlich auf einem Roman des britischen Autoren Robert Harris, den dieser schon im Jahr 2013 auf Polanskis Anregung hin geschrieben hatte.

Intrige ist fast ausschließlich aus der Perspektive des Offiziers Picquart erzählt. Dreyfus und auch Zola haben dagegen nur wenige Auftritte. Picquart ist einer von diesen aufrechten, unbestechlichen und hartnäckigen Helden, dessen Untersuchungen im Kino schon zum Sturz von Präsidenten, riesigen Schmerzensgeldzahlungen von Umweltsündern und die Freilassung von unschuldig Verurteilten aus Todeszellen geführt haben. Jean Dujardin spielt ihn als einen etwas pedantischen Elitesoldaten, der keinerlei Sympathien für Dreyfus hegt, sondern stattdessen schlicht nicht ertragen kann, wenn unter seiner Verantwortung etwas Unkorrektes geschieht. So gibt es zwar ein Duell und er überlebt einen Anschlag auf der Straße, aber dennoch heroisiert Polanski ihn nicht übermäßig.

Er gönnt ihm und dem Publikum stattdessen immerhin eine kleine Liebesgeschichte, die vieles vom Lebensgefühl der Eliten in der Belle Époque deutlich macht und im letzten Akt für eine geschickt gesetzte Pointe sorgt.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Intrige Bewertung
Bewertung des Films
810
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