
Es ist das frühe und für einige sicher erwartbare Aus für die Sternenflottenakademie: Nur wenige Tage, nachdem das Finale der ersten Staffel von Star Trek - Starfleet Academy ausgestrahlt wurde, erreicht uns die Nachricht, dass die Serie von Paramount nach zwei Staffeln abgesetzt wurde.
Moment mal, die Serie wird nach Staffel 1 abgesetzt, erhält aber noch eine zweite? Dies mag verwirrend klingen, doch als Erklärung: Bereits vor Ausstrahlung der ersten Staffel wurde von Paramount eine zweite bestellt, die auch bereits abgedreht ist. Diese wird also noch ausgestrahlt, doch keine weitere dritte produziert.
"Star Trek - Starfleet Academy" Trailer 1 (dt.)
Das Aus kommt nicht allzu überraschend. Seit Beginn wurde die Serie von vielen Fans (und Nicht-Fans) für ihre stark woke Haltung kritisiert. Die Produzenten haben dies stets damit verteidigt, dass Star Trek nun einmal so ist und auch schon immer so war und es wichtig ist, eine Zukunft zu zeigen, in der wir viele der heutigen Vorurteile überwunden haben.
Wenngleich es nicht überraschend ist, dass eine Serie, die solche Werte vertritt, Kritik aus ganz bestimmten Ecken erhält, so muss hier erwähnt werden, dass auch viele Star Trek-Fans mit dem Vorgehen der Produzenten ein Problem haben. Nicht, weil Diversität hier gezeigt wird, sondern vielmehr, wie diese gezeigt wird.
Das Besondere an Star Trek war früher immer, dass die Serien eine Diversität gezeigt haben, die es in unserer Gesellschaft noch nicht gab. In den 60ern diente eine schwarze Frau gleichberechtigt auf der Brücke, genauso ein Russe und ein Japaner. All das nur 20 Jahre nach Pearl Harbor, mitten im Kalten Krieg und zu einer Zeit, in der in den USA noch die Rassentrennung vorherrschte. Hier wurde eine positive Zukunft gezeigt, eine Utopie. Ende der 80er und in den 90ern setzte sich dies mit den weiteren Serien fort. In Deep Space Nine wurde ein Schwarzer zum Captain und in Voyager übernahm eine Frau das Kommando.
Ja, Diversität spielte schon immer eine enorm große Rolle im Franchise. Man war schon woke, Jahrzehnte bevor dieses Wort zum großen Streitthema einer zerrissenen Gesellschaft werden sollte. Doch es gab und gibt eben einen ganz großen Unterschied zum heutigen Star Trek: Es wurde als Normalität inszeniert. Es wurde so getan, als sei dies nichts Besonderes. Es wurde allgemein nie groß thematisiert. In der Zukunft, die Star Trek skizzierte, war dies alles schlicht normal und nichts, worüber man groß reden oder gar diskutieren brauchte. Eben so, wie es sein sollte.
Das heutige Star Trek, allen voran Star Trek - Discovery und Star Trek - Starfleet Academy, ist da komplett anders. Hier wird dies alles auf ein großes Podest gestellt, ein Scheinwerfer darauf ausgerichtet und eine große Nummer daraus gemacht: "Seht her, wir haben ein homosexuelles Paar in unserer Serie! Sind wir nicht toll?" Man entzieht dem Ganzen die Normalität, die es haben sollte.
Wenn die Persönlichkeit einer Figur nicht mehr deren Identität ist, sondern nur noch ihre sexuelle Ausrichtung, läuft etwas schief.
Dennoch ist die Absetzung schade. Der Cast, unter anderem Holly Hunter und Paul Giamatti, haben durchaus überzeugt und auch einige der hier erzählten Geschichten waren gar nicht so schlecht. Am Ende ist man aber wohl zu oft über die eigenen Füße gestolpert. Dass viele Fans von Anfang an eher wenig begeistert von einer Serie in der ohnehin schon umstrittenen Star Trek - Discovery-Timeline waren und lautstark lieber andere potenzielle Projekte umgesetzt sehen würden, hat sicher nicht geholfen. Wir denken da an Star Trek - Legacy, Star Trek - United oder Star Trek - Year One.
Die ausführenden Produzenten Alex Kurtzman, Noga Landau und Gaia Violo haben ein Statement zur Absetzung veröffentlicht. Ein recht langes, welches wir euch aber nicht vorenthalten wollen. Bevor wir dazu kommen: Lasst uns gerne in den Kommentaren an euren Gedanken hinsichtlich der Absetzung und Star Trek im Allgemeinen teilhaben.
Und hier jetzt das Statement:
"Es war mir und Noga eine Freude und Ehre, Gene Roddenberrys außergewöhnliche Vision mit der Sternenflottenakademie weiterzutragen. Unser Dank gilt den Hunderten von fleißigen Menschen, die täglich mit Fantasie und Ehrfurcht ihr ganzes Talent in dieses Projekt einbringen. Wir befinden uns derzeit in der Postproduktion der zweiten und letzten Staffel. Wir sind sehr stolz auf das, was wir gemeinsam mit dieser Serie erreicht haben, und die Welt wird die Arbeit dieser außergewöhnlichen Künstler bewundern können, wenn die zweite Staffel ausgestrahlt wird. Wir werden ein starkes Finale feiern.
Ob man nun an Star Trek arbeitet oder Teil des wunderbaren Star-Trek-Fandoms ist – dessen Herz, Seele und Gewissen – die Freude liegt darin, die Grenzen von Zeit, Raum und dem menschlich Möglichen zu überschreiten, um Roddenberrys transformativer Zukunftsvision zu dienen. Diese unvergleichliche Vision wurde von einem unerschöpflichen Optimismus angetrieben. Star Trek setzt auf das Beste im Menschen. Es wagt, sich eine Gesellschaft „unendlicher Vielfalt in unendlichen Kombinationen“ vorzustellen, frei von Krieg, Hass, Armut, Krankheit oder Unterdrückung, dem Geist der wissenschaftlichen Forschung und dem Respekt vor allen Leben gewidmet, ob kohlenstoff- oder siliziumbasiert, grün oder blau.
Aber täuscht euch nicht: Gene Roddenberry war kein weltfremder Träumer. Er war ein hochdekorierter Bomberpilot der US-Armee im Pazifikkrieg. Er hatte die grausamen Folgen der schlimmsten Auswüchse der menschlichen Natur aus erster Hand erlebt. Und seine Zukunftsvision war nicht nur ein Versprechen der Hoffnung. Sie war auch eine Warnung. In einer angespannten, beängstigenden Zeit der Intoleranz und Gewalt sagte Star Trek: Seht her! Wir haben es geschafft! Aber nur knapp. Zuerst mussten wir all diese uralten Geißeln hinter uns lassen. Es sagte, dass das, was uns als Spezies glorreich macht und uns Hoffnung für die Zukunft und die Galaxie gibt, untrennbar damit verbunden ist, was uns füreinander, für diese eine Welt, die wir bewohnen, und für uns selbst gefährlich macht. Diese doppelte Botschaft – der Hoffnung und der Warnung – ist nicht nur ein schöner Traum, sondern ein Aufruf zum Handeln, dazu, darüber nachzudenken, wer wir sind.
Glaubt uns nicht einfach so. Hört, was Gene sagt:
„Star Trek war der Versuch zu zeigen, dass die Menschheit Reife und Weisheit erlangt, sobald sie beginnt, Unterschiede in Ideen und Lebensformen nicht nur zu tolerieren, sondern sie mit besonderer Freude zu betrachten. […] Wenn wir nicht lernen, diese kleinen Unterschiede wirklich zu genießen, uns an den kleinen Unterschieden zwischen unseren Artgenossen hier auf diesem Planeten zu erfreuen, dann verdienen wir es nicht, ins Weltall hinauszureisen und der dort mit ziemlicher Sicherheit vorhandenen Vielfalt zu begegnen.“
In der Hoffnung, dass seine Zukunftsvision Wirklichkeit wird – für unsere Kinder, deren Kinder und jeden zukünftigen Kadetten der Sternenflottenakademie:
Lebe lang und in Frieden."
