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Der Goldene Handschuh (2019)

Ein Film von Fatih Akin mit Marc Hosemann und Adam Bousdoukos

Kinostart: 21. Februar 2019110 Min.FSK18Drama, Romanverfilmung
Meine Wertung
Ø MJ-User (8)
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Der Goldene Handschuh Bewertung

Der Goldene Handschuh Inhalt

In den 70er Jahren lebte Fritz Honka im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Er ist ein typischer Verlierer der Gesellschaft, erregt bei seinen Mitmenschen aber fast schon Mitleid. Als Hilfsarbeiter versucht er sich über Wasser zu halten und in der Kneipe "Zum Goldenen Handschuh" gibt er die verdiente Kohle wieder aus. Doch was die Menschen nicht erahnen, ist, dass Fritz Honka, der sein Leben zwischen Alkohol, Prostituierten und anderen zwielichtigen Gestalten fristet, der wohl berüchtigste Serienmörder der deutschen Nachkriegszeit ist. Er vergewaltigt, schlägt und erwürgt seine Opfer und zerstückelt anschließend ihre Leichen. Als er gefasst wird, macht er seinem grausamen Ruf als "Bestie von Altona" längst alle Ehre.

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Cast & Crew

Wer ist der Regisseur von Der Goldene Handschuh und wer spielt mit?

Drehbuch
OV-Titel
Der Goldene Handschuh
Format
2D
Der Film erhielt die FSK-Freigabe "Keine Jugendfreigabe".
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29 Kommentare
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MB80 : : Cheddar Goblin
18.01.2020 20:30 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.321 | Reviews: 30 | Hüte: 100

Luhp92:

Interview muss ich morgen lesen, ich meine das kenne ich noch nicht.

"Hauptdarsteller Jonas Dassler hat in der Pressekonferenz zum Film auf der Berlinale gesagt, dass er Fritz Honka die Würde wiedergeben wolle."

Genau da, wenn du schon meinst es war toll wie ihm in die Nüsse getreten wird, merkst du ja wie der Film da scheitert. Das Buch kriegt das hin, ohne zu beschönigen was für kaputte Gestalten das alles sind.

Ja, warum die mMn ganz essentielle Teile weggelassen haben, dafür aber einige gar nicht so wichtige Details drin gelassen haben, das wüsste ich echt mal gerne.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
18.01.2020 18:04 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.270 | Reviews: 180 | Hüte: 416

@MB80
"Und da ich ja sowieso inzwischen hier nen Ruf als Hörbuch-Shill weghabe: unbedingt anhören, vom Strunk selber gelesen, und der Typ ist einfach gut."

Kommt auf die Liste, erst muss ich noch "The Shining" zu Ende hören^^


@MB80 und eli4s

"Wenn ich mich richtig an Interviews erinnere ging es Akin um "Gewalt gegen Frauen""

Ich habe da noch ein lesenswertes Interview gefunden, in dem Akin Fragen beantwortet, die in unserer Diskussion ebenfalls oder in ähnlicher Form Thema waren.

https://www.ndr.de/kultur/film/Akin-ueber-Goldene-Handschuh-bei-Berlinale,akin218.html

Zum Beispiel:

  • Hauptdarsteller Jonas Dassler hat in der Pressekonferenz zum Film auf der Berlinale gesagt, dass er Fritz Honka die Würde wiedergeben wolle. Wie sieht es mit den Frauen und Opfern von Honka aus, wollten Sie denen auch ihre Würde wiedergeben?
  • Aber bereits vor den Morden hat man den Eindruck, dass die meisten Frauen im Film wenig Selbstbewusstsein haben, wenig selbstbestimmt sind und ihre Erlösung in diesem Mann sehen.
  • Im Vergleich zum Roman erfährt man viel weniger vom realen Fritz Honka, der sogar zwei Mal verheiratet war und Kinder hatte. Warum haben Sie das weggelassen?

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MB80 : : Cheddar Goblin
18.01.2020 17:09 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.321 | Reviews: 30 | Hüte: 100

eli4s:

Erst mal, Stromberg, ja, immer wieder angenehmes Fremdschämen smile

"Ich schätze "The House that Jack built" (den ich auch nicht besonders leiden konnte) wäre vielleicht so ne experimentellere Variante?^^"

Ich mochte den, allerdings nicht besonders. Netter Nachtrag zu "Nymphomaniac". Ob das die richtige Form für den "Handschuh" ist, puh... Eines der Merkmale des Buches ist ja diese kreative Sprache, so redet der Strunk ja vom "Schmiersuff" wenn Leute total voll sind. In "Midsommar" (den du auch nicht mochtest wink ) wurde sowas ja visuell ganz interessant umgesetzt, in die Richtung vielleicht. Ich denke halt, der einzig falsche Weg war, so eine quasi-Doku zu machen, denn was einem der Film sagen will ist mir schleiherhaft.

luhp92:

"Hätte Akin das alles in die Handlung integriert, hätte ich Honkas Leben definitiv als spanneder empfunden. Aber da muss ich andererseits auch eli4s Recht geben, das wäre dann nicht die Geschichte gewesen, die Akin hier erzählen wollte."

Das Buch ist teilweise durchaus Episodenhaft, und damit hätte man den Film auch erzählen können. Das hätte den Film dann zwar auf 150 Minuten plus aufgebläht, aber dann hätte er auch was zu sagen gehabt. Wenn ich mich richtig an Interviews erinnere ging es Akin um "Gewalt gegen Frauen", aber wenn er ergründen wollte, woher die kommt, ist er mMn gescheitert. Außer er will uns sagen, dass ne Prohibition ne pralle Idee ist tongue-out

So ich weiß, als jemand der das Buch kennt zu sagen "aber das Buch ist besser" ist immer etwas abgedroschen, aber... das Buch ist so viel besser!

Und da ich ja sowieso inzwischen hier nen Ruf als Hörbuch-Shill weghabe: unbedingt anhören, vom Strunk selber gelesen, und der Typ ist einfach gut.

"Bogumil, Bogumil, Bogumil."

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
18.01.2020 14:49 Uhr | Editiert am 18.01.2020 - 14:57 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.270 | Reviews: 180 | Hüte: 416

@eli4s
"Und dass es den Leuten dort gut geht, würde ich jetzt so nicht ausdrücken. Sie haben einen Ort, wo sie ihr Elend hintragen und scheinbar teilen können. Das ist schon minimal was gutes. Aber gut ist deswegen ja noch gar nichts."

Ja und nein. Bei einigen Charakteren merkt man natürlich, dass sie im Goldenen Handschuh ihr Leid ertränken und teilen können. In der Kneipe geht es ihnen dennoch gut, über das Leid an sich und über die Gründe, warum es ihnen außerhalb der Kneipe schlecht geht, erfährt man dann aber nichts.

Und andere Charktere (Dornkaat-Max, Nasen-Ernie, diese Frau mit dem Lockenkopf oder der Typ mit dem Daimler, der die junge Petra angräbt) scheinen überhaupt kein Leid zu haben, sondern zum Spaß in den Goldenen Handschuh zu gehen. Aber gut, da könnte Akin auch einfach nur einen Querschnitt durch die reale Kundschaft gezogen haben, nicht jeder muss ja irgendwelche Leiden gehabt haben.


@MB80 und eli4s

"Interessanterweise stimmt das nur zum Punkt des Filmes"

Ich meinte da auch nur ausdrücklich den Film. Nach dem Film habe ich mich etwas über Fritz Honka eingelesen und dabei einiges Interessantes erfahren. Er floh Ende der 50er Jahre aus dem Osten (Leipzig) in den Westen. Seine Gesichtsentstellung ist die Folge eines Arbeitsunfalls. Vor den Morden war er mehrmals verheiratet und hatte sogar einen Sohn.

Hätte Akin das alles in die Handlung integriert, hätte ich Honkas Leben definitiv als spanneder empfunden. Aber da muss ich andererseits auch eli4s Recht geben, das wäre dann nicht die Geschichte gewesen, die Akin hier erzählen wollte. Abseits davon hätte das als Serie dann wahrscheinlich echt besser funktioniert.


"der Mord an "Erika" aus Stromberg"

Was für eine Genugtuung es war, als sie zuvor noch Honkas Penis mit Senf einrieb und ihm nach dem Aufstehen in die Eier trat!

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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eli4s : : Moviejones-Fan
18.01.2020 13:09 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.165 | Reviews: 33 | Hüte: 75

@MB80

joa, ich denke, du als Kenner des Buches/der Hintergründe etc. kritisierst dieses Fehlen genau wie Luhp92, aus gutem Grund. Ich kenne diese zwar nicht, komme aber aufgrund des Films zum selben Ergebnis: Warum?

Das mit "Erika" war echt übel. Ein Glück, dass ich die Stromberg Assoziationen für den Film weitestgehend ausblenden konnte. (Off Topic: habe ich zuletzt mal wieder gesehen, den Stromberg, immer wieder amüsant)

Es hätte in meinen Augen zwei Wege gegeben, das gut umzusetzen: a) experimentelles Kino b) als Serie.

Ich schätze "The House that Jack built" (den ich auch nicht besonders leiden konnte) wäre vielleicht so ne experimentellere Variante?^^

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MB80 : : Cheddar Goblin
18.01.2020 12:10 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.321 | Reviews: 30 | Hüte: 100

Oje, da sind leider meine schlimmsten Befürchtungen wahr geworden... Akin hat mit dem Film so eine Art Anti-These zum Buch geschaffen, das dem ganzen Dreck mit einer Rahmenhandlung eine gewisse Ambivalenz gab, und seine Figuren tatsächlich mit genug Hintergrundgeschichte ausstattete, um ihnen eine gewisse Würde, oder zumindest Mitgefühl des Lesers/-in, zu geben. Den feinen Wortwitz des Buches scheint Akin gründlich mißverstanden zu haben, und wollte mit seinem Film wohl sagen "das war gar nicht witzig, SO war das". Dabei verdeutlilcht er aber nur, wie ungeheuer wichtig die ganze Rahmenhandlung des Buches (WH3 und die ganze Erzählung der wohlhabenden Sippschaft, die sich insgeheim auch nach dem Suff und Dreck des Handschuhs sehnt) war, um den Figuren die notwendige Tiefe zu geben. Allen voran der eigentlich zentrale mittlere Akt, in dem Honka ja kurz davor ist, sein Leben auf die Kette zu bekommen, und der im Buch viel schlüssiger ist und wieder zeigt, wie wichtig die inneren Monologe hier waren die Akin leider kaum in die Sprache des Filmes übertragen kann (zumindest hier).

Was letztendlich bleibt, ist ein oberflächlicher Horrorfilm, bei dem man vor allem die Schauspieler und die Kulisse sehr positiv hervorheben muss. Viele Szenen müssen den Schauspielern einiges abverlangt haben (der Mord an "Erika" aus Stromberg... Ufffff....), aber letztendlich fragt man sich am Ende, insbesondere wenn man das Buch kennt: Warum?!

luhp92:

"Das liest man in den positiven Reviews ziemlich oft, jetzt nach dem Anschauen des Films frage ich mich: Warum?"

Exakt.

"Der Film ist mehr eine Komödie als ein Drama, die gesamte Kundschaft im Goldenen Handschuh besteht im Prinzip nur aus (ohne Frage lustigen) Karikaturen, über deren Charaktere, Hintergründe und Werdegänge man kaum bis gar nichts erfährt."

Der ersten Hälfte kann ich so halb zustimmen, der zweiten dafür ganz.

eli4s und luhp92:

"Zu Honkas leben. Ja, natürlich ist sein Leben langweilig. Das ist ja genau der Punkt."

Interessanterweise stimmt das nur zum Punkt des Filmes. Honkas Leben, zumindest wie im Buch beschrieben, war bis dahin extrem turbulent, und ihm wurde vom Schicksal eigentlich nur in die Nüsse getreten. Und das Buch schafft es eben, dadurch durchaus Mitgefühl aufzubauen, ohne seine Taten zu erklären oder gar rechtfertigen. Und das fehlt im Film bitterlich.

Es hätte in meinen Augen zwei Wege gegeben, das gut umzusetzen: a) experimentelles Kino b) als Serie.

Meine Bewertung
Bewertung

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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eli4s : : Moviejones-Fan
17.01.2020 16:02 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.165 | Reviews: 33 | Hüte: 75

@luph92

zum Kneipenleben. Ja, das ist schon so deren letzte Zuflucht, das sehe ich schon.
Aber man sieht eben ja, dass es eben nur der Schein einer Gemeinschaft ist.
Und dass es den Leuten dort gut geht, würde ich jetzt so nicht ausdrücken. Sie haben einen Ort, wo sie ihr Elend hintragen und scheinbar teilen können. Das ist schon minimal was gutes. Aber gut ist deswegen ja noch gar nichts.^^

Mit dem Soldaten Norbert hast du recht. Das ist schon sehr karrikaturistisch. Letztlich hat Akin auch einfach nicht die Zeit (oder will sie sich nicht nehmen) für alle Figuren.

Ich glaube, dieser Blick auf die Umstände, der die fehlte, ist naheliegend. Denke aber, dass Akin sich ganz bewusst dagegen entschieden hat und den Film derart eingegrenzt hat, um eben die "Geschichte" zu erzählen, die er jetzt erzählt hat.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
16.01.2020 19:41 Uhr | Editiert am 16.01.2020 - 19:43 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.270 | Reviews: 180 | Hüte: 416

@eli4s
"Die jede Selbstachtung aufgegeben haben. Das zeigt sich ja nicht zuletzt in den Opfern (die ja übrigens auch meist aus der Spelunke kommen), die zB. mit Honka nur interagieren, um an weiteren Schnaps zu kommen. Oder schlimmeres."

Ja, das mit der Selbstachtung und den Opfern stimmt natürlich. Gerade die Opfer behandelt Akin ernsthafter und dramatischer (obwohl sich auch bei denen karikatureske Züge finden lassen).

"eine Ansammlung von verlorenen Seelen, die völlig am Ende sind."

Hm. Also dafür wird die Stammkundschaft und das Kneipenleben im Goldenen Handschuh schon als sehr fröhlich, witzig und oft lebhaft dargestellt. Den Leuten dort geht es gut - selbstverständlich, sie haben ja auch nichts anderes -, aber gerade da fehlte mir dann ein vergleichender Blick auf das Leben außerhalb der Kneipe. Auf die Umstände, weswegen es sich bei den Menschen um verlorene Seelen handelt, die völlig am Ende sind.

"Sieht man schnell hinter diese Fassaden auf die einzelnen Schicksale"

Da nehme ich mal Soldaten-Nobert als Beispiel. Man weiß, dass er als Soldat im Zweiten Weltkrieg kämpfte, man sieht deutlich seine Verstümmelungen und man merkt, dass er immer noch im Drill lebt. Eine witzige Figur, die Tragik hinter seinem Schicksal wird meiner Meinung nach aber nur in seiner letzten Szene spürbar, als er den Jungen auf dem Klo anpisst, weil dieser ihn flapsig ansprochen hat. Da brechen dann sein Drill sowie die Soldaten-Grobheit und -Verderbtheit durch. Von solchen Szenen hätte ich, bezogen auf alle Charaktere, gerne mehr gesehen, dann würde das Karikatureske meinem Empfinden nach auch nicht so im Vordergrund stehen.

"Weil er so gestört ist, dass er gar nichts mehr realisiert, dass er gar nicht mehr merkt, was er mit seinem Leben macht, das nur noch aus Gewohnheit und Trieb und Dysfunktionalität besteht."

Das ist ein guter Punkt.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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eli4s : : Moviejones-Fan
16.01.2020 13:25 Uhr | Editiert am 16.01.2020 - 14:04 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.165 | Reviews: 33 | Hüte: 75

@luph92

Interessant, dass du das sagst. Der Trailer hatte mir nämlich genau dies so auch vermittelt, wie du es jetzt im Film wahrgenommen hast. Als ulkige Sozialdrama kontrastiert von den Gewalttaten. Das habe ich aber so im Film nicht wiedergefunden.

Ich hatte ganz und gar nicht den Eindruck, dass da viel "Ulk" vorhanden ist. Auch wenn ich dir zustimme, dass da einige Karikaturen in der Bar drin sitzen und diese sicherlich in manchen Momenten (gerade im Zusammenspiel mit dem Jungen aus der Stadt, der da so gar nicht reinpasst und das verstärkt) für ein Schmunzeln sorgen. Er zeigt ja auch ganz nett, dass die da wie gesagt so eine kleine Nicht-Gemeinschaft da aufgebaut haben.
Aber dieses Karikaturistische auf den ersten Blick finde ich eben nur auf der Oberfläche. Wenn man dann länger da Zeit verbringt, was Akin ja tut mit seiner Kamera. Sieht man schnell hinter diese Fassaden auf die einzelnen Schicksale und dann auch im Gesamtbild keineswegs ein humoristisches Bild. Sondern wie ich unten schon sagte, eine Ansammlung von verlorenen Seelen, die völlig am Ende sind.
Die jede Selbstachtung aufgegeben haben. Das zeigt sich ja nicht zuletzt in den Opfern (die ja übrigens auch meist aus der Spelunke kommen), die zB. mit Honka nur interagieren, um an weiteren Schnaps zu kommen. Oder schlimmeres.


Zu Honkas leben. Ja, natürlich ist sein Leben langweilig. Das ist ja genau der Punkt. Weil er so gestört ist, dass er gar nichts mehr realisiert, dass er gar nicht mehr merkt, was er mit seinem Leben macht, das nur noch aus Gewohnheit und Trieb und Dysfunktionalität besteht.

Warum er diese Geschichte erzählt? Wie gesagt, die Frage habe ich mir auch gestellt und ist auch durchaus berechtigt. Ich denke, in allen anderen Punkten, sind wir uns einig.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
16.01.2020 00:41 Uhr | Editiert am 16.01.2020 - 00:52 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.270 | Reviews: 180 | Hüte: 416

@eli4s
"dass das der deprimierendste Film des Jahres ist. An Trostlosigkeit kaum zu überbieten. [...] Genauso, wenn nicht sogar noch brutaler, schien mir der Blick auf die Nebenfiguren, die sich alle im "Goldenen Handschuh" finden. [...] Aber muss man sich nicht antun, schätze ich."

Das liest man in den positiven Reviews ziemlich oft, jetzt nach dem Anschauen des Films frage ich mich: Warum? Sicherlich trieft "Der Goldene Handschuh" vor Hässlichkeit, Schmuddeligkeit, Ekel und eigentlich auch Trostlosigkeit, aber Akin inszeniert das abgesehen von ein paar wenigen Schockern, die es für mich zudem nicht immer in sich haben, durchgehend als ulkige Sozialromantik. Der Film ist mehr eine Komödie als ein Drama, die gesamte Kundschaft im Goldenen Handschuh besteht im Prinzip nur aus (ohne Frage lustigen) Karikaturen, über deren Charaktere, Hintergründe und Werdegänge man kaum bis gar nichts erfährt. Mitleid hatte ich dahingehend nur mit Fritz Honkas Opfern. Sogar Honka selbst schließt sich dem Karikaturenkabinett an, auch wenn Akin sich natürlich intensiver mit dessen Charakter und Motivationen beschäftigt.

Dennoch stellt sich Fritz Honkas im Film dargestelltes Leben aus meiner Sicht nach einiger Zeit als recht langweilig heraus. Er säuft, ist sexuell frustriert und ermordet Frauen, das "fasziniert" in der ersten Filmhälfte, in der zweiten Filmhälfte ebbt diese Faszination allerdings ab und schaltet für längere Phasen in den Leerlauf. Warum unbedingt diese Geschichte erzählt werden musste, erschließt sich mir nicht so wirklich.

Eine ernsthafte und tiefergehende Milieustudie über St. Pauli und mit dem Goldenen Handschuh im Zentrum der Handlung hätte ich als bedeutend spannender und inhaltlich ergiebiger empfunden. Oder die gleiche Geschichte wie hier, dann aber aus Sicht der Opfer, die von Akin zwar nicht karikaturesk gezeichnet werden, deren Hintergründe aber leider ebenfalls schwammig bleiben. Wenn eine der Frauen von ihrer Zeit als Zwangsprostituierte im KZ erzählt, dann blitzt da kurz etwas Dramatisches und Tragisches auf, das emotional mehr mitnimmt, schockiert und niederschmettert als so manche der Vergewaltigungs- und Mordszenen im Film. Von dieser charakterlichen Dramatik und Tragik hätte ich hier gerne mehr gesehen.

Inszenatorisch, technisch (Szenenbild, Kostüme, Make-Up, Frisuren) und atmosphärisch zeugt "Der Goldene Handschuh" nichtsdestotrotz von großer Klasse und entsprechendem Talent Fatih Akins als Regisseur. Gleiches gilt für die Schauspieler, insbesondere für Jonas Dassler als Fritz Honka, der hier eine Meisterleistung abliefert.

Meine Bewertung
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- "Willkommen in Amerika!"

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HitmanXXL : : Moviejones-Fan
08.01.2020 13:34 Uhr
0
Dabei seit: 12.05.13 | Posts: 84 | Reviews: 7 | Hüte: 1

Starke Darsteller in einer für den Zuschauer verstörenden Welt eines Serienmörders. Dieser Film, sofern man sich darauf einlässt, zieht einen in eine für mich fremde Welt von exessiven alkoholmissbrauch und vielen schrägen Figuren. Die Gewaltdarstellung kommt überraschend und sehr hart um die Ecke. Ich ertappte mich dabei das mir der Atem stockte und völlig geschockt von dem Geschehen war. Wie kann man nur sowas machen? Wie kann man nur von einem zu anderen Moment sich so verändern? Bisweilen, hat man sogar Mitgefühl zu der Person entwickelt. Die Figur Fritz Honka wird mit einer wahnsinns Performance gespielt. Am Ende bleibt ein echter Schocker über die perversen Abgründe eines Serienmörders, der man nichts gutes wünscht. Ein Film der beschäftigt. Kein Film für einen netten Abend.

Meine Bewertung
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eli4s : : Moviejones-Fan
09.10.2019 14:26 Uhr | Editiert am 09.10.2019 - 14:33 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.165 | Reviews: 33 | Hüte: 75

Fällt schwer, das zu bewerten. Man kann sicherlich behaupten, dass das der deprimierendste Film des Jahres ist. An Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Kühl, schmutzig und manchmal sogar teilnahmslos inszeniert, folgt der Film dem Alltag eines triebgesteuerten Serienmörders. In kleinem, aber detailreichen Setting fühlt man sich sofort unwohl. Der räumlich enge Rahmen, der zumeist zwischen Kneipe und Wohnung wechselt, trägt zur Stimmung bei. Genauso, wenn nicht sogar noch brutaler, schien mir der Blick auf die Nebenfiguren, die sich alle im "Goldenen Handschuh" finden. Irgendwann waren sie mal aus irgendwelchen Gründen auf die schiefe Bahn geraten. Hier, in der Spelunke, in die kein Tageslicht dringt, ist seit langem Endstation. Längst ist jeder Selbstwert verloren, längst hat man sich und das Leben aufgegeben und ertränkt es im Alkohol. Handwerklich ordentlich. Aber muss man sich nicht antun, schätze ich.

Meine Bewertung
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ELanchester : : Moviejones-Fan
27.03.2019 19:36 Uhr | Editiert am 28.03.2019 - 06:50 Uhr
2
Dabei seit: 12.12.18 | Posts: 30 | Reviews: 5 | Hüte: 9
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MB80 : : Cheddar Goblin
10.02.2019 20:24 Uhr | Editiert am 10.02.2019 - 20:32 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.321 | Reviews: 30 | Hüte: 100

Also ich hör mir grad „shots - der Berlinale Podcast“ an und da lässt zumindest der Schmitt jun. wenig gutes am Film. Bin mal sehr gespannt den will ich mir auf jeden noch ansehen...

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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Silencio : : Moviejones-Fan
10.02.2019 08:02 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.750 | Reviews: 48 | Hüte: 186

Elwood:

Danke für die Info. Klingt ein bisschen nach "Das Buch war halt erfolgreich, wir müssen jetzt irgendwie einen Film machen", aber dem Akin trau ich trotzdem erstmal.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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