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Deepwater Horizon

Das menschliche Drama

Deepwater Horizon Kritik

6 Kommentar(e) - 13.10.2016 von Moviejones
Filmkritik

Deepwater Horizon Bewertung: 4/5

Am 20. April 2010 kam es auf der Bohrplattform "Deepwater Horizon" zur Katastrophe, einem sogenannten Blowout, bei dem unkontrolliert Erdöl, Schlamm und Erdgas austraten und die Vorrichtung Feuer fing. Bei dem Unglück kamen mehrere Bohrleute ums Leben und der Ölausfluss führte zur Ölpest im Golf von Mexiko mit verheerenden Folgen für die Umwelt und Anrainer. Regisseur Peter Berg hat sich des Themas angenommen und herausgekommen ist ein packendes Drama.

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Mike Williams (Mark Wahlberg), Cheftechniker auf der Bohrplattform "Deepwater Horizon", hätte gern, dass ein genutztes System auch funktioniert. Ebenso Jimmy Harrell (Kurt Russell), der als Offshore Installation Manager Interesse daran hat, dass Tests durchgeführt werden, um eine ordnungsgemäße Funktionalität sicherzustellen. Doch ihrem Einsatz zum Trotz und in Kombination mit menschlichem Versagen kommt es auf der Plattform zur Katastrophe: Als Testergebnisse durch den BP-Mitarbeiter Donald Vidrine (John Malkovich) missinterpretiert werden und die Förderung startet, wird die Deepwater Horizon zerfetzt und 11 Arbeiter finden den Tod...

Deepwater Horizon Kritik

Katastrophenfilme haben in den letzten Jahren oft das Problem, dass trotz Schauwerten die emotionale Bindung der Zuschauer an Einzelschicksale auf der Strecke bleiben. Beispielhaft sei Roland Emmerich als Meister des Katastrophenfilms genannt, doch egal ob 2012 oder zuletzt Independence Day - Wiederkehr, es sieht spektakulär aus, fühlt sich jedoch kalt an. Auch San Andreas bot im vergangenen Jahr unter der Regie von Brad Peyton ein paar schöne Effekte, war aber ein reiner Popcornstreifen, bei dem das menschliche Drama nebensächlich wurde. Kurzum, Deepwater Horizon hätte zu solch einem Film werden können, doch Peter Berg wählt eine andere Herangehensweise und siehe da, auch ein moderner Katastrophenfilm kann Emotionen wecken und das nicht nur, weil es sich um eine reales Unglück handelt.

Fast schon klassisch mutet Deepwater Horizon an und als Zuschauer fühlt man sich an die Hochzeit der Katastrophenfilme in den 70er und 80er Jahren erinnert, wenn Berg seine Darstellung der Ereignisse auf der Deepwater Horizon 2010 schildert. Berg hat eine kluge Entscheidung getroffen, den Film mit knapp 107 Minuten nicht überlang zu gestalten und die ihm zur Verfügung stehende Zeit nutzt er höchst effizient. Fast eine Stunde widmet er sich der Einführung der Figuren, dem Spannungsaufbau, den technischen Details und diese Entscheidung trägt Früchte. Denn Figuren wie Mike Williams (Mark Wahlberg) und Jimmy Harrell (Kurt Russell) werden so greifbar. Nicht nur, dass es sich um echte Menschen handelt, die Figuren haben ihre ganz eigenen Gedanken und Ängste, und auf einmal funktioniert auch das um sie gestrickte Familienkorsett, welches in solchen Filmen obligatorisch ist, aber üblicherweise nur nervender Ballast. Dank der sorgsamen Charakterdarstellung funktioniert es, wenn Mikes Frau (gespielt von Kate Hudson) sich um ihren Mann mangels Informationen sorgt und so fiebert der Zuschauer nicht nur mit, sondern er wird emotional mitgenommen von den Ereignissen.

Diese sind, neben dem visuellen Spektakel, die großen Stärken von Deepwater Horizon und auch wenn die optische Darstellung des Unglücks sehr gelungen ist, ergötzt sich Berg nicht daran. So versucht er nicht immer wieder einen draufzusetzen und in unsinniger Gigantomanie das Unglück und die Feuersbrunst noch gewaltiger zu machen. Und so erfolgt die Rettung dann auch verhältnismäßig schnell, verglichen mit dem zuvor durchexerzierten Vorspiel.

Über die anschließende Katastrophe, welche sich dann über mehrere Monate zog, darüber wird im Film jedoch nicht viel gesagt. Hier geht es ganz klar um das menschliche Schicksal, welches sich in den ersten Stunden des Unglücks abspielte, nicht um die Millionen Liter Öl, die sich in den Golf von Mexiko ergossen und der Natur, den Menschen und vielen Millionen Tieren zum Verhängnis wurden. Auch geht es nicht darum, die Schuldigen an den Pranger zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. Zwar wird die Umweltkatastrophe in Form eines sterbenden Pelikans kurz in der Handlung angedeutet und Verantwortliche von BP wie Vidrine (John Malkovich) werden thematisiert, aber das ist bei einer Umweltkatastrophe dieser Größenordnung einfach nicht genug. Dies ergibt Abzüge in der Bewertung, gleichwohl wir ahnen, wie schwer es ist, die Gesamtheit des Unglücks in einem Film zu (v)erarbeiten, der eine Ausrichtung hat wie von Berg gewählt.

Deepwater Horizon Bewertung

Wie das deutsche Poster offenbart, stellt Deepwater Horizon vor allem die Menschen und damit ihre Schicksale in den Vordergrund und das rechnen wir Peter Berg hoch an. Wenn ein Katastrophenfilm emotional packt, dann wird vieles richtig gemacht. Berg ist nicht nur ein visuell unglaublich ansprechender Actionfilm gelungen, sondern auch ein Werk, das das Drama greifbar macht und den Zuschauer hautnah miterleben lässt, was alles schieflief, was nie hätte schieflaufen dürfen. Dieser Film ist emotionales Kino, auch wenn sich die Macher scheuen, sich mit der Monate dauernden Folgekatastrophe näher zu befassen.



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Deepwater Horizon Bewertung
Bewertung des Films
810
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6 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
MrBond
Moviejones-Fan
Geschlecht | 22.11.2016 | 08:43 Uhr22.11.2016 | Kontakt
Jonesi

@Duke, Ja, ist immer schwer die Informationen richtig einzuordnen, die so durch die Medien fliegen. Und Studien sind geduldig und abhängig vom Auftraggeber zu bewerten. Gerne wird da mit Statistik getrickst. So kann man alles schön, oder schlecht rechnen bzw. darstellen, oder Kausalitäten abbilden, die tatsächlich gar nicht vorhanden sind. Wenn also die Ölindustrie eine Studie veröffentlicht, so muss man auf jeden Fall auf der Hut sein. Dies gilt aber auch für Studien, die von Umweltorganisationen veröffentlich wurden, die gerne mal überdramatisieren. Irgendwo dazwischen liegt dann die Wahrheit. Ein Beispiel: Wie Du schon richtig anmerkst: Gibt es verlässliche Messungen vor der Katastrophe? Sind Messung überhaupt statistisch signifikant? Wo wurde gemessen (Stichwort "Strömung")? Auf der anderen Seite stellen sich die Fragen: Ab wann ist Öl nicht mehr schädlich (Öl pro Kubikmeter Wasser)? In welchen Tiefen richtet Öl mehr Schaden an? Wieviel wurde tatsächlich von diesen Mikroben vernichtet? In dem WWF-Bericht wird ja vom "giftigen Öl" gesprochen. Wie giftig kann denn das Öl sein, wenn es selbst aus natürlichen Quellen am Ozeanboden entweicht? Welche Menge macht das Gift (Paracelsus ist sicher auch bei Öl anzuwenden)?

P.S.: Kennst Du diesen Witz von Otto? "Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, ist Rauchen doch nicht gesundheitsschädlich! Gezeichnet: Dr. Marlboro" wink

“To be is to do” — Socrates.
“To do is to be” — Jean-Paul Sartre.
“Do be do be do” — Frank Sinatra.

theduke
Moviejones-Fan
Geschlecht | 21.11.2016 | 23:45 Uhr21.11.2016 | Kontakt
Jonesi

@Bond. Ich habe mal in deinen Link hineingeschnuppert und erinnerte mich wieder. Diese Mikroben wurden nach dem Einsatz ind vielen Reportagen vorgestellt, den Einsatz erklärt und auch den Einsatz bei späteren Unfällen gezeigt. Ich zweifel nicht an den Mikrobakterien und Mikrotierchen, sondern an den Medien und deren Meldungen die mit absoluter Sicherheit bestechlich waren und immer noch sind, denn die Ölindustrie ist viel zu mächtig. Der Golf von M. ist kein stehendes Meer, also wie können die Leute behaupten das 3/4 des Öls abgebaut wurden bzw verschwunden sind. Man hat bestimmt keine Messungen im gesammten Golfstrom vorgenommen, und ich weiß das Umwelt und Tierschutz dort aufhört wo der Mensch den Schaden nicht mehr täglich sehen kann, also unter Wasser. Aus den Augen aus dem Sinn. Zitat von der BP Chefin für Umweltsanierung 2015. Der Golf kehre zu den Bedingungen zurück, die vor der Ölpest herrschten, heißt es im Fünfjahresbericht. Bond die Lüge an der schriftlichen Aussage von Frau Laura Folse im Fünfjahresbericht ist folgende. Es gibt keinerlei Daten darüber wie das Meeresbiotop im Golf vor dem Unfall ausgesehen hat, also wie kann der Konzern dann solche Äußerungen schriftlich niederlegen?! Gib bei Google einfach folgende Suche ein. Folgeschäden Deepwater Horizon oder Nachwirkungen Deepwater Horizon ein und du wirst fündig. Alle Meldungen stammen aus den letzten Jahren. Oder klicke die PDF Datei mal an. Fünf Jahre danach (WWF)

Wer denkt im Internet kann man Punkte erlangen um der Größte zu sein, der ist im realem Leben oft der Kleinste.
stinson
Moviejones-Fan
Geschlecht | 24.10.2016 | 16:27 Uhr24.10.2016 | Kontakt
Jonesi

Interessanterweise fiel meine Kritik auf Twitter (@cinematch) sehr ähnlich aus, nur dass ich das Ausklammern der Naturkatastrophe als wesentlich schlimmer empfunden habem was den Film für mich schon deutlich nach unten zog. (6,5/10) Ich weiß schon warum ich mich bei MJ-Kritiken immer so gut wieder erkenne. laughing

Ansonsten war ich grundsätzlich der gleichen Meinung.

MrBond
Moviejones-Fan
Geschlecht | 24.10.2016 | 13:54 Uhr24.10.2016 | Kontakt
Jonesi

Hört sich sehr interessant an. Werde ich auf jeden Fall auch mal sichten.

Weiß eigentlich jemand, was aus der Ölkatastrophe geworden ist? Das Letzte, was ich gelesen hatte (2010), war, dass Forscher eine Mikrobe entdeckte, die im rasenden Tempo Öl "frisst". So verschwand innerhalb von 2 Monaten eine Ölfahne von 35km Länge. Schon im August 2010 hatte die NOAA bereits berichtet, dass drei viertel des ausgetretenen Öls verschwunden war.

“To be is to do” — Socrates.
“To do is to be” — Jean-Paul Sartre.
“Do be do be do” — Frank Sinatra.

ZSSnake
Expendable
Geschlecht | 23.10.2016 | 15:31 Uhr23.10.2016 | Kontakt
Jonesi

@ Sully:

Die Trailer sahen ja schon nach viel menschlichem Drama aus. Ich werde auf jeden Fall ins Kino gehen und bin schon voller Vorfreude darauf :-)

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
Sully
Human Alias
Geschlecht | 23.10.2016 | 15:24 Uhr23.10.2016 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 23.10.2016 16:04 Uhr editiert.

Da bin ich geradezu überaus erfreut, daß der Film so gut bei Euch abschneidet. Bisher hatte ich ohnehin schon großes Interesse...nach obiger Kritik denke ich nun sogar über einen Kinobesuch nach.

Endlich mal wieder was Großes, das die Emotionen trotzdem nicht vergisst... Leider ja mittlerweile Mangelware.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du einstecken kannst und trotzdem weiter machst!