
Diablo 2 - Resurrected - Reign of the Warlock (PC)
Wer hätte das gedacht, dass uns Blizzard zum 30-jährigen Jubiläum von Diablo so eine Freude macht und uns dermaßen überrascht! Wie aus dem Nichts bringt das Studio Reign of the Warlock für Diablo 2 heraus. Die 25 Euro für den DLC haben es zwar in sich und sind für den gebotenen Content durchaus überzogen, Fans kommen aber dennoch auf ihre Kosten, denn ein Klassiker wird damit noch einmal viel besser.
Gleich vorweg, die Erweiterung Reign of the Warlock ändert nichts am Grundspiel und seiner Erweiterung. Es gibt keine neuen Areale, keinen neuen Akt, keine neuen Bosse. Es führt stattdessen den auch bald in Diablo IV anzutreffenden Hexenmeister bereits im zweiten Teil ein. Richtig gelesen, nach 25 gibt es endlich eine neue Klasse in Diablo II. Diese Klasse ist mit drei eigenen Talentbäumen ausgestattet, die das Spektrum im Spiel noch einmal erweitert. Als Meister der arkanen Künste kann der Hexenmeister auf drei verschiedenen Arten gespielt werden. Als kampferprobter Nahkämpfer, als reinrassiger Magier und als Beschwörer der Wesen aus dem Höllenreich. Somit werden endlich Builds mit echten Kampfmagier möglich oder Beschwörern, mit starkem Magie- oder Nahkampffokus. Passend zur Klasse gibt es einige neue Items.
Alle weiteren Ergänzungen der Erweiterung konzentrieren sich vor allem auf Features aus dem Bereich Quality of Life. So wurde insbesondere die Beutekiste im Lager überarbeitet. Endlich gibt es eigene Reiter für Edelsteine, Runen, Tränke und seltene Items, die alle nun stapelbar sind. Darüber hinaus gibt es einen konfigurierbaren Lootfilter und ein Archiv, in dem alle gefundenen einzigartigen Gegenstände und Set-Items jetzt hinterlegt werden. Eine echte Liebeserklärung! Auch wenn Reign of the Warlock teuer ist, dieser DLC ist wie ein frischer Wind im Spiel und vielleicht ist er sogar erfolgreich genug, dass Blizzard vielleicht doch noch die ein oder andere Content-Erweiterung macht. Wir und viele Fans wären sicherlich nicht traurig.
Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties (PC)
Die Yakuza-Reihe ist ein Phänomen und auch wenn wir diese erst ab Teil 6 kennenlernten, schlossen wir sie sofort ins Herz. Was Sega mit dem ersten Teil 2005 in Japan startete, wuchs sich über die Jahre zu einem der eigenwilligsten und liebevollsten Franchise der Spielebranche aus. Kiryu Kazuma, der ewige Drache von Dojima, wurde zur Ikone.
Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties soll die Ära der Neuauflagen nun beenden und widmet sich nun dem dritten Teil, der ursprünglich 2009 für die PlayStation 3 erschien und damals mit einem Ortswechsel überraschte. Denn statt der neonbunten Straßen Kamuroch?s verschlägt es Kiryu nach Okinawa, wo er ein Waisenhaus betreibt und eigentlich dem turbulenten Leben des organisierten Verbrechens den Rücken gekehrt hat. Natürlich lässt dieses ihn nicht so einfach ziehen. Die Geschichte rund um Immobilienspekulationen, Militärstützpunkte und yakuzainterne Machtkämpfe war schon im Original solide erzählt, wirkte aber im direkten Vergleich mit Teil zwei etwas schlichter.
An diesen "Macken" ändert auch Kiwami 3 nichts grundlegend, bereichert die Erzählung jedoch mit dem neuen Strang Dark Ties, der bisher geschnittene Inhalte reintegriert und neue Szenen hinzufügt, die Kiryus inneren Konflikt zwischen ruhigem Familienleben und der Pflicht zur alten Welt glaubwürdiger ausleuchten. Spielerisch profitiert Yakuza Kiwami 3 von modernen Komfortanpassungen. Das Kampfsystem wurde an die neueren Serienteile angeglichen, die berüchtigten Steuerungsprobleme des Originals gehören der Vergangenheit an und das Minispielangebot wurde behutsam erweitert. Im Gegenzug wurden eine Reihe von Nebengeschichten gestrichen, ebenfalls wurde aus dem einst stark in die Story eingebetteten Waisenhauspart nun eine Art Minispiel.
Das alles sorgt dafür, dass sich Yakuza Kiwami 3 anders anfühlt. Wer die Reihe kennt, fühlt sich zwar sofort zu Hause, wird aber einiges aus dem Original vermissen. Das Gesamtpaket fühlt sich schwächer an, als die anderen Kiwami-Teile UND neueren Serienableger. Wer neu einsteigt, sollte wissen, dass Yakuza 3 erzählerisch auf den Vorgängern aufbaut und seinen Reiz erst im Gesamtkontext voll entfaltet. Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties ist kein Neuerfinden, sondern ein respektvolles Auffrischen eines etwas unterschätzten Serienkapitels – für Fans ein Muss, für Neulinge aber ein ungeeigneter Einstiegspunkt.
Shadow Tactics (NSW2)
Auch wenn das kleine Münchener Spielstudio Mimimi Games die Pforten geschlossen hat, so leben ihre Spiele weiter! Mit Shadow Tactics – Blades of the Shogun bewies das Studio 2016, dass das fast vergessene Genre der taktischen Echtzeit-Stealth-Spiele noch längst nicht tot war. Ein Liebesbrief an Klassiker wie Commandos, angesiedelt im feudalen Japan und mit einem Gespür für Spieldesign, das weit über das Budget des Studios hinausragte. Jahre später landet dieses Meisterwerk nun auf der Nintendo Switch 2.
Trotz seines Alters ist das Spiel noch immer absolut spielenswert. Fünf Charaktere mit völlig unterschiedlichen Fähigkeiten gilt es zu koordinieren, Wachposten auszuschalten, Schatten zu nutzen und immer wieder den berühmten einen eleganten Plan zu entwickeln, der aus einem scheinbar unlösbaren Puzzle eine befriedigende Choreografie macht. Dieses Gefühl, wenn alles ineinandergreift, sucht seinesgleichen.
Die Switch 2-Version hält dieses Erlebnis grundsolide aufrecht. Im Dock-Modus läuft das Spiel anständig, im Handheld-Modus offenbaren sich jedoch die Grenzen der Hardware. Die Übersicht leidet auf dem kleinen Bildschirm, und die Steuerung per Stick ist gegenüber Maus und Tastatur spürbar umständlicher. Kein Beinbruch, aber eine Einschränkung, die man kennen sollte.
Laysara - Summit Kingdom (PC)
Hoch hinaus will Laysara Summit Kingdom – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Aufbautitel des polnischen Indie-Studios Quite OK Games siedelt seine verschneiten Städte auf den Flanken gewaltiger Berge an und grenzt sich damit sofort vom grauen Einheitsbrei des Genres ab. Statt flacher Ebenen zu beplanen, kämpft man hier mit Höhenunterschieden, Hanglagen und dem wohl größten Feind aller Bergbewohner: der Lawine.
Denn Laysara denkt seinen zentralen Kniff konsequent zu Ende. Wälder schützen vor Schneemassen, Gebäude müssen strategisch platziert werden und wer zu sorglos baut, sieht seine florierende Siedlung unter weißen Massen begraben. Das ist erfrischend eigenständig und sorgt für echte Planungsmomente, die über das bloße Optimieren von Warenkreisläufen hinausgehen.
Die Wirtschaftsstruktur selbst ist solide, aber nicht besonders tiefgründig. Wer aus Spielen wie Anno oder Frostpunk kommt, wird sich schnell zurechtfinden, jedoch auch relativ zügig die Grenzen des Systems spüren. Gerade Anno stand für die puzzleartige Bauart Pate und vor allem durch den begrenzten Baubereich kommt es hier noch stärker auf präzise Planung und optimale Platzierung an. Nachdem das Spiel lange im Early Access war, verlässt es diesen nun in den kommenden Tagen.
Laysara Summit Kingdom ist im Early Access spürbar gewachsen, hat deutlich an Content zugelegt und sich eine eigene Identität aufgebaut. Das sich die Karten am Ende dann doch recht ähnlich spielen, ist dem begrenzten Bauplatz geschuldet. Gerade ist Kompaktheit hat Laysara zu einem charmanten, visuell hübschen Aufbautitel mit einer cleveren Kernidee gemacht, der einen nicht so exzessiv ausbrennt wie die letzten Anno-Titel.
YS X - Proud Nordics (PC)
Alle Jahre wieder erwartet uns ein neuer Ys-Teil. Eine der langlebigsten JRPG-Serien hat das geschafft, woran Final Fantasy und Dragon Quest gescheitert sind, die Kernzielgruppe zu halten. Natürlich ist der Vergleich etwas unfair, da Ys international nie dieser große Erfolg vergönnt war, aber dennoch lieben die Fans die Reihe und dessen Helden Adol. Während andere Entwickler immer aufwendigere Welten bauten, blieb Falcom sich treu: schnelle Kämpfe, eingängige Synthrock-Melodien und sympathische Charaktere. Mit Ys X – Proud Nordics wagt man nun einen interessanten Schritt in neue Gewässer – buchstäblich. Das Proud im Titel steht dabei sinnbildlich für die überarbeitete Fassung des Spiels, welches letztes Jahr bereits erschien.
Ys X schickt den ewigen Helden Adol Christin diesmal in eine nordisch angehauchte Inselwelt, die von raubeinigen Piraten, mysteriösen Meeresgeistern und dem ständigen Ruf des Horizonts geprägt ist. Was sofort auffällt: Adol bekommt mit der Meeresbewohnerin Karja eine feste Begleiterin an die Seite gestellt, und das schlägt sich direkt im Gameplay nieder. Das neue Duo-System erlaubt es, jederzeit zwischen beiden Charakteren zu wechseln oder kombinierte Angriffe loszulassen, was den ohnehin temporeich en Kämpfen der Serie eine willkommene taktische Ebene hinzufügt. Wer die Ys-Reihe kennt, weiß: Hier wird nicht gegrübelt, hier wird gekämpft, und das fühlt sich auch in Teil X wieder herrlich direkt und befriedigend an.
Neu hinzugekommen ist das Segeln, denn die Inselwelt lässt sich mit einem eigenen Schiff erkunden. Das klingt nach großer Freiheit und bietet diese auch in Ansätzen, doch wer eine offene Meereslandschaft wie etwa in einem Wind Waker erhofft, wird enttäuscht. Die Seewege fühlen sich eher wie verbindende Korridore an, und das Schiff selbst bleibt spielmechanisch etwas unterbeschäftigt. Schade, denn das Potenzial dieser Idee ist deutlich spürbar, wurde aber nur halbherzig ausgeschöpft. Dafür bleiben die Kämpfe anspruchsvoll, auch wenn dieses Mal keine große Party zum Einsatz kommt, sondern vor allem der geschickte Umgang mit dem Duo-System der beiden Hauptprotagonisten im Zentrum steht.
Was Ys X wie gewohnt meisterhaft hinbekommt, ist seine Atmosphäre. Die nordische Kulisse wirkt frisch für die Serie, die Musik treibt wie immer unermüdlich voran und die episodisch erzählte Geschichte zwischen Adol und Karja entwickelt sich zu einer echten emotionalen Reise. Die Chemie der beiden Figuren trägt das Spiel, auch wenn die Nebencharaktere mitunter etwas blass bleiben. Grafisch bewegt sich Ys X solide im Mittelfeld, ohne jemals wirklich zu beeindrucken – Falcom ist eben kein AAA-Studio, und das merkt man. Ys X – Proud Nordics richtet sich an Fans der Serie, an Einsteiger, die Action-RPGs mit unkompliziertem Einstieg suchen, und an alle, denen ein gutes Soundtrack-Album fast so wichtig ist wie das Spiel selbst. Kein Meilenstein, aber ein herzliches, kurzweiliges Abenteuer mit einem frischen Duo im Mittelpunkt. Wer letztes Jahr aber bereits Ys X – Nordics gespielt hat, braucht nicht noch einmal den Kauf zu wagen, dafür sind die Änderungen zu gering.
