The Circle

Hohes Ziel, tiefer Fall

The Circle Kritik

0 Kommentar(e) - 04.08.2017 von Moviejones
Filmkritik

The Circle Bewertung: 2.5/5

The Circle ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dave Eggers aus dem Jahr 2013 und beschäftigt sich mit einem Thema, das verlockend und bedrohlich zugleich ist. Wie weit gehen wir, persönliche Daten zu offenbaren und unsere Privatsphäre hinter uns zu lassen? Mit Tom Hanks und Emma Watson prominent besetzt, kreist der Film um viele aktuell bedeutende Fragen und bietet hochspannende Ansätze, die jedoch mit großem Bedauern versanden. Eine Collage an starken Ideen, die aufgrund ihrer Beiläufigkeit im Erzählmix untergehen, so dass keine eine echte Wirkung entfachen kann.

The Circle Kritik

Die Mittzwanzigerin Mae Holland (Watson) fühlt sich am Ziel ihrer jungen Träume, als ihr Freundin Annie (Karen Gillan) die Möglichkeit bietet, beim erfolgreichen und überaus populären Internetkonzern "The Circle" anzufangen. Mae ergattert die heiß begehrte Stelle und findet sich in einem jungen Unternehmen wieder, das sich um seine Angestellten bemüht und viel Aufmerksamkeit auf ein intensives Miteinander legt. The Circle verfolgt das Ziel, alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität auszustatten, über die mit der Zeit alles abgewickelt werden kann, vom bloßen Shoppen bis hin zum Wählen. Und so wie sich Mae mehr und mehr mit dieser Firmenpolitik anfreundet, umso höher steigt sie auf und erhält eines Tages vom charismatischen Chef Bailey (Hanks) ein verlockendes Angebot. Dieses hat nicht nur einen bedeutenden Einfluss auf ihr Leben, sondern auch auf das ihrer Familie und Freunde...

The Circle ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Bedauerlicherweise, weil der Film nicht nur einmal spannende Ansätze aufwirft, die besonders im Hinblick auf Entwicklungen der letzten Jahre interessant sind, und diese dann äußerst inkonsequent aufgreift. Mehrfach setzt der Film an, Motive wie Verlust der Privatsphäre, ob nun persönlich gewollt oder durch allerorts präsente Kameras erzwungen, Datenkraken oder den gläsernen Menschen zu thematisieren und vermischt dies in ganzen  110 Minuten zu einem trivialen Brei, der wie die Firmenzentrale zwar hübsch aussieht, aber innen hohl ist.

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Wie weit kann man selbst noch entscheiden, was man (nicht) weitergeben möchte an Familie, Freunde, Wildfremde? Darf persönlicher Geltungsdrang einiger Personen andere zwingen, sich ähnlich verhalten zu müssen? Und wohin führt ein Firmenziel, das eines Tages in korrupten Händen Grausames anrichten könnte? So verlockend die technische Machbarkeit in The Circle wirkt, so schnell wird klar, worauf der Film wie schon Autor Eggers hinaus will. Mit einer stringenten, fokussierten Erzählweise hätten sowohl Story als auch interessante Hypothesen und sogar philosophische Punkte wunderbar zu einem packenden Drama verwoben werden können, doch so wie wir uns heute oft im Social Web zerfasern, so zerfasert sich auch Regisseur James Ponsoldt (Off the Black). Der Zuschauer spürt, wie zu viele Gedanken übereifrig kombiniert werden, so dass das ganze Konstrukt über ein nett gedacht nicht hinauskommt.

Natürlich darf man sich die Frage stellen, ob das Damoklesschwert eines Tages fällt oder doch die Happy-Sonnenschein-Momente überdauern, wenn doch so viele Millionen, Milliarden Menschen mit dieser schönen, neuen Welt glücklich sind. Mae ist schließlich auch von der Allgewalt des Konzerns, der eigentlich nur Gutes will, regelrecht fasziniert. Doch die Bedrohung ist unterschwellig spürbar und daran sind nicht nur imaginäre Datenkraken wie Bailey im Film Schuld. Auch die Naivität der vorrangig jungen Generation, die ihr Leben in den sozialen Medien ausbreiten und gar nicht erkennen, was ihr Verhalten nach sich zieht. Hier ist es dem Film gelungen, einige banale Szenen derart surreal wirken zu lassen, z.B. wenn zwei Kollegen Mae daran erinnern, wie wichtig das kollegiale Miteinander sei, so dass man als Zuschauer nur noch ungläubig staunen kann. Und so manche reale Entsprechung fällt einem ein, wenn man The Circle schaut, sei es bspw. Mark Zuckerbergs Bigotterie, "Privatsphäre sei ein Ding von gestern", aber gleichsam seine eigene bestmöglich zu wahren. Es wird deutlich, warum aufstrebende (Internet-)Konzerne auf vorrangig junge Mitarbeiter setzen, deren Energie und Dynamik von Nutzen sind - aber unbestritten auch deren Unerfahrenheit und Formbarkeit. Die ganze Handlung ist geprägt von Überschätzung und Halbwissen gepaart mit Naivität, was die Art von Hybris hervorbringt, die den zugegeben sympathischen Ansatz, unser Leben einfacher und sicherer zu machen, zu einer unkalkulierbaren Gefahr macht.

Die Zukunft ist genau jetzt und The Circle ist weit davon entfernt, die Fakten und Bedrohung in Gänze zu nutzen. Es wird an der Oberfläche gekratzt und ein die ganze Gesellschaft betreffendes Thema mit viel zu vielen Beimengungen untergraben, die dann mitunter ins Nichts führen. Auch wird Emma Watsons Rolle überhaupt nicht stringent aufgebaut - Überraschungen können das Salz in der Suppe sein oder aber, wie hier, nicht erkennen lassen, was uns eigentlich verkauft werden soll. Ihr überaus beschränktes Minenspiel tut sein Übriges. Es genügt nicht, sich als Promi vom Thema ertappt zu fühlen und Parallelen zwischen der Rolle und dem eigenen Leben zu sehen, man muss auch die schauspielerische Fähigkeit haben, die tragende Rolle zu mimen. Tom Hanks wirkt zudem in seiner Rolle, als würde er das Ganze innerlich nur als Beistehender betrachten, der sich amüsiert, wie weit das Ganze getrieben wird - und wer weiß, vielleicht tut das seine Figur auch. Wenn dann noch ein populäres Gesicht wie John Boyega in einer nebulösen Nebenrolle untergeht, fragt man sich, warum die Drehbuchautoren das Buch teils nicht nachvollziehbar geändert haben, um Darsteller und Vorlage so zu verheizen. Starke Rollen wie von Bill Paxton, dessen letzter Kinoauftritt als gebrochener Mann umso tragischer wirkt, sind Lichtblicke, aber verkommen zu einer Beilage.

Die Stärke solcher Romane wie von Dave Eggers liegt in ihrer Aktualität. Orwell sprach einst von einer dystopischen Zukunft - im Gegensatz dazu ist Eggers´ Vorlage fast real, deren Vorhof wir im Jahr 2017 betreten haben. Das verflucht Unheimliche an diesem Film ist die reflexhafte Beklatschung jeder Neuerung durch das hörige Publikum und die fehlende Reflexion - nur bedauerlich, dass diese Gedanken im Gespräch mit Freunden aufkommen, wenn man erkennt, dass The Circle das zwar andeutet, aber so vieles im Ideenbrei aus Zutaten verkocht.



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