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Verleugnung

Erschreckendes Spiel mit alternativen Fakten

Verleugnung Kritik

0 Kommentar(e) - 16.03.2017 von Moviejones
Filmkritik

Verleugnung Bewertung: 4/5

Wenn jemand den Holocaust leugnete, hieß das früher einfach Verleugnung. Heutzutage ist für Wahrheitsverdrehungen oder Leugnungen die Wendung "alternative Fakten" in Mode gekommen. Was so viel bedeutet wie die Fakten an eine Geschichte, eine Meinung, einen Glauben anzupassen statt umgekehrt. Spannend und einfühlsam erzählt Verleugnung vom realhistorischen Prozess eines britischen Holocaust-Leugners gegen eine amerikanische Universitätsprofessorin und ihren Verleger im Jahr 2000. Eine Zeit, in der auch die britische Justiz noch etwas anders funktioniert hat als heutzutage. Ein brisantes Thema und ein wichtiger Film, der zeigt, wie viel Mut manchmal für das Bestehen auf der Wahrheit vonnöten ist. Und wie erschreckend weit verblendete Glaubenseiferer bereit sind zu gehen.

Verleugnung Kritik

Als die amerikanische Universitätsprofessorin und Historikerin Deborah E. Lipstadt (Rachel Weisz) den britischen Autor David Irving (Timothy Spall) in ihrem jüngsten Buch "Betrifft: Leugnen des Holocaust" einen Nazi-Fürsprecher und Bewunderer Hitlers nennt und ihm Verdrehung und Leugnung der historischen Wahrheit vorwirft, ahnt sie noch nicht, was damit auf sie zukommen wird: Nicht nur, sich gegen Irvings Klage wegen Verleumdung verteidigen zu müssen, sondern damit auch in die Lage zu geraten, beweisen zu müssen, dass der Holocaust stattgefunden hat...

Regisseur Mick Jackson ist mit Verleugnung ein heutzutage geradezu wertvoller Film gelungen, den man in Schulen, Universitäten und sonstigen Bildungseinrichtungen zeigen sollte. Denn er zeigt, wie leicht es ist, die Wahrheit zu verdrehen und wie gefährlich es ist, wenn Historiker sich von ihrem privaten Glauben und ihrer politischen Einstellung beeinflussen lassen. Das brisante Thema wird dabei weder dröge noch mit übertrieben dramatischer Effekthascherei erzählt, höchstens am Ende hätte man sich etwas sparen können, was nicht nötig gewesen wäre.

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Man lernt zugleich auch etwas über die britische Justiz in Verleugnung, denn noch im Jahr 2000, der Zeit des über 32 Tage laufenden Prozesses, musste der Angeklagte die Beweise erbringen, nicht der Kläger, wie es in Deutschland üblich ist. In manchen Bereichen der britischen Justiz ist das selbst heute noch so. Das führte auch zu der verzwickten Lage von Lipstadt, dass sie, um zu beweisen, dass Irving die Wahrheit verleugnet, diese Wahrheit beweisen muss - also den Holocaust. Einen Vergleich lehnte Lipstadt ab, versuchte aber mit ihrem Anwaltsteam, sich mehr auf die wissenschaftlich fragwürdigen Methoden und den Nachweis einer rassistischen Einstellung Irvings zu konzentrieren. Überlebende des Holocaust zu befragen, wollten ihre Verteidiger diesen nicht zumuten, auch wenn wenn es Freiwillige gab. Um sie davor zu schützen, ihre furchtbaren Erlebnisse vor Gericht von einem Nazi in Frage stellen zu lassen und damit ein erneutes Trauma auszulösen, denn Irving vertrat sich selbst. So erzählt es zumindest der Film.

Die Darsteller passen sehr gut in ihre Rollen, für uns die in den letzten Jahren spannendste Rolle von Rachel Weisz (Der ewige Gärtner), weiter so. Timothy Spall (Mr. Turner - Meister des Lichts) wirkt authentisch von sich und seinem Glauben überzeugt und unsympathisch, ohne dabei als zu übertrieben unmenschlich dargestellt zu werden. Sherlock-Fans können sich freuen, vereint Verleugnung doch auch Moriarty (Andrew Scott) und Mycroft (Mark Gatiss) vor der Kamera. In beiden Fällen gelingt es aber tatsächlich, ihre Serienrolle rasch zu vergessen, was uns vor Filmsichtung gerade bei Scott in der Hauptrolle als Lipstadts ambitionierter Co-Staranwalt, also auf der Seite der Guten, noch schwer vorstellbar schien. Gatiss hat nur eine kleine, aber feine Nebenrolle. Auch Tom Wilkinson als der führende weise, etwas väterlich kauzige Verteidiger Richard Rampton macht seine Sache gut. Man fühlt sich zwar dabei etwas an Zeugin der Anklage erinnert, aber ohne das negativ zu empfinden.

Verleugnung ist eine dieser kleinen Filmperlen, die im Blockbusterkino-Run unterzugehen drohen, doch gerade die Brisanz des Themas macht das auf einem wahren Phänomen beruhende Drama - Irving war und ist kein Einzelfall - so wertvoll und lehrreich. Und verdient sich darum bei uns noch einen Extrahut obendrauf.



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