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Ich seh Ich seh (2014)

Ein Film von Severin Fiala mit Susanne Wuest und Elias Schwarz

Kinostart: 02. Juli 201599 Min.FSK16Drama, Fantasy, Horror, Thriller
Meine Wertung
Ø MJ-User
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Ich seh Ich seh Bewertung

Ich seh Ich seh Inhalt

In einem abgelegenen, idyllischen Haus am Waldrand genießen die Zwillingsbrüder Lukas und Elias die Sommerferien. Die beiden streunen zwischen Waldsee und Maisfeld umher und können die Ankunft ihrer Mutter kaum erwarten. Als sie jedoch nach einem Unfall aus dem Krankenhaus mit einbandagiertem Gesicht zurückkehrt, sind alle früheren Gewissheiten verschwunden. In der strengen Frau, die nun vor ihnen steht, können sie ihre Mutter kaum wiedererkennen. Schon bald werden sie den Zweifel nicht mehr los, dass eine Fremde die Kontrolle übernimmt. Während die Mutter versucht, den sich regenden Widerstand zu ersticken, machen sich die Kinder mit der ihnen gebotenen Gründlichkeit daran, die Wahrheit herauszufinden. Ein existentieller Kampf um Identität und Urvertrauen entspinnt sich.

Cast & Crew

Wer ist der Regisseur von Ich seh Ich seh und wer spielt mit?

OV-Titel
Ich seh Ich seh
Format
2D
Der Film erhielt die FSK-Freigabe "Freigegeben ab sechzehn Jahren".
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5 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
04.07.2020 16:36 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.999 | Reviews: 145 | Hüte: 463

@GierigeEnte

Schön analysiert! Den Film müsste ich auch mal wieder sehen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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GierigeEnte : : Entenlog
01.07.2020 05:37 Uhr
1
Dabei seit: 25.01.20 | Posts: 157 | Reviews: 14 | Hüte: 14

Hier noch einige geniale Details, Bezüge und Deutungen zu dem Meisterwerk "Ich seh, Ich seh":

SPOILERWARNUNG

- Jede Liedzeile von "Weißt du wie viel Sternlein stehen" und "Gute Abend, Gute Nacht" werden im Film bildlich und motivisch umgesetzt. Beide Texte lassen sich ja auch auf die Filmhandlung beziehen, das Lied "Guten Abend, gute Nacht" bezieht sich auf Lukas (er spielt es zum Beispiel in einer Szene am Klavier) und "Weißt du wieviel Sternlein stehen?" auf Elias (er hört sich die Aufnahme von der Mutter an).

- Der Film ist aus Elias’ Sicht erzählt, wir sehen also seine Perspektive, wechselt aber in Punkten gezielt in die Perspektive der Mutter (Zum Beispiel kurz nach der Szene wo die Kinder sauber machen, da gibt es einen Shot, der ihre Sicht repräsentiert).

- An drei Stellen verschwindet Lukas kurz, als Elias sich auf etwas anderes konzentriert (Auf dem Hochbett, beim Verstecken, als die Mama ins Zimmer kommt, am Ende)

- Elias glorifiziert seine Erinnerung an seine Mutter als "göttlich" und betet sie in einer Szene an. Hingegen dämonisiert er die tatsächliche Mutter - die ihm ja die Schuld am Tod seines Bruders gibt, weswegen er sie nicht mehr erkennt - regelrecht (was insbesondere in den Traumsequenzen und den verschwommenen Bildern von der Mutter an der Wand deutlich wird) und verbrennt sie am Ende als Hexe.
Hier formuliert der Film auch eine treffende Religionskritik aus: Elias’ Entscheidung, der Mutter, die ja einen rationalen Standpunkt vertritt, nicht zu glauben, bedeutet, dass er sich der Spiritualität zuwendet und man sieht ja, wohin das führt.

- Die Mutter sieht ihre Schönheitsoperation als eine Art Wiedergeburt, als einen Neuanfang. Sie möchte Lukas und dessen Tod vergessen, möchte deshalb das Haus verkaufen und möchte Elias aus dem Grunde das Reden mit seinem Bruder austreiben (bei ihrem Telefonat erzählt sie das). Für Elias ist der Verlust seiner zweiten Hälfte aber zu schlimm, sodass er sich nicht befreien kann, seine Mutter gibt ihm jedoch die Schuld an Lukas’ Tod. Dies führt zu dem Konflikt, dass sie Elias gegenüber nicht mehr so mütterlich wie nötig auftreten kann und er sie nicht mehr erkennt.

- Der Titel "Ich seh, Ich seh" bezieht sich einerseits auf das Spiel "Ich seh etwas, was du nicht siehst", was sowohl darauf hindeutet, dass das Kind die Welt und ihre Probleme anders wahrnimmt, als die Mutter und er eben jemanden sieht, den sie nicht sehen kann sowie andererseits auf die "beiden" Zwillinge, die aber nur noch einer sind (deswegen der doppelte, gleiche Wortlaut).

- Sehr interessant ist die Abhandlung, die der Film über Verlust vornimmt, wenn man sich mal vor Augen führt, wie unterschiedlich Elias und seine Mutter mit dem toten Bruder bzw. Sohn umgehen. Das Werk zeichnet an dem Punkt unterschiedliche Weltsichten auf, verknüpft sie, wie erklärt, mit religiösen Motiven und philosophiert über kindlich irrationale sowie erwachsen rationale Unterschiede.
Auch die filmische Umsetzung über die kindliche Verarbeitung von häuslicher Gewalt sind sehr interessant, wenn Elias die Schläge seiner Mutter sinnbildlich an seinen Bruder weitergibt oder sich in Bedrohungssituationen "in ihn" flüchtet. (Beispiel: Die Szene, in der die Kamera mit Lukas vor der Tür verweilt, als die Mutter Elias zwingt, ihr nachzusprechen, dass sie die Mutter ist. Elias bleibt dabei in Lukas hängen, weil er anders nicht erträgt, dass seine Mutter ihm derartiges antut.)
Lukas spricht ebenso für Elias, wenn Elias etwas schwieriges ausdrücken möchte, beobachtet für Elias und bildet somit seine Gedanken ab, geht für Elias voraus, wenn er Angst hat, sich bedroht fühlt oder mit der Wirklichkeit nicht klarkommt und aus der Realität fliehen möchte.

- Lukas bildet dabei zeitgleich Elias’ "böse", von der Falschheit der Mutter überzeugte Seite. In einer Szene kreuzigt sich deshalb nur der lebende Zwilling. Die schlechte Seite von Elias tut es bewusst nicht.

- Es gibt dauernd Szenen, in denen bereits angedeutet wird, dass Lukas nicht da ist, sei es, dass er nichts zu trinken bekommt, nicht mitspielt, die Jungen gleichzeitig aus demselben Traum aufwachen, genau gleich Nasenbluten haben, etc.
Sehr charakteristisch ist dahingehend die Szene, in der er sich mit seinem Bruder die Haare schneidet, damit sie gleich aussehen, was unübersehbar deutlich macht, dass es eben nur eine Person ist.
Ebenso ist der ständige Bezug zum Tod in "Ich seh, Ich seh" ein deutlicher Hinweis, sei es die tote Katze, das verbrennende Feld, die Schädel im Bunker, etc.

- Elias’ innerer Konflikt, ob es nun seine Mutter ist, oder nicht, wird darüber dargestellt, dass er sich mit seinem Bruder prügelt. Jener Bruder, welcher, wie gesagt, eben den Teil von Elias verkörpert, der davon überzeugt ist, dass es nicht die Mutter ist. Das zuvor beschriebene Angleichen Elias’ an seine böse Seite, Lukas, steht auch sinnbildlich dafür, dass Elias immer mehr an seiner Mutter zweifelt.

- Es wird bewusst offen gelassen, wie Lukas zu Tode kam, da nicht relevant wie, sondern relevant dass er tot ist. Die Offenbarung des Fakts, dass Lukas tot ist, ist für Elias nicht nur die Entscheidung zwischen seiner Mutter und seinem Bruder, sondern, wie erklärt, auch die Entscheidung zwischen Realität und Spiritualität.
Trotzdem gibt es mehrere Andeutungen darüber, wie Lukas gestorben sein könnte:
Die Sequenz auf dem Wasser lässt auf ein Ertrinken schließen, das Schicksal der Käfer und der Katze verdeutlichen das.
Der Feuertod der Mutter, das verbrennende Feld und ihre Reaktion auf das Feuerzeug im Zimmer lassen aber auch auf einen Brandunfall schließen.

- Der Film nutzt familiäre Symbolik, um die durch das grausame Ereignis zerstörten Familiendynamiken darzustellen.
Beispielsweise schneidet er der Folter immer wieder das schöne, ruhige, friedliche Haus entgegen und lässt an einer Stelle die Mutter über das Babyfon schreien, kehrt die Realität also direkt um.

- Im Hintergrund läuft immer wieder im Soundtrack eine abgehackte Version von "Guten Abend, Gute Nacht", welche in der Verbrennungsszene von einer verzerrten Kinderstimme gesungen wird. Die zerstörte Kindheit der Jungen wird daran so erschütternd wie nur möglich deutlich.

- Wenn man in der Szene mit dem brennenden Haus auf auf die untere linke Ecke achtet, erkennt man eine leuchtende Gestalt der Mutter, die niemand bemerkt.
Interpretieren lässt sich das so, dass an diesem Punkt, wo sich Elias ja jetzt von seiner "bösen" Mutter "befreit" hat, diese in seine Gedankenwelt übergeht - aber sein glorifiziertes Bild von ihr, deshalb leuchtet sie so. In der letzten Szene des Filmes trifft er ja dann seinen Bruder und seine Idealvorstellung seiner Mutter wieder, was er sich aber natürlich nur einbildet. In Wahrheit ist er fortan allein und in seinem Trauma gefangen.

Wenn mir noch mehr ein- bzw. auffällt, bearbeite ich den Kommentar und füge es hinzu. smile

Meine Bewertung
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"Mir gegenüber im Nachteil zu sein, ist ein Vorteil, den ich Dir gegenüber behalten will."

https://entenlog.wordpress.com

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
28.05.2020 23:26 Uhr | Editiert am 28.05.2020 - 23:35 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 2.726 | Reviews: 30 | Hüte: 287

Ich habe mir den Film am 28. Mai 2020 angeschaut. (Zum Filmtagebuch)

Kranker Film.

Mir war von der ersten Sekunde an klar, dass Lukas tot war und Elias ihn noch sehen kann. Was Elias aber für einen kranken Scheiß macht, dafür gehört er in die Klapse, für den Rest seines Lebens. Die Mutter tat mir richtig leid. Ich finde aber auch, dass sie dumm gehandelt hat. Als sie frei war, läuft sie vor einem Kind weg anstatt Elias eine zu kleben und ihn direkt zu fesseln und in die Klapse einzuweisen. Und dass die Leute vom roten Kreuz einfach das Geld von einem sichtlich gestörten Kind nehmen und weggehen, geht mal gar nicht. Dann tötet Elias seine eigene Mutter. Sorry, wenn es eine solche Scheiße wirklich in der Realität gibt, dann hoffe ich sehr, dass solche Kinder direkt in die Klapse kommen. Im Mittelalter hätte man ein solches Kind gehängt, weil es vom Teufel besessen war. Heute kann man einem solchen Kind vielleicht noch helfen, aber nur in einer geschlossenen Anstalt.

Dem Film kann ich keine Bewertung geben. Einerseits gut gemacht, aber für mich einfach nur ein kranker Film.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
16.12.2015 00:28 Uhr | Editiert am 16.12.2015 - 06:48 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.999 | Reviews: 145 | Hüte: 463

Der Casting-Abteilung gehört stante pede ein Preis verliehen! Susanne Wuest ("The Shaman") macht ihre Sache als Mutter hervorragend, aber viel wichtiger sind ihre beiden Filmsöhne Elias und Lukas. Die beiden werden von den zwölfjährigen Zwillingen Elias und Lukas Schwarz mit solch einer Glaubwürdigkeit und Intensität gespielt, dass mir da eine Reihe verstörender Gedanken bekommen ist. Man stelle sich z.B. mal "Kevin allein zu Haus" mit diesen beiden Kindern vor! :o

Getragen wird dieses Horror-Drama primär von seinen Charaktermomenten, dem Konflikt zwischen der Mutter und ihren beiden Söhnen. Dabei verweben Franz und Fiala mehrere Interpreationsansätze geschickt ineinander und überlassen dem Zuschauer die Wahl, sich für einen Ansatz zu entscheiden. Zudem setzen sie auf eine kühle und distanzierte Bildästhetik, was der Geschichte zusätzlichen Ausdruck verleiht. Die ersten zwei Drittel sind sehr ruhig gehalten, Längen treten jedoch nicht auf und im letzten Drittel folgt dann ein Schocker auf den nächsten.

1-2 Handlungselemente wurden zwar etwas holprig gelöst (z.B. dass sich die Sammler vom Roten Kreuz einfach so mit dem 50er von einem Minderjährigen zufrieden geben, ohne konkret nachzufragen ), aber sei´s drum. Der Gesamteindruck ist mehr als positiv!
Über den österreichischen Akzent amüsiert man sich als Deutscher natürlich etwas, allerdings störte mich das nicht, sondern hatte durchaus etwas Charmantes an sich.

Meine Bewertung
Bewertung

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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Chewbacca : : Copilot
31.07.2015 14:08 Uhr
0
Dabei seit: 21.04.13 | Posts: 2.380 | Reviews: 8 | Hüte: 65

Tja, leider hat es der Streifen nicht in mein Kino geschafft. Er sieht so vielversprechend aus. Österreich kann Horror. Aber unsere Kinos trauen sich nicht. Auch wenn der Streifen einge Preise abgräumt hat. Nunja, das heutige Kino ist halt *blockbusterlastig ;) Somit warte ich brav das DVD Release ab. Habe ja auch keine andere Wahl.^^

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