
Für Lucasfilm steht mit The Mandalorian & Grogu weit mehr als nur ein weiterer Kinostart bevor. Der erste Star Wars-Film seit sieben Jahren gilt zugleich als erste große Bewährungsprobe für das neue Führungsduo aus Dave Filoni und Lynwen Brennan. Denn sollte der Film an den Kinokassen scheitern, könnte das erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft der Marke haben. Gleichzeitig stellt sich eine noch grundlegendere Frage: Verliert Star Wars zunehmend den Zugang zu jüngeren Zuschauern?
"The Mandalorian & Grogu" Final Trailer (dt.)
Das steht auf dem Spiel
Geht es um den Erfolg von Kinofilmen, ist ein entscheidender Faktor, ob dieser profitabel wird. Bei The Mandalorian & Grogu liegt das Budget bei etwa 165 Millionen US-Dollar, womit er deutlich günstiger als die letzten Filme der Reihe ist, die ein Budget von mehr als 300 Millionen US-Dollar hatten. Sollte The Mandalorian & Grogu also mehr als 410 Millionen US-Dollar einspielen, könnte er nach der 2,5-Regel in den profitablen Bereich rutschen. Doch wäre so ein niedriges Einspielergebnis angesichts der Milliarden-Ergebnisse aller drei Sequel-Filme trotzdem ein deutliches Warnsignal.
Die Prognosen gehen in den USA von einem Einspielergebnis von 80 bis 100 Millionen US-Dollar aus, die weltweiten Einnahmen kämen oben drauf. Das liegt auf dem Niveau von Solo - A Star Wars Story, der am Ende bei 392 Millionen US-Dollar stand und durch sein 300-Millionen-Budget als erster Star Wars-Film jemals Verluste schrieb. Das Spin-Off verzeichnete damals ebenso durchwachsene Reviews wie jetzt The Mandalorian & Grogu. Wir vergaben etwa 3 von 5 Hüten und damit eine der schlechtesten Wertungen für einen Star Wars-Film bisher. Am Ende könnte der Film also durchaus profitabel sein und dennoch enttäuschen.
- Das sagen wir zum Film: Unsere "The Mandalorian & Grogu" Kritik - Ist das der Weg?
Sind junge Menschen das Problem?
Zwar waren die Sequels finanzielle Erfolge, Star Wars - Die letzten Jedi und Star Wars - Der Aufstieg Skywalkers sorgten in der Fangemeinde aber auch für reichlich Diskussionen. Serien wie Obi-Wan Kenobi, Star Wars - The Acolyte oder auch die dritte Staffel Star Wars - The Mandalorian verschärften den Disput zwischen Disney und den Fans. Das zeigt sich auch bei den Streaming-Trends: Am 4. Mai 2025 wurden zum Star Wars-Tag vor allem die Original-Filme, die Prequels und Rogue One, Andor - A Star Wars Story sowie Star Wars - The Clone Wars und Star Wars - Geschichten der Unterwelt gestreamt.
This is the Way.
— Star Wars (@starwars) May 23, 2026
Star Wars: The Mandalorian and Grogu is now playing only in theaters and IMAX. Illustrated by @SzarkaArt.#TheMandalorianAndGrogu pic.twitter.com/xkIHGZytnx
Dabei fällt auf: Ausgerechnet die moderne Kino-Ära von Star Wars scheint viele Zuschauer kaum noch zu interessieren. Schaut man sich die Zahlen für jede Generation an, dann sind lediglich die Generation Alpha und die Baby-Boomer an der Sequel-Ära interessiert. Im ersten Quartal 2026 streamten die nämlich am meisten Star Wars - The Mandalorian. Die Generation Z fokussierte sich auf Star Wars - The Clone Wars, während Millennials und Generation X Andor - A Star Wars Story bevorzugten.
Zu viel Content
Die Altersgruppen, die vorrangig ins Kino gehen, scheinen also genug von den Sequels zu haben. Doch gibt es noch mehr Probleme, die zu den stetig sinkenden Einnahmen bei Star Wars Filmen beitragen. Es scheint nämlich so, als habe Star Wars die Fähigkeit verloren, große Massen zu mobilisieren und weltweite Phänomene auszulösen - trotz einer Generation Z, die sich zu 50% als Star Wars-Fan bezeichnet. Jüngere Menschen gehen außerdem noch ins Kino, entsprechend sind die schlechten Ergebnisse auch nicht damit zu erklären.
- Mehr zum Kinoverhalten junger Menschen: Rettet die Jugend das Kino? Neue Daten zum Kinoverhalten veröffentlicht
Star Wars ist heute viel fragmentierter, als es das noch vor 10 Jahren war. 12 Filme, 16 Serien mit einer oder mehr Staffeln und etliche Bücher und Videospiele umfasst das Franchise mittlerweile. Die meisten der Serien kamen innerhalb der letzten Jahre heraus. Das ist viel Content in einer Zeit, in der die Unterhaltungsindustrie um jede Sekunde Aufmerksamkeit kämpft. Während neue Star-Wars-Filme früher weltweite Popkultur-Ereignisse waren, konkurriert das Franchise heute permanent mit neuen Serien, Spin-offs und anderen Streaming-Inhalten. Dadurch verliert selbst eine Marke wie Star Wars zunehmend ihren Event-Charakter. TikTok, YouTube und Co. verschärfen den Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.
Ist Star Wars tot?
Wenngleich das Star Wars-Universum endlos erscheint, ist es noch nicht an der Zeit, das Franchise als tot zu erklären. Im Gegenteil, Millionen von Menschen sind mit Star Wars in ihrer Kindheit aufgewachsen und haben Verbindungen zu den Geschichten und Abenteuern. Wenn Lucasfilm wieder mutiger an neue Projekte heran geht und etwas Neues erzählt, statt jeden Winkel der Skywalker-Saga zu beleuchten, könnte es verloren geglaubte Fans zurückholen.
The Mandalorian & Grogu wird Star Wars wahrscheinlich nicht wiederbeleben können. Die Prognosen sind dafür zu schlecht. Der Film wird das Franchise aber auch nicht beerdigen. Stattdessen setzen Analysten auf zukünftige Projekte. In einem Jahr startet Star Wars - Starfighter von Shawn Levy (Deadpool & Wolverine) und mit Ryan Gosling in der Hauptrolle. Die Geschichte könnte ein frischer Neustart sein, ohne den Ballast einer Serie, geliebter Charaktere oder mehreren Vorgängern im Nacken.
Somewhere in the Mediterranean Sea#Starfighter pic.twitter.com/2RnSZONWrt
— Shawn Levy (@ShawnLevyDirect) September 17, 2025
