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Lion - Der lange Weg nach Hause

Überleben schwer gemacht

Lion - Der lange Weg nach Hause Kritik

1 Kommentar(e) - 22.02.2017 von Moviejones
Filmkritik

Lion - Der lange Weg nach Hause Bewertung: 4/5

Lion - Der lange Weg nach Hause geht mit ganzen sechs Oscars diesen Sonntag ins Rennen, u.a. mit einer Nominierung als Bester Film, und auch wenn wir nicht glauben, dass er diese Hürde schafft, haben wir es mit einem ganz wunderbaren Film zu tun. Die Geschichte eines indischen Adoptivjungen, der mehr als 20 Jahre später in seine Heimat wiederkehrt, um seine leibhaftige Familie zu suchen, berührt das Herz und das ist vor allem dem Kinderdarsteller Sunny Pawar (in seiner ersten Rolle) und auch Dev Patel als älterer Saroo zu verdanken. Ein Film, der ungeschönt zeigt, was es für Leid auf der Welt gibt, der aber auch viel Raum für Hoffnung und Freude lässt.

Lion Kritik

Guddu (Abhishek Bharate) und Saroo (Sunny Pawar) wachsen in einem kleinen indischen Dorf auf. Der Jüngere, Saroo, liebt seinen großen Bruder und möchte ebenso wie jener mit Arbeit etwas für die Familie beisteuern. Eines Nachts verlieren sich beide aus den Augen und durch einen unglücklichen Umstand wird Saroo ganz von seiner Mutter und den Geschwistern getrennt. Einsam irrt der Fünfjährige durchs weit entfernte Kalkutta, monatelang, ohne Schutz, Geld und hungrig, bis er in eine Kindereinrichtung kommt. Er hat das Glück, von einem australischen Paar (Nicole Kidman, David Wenham) adoptiert zu werden und wird von seinen neuen Eltern von Herzen geliebt. Doch nach und nach nagt die Vergangenheit an dem inzwischen jungen Mann (Dev Patel), der mit viel Aufwand und Durchhaltevermögen einen Weg findet, seine Herkunft zu ergründen...

Was für ein Wurf! Der erste abendfüllende Spielfilm von Regisseur Garth Davis und prompt spielt der Film bei den ganz Großen im Oscarrennen mit. Und das ist eine nachvollziehbare Entscheidung, denn Lion - Der lange Weg nach Hause ist Drama und biographischer Film in einem, der mit ganz ruhiger Hand die wichtigen Episoden im Leben des Saroo Munshi Khan ergründet und den Zuschauer regelmäßig mit offenem Mund zurücklässt. Dies betrifft vor allem das erste Drittel des Films, wenn die für unsere Lebensumstände kaum fassbaren Bedingungen in Indien auf den Zuschauer einwirken und insbesondere die für heimatlose Kinder teils unmenschlichen Zustände offengelegt werden.

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Der Film basiert auf einem Artikel von Vanity Fair aus dem Jahr 2012 und ist bei allem Drama auch mit viel Realismus und eben Hoffnung gespickt. Man merkt, dass das Leben Pate stand, denn so manche Entscheidungen und Dialoge wirken eben - echt. Es ist auch nicht so, dass Saroo durch eine "göttliche Eingebung" plötzlich sein Heimatdorf wiederfindet, nein, wir sprechen von Indien, einem Land, das mehr als eine Milliarde Einwohner hat mit einer Fläche knapp zehn Mal so groß wie Deutschland. Was kann sich ein Fünfjähriger schon gemerkt haben, wenn nicht mal indische Beamte in den 80ern seinen Heimatort wiederfanden? Diese Erdung der Geschichte spürt man und das transportieren auch die Schauspieler, von Dev Patel, über Kidman, Rooney Mara und eben Sunny Pawar.

So manche spannende Frage stellt sich im Film und als Westeuropäer können die dort herrschenden Zustände erschrecken. Es ist laut, dreckig, voll und die Infrastrukturen entsprechen nicht gerade unserem Anspruch - und dennoch funktioniert es. Das mag nicht jedem zusagen, aber wie auch der direkte Kontakt mit fremden Kulturen schafft es Lion - Der lange Weg nach Hause, dass man sich daran erinnert, nicht über alles zu urteilen, was nicht ins eigene Weltbild passt. Dramatisch wird es hingegen, wenn man in die traurigen Augen der alleingelassenen Straßenkinder Kalkuttas schaut, an denen Tausende achtlos vorbeigehen. Hier gibt es nichts zu beschönigen, denn ob dort oder hier, in ihrem sozialen Handeln, als schützende Hand für Schwächere, versagen Staaten reihenweise. Im Angesicht des Elends dahingehend ein durchaus interessanter Punkt, den Nicole Kidman als Saroos Adoptivmutter aufwirft, die sich mit ihrem Mann bewusst gegen leibliche Kinder entschieden hat, denn "es gibt zu viele Menschen auf der Welt, aber zu viele Kinder, die Schutz benötigen". Eine sehr progressive Haltung, die vielen fremd sein dürfte.

Die knapp 130 Minuten sind auf keinen Fall vertane Lebenszeit, wie man es hin und wieder im Kino oder Stau empfindet und es ist anrührend, dieses echte Happy End auf der Leinwand zu sehen. Wir sind gespannt, wie sich die Academy entscheiden wird, Sonntagnacht wissen wir mehr.



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Lion - Der lange Weg nach Hause Bewertung
Bewertung des Films
810
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TiiN
Pirat
Geschlecht | 24.02.2017 | 21:22 Uhr24.02.2017 | Kontakt
Jonesi

Für mich so ein bisschen der Geheimfavorit bei den Oscars smile