Ich hab zur vorbereitung von Wonder Woman 1984 nochmals den ersten Teil gesichtet. Und ich muss sagen der ist einfach Super. Alles was der Film macht funktioniert einfach. Die Kampfszenen sind super Choregraphiert und toll gefilmt. Die Emotionen sitzen inklusive der tollen Chemie von Pine und Gadot. Ich hab nur wenig Kritik. z.B der Endkampf. Der ist dann doch zu CGI lastig geworden und von der Tollen Choreographie die bisher in dem Film war ist nix mehr zu sehen. auch hätte man die Nebenfigur wie auch den Bösewicht etwas mehr ausbauen können. Ansonsten ist Wonder Woman ein Toller film. 4 von 5 hüten.
"Die erste Nacht die Andy Dufresne im Knast verbrachte kostete mich 2 Schachteln Zigaretten. Er gab keinen einzigen Laut von sich."
Der Student von Prag (1935)
"Ich liebe euch alle, und trinke auf das Wohl der Corona!"
Eine Neuverfilmung von Der Student von Prag (1913), welche die Geschichte zum Schlechteren hin adaptiert. Handelte es sich beim Original noch um einen Film, welcher dem individuellen Konflikt eine allgemeine und gesellschaftliche Bedeutungsebene zusprach, konzentriert sich die Neuverfilmung zu stark auf jenen individuellen Konflikt, der sich hier um Liebe und Eifersucht dreht. Außerdem formuliert die Neuverfilmung unnötigerweise Manches aus, was das Original noch im Dunklen bzw. im Off geschehen ließ.
Im Original liebäugelt der mittelständige Student Balduin mit einem sozialen Aufstieg, um sich in aristokratischen Herrenkreisen zu bewegen und einer aristokratischen Frau den Hof zu machen, gleichzeitig verschmäht er ein unterständiges "Zigeunermädchen". Der mysteriöse Zauberer Scapinelli bietet Balduin einen Tausch an, der soziale Aufstieg gegen Balduins Spiegelbild. Fortan sieht sich Balduin jedoch mit seinem eigenen bösen Spiegelbild konfrontiert, im Streben, der Aristokratie nachzueifern, vernichtet sich der Mittelständler selbst. Scapinelli erscheint im Original als vierte Instanz, ist der sonstigen Gesellschaft etwas entrückt, allein schon durch sein Aussehen, er lässt sich also auch als metaphysisches und allgemeines Element begreifen, welches sowohl Balduins inneren als auch den gesellschaftlichen Konflikt antreibt.
In der Neuverfilmung wird aus diesem Scapinelli nun ein weiterer Widersacher Balduins im Buhlen um die Liebe einer populären Opernsängerin, aus dem "Zigeunermädchen" wird eine weitere Mittelständige. Die gesellschaftliche Bedeutungsebene verschwimmt zusehends und entschwindet zu großen Teilen, vom Original ist davon als Rumpf nur die Auseinandersetzung Balduins mit dem Baron Waldis geblieben. Als Liebeshorrordrama über einen Mann, der von der Liebe korrumpiert wird, taugt die Neuverfilmung dennoch etwas, auch wenn die Figur des Zauberers merklich trivialisiert wird.
Aufgrund der vielseitigeren und hochwertigeren Filmtechnik (Bildqualität, bewegliche Kamera, Ton) hat die Neuverfilmung im Vergleich mit dem Original aber zumindest noch den Vorteil, dass sie Horror effektiver gestalten und das studentische Milieu des habsburgischen Prags um das Jahr 1900 herum wesentlich lebendiger wiedergeben kann.
Der Student von Prag (1913): 6,5 von 10 Punkten
Der Student von Prag (1935): 5 von 10 Punkten
Beide Filme gesehen auf Youtube.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Anna Boleyn (1920)
Ein Historienepos, das hinsichtlich der Ausstattung keine Kosten und Mühen gescheut hat, zugleich stellt es ein Zeugnis von Ernst Lubitschs Regietalent dar. Lubitschs herausragende Bildkompositionen (Szenenblockung, Nahaufnahmen und Kamerablenden, Großaufnahmen und Massenszenen) verkommen nie zur reinen Show, sondern stellen sich stets in den Dienst des menschlichen Dramas am englischen Königshof. "Anna Boleyn" entwirft das Detailportrait eines klassischen Tyrannen am Beispiel von Heinrich VIII., unter dessen Gewaltherrschaft und Willkür seine erste Ehefrau Katharina, seine zweite Ehefrau Anna Boleyn und deren Liebhaber Heinrich Norris zu leiden haben. Im Zentrum der Handlung steht der Aufstieg und Fall Anna Boleyns, zu Beginn erfolgt die Ablösung Katharinas und zum Schluss die Ablösung durch Jane Seymour, aufgrund dieser Dramaturgie wirkt der Film nicht nur vollkommen rund, die sich wiederholende Geschichte der Tyrannei hat zudem etwas treffend Zeitloses an sich.
Großen Anteil an der Qualität des Films haben auch die schauspielerischen Leistungen, unter Anderem Hedwig Pauly-Winterstein als Katharina, Henny Porten als Anna Boleyn, Paul Hartmann als Heinrich Norris und insbesondere Emil Jannings als Heinrich VIII. Dessen Charme, Witz und Charisma, sexuelle Lust, Chauvinismus und toxische Männlichkeit verköpert Jannings außerordentlich gut.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Greenland (2020)
mit Gerard Butler und Morena Baccarin
Ein Komet rast auf die Erde zu und Teile der Bevölkerung werden per Losverfahren in unterirdische Bunker eingeladen. Wilde Mischung aus 2012, Armageddon, Deep Impact, usw, der leider stellenweise zum Drama mutiert. Schauwerte sind durchaus gegeben. Lohnt sich schon, wenn man so etwas mag.
8,5 von 10
"Die fliegen jetzt."
"Die fliegen jetzt?"
"Die fliegen jetzt!"
Schatten (1923)
Eine attraktive Frau betrachtet sich schräg stehend im Spiegel und wirft dabei einen Schatten an die Wand. Vier Gentlemen, von ihrer Laszivität und Koketterie angelockt, verhalten sich im Blickfeld der Frau zivilisatorisch und standesgemäß sittsam und vornehm, fallen hinter ihrem Rücken allerdings mit sexuellen Gesten über ihren Schatten her. Der Ehemann der Frau betrachtet das irreführende Schattenspiel eifersüchtig aus einem Nebenzimmer heraus und sieht darin den Beweis, dass sie ihn hintergeht.
Diese Szene steht beispielhaft für den Film, "Schatten" arbeitet gekonnt mit anzüglichen und sinnlichen Schattenspielen und verlegt die Handlung nach der Exposition sogar in eine Traumebene, um unterbewusste Triebe, Begierden und Ängste offenzulegen, die sich hinter der Fassade zivilisatorisch und gesellschaftlich tradierter Umgangsformen verbergen. Entsprechend verzichtet Regisseur Arthur Robison auch auf Zwischentitel und verlässt sich rein auf das Visuelle. Weil sich das Unterbewusste in der Traumebene Bahn bricht, nimmt das Szenario mitunter geradezu groteske und erschreckende Züge an, sexuelles Begehren, Besitzansprüche und Eifersüchte spitzen sich dabei zu sadistischen Fesselspielen, Vergewaltigungs- und Mordphantasien zu.
Die Traumebene wird hervorgerufen durch einen Schausteller, der das im Unterbewussten Schwelende erkennt und der im Haus versammelten Gesellschaft erfahrbar machen möchte. Mit Hilfe eines Schattenspiels auf einer Leinwand versetzt er die Leute in Hypnose. Ein großartiger Einfall, deutet die Phantasmagorie des Schaustellers schließlich nicht nur auf den psychologischen Charakter der Traumebene hin, sondern auch auf das Illusionspotential des Bewegtbildmediums (seit dem 20. Jahrhundert vorwiegend als Film) bzw. auf die Fähigkeit dieses Mediums, Träume und das Unterbewusstsein adäquat zu visualisieren und nach außen zu kehren.
Als Wermutstropfen stellt sich leider das keusche Ende heraus, welches die Frau zur Treue zu ihrem Ehemann verpflichtet und Flirts abseits der Ehe ausschlägt.
7,5 von 10 Punkten
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Feeling Through
Ein kraftvolles Kurzfilmdrama über das Zusammentreffen eine obdachlosen Teenagers und eines taubblinden Mannes. 7 von 10.
Nominiert für den Besten Kurzfilm bei den Oscars 2021.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Varieté (1925)
Der ehemals populäre Trapezkünstler Huller (Emil Jannings) befindet sich nach einem Unfall in einer heruntergekommenen und zugleich geerdeten Position, ist Besitzer einer Reeperbahn-Showbühne und Vater einer Familie. Als Huller auf die junge Tänzerin Berta-Marie (Lya de Putti) trifft und sich in sie verliebt, träumt er davon, aus dem Alltagstrott, der Familienbindung und dem derben Reeperbahnumfeld auszubrechen und sich wieder selbst in die Höhe zu schwingen. Er verlässt Frau und Kind, schließt sich mit Berta-Marie und einem anderen Trapezkünstler namens Artinelli (Warwick Ward) zu einem Trio zusammen, als das sie wie in früheren Zeiten im renommierten Berliner Varietétheater Wintergarten auftreten.
"Varieté" ist absolut berauschendes, leidenschaftliches, lebendiges und affektives Kino, der Blick auf den Jahrmarkt der Reeperbahn, die Tanzeinlagen auf der Bühne und die Trapezkunststücke im Varietétheater sind durchdrungen von einer ungemeinen Kinetik. Die Cutter und Kameramänner haben hier ganze Arbeit geleistet, die Kamera hängt dabei teilweise - für das Jahr 1925 geredazu revolutionär (?) - in den Jahrmarktsattraktionen oder am Trapez und schwingt selbst hin und her. Die Deutlichkeit dieser Wahrnehmung begründet sich allerdings auch durch die Klasse der Filmrestauration (die beste, die ich bisher kenne) und die musikalische Neuinterpretation. Das Bild ist gestochen scharf und plastisch, Filmmusik und Gesang spiegeln mit ihrem schnellen Rhythmus und Temparament das Visuelle auf auditiver Ebene wieder. Die musikalische Neuinterpretation scheint nicht allzu beliebt zu sein, zeitgenössisch hätte man einen Film so auch definitiv nicht umgesetzt, Musik und Gesang entsprechen stilistisch jedoch klar dem 1920er Jahren, daher sehe ich hier kein Problem.
Abseits des Kinos der Bewegung ist "Varieté" ebenso ein Kino der Blicke, Blicke der Liebe und des Verlangens einerseits und Blicke der Eifersucht und der Geringschätzung andererseits. Huller (Jannings) hat auch einen Hang dazu, Nebenbuhler mit Todesblick niederzustarren, was in einer Szene besonders witzig ausfällt, als ein besoffener, ekliger, notgeiler Mann die Reeperbahnbühne stürmt, um sich an Berta-Marie ranzumachen. Im Verlauf der Handlung verlieben sich Berta-Marie und Artinelli ineinander und das bisher so gut harmonierende Trio entwickelt sich zu einer labilen Dreiecksbeziehung, die Spannung wird in schauriger Erwartung eines absichtlichen Unfalls hochgetrieben. Zugleich handelt es sich bei "Varieté" um den erotischsten Film aus der Zeit der Weimarer Republik, den ich bisher kenne, einmal die Gelegenheit haben, von Emil Jannings kräftigen Armen umschlungen zu werden, sich an seine breite Brust zu schmiegen und von ihm innig geküsst zu werden!
Die in "Varieté" erzählten Lebens- und Liebesgeschichten gleichen sich in ihrer Leidenschaft, Affektivität und Ausbruchsmentalität, leider kommt auch dieser Film nicht ohne moralische Bestrafung aus. Immerhin lässt sich das hier wenigstens halbwegs als ausgleichende Gerechtigkeit interpretieren, auf die Schuld folgt die Sühne, Huller bezahlt dafür, Frau und Kind im Stich gelassen zu haben, einen (viel zu hohen) Preis.
8 von 10 Punkten
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Wunder der Schöpfung (1925)
"Wunder der Schöpfung" zählt zum Genre des sogenannten Kulturfilms, fiktionalisierte Dokumentar- und Lehrfilme, die in der Weimarer Republik große Popularität genossen und zur damaligen Zeit in der westlichen Welt als eines der Aushängeschilder des deutschen Films galten. In diesem Film hier wird beispielsweise der Dokumentar- und lehranspruch mit Abenteuer und Science Fiction angereichert. Dabei zieht "Wunder der Schöpfung" alle Register des damaligen Standes der Technik und vermittelt das damalige naturwissenschaftliche Wissen über die Erde, den Mond, die Sonne, die Sterne, die restlichen Planeten des Sonnensystems und den Weltraum. Aus heutiger Sicht ein alter bis veralteter Hut, wenn man aber das Erscheinungsjahr 1925 bedenkt, kommt man nicht umhin, davon fasziniert und beeindruckt zu werden. Und gerade das Veraltete lädt mitunter auch zum Schmunzeln ein.
Fünf Beispiele für diese Schmunzel-Highlights:
- Im Jahr 1925 blickte man sehnsüchtig dem Jahr 1999 entgegen, der nächsten in Deutschland beobachtbaren, totalen Sonnenfinsternis.
- Die Existenz von Marskanälen und deren Erschaffung durch höhere Lebensformen war noch Teil der Forschung.
- Die Schwerkraft auf dem Mars wurde im Film offensichtlich per Trampolin Springen dargestellt.
- Die Existenz des Pluto war noch nicht bekannt (erst 1930 entdeckt), man ging - wie heute - von acht Planeten aus.
- Im Film ist es mit einem Fernseh-Apparat möglich, von den Tiefen des Universums aus auf die Erde zu blicken bzw. wegen des langen Lichtwegs auf die Vergangenheit der Erde. So sieht man in der Vorzeit dann Moses mit den Zehn Geboten (lol) und einen ziemlich knuffigen, stop-motion-animierten Sauropoden.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Ich muss es einfach mit euch teilen. Ich habe zum zweiten Mal Tenet angeschaut und es war so viel besser als beim ersten Mal, kennt ihr das? Gerade bei Filmen mit einen etwas komplexeren Inhalt mache ich das häufig und mir leuchten dabei Dinge ein, denen ich zuvor keine Beachtung geschenkt habe. Aber auch wie beim ersten Mal: Unglaublicher Film, unbedingt anschauen, falls ihn jemand noch nicht gesehen hat. (Hier die verfügbaren Stramingseiten: https://latenightstreaming.com/de-de/film/tenet)
ENDE: das magische Wort am Schluß alter Filme, bei dem wir uns noch schnell ein Tränchen aus dem Gesicht wischten, bevor das Licht anging.
© Manfred Poisel (*1944)
@Rashomon
Klar, das habe ich auch schon mehrmals erlebt. Beispielsweise "The Hateful Eight", "Uncut Gems" oder - wenn wir bei Nolan sind - "Inception". Die mochte ich nach der Erstsichtung nicht, die Zweitsichtung mit neujustierten Erwartungen und besserem Verständnis hat die Filme dann aber in die Höhe katapultiert. In der Bewertung auf einen Schlag 3-5 Punkte höher^^
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Die Leuchte Asiens
"Die Leuchte Asiens" ist Historienbiopic von 1925 über Siddharta Gautama, eine deutsch-indische Koproduktion, die erste indische internationale Koproduktion überhaupt. In Szene gesetzt wurde der Film von einem deutschen Drehteam, gedreht wurde komplett in Indien mit einem rein indischen Cast.
Mir persönlich hat "Die Leuchte Asiens" jetzt leider weniger gegeben, ich empfand den Film mit Ausnahme der Ausstattungsszenen (Elefanten ❤️) als recht trocken und unspektakulär. Als filmisches Zeitdokument ist das aber natürlich dennoch außergewöhnlich.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Isnt life wonderful? (1924)
Ein zeitgenössisches US-Drama von D.W. Griffith über die Nachkriegszeit Anfang der 1920er Jahre in Deutschland, charakterisiert anhand einer polnischen Flüchtlingsfamilie und deutscher Arbeiter in Berlin. Die Gesellschaft ist gebeutelt von Inflation, Arbeitslosigkeit, Armut und Hungersnot. Häuser werden aus den Brettern der Kriegsmunitionskisten gefertigt, die Warteschlangen an den Lebensmittelläden verwandeln sich in Chaos und Anarchie, weil stündlich der Geldwert sinkt. In der Not bauen die Menschen privat Kartoffeln und Gemüse an, nur um dann von anderen Hungernden beraubt zu werden. In solchen Krisenzeiten bleibt den Menschen nur der familiäre Zusammenhalt und die partnerliche Liebe.
D.W. Griffiths Stärke liegt hier in der Darstellung des existienziellen (Über)Lebenskampfes, Kritik an den Verantwortlichen für die gesellschaftlche Lage äußert er speziell in einer Szene gegen Ende nach einem Kartoffelraub. "Yes, beasts we are; beasts they have made us. Years of war and hell; beasts they have made us." Der Finanzierungsplan des Ersten Weltkrieges war schließlich die Ursache für die Inflation und deren Folgeerscheinungen. Griffiths naiver Optimismus, dass die Liebe obsiegt und allen Widrigkeiten trotzt, ist dagegen ein zweischneidiges Schwert. Dass man sich schlicht und ergreifend über das Überleben der Geliebten freuen muss, deutet schon klar auf die bittere Realität hin, andererseits verfolgt Griffith auf diese Weise keinerlei Lösungsansätze. Bezeichnenderweise erfolgt zum Schluss ein einjährger Zeitsprung hin zum Happy End für das Liebespaar, wie das Paar die Krise jedoch letztendlich gemeistert hat, bleibt im Dunkeln.
Wider der zeitgenössischen US-Erwartungen wurde "Isnt life wonderful?" nicht in Hollywood und nicht im Filmstudio gedreht, sondern vor Ort in Deutschland - in Berlin und in der freien Natur. Der Cast setzt sich aus US-amerikanischen und deutschen Schauspielern zusammen. Dass es sich bei den Protagonisten des Films um polnische Flüchtlinge handelt, begründet sich durch die damalige antideutsche Stimmung in den USA.
6,5 - 7 von 10 Punkten
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Geschlecht in Fesseln (1928)
Helene Sommer arbeitet in einem Café und als sie dort von einem Gast belästigt wird, kommt ihr Ehemann Franz zu Hilfe, der den Gast im Affekt tötet und deshalb zu drei Jahren Freiheitsstafe verurteilt wird. Helene verliert aufgrunddessen ihren Job im Café. Franz Sommer sitzt in Untersuchungshaft zusammen mit dem Fabrikbesitzer Rudolf Steinau, der sich auf Franz Bitte nach dessen Entlassung um Helene kümmert und ihr einen neuen Job in seiner Fabrik anbietet.
Bei "Geschlecht in Fesseln" handelt es sich um einen Gefängnisfilm, der es sich zur Aufgabe macht, den Wert der Freiheit und die Konsequenz der Freiheitsstrafe herauszuarbeiten und zugleich ein Plädoyer für die Menschenwürde zu halten. Im Grunde genommen ist der Film dabei mit "Die Verurteilten" vergleichbar, wobei "Geschlecht in Fesseln" klar ohne dessen kitschige Gefühlsduselei auskommt. "Geschlecht in Fesseln" veranschaulicht Freiheit, Freiheitsstrafe und Menschenwürde am Beispiel der Sehnsucht nach emotionaler und körperlicher Nähe zum Partner und des daraus folgenden Sexualfrustes. Unbeaufsichtigter Besuch ist verboten, Sex wegen der Sittengesetze erst recht. Die Insassen verzweifeln und brechen psychisch zusammen, auch wegen des überholten Strafvollzugs, der dringend eine Reform benötigt. "Bestrafung sollte kein Racheakt der Gesellschaft sein, sondern eine notwendige Belehrung im Zusammenleben mit Menschen."
Helene Sommer fühlt sich in ihrer Einsamkeit zu Rudolf Steinau hingezogen, in Franz Sommer wiederum werden homosexuelle Gefühle und Gelüste gegenüber einem Mithäftling wach. Auch wenn es hier nur bei Andeutungen bleibt, stellt sich das im Bezug auf die 1920er Jahre doch schon als äußerst bemerkenswert heraus, "Geschlecht in Fesseln" ist einer der ersten Filme mit queerem Inhalt.
Über die Jahre hinweg lebt sich das Ehepaar Sommer aufgrund der Freiheitsstrafe trotz der Sehnsucht nacheinander auseinander, auch bedingt durch die beidseitig empfundene Schuld des Fremdgehens beziehungsweise des Fremddenkens. Obwohl sich Helene und Franz ein unbeobachtetes Treffen im Gefängnis erkämpfen können, haben sie sich nichts mehr zu sagen, geschweige denn kommt es zum Sex. Die Autofahrt nach Franz Entlassung zurück zum Haus des Paares ist ebenfalls bestimmt von peinlichem Schweigen, der Film endet (in großer Melodramatik) mit einem gemeinsamen Selbstmord, ihr Leben miteinander ist zerstört, nur noch im Tod können sie zusammen sein.
Auf symbolischer Ebene wird die Freiheit durch einen Vogel dargestellt, was aus heutiger Sicht sicherlich abgedroschen erscheinen mag. Hier spielt jedenfalls ein Vogel eine wiederkehrende Rolle, der regelmäßig in die Zelle hineinfliegt und sich von den Insassen füttern lässt; als Franz Sommer schließlich entlassen wird, fliegt auch der Vogel davon.
Wenig verwunderlich stießen der queere Inhalt und die Kritik am Justizsystem auf staatliche Gegenwehr. 1928 kam der Film mit einem Jugendverbot in die deutschen Kinos, 1930 wurden auf Antrag des bayerischen Innenministeriums "sexuell anstößige Szenen" zensiert, im März 1933 wurde der Film auf Antrag der bayerischen NSDAP und des bayerischen Justizministeriums komplett verboten.
8 von 10 Punkten
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Spione (1928)
Fritz Lang stellt mit "Spione" die Weichen für das Genre des Spionage(action)thrillers und etabliert diverse Charakteristiken und Motive, die sich später bei Alfred Hitchcock und in der "James Bond"-Reihe wiederfinden lassen und von diesen populär gemacht wurden. Interessanterweise lässt Lang zudem noch einige expressionistische und architektonische Stilelemente aus seinen früheren Werken einfließen, "Spione" stellt also eine Art Verbindungsstück zwischen dem Kino der Weimarer Republik und dem Spionagethriller späterer Jahre/Jahrzehnte dar. Abseits davon ist der Orient-Express als Teil des Settings noch erwähnenswert, für mich zumindest ist es das erste Mal, dass ich den Orient-Express künsterlisch in einem Kontext erlebe, der nichts mit dem Agatha-Christie-Werk zu tun hat.
Dennoch kann die Innovation nicht darüber hinwegtäuschen, dass die reichlich auf 150 Minuten aufgeblasenene Geschichte aus meiner Sicht nichts wirklich Spannendes zu erzählen hat. Der Geheimdienst und die Verbrecherorganisation jagen einen MacGuffin nach dem nächsten, die Handlung dreht sich nur um sich selbst und es geht nie um etwas wirklich Konkretes, die Figurenzeichnungen und Figurenkonstellationen sind derweil zu einfach gehalten, als dass sie jenes kompensieren könnten. Dramatik exisitert nur innerhalb der Liebesbeziehung zwischen dem protagonistischen Nummern-Agenten und einer antagonistischen Spionin. Politische Hintergründe sind in "Spione" mehrfach vorhanden (bezüglich Russland, Jugoslawien und Japan) und hätten dem Film Tiefe und Spannung verleihen können, verbeiben aber eben auf dem MacGuffin-Niveau der vagen Andeutungen.
5 von 10 Punkten
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
David Attenborough - Mein Leben auf unserem Planeten (2020)
Vorwort und Gedanken zum Film
Der Film ist ein Dokumentar-Film von Netflix, der aus der Sicht von Attenborough zeigt, wie sehr sich die Erde im Laufe seines Lebens (zum schlechten) verändert hat.
Leider ist diese Veränderung sehr groß und sehr negativ, aber das dürften mittlerweile die meisten Menschen wissen. Man hat viel aus dem Leben von Attenborough gesehen, wie er die Welt umreist hat, wo er überall war, wie stark die Bevölkerungszahl der Menschen und der Rückgang der Wildnis sich über die Jahrzehnte vorangegangen ist und wie die Menschheit die Natur, Tierwelt und die Wildnis immer mehr zerstört hat.
Also es ist schon sehr schockierend zu sehen, wie schlimm und schnell diese Veränderungen eingetreten sind und was die Menschheit dem Planeten alles angetan hat / antut. Ich musste öfters schlucken, hatte einen Kloß im Hals, Tränen in den Augen und habe mit dem Kopf geschüttelt.
Ganz schlimm war es im 3. Viertel des Films, wo die Zukunft des Planeten bis über das Jahr 2100 hinaus gezeigt wird. Einfach nur grausam und schockierend. Hätte der Film da geendet...ich glaube da hätten die meisten Zuschauer eine schlaflose Nacht gehabt. Zum Glück wurden im letzten Viertel die Hoffnung wieder geweckt, dass es doch anders kommen könnte. Das war zumindest etwas beruhigend. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Menschheit das schafft.
Mehr denn je schäme ich mich, ein Mensch zu sein. Die Menschheit hat in ihrer Entwicklung so viele Fehler gemacht...es wäre am besten, wenn wir sofort alle ausgelöscht werden würden, ich hoffe es sehr stark, für den Planeten, seine Natur und die Lebewesen. Dank uns selbst sind wir aber gar nicht mehr soweit davon entfernt, ausgerottet zu werden. Wenn wir so weiter machen wie bisher, gibt es bestimmt über 90% der Menschheit in 100-200 Jahren nicht mehr. Größtes Problem ist, wir haben uns da in einen Teufelskreis manövriert, aus dem wir fast gar nicht mehr herauskommen können.
Wenn ich an meine Zukunft denke, sehe ich nur schwarz. Daher sollte man das Leben jetzt genießen, solange es noch geht (das tue ich aktuell auch). Schon in 10 Jahren kann es nämlich ganz anders aussehen.
Ich schaue Naturdokus sehr gerne, denn sie sind vollkommen echt und zeigen die Wahrheit. Und solche wie diese sind besonders hart. Die nehmen mich emotional auch viel mehr mit als typische Filme wie Blockbuster, denn dort ist alles Fake und man weiß, dass es nicht echt ist. Aber so eine Doku zu sehen wo man weiß, so sieht es aktuell auf der Welt aus, ist wie ein Schlag in die Magengrube und eine Gefühlsachterbahn der negativen Gefühle. Aber es ist wichtig, auch mal sowas zu sehen.
Mr. Attenborough tut mir sehr Leid, für ihn, der immer dabei war, die Natur hautnah erlebt hat, muss es schrecklich sein, die schlechten Veränderungen über die Jahrzehnte beobachten zu müssen. Ich wäre lieber in seiner Zeit oder noch früher aufgewachsen und hätte gern so ein Leben gelebt wie er. Leider oder zum Glück, je nach dem, wie es in den nächsten Jahrzehnten aussieht, wird er es nicht mehr erleben, wie es mit dem Planeten weiter geht. Hoffentlich stirbt er nicht mit dem Gedanken, dass die Erde zugrunde gegangen ist.
Wie im Film gesagt wurde, es geht nicht darum, den Planeten zu retten, sondern uns zu retten!
Jeder, vor allem alle Regierungen und Firmen dieser Welt, sollten sich diesen Film ansehen. Nur gemeinsam können wir es schaffen, den Planeten und damit die Menschheit, zu retten!!
Nun zur Bewertung:
Dokus zu bewerten ist weitaus einfacher als bei normalen Filmen, zumindest ist es bei mir so.
Der Film hatte eine angemessene Länge, war überwiegend spannend, sehr interessant, der Erzähler (ich hab ihn mit "Synchro" gesehen) war sehr gut, meistens war der Film im Full-Screen-Format, weswegen die fantastischen Naturbilder noch besser rüberkamen, der Film war einfach wunderschön, hatte viele tolle Bilder zu bieten, der Soundtrack war passend und sehr schön. Er hat die schlechten Seiten aufgeführt, aber auch gegen Ende wieder Hoffnung gemacht und motiviert, das finde ich sehr gut und wichtig.
Insgesamt ein sehr guter Film, den ich nur jedem empfehlen kann!
Meine Bewertung: 4,5 Hüte
Mein Letterboxd-Profil /// (ehem. FlyingKerbecs) /// aktuelle Anime-Empfehlung: To be Hero X (bei Crunchyroll)
Zuletzt gesehen?
Primeval | 08.01.2012