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Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm

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More Blade Runner than...

Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm Review

Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm Review
2 Kommentare - 13.02.2018 von Silencio
In dieser Userreview verrät euch Silencio, wie gut "Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm" ist.
Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm

Bewertung: 2 / 5

In der Zukunft wird bei der Geburt jedem Menschen ein sogenannter „Stack“ eingesetzt, ein Stück Metall, das das menschliche Bewusstsein enthält. Dieser Stack kann in einen „Sleeve“ implantiert werden, einen menschlichen Körper ohne Bewusstsein. 250 Jahre nach seiner Festnahme wird der Terrorist Takeshi Kovacs in einem neuen Sleeve auf freien Fuß gesetzt, denn der Reiche Laurens Bancroft will den Mörder seines letzten Sleeves bestrafen und Kovacs soll diesen für ihn finden. Kovacs wird zudem auf Schritt und Tritt von der Polizistin Ortega überwacht, die vorgibt, ihn wegen seiner Vergangenheit zu verfolgen, aber eigentlich andere Absichten hat. Im Laufe seiner Ermittlungen kommt Kovacs mit der Elite der Bevölkerung aber auch mit dem Bodensatz in Berührung. Und alle haben sie ihren eigenen Schmutz und ihre eigenen Obsessionen...

Trailer zu Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm

Als Ridley Scotts „Blade Runner“ 1982 in die Kinos kam, konnte keiner ahnen, was für ein Monster dieser Film werden würde: Durch seine Verbindung von Film Noir und Science Fiction schuf er eine Zukunftsvision, die zugleich glaubwürdig als auch wegweisend war. Ursprünglich mit eher verhaltenen Einspielergebnissen ausgestattet, sollte der Film spätestens mit der Veröffentlichung von Ridley Scotts Directors Cut seinen Siegeszug antreten und zum populärsten Vertreter des Cyberpunk Genres werden. Mittlerweile unzählige Male kopiert, lässt sich die Vision des sich im Dauerregen befindenden, überfüllten Los Angeles der Zukunft heute kaum noch aus den unzähligen Dystopien, die folgen sollten, wegdenken. Genau hier setzt die neue Netflix-Serie „Altered Carbon“ ein: basierend auf der Kovacs-Trilogie von Richard K. Morgan präsentiert man dem geneigten Zuschauer eine Future Noir-Welt voller Intrigen, Betrügereien, Femme Fatales und kerniger Privatdetektvie. Funktioniert das auch? Die kurze Antwort: Nein. Die lange? Die ist etwas komplizierter...

Zum Anfang wird der Zuschauer in der Welt von „Altered Carbon“ ein bisschen alleine gelassen. Gerade in diesen ersten Folgen bleibt man ratlos zurück, nicht nur, weil man für die dargestellte Technologie kein Gefühl entwickeln kann, sondern vor allem auch, weil ihre gesellschaftlichen Implikationen im Dunkeln bleiben. Was bedeutet es, dass Menschen ihren Körper einfach wechseln können? Nun, das bedeutet vor allem, dass die Reichen ihren Reichtum quasi endlos ansammeln können, denn so etwas lästiges wie der Tod kann einen nicht mehr aufhalten, Geschäfte zu machen. Und so kommt es auch, dass sie sich in wortwörtliche Elfenbeintürme zurückziehen, die sich bis über die Wolken emporstrecken. Es bildet sich eine Zweiklassengesellschaft, der Aufstieg von den am Boden geborenen zu den „Meths“ im Himmel ist, bis auf ein paar Ausnahmen, geradezu unmöglich. In Zeiten der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich ist das natürlich aktuell, aber seien wir mal ehrlich: das ist auch ein Fakt des Lebens, der der Erwähnung kaum noch wert ist. Es ist zusätzlich noch etwas: für zehn Stunden Laufzeit verdammt wenig.

Dabei bietet die Prämisse durchaus Spielraum für interessante Gedankenspiele und Untersuchungen der menschlichen Natur. Nachdem Kovacs in der ersten Episode erwacht, muss er feststellen, dass sein Sleeve nikotinabhängig ist. Als er sich eine Zigarette ansteckt, bietet er den weinenden Frau auf dem Stuhl neben ihm, die ebenfalls frisch erwacht ist, eine an, die aber verwirrt ablehnt. In der nächsten Szene erfahren wir dann warum: sie ist ein siebenjähriges Mädchen, das einen Sleeve von der Regierung zugewiesen gekriegt hat. An dieser Stelle zeigen sich nun potentiell interessante Fragen. Zum einen wäre da natürlich die offensichtliche Frage nach der Logistik des ganzen Unterfangens. Wie kommt die Regierung an Sleeves für Opfer von Gewaltverbrechen? Nach welchen Kriterien wird ausgewählt, wer welchen Sleeve kriegt? Viel wesentlicher wäre aber die Frage, welche psychologischen Folgen ein solcher Sleevewechsel wohl hätte. Mehrfach werden Leute in „falschen“ Sleeves zurückgeholt, aber mehr als Lippenbekenntnisse zur Situation hält „Altered Carbon“ nicht bereit. Sobald dann gegen Ende der Staffel die Frau von Kovacs Kumpel Vernon im Körper eines Mannes zurückgeholt wird, aber weder sie noch ihr Mann das kommentieren (oder sich einfach wie ein Paar verhalten), driftet das Ganze dann ins Lächerliche ab. Dabei wäre bereits beim Hauptcharakter eine Untersuchung von Identität und ihrer Bedeutung durchaus möglich gewesen. Takeshi Kovacs ist japanisch-polinischer Abstammung, nach seinem „Resleeving“ im Körper eines amerikanischen Mannes. Was bedeutet seine Abstammung für seinen Charakter? Welchen Effekt hat der Wechsel der ethnischen Identität auf ihn? Glaubt man der Serie, lauten die Antworten „nichts“ und „keinen“. Das könnte man als Kommentar darauf lesen, dass in der Zukunft solche Labels keine Rolle mehr spielen. Doch hat die Zukunft in „Altered Carbon“ die Kluft zwischen Katholizismus und Islam noch nicht überbrückt, da scheint ein solcher Schluss dann doch unwahrscheinlich. Andererseits kann man von einer Serie, die weibliche Nacktheit als Leckerbissen für den Zuschauer, männliche jedoch als Zeichen für Dekadenz und moralische Verwerflichkeit, inszeniert, wohl nicht allzu viel erwarten...

Inhaltlich bietet „Altered Carbon“ meist altbekanntes aus der Noir- und hard boiled detective-Kiste. Ein Mord, den moralisch grauen Detektiv, der in die Unterwelt abtaucht, ein Versagen des Systems, korrupte Polizisten, das ist alles nichts neues, aber auch nicht grundsätzlich verkehrt. Wo ein Film mit seinen durchschnittlichen 90 bis 120 Minuten sich allerdings ein paar vorhersehbare Wendungen erlauben darf, muss man die steile Laufzeit von zehn Folgen aber irgendwie rechtfertigen. Das schafft „Altered Carbon“ aber nur, weil es den Plot immer wieder abbiegen lässt, das zentrale Mysterium vermag die Laufzeit hingegen nicht zu rechtfertigen. Und so wartet der geübte Zuschauer nur, bis die antizipierten Wendungen eintreten. Natürlich sind zwei scheinbar unverbundene Fälle eng verknüpft, natürlich ist eine totgeglaubte Person aus der Vergangenheit nicht tot, natürlich ist die weibliche Polizistin nur im Dienst, um in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, usw. usf. Das ist nicht mehr als alter Wein in neuen, einfallslosen Schläuchen.

Fans der „Blade Runner“-Ästhetik werden sich in „Altered Carbon“ direkt heimisch fühlen (der Soundtrack enthält übrigens ein Cover von White Zombies „More human than human“ - falls die Inspiration nicht offensichtlich genug ist), sie werden hier in eine altbekannte Welt versetzt. Das sieht gelegentlich nett aus, verschafft durchaus ein wohliges Gefühl der Bekanntheit, bietet aber nichts neues. Im Gegensatz zu Scotts übervollem LA ist Bay City wiederum ziemlich menschenleer. Klar, es sind vergleichsweise viele Leute unterwegs, die Klaustrophobie auslösenden Menschenmassen werden hier aber nie erreicht. Vor allem scheint „Altered Carbon“ aber zu glauben, dass ein bis zwei Art déco-Sets für das Film Noir-Feeling reichen, auf die wirklich wichtigen Merkmale, wie das vom deutschen Expressionismus inspirierte Spiel mit Licht und Schatten oder den Einsatz von dutch angles, wird hingegen weitestgehend verzichtet.

Zwar wird viel über „Seelen“ und „Menschlichkeit“ geredet, philosophisch hat „Altered Carbon“ allerdings nicht viel auf dem Kasten. Wenn dann am Ende das Fazit kommt, dass Vergänglichkeit ein normaler Teil der menschlichen Existenz ist, bleibt einem nur das Schulterzucken übrig. Denn das wusste Roy Batty 1982 schon...

Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm Bewertung
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410
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2 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
22.02.2018 11:41 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 772 | Reviews: 41 | Hüte: 60

Ne, das wird leider nicht erklärt.

Die Bewertung erklärt sich daraus, dass eben nichts wirklich neues geboten wird und der Plot auf knapp zehn Stunden aufgebläht wird. Dazu noch eine weirde Geschlechterpolitik (auf die ich im Review nur oberflächlich eingegangen bin), die einen arg stören kann.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
22.02.2018 09:38 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.040 | Reviews: 27 | Hüte: 172

Hmm, recht harte Wertung, liest sich eigentlich nach mindestens 2,5-3 Hüten, aber sei es drum. Ich habe gerade Folge 1 geschaut und werde die Serie wahrscheinlich ganz langsam zu Ende schauen, denn richtig gebannt bin ich noch nicht. Um aber aufzuhören finde ich das Set- und vor allem den Sound-Design Hammer.

Was mir auch persönlich komplett bereits in dieser ersten Folge gegen den Strich ging, ist, dass der gute Mann 250 Jahre auf Eis lag und sofort alles über den aktuellen technologischen Standartd weiss und keine Orientierungsprobleme hat. Wird das eigentlich noch erklärt, oder - eher meine Vermutung - einfach so als gegeben angenommen?

Dünyayi Kurtaran Adam
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