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Ernüchternde Bilanz

Bilanz 2025: Ein enttäuschendes Jahr für die (US-)Kinos!

Bilanz 2025: Ein enttäuschendes Jahr für die (US-)Kinos!
0 Kommentare - Do, 01.01.2026 von MJ-Caminito
2025 sollte das große Kino-Comeback bringen - doch stattdessen stagnierte der US-Markt und blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Bilanz 2025: Ein enttäuschendes Jahr für die (US-)Kinos!

Das Kinojahr 2025 endet für Nordamerika mit einer spürbaren Ernüchterung: Statt der erhofften nachhaltigen Erholung nach den Pandemiejahren verharrte der US-Markt weitgehend auf dem Niveau von 2024.

Die Gesamteinnahmen blieben deutlich unter der vielfach prognostizierten Marke von 9 Milliarden US-Dollar und damit weiterhin klar entfernt von den vorpandemischen Ergebnissen zwischen 10 und 11 Milliarden Dollar. Mike Sherrill, Chief Operating Officer der Kinokette Alamo Drafthouse, spricht von einem „unglücklichen Trend“ und bringt die Lage nüchtern auf den Punkt: Es sehe so aus, als trete die Branche bereits zum zweiten Mal in Folge auf der Stelle.

Besonders deutlich zeigt sich die Krise in der zunehmenden Ermüdung großer Franchises. Marvel hatte erneut mit seinen weniger etablierten Figuren zu kämpfen: Sowohl Captain America - Brave New World als auch Thunderbolts* schlossen mit zweistelligen Millionenverlusten ab, während The Fantastic Four - First Steps lediglich einen moderaten Gewinn erzielte. Auch traditionsreiche Reihen blieben hinter ihren früheren Erfolgen zurück. Avatar - Fire and Ash kam bislang auf ca. 800 Millionen Dollar, Wicked - Teil 2 auf 504 Millionen und Jurassic World - Die Wiedergeburt auf 869 Millionen. Alles solide Ergebnisse, die jedoch nicht an die Spitzenwerte der jeweiligen Vorgänger heranreichen.

Immer deutlicher wird zudem, dass sich die Branche nicht länger allein auf Sequels und Spin-offs verlassen kann. Verschärft wird die Situation durch strukturelle Veränderungen bei den Verwertungsfenstern: Der angekündigte 82,7-Milliarden-Dollar-Deal von Netflix zur Übernahme von Warner Bros. (vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen) sorgt in der Kinobranche für Unruhe. Netflix-Co-CEO Ted Sarandos ließ bereits durchblicken, dass exklusive Kinofenster künftig „evolvieren“ und „kundenfreundlicher“ gestaltet werden sollen - also noch kürzer ausfallen könnten. Für Kinos wäre dies ein weiterer Rückschlag, da sich das Publikum seit der Pandemie sowieso schon zunehmend an schnelle Streaming-Verfügbarkeiten gewöhnt hat.

Ein Lichtblick war die teilweise Rückkehr des chinesischen Marktes für ausgewählte Hollywood-Produktionen. Filme wie Zoomania 2 und Avatar - Fire and Ash fanden dort ein breites Publikum. Global dominierte jedoch ein heimischer Titel: Der chinesische Animationsfilm Ne Zha 2 spielte weltweit über 2,1 Milliarden Dollar ein und wurde damit zum erfolgreichsten Film des Jahres - ein Erfolg, der in den USA weitgehend unbemerkt blieb.

Auffällig stark präsentierten sich dagegen familienfreundliche PG-Filme und Videospieladaptionen: Ein Minecraft Film schrammte nur knapp an der Milliardenmarke vorbei, während Lilo & Stitch und Zoomania 2 diese sogar überschritten. Bereits zum zweiten Mal in Folge erzielten PG-Produktionen damit bessere Ergebnisse als PG-13-Titel (PG-Filme sind in den USA ohne Altersbeschränkung für Kinder zugänglich und sprechen ein breites Familienpublikum an, während PG-13-Produktionen eine Empfehlung ab 13 Jahren aussprechen und sich stärker an Teenager und Erwachsene richten).

Auch Animes entwickelten sich zum klaren Gewinner: Demon Slayer und Chainsaw Man sorgten für starke Abrufe bei Crunchyroll (einem auf Anime spezialisierten Streamingdienst). Besonders bemerkenswert war der Altersdurchschnitt von Demon Slayer, dessen Publikum fast zur Hälfte unter 24 Jahre alt war - ein starkes Signal für die nächste Kinogeneration, wie Sherrill betont.

Comicverfilmungen hingegen haben ihren lange Zeit unangefochtenen Spitzenplatz verloren. Nach mehr als einem Jahrzehnt als dominierendes Genre wirken sie aktuell deutlich geschwächt. DC schnitt dabei vergleichsweise noch stabil ab: Superman erzielte 616 Millionen Dollar und wurde als gelungener Neustart wahrgenommen. DC-Co-Chef Peter Safran sieht darin einen wichtigen Schritt, das Label wieder stärker mit Qualität zu verbinden.

Schwierig blieb das Jahr für viele Erwachsenendramen und ambitionierte Großproduktionen. Titel wie The Smashing Machine, Bugonia oder Springsteen - Deliver Me From Nowhere fanden kaum Resonanz. Hoffnungsschimmer kamen aus mutigeren Ecken: Warner Bros. landete mit originellen Horrorfilmen wie Ryan Cooglers Blood & Sinners und Zach Creggers Weapons - Die Stunde des Verschwindens Achtungserfolge sowohl bei Kritik als auch Publikum. Auch Paul Thomas Andersons One Battle After Another überschritt dank starkem Awards-Buzz die 200-Millionen-Dollar-Marke, blieb ob des Budgets von 140 Millionen Dollar sowie Marketingkosten im zweistelligen Millionenbereich wirtschaftlich jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Premiumformate wie IMAX und Dolby Cinema halfen, die rückläufigen Zahlen zumindest teilweise abzufedern. Bei visuell spektakulären Produktionen wie Avatar - Fire and Ash oder F1 - Der Film machten sie bis zu 60 Prozent der Einnahmen aus. IMAX-CEO Richard Gelfond sieht in einer stärkeren Diversifikation des Angebots - mehr Horror, mehr Familie, mehr Animation - eine echte Chance, die Abhängigkeit vom Superheldenkino zu reduzieren.

Fazit


2025 hat deutlich gemacht, dass das Kino neue Impulse braucht. Die Erfolge bei Familienfilmen, Anime und gezielt eingesetztem Arthouse-Horror geben Anlass zur Hoffnung. Die große Trendwende blieb jedoch aus.

Ob 2026 mit Projekten wie Spider-Man - Brand New Day und Avengers - Doomsday tatsächlich einen neuen Aufschwung bringt, wird sich zeigen.

Quelle: Variety
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