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Rocketman

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Rocketman Kritik

Rocketman Kritik

Rocketman Kritik
0 Kommentare - 25.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Rocketman" ist.
Rocketman

Bewertung: 3 / 5

Der etwas moppelige Junge Reginal Dwight (Taron Egerton) besitzt großes musikalisches Talent. Er lernt Klavier zu spielen und einige Jahre später zieht er nach London, wo er den Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) kennenlernt. Zusammen starten sie eine erfolgreiche musikalische Karriere.

Wenn eine Biographie das Abfilmen der Realität ist, dann haben Filme häufig das Problem, daß man sie gar nicht benötigt. Denn schließlich brauch ein Film nicht das Lehrmittel zur Aufklärung auf kurzem Wege zu sein, nur weil es eine Anzahl an Menschen gibt, die nicht das Wissen mit sich bringen, um eine Person einzuordnen. Auch sei mal dahingestellt, ob das Wissen, das in einem solchen Film vermittelt werden soll, überhaupt irgendeine Form von Relevanz hat, oder ob nur der Huldigung einer einzelnen Person gilt. In letztere Kategorie könnte man Rocketman durchaus stecken, der die Fronten der agierenden Parteien in Elton Johns Leben gleich zu Beginn klärt. Es gibt da den guten Musiker Elton John und es gibt da den bösen, machtgierigen Produzenten John Reed, der den armen Künstler ausnimmt. Dieser Umstand allein genügt schon, den Film nicht als fähige Studie über einen Künstler wahrzunehmen. Wie sollte er auch, wenn Elton John selbst direkt in die Arbeit am Film involviert war? Da wird so vieles geschönt. Man muss dafür nicht einmal großartig das Wissen um die Wahrheiten in Johns Leben haben, sondern beobachtet ganz schlicht, wie spießig und kleinkariert manch eine Sequenz ist. Sex, Drugs und Rock n Roll gibt es da schon und auch einen Elton John, der sich mehr noch im Rausch verliert. Doch eine Kritik am Handeln der Person bleibt weitestgehend aus. Wenngleich natürlich Höhen und Tiefen folgen.

Trailer zu Rocketman

Dem gegenüber steht, daß der Film durchaus das Stilmittel des Musicals gut anwenden kann. So haben herkömmliche Musiker-Biographien oft das Problem, daß sie eben keine inszenatorischen Ideen haben, als tatsächliche Konzertaufnahmen wiederzugeben. Doch bei Rocketman ist das ein wenig anders, da werden dann plötzlich Lieder geschrieben und gesungen, während die Figur von Elton John eine Wandlung, einen Schicksalsschlag oder eine ganz klare Veränderung erlebt. Dabei wird das dann mit Lichtern und teils surrealen Szenerien auf eine andere Stufe gehoben. Dort ist der Film dann abgehoben, aber nicht in einem negativen Kontext. Und zugleich wird dann auch stark mit Ideen gespielt. Denn so wie der Zuschauer zunächst den Wechsel und Wandel im Ideenprozess des Künstlers nicht begreift, so begreifen Künstler oft ihre eigenen Werke nicht. Da gibt es natürlich unterschiedliche Herangehensweisen und auch gibt es Kunstschaffende, die konsequent und mit einem genauen Ziel ihre Werke erschaffen. Doch häufig stellen Künstler auch nur das Medium dar, daß die Idee, besser gesagt den Gedanken zum Ausdruck bringen soll. Das ist natürlich dann auch in einem Medium der Bilder ein doppeltes Glück, weil man hier dann tatsächlich Metaphern hat, statt einer Aneinanderreihung von Momenten im Leben, die natürlich alle auch gleich ablaufen. Ohnehin genießt der Film seine fröhliche Opulenz, nach welcher Elton als schriller, exzentrischer Künstler natürlich auch in eher seltsam anmutenden Kostümen auf die Bühne geht.

Daraus folgt, daß der Film ähnlich wie schon Bohemian Rhapsody (2018) in seinen Konzertmomenten mit großen und schnellen Bildern arbeitet. Ebenso ist er musikalisch stark an La La Land (2016) orientiert. Und selbst wenn man Elton Johns Musik jetzt vielleicht nicht als die aussagekräftigste und beste Pop-Rockumsik auf dem Planeten bezeichnen würde, weiß der Film in diesen Momenten tatsächlich zu unterhalten, weil er einem die volle Dröhnung Power-Balladen um die Ohren knallt. Ein Glück, daß in Hauptdarsteller Taron Egerton auch ein unglaublich vielschichtiger und talentierter Künstler steckt. So kann er nämlich dieses exzentrische und leicht melodramatische, sowie divenhafte Verhalten eines Elton Johns einfangen, ohne daß die Figur zu einer reinen Karikatur verkommt. Dennoch ist der Film mitunter dann auch witzig. Ebenso überzeugend ist indes auch Richard Madden, der seiner Figur natürlich auch eine klischierte und cartooneske Aura gibt. Auf der anderen Seite passt das eben auch ganz einfach gut als Gegenpol zum schrillen Elton John. Nun darf man wohl kaum erwarten, daß die dort präsentierte Person, auch wirklich das pure böse ist und Elton John ein Opfer seiner Machenschaften war. Auf der anderen Seite handelt es sich hier eben aber auch um eine Interpretation der Realität und ein Werk, daß sich künstlerische Freiheiten durchaus nehmen darf.

Und das ist eben in diesem Fall auch ganz gut, weil gerade aus diesem Konflikt übergeordnete Themen entstehen, die dann auch übertragbar sind, auf ein relativ normales Leben. So stellt Maddens John Reid natürlich das Kapital dar. Während auch ein Elton John sich zu Beginn der Liebe hingibt und dafür seine Engsten vergrault, ist Reid eigentlich die Verkörperung des Drangs nach Macht, Geld und Sex. Interessant ist ja, daß gerade letzteres hier ab einem gewissen Punkt seinen Optimismus verliert und nur noch denjenigen zuteilwird, die andere ausbeuten und metaphorisch gesprochen festhalten. Das heißt, eigentlich könnte man dem Film durchaus attestieren, daß er etwas homophob und prüde daherkommt. Man kann aber wohl eher davon ausgehen, daß den Verantwortlichen hinter dem Werk das gar nicht so sehr aufgefallen ist. Interessant sind aber dann nicht nur die Figuren, die Elton John böse gesinnt sind, sondern auch diese, die seine eigene Prägung von klein auf beeinflussten. Nun kommt hier natürlich ein klassischer Geniekult zutage, der vielleicht so stattgefunden hat, vielleicht aber auch nicht. Viel spannender noch ist aber die Beziehung der Hauptfigur zur eigenen Mutter. Diese scheint immer recht gefühlskalt und ebenso profitorientiert daherzukommen, wie scheinbar alle anderen im Leben des Künstlers. Doch da steckt natürlich eine Not der Hauptfigur drin, weil sie auch immer gewillt ist, es der eigenen Mutter recht zu machen. Ob da nicht schon ein paar ödipale Tendenzen zu erkennen sind, sollte vielleicht geklärt werden. Auf der anderen Seite lässt sich diese starke Bindung vielleicht aber auch durch die eben weniger starke Bindung zum eigenen Vater erklären.

Über die Luft hinaus versucht Rocketman zu starten und ist vor allem ein Film, der so ein wenig irritiert. Das liegt einfach daran, daß man hier viel zu handzahm erzählt und dabei auch noch Idealisieren möchte. Gut und böse waren nie klarer, während die Vertreter dieser Seiten großartig gespielt werden. Dann wiederum spielt der Film relativ moderat mit dem Thema und weiß inszenatorisch einzelne Signifikate Szenen zu präsentieren, die auch stilistisch und künstlerisch beeindruckend sind.

Rocketman Bewertung
Bewertung des Films
610

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