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Kajillionaire

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Prädikat: besonders wertvoll

Kajillionaire Kritik

Kajillionaire Kritik
0 Kommentare - 04.10.2020 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Kajillionaire

Bewertung: 4 / 5

Ein bisschen schräg, ein bisschen anders: Das ist intelligent originelles Kino, wie man es sich wünscht. Die Künstlerin und Filmemacherin Miranda July erzählt in ihrem neuen Film die Geschichte einer jungen Frau, die mit ihren Eltern in einer Art Kleinganovenfamilie unterwegs ist. Als die Familie sich um eine Fremde erweitert, wird alles etwas komplizierter.

Mit originellen Bildern, einem überragenden Cast und der differenzierten Balance zwischen trockenem Humor und tiefer Tragik ist Kajillionaire ein perfektes Filmerlebnis. Von Anfang an erschafft Miranda July in ihrem Film ein ganz eigenes Universum mit originellen und unbequemen Figuren und Bildern, die im Gedächtnis bleiben - wie etwa die Wände in der Behausung der Familie, die neben einer Seifenproduktion angesiedelt sind und deswegen regelmäßig deutlich rosa "aufschäumen".

Trailer zu Kajillionaire

Die Figuren wirken auf den ersten Blick alle ein bisschen schräg, doch gerade das Zusammenspiel, das eher von dem bestimmt wird, was nicht gesagt wird, verkörpert einen sehr sensiblen Blick auf Menschen und ihr Verhalten. Emotionales Zentrum der Geschichte ist die von Evan Rachel Wood eindrucksvoll verkörperte "Old Dolio", die ohne Liebe aufgewachsen ist und von ihren Eltern, die von Richard Jenkins und Debra Winger mit kongenial Verhärtung und Empathielosigkeit gespielt, mehr als Erfüllungsgehilfin instrumentalisiert und nicht als Tochter gesehen wird. Erst mit dem Auftauchen von Melanie (quirlig, positiv und offen: Gina Rodriguez) entsteht in Old Dolio der Wunsch nach Aufbruch und menschlicher Nähe.

Die zarte Annäherung zwischen Melanie und Old Dolio und die Reise dieser jungen Frau in ein eigenständiges Leben inszeniert Miranda July auf sensible Art und Weise, ohne sentimental zu sein. Kajillionaire ist ein intensives 4-Personen-Filmstück, das durch skurrilen Humor, vielschichtige Charaktere, eine visuell stimmungsvolle Inszenierung und dem dazu passenden Soundtrack Kino im besten Sinne erschafft.

Anders als für den Rest der Bevölkerung scheint die Erkenntnis, dass die Welt ein merkwürdiger Ort ist, für Filmschaffende keine sonderlich neue Beobachtung. Miranda July allerdings liegt in dieser Hinsicht mindestens eine Nasenlänge weit vorn.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Kajillionaire Bewertung
Bewertung des Films
810
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