
Silent Hill 2 (PC, PS)
Auch wenn Silent Hill sich schon auf der ersten Playstation einen Namen machte, was viele mit der Reihe verbinden und welche Elemente später in die Popkultur eingingen, ist vor allem auf ein Spiel der Reihe zurückzuführen, welches 2001 das Licht der Welt auf der PS2 erblickte. Das Gegenstück zu Resident Evil überzeugte nicht nur mit seiner eigenen Survival Horror-Mechanik, sondern verband diese auch noch mit einer psychologischen und vielschichtigen Story. Ein Meisterwerk war geboren, an dessen Qualität kein weiterer Teil der Reihe mehr anknüpfen konnte. Da muss dann schon ein Remake her, was nach über 20 Jahren nun endlich erscheint.
Die Jungs & Mädels von Bloober Team haben hierzu den Auftrag von Konami erhalten und nachdem sie bereits Erfahrungen mit Layers of Fear und The Medium sammeln konnten, überzeugt das Studio mit seiner Neuinterpretation fast auf der ganzen Linie. Im Kern ist das Remake von Silent Hill 2 noch das gleiche Spiel. Wieder schlüpfen wir in die Rolle von James, der einen Brief von seiner verstorbenen Frau erhält und den es daraufhin in den Ort Silent Hill verschlägt, wo er Maria begegnet, die erschreckend große Ähnlichkeit zu seiner Frau aufweist. Was darauf folgt ist ein psychologischer Horror, bei dem am Ende viele Dinge anders erscheinen, als es sie zu Beginn taten.
Das Silent Hill 2-Remake versucht, ähnlich dem Resident Evil 4-Remake, der Vorlage möglichst treu zu sein, ohne aber die veränderten Spielgewohnheiten zu vernachlässigen oder krampfhaft an alten Systemen festzuhalten. Die Story ist weitgehend gleich, die Orte sind identisch und doch fühlt sich dieses neue Silent Hill 2 anders an. So wurde das Kampfsystem überarbeitet und verbessert, statt statischer Kamera blickt ihr nun mehr über James Schulter und erlebt das Grauen aus einer immersiveren Perspektive, die Handlung wurde an einigen Stellen ausgebaut und ihr könnt nun viel mehr Orte und Häuser in Silent Hill tatsächlich besuchen und sie sind nicht nur einfach Kulisse. Diese Modernisierungen wirken dabei nie aufdringlich oder verändern den Kern des Spiels auf solch eine Weise, dass das Originalspiel damit nicht mehr erkennbar ist. Vielmehr fühlt es sich an, als würde man wirklich das Spiel von 2001 in die Gegenwart holen.
Technisch leistet sich das Spiel fast auch keine Fehler, auch wenn die Perfomance am PC noch etwas Optimierung vertragen könnte und uns die Nebeleffekte nicht so richtig gefallen, dies war im Original deutlich beklemmender gewesen. Etwas schade ist auch die Veröffentlichungspolitik von Silent Hill 2, so kommen erst einmal nur PC-Spieler und PS5-Spieler in den Genuss der Neuauflage. Xbox-Spieler müssen sich noch wenigstens ein Jahr gedulden, dann läuft die Konsolenexklusivität aus. Wer aber die Möglichkeit hat jetzt schon zuzuschlagen, sollte dies unbedingt tun. Die Qualität der Remakes von Resident Evil 4 oder Dead Space erreicht Silent Hill 2 zwar nicht, aber man ist dicht dran und diesen Ausflug wird man so schnell auch nicht vergessen.
Vessel of Hatred (PC, Xbox, PS)
Über ein Jahr liegt nun der Release von Diablo IV hinter uns und nach einigen enttäuschenden Seasons und ein paar Anpassungen erwartet uns mit Vessel of Hatred nun die erste größere Erweiterung und auch größere Umbau des Spiels. Als Einstiegspreis von 40 Euro erhaltet ihr mit der Erweiterung eine neue Region und eine neue spielbare Klasse. Wer mag, kann aber auch 60 oder gar 90 Euro investieren und erhält in der Deluxe oder Ultimate-Ausgabe noch ein paar kostmetische Items, Reittiere und allerlei Schnickschnack. Spielerisch sind hingegen alle Fassungen identisch. Doch was bieten diese genau?
Natürlich erst einmal eine Erweiterung der Handlung, denn Vessel of Hatred setzt dort an, wo das Hauptspiel aufgehört hat. Nachdem Neyrelle ihren eigenen Weg gewählt hat, macht ihr euch auf die Suche nach ihr und dabei verschlägt es euch tief in den Dschungel von Kurast, wo ihr Mephistos diabolischen Plan aufhalten müsst. Die Gegend dürfte dabei Kennern von Diablo II vertraut vorkommen. Die neue Region entspricht dabei in etwa von der Größe den bereits aus dem Hauptspiel bekannten Regionen, was dann auch den Umfang der Erweiterung schon greifbar macht. Obwohl Vessel of Hatred fast so teuer wie das Hauptspiel ist, wird nur ein Bruchteil des Contents geboten.
Ähnlich verhält es sich mit der neuen Klasse, dem Geistgeborenen. Dieser ist thematisch an die neue Region angepasst und wird auch als neue Klasse angepriesen, weist aber im Kern sehr viele Ähnlichkeiten zum bereits bekannten Mönch aus Diablo III auf. Überhaupt ist der Vorgänger ein gutes Stichwort, denn die Überbarbeitungen vieler Mechaniken, die losgelöst von Vessel of Hatred in Diablo IV Einzug halten, lenken das Spiel nun deutlich in die Richtung des dritten Teils. Dafür sorgen die neuen Schwierigkeitsgrade, die Grube und natürlich auch die Paragonstufen, die euch endloses leveln ermöglichen, wodurch ihr Paragonpunkte für kleinere Verbesserungen erwerben könnt. Die ganzen Mechaniken wirken alle nicht neu, machen aber aus Diablo IV eine deutlich rundere Erfahrung, die vor allem dann im Multiplayer zum Tragen kommt. Denn während die Storykampagne hübsch inszeniert ist, liegt der Langzeitspaß in den Seasons und im Multiplayer. Den perfekten Build hinzubekommen, ist auch in Diablo IV die große Spielspaßtriebfeder und daran scheiterte es im Hauptspiel dann doch recht schnell bisher.
Auch wenn Vessel of Hatred einen sehr guten Umfang hat und mit einem neuen Areal und einer neuen Klasse auch Gründe liefert, das Spiel noch einmal von vorn zu beginnen, so hätten wir uns bei einem 40 Euro DLC, der fast so teuer wie das Originalspiel ist und bei dem die einzelnen Fassungen bis 80 Euro kosten, doch noch etwas mehr gewünscht. Vor allem deswegen, da Vessel of Hatred nichts an den anderen Einnahmequellen ändert, die Blizzard letztes Jahr in sein Spiel integriert hat. So ist der Ingame-Store weiterhin von der Preisgestaltung absolut überzogen und zu prominent platziert, was immer wieder die Immersion zerstört.
Dennoch macht Vessel of Hatred sehr vieles richtig und lenkt auch Diablo IV in eine Richtung, die mehr Wiederbespielbarkeit verspricht. Wir sind gespannt, wie die Eindrücke in den kommenden Wochen sein werden, aber wir sind optimistisch, dass die anfängliche Euphorie nicht so schnell verfliegt, wie es letztes Jahr der Fall war, denn die Mechaniken greifen nun viel besser ineinander.
