
Kurz vor Jahresende ist mit Brigitte Bardot eine streitbare europäische Persönlichkeit im Alter von 91 Jahren von uns gegangen. Eine Woche nach ihrem Tod möchten wir einen Blick zurück auf das filmische Schaffen dieser faszinierenden Frau werfen, die auch nach ihrer aktiven Karriere die Massen bewegte.
Brigitte Bardot wurde 1934 in Paris geboren und begann ihre Karriere zunächst als Model und Balletttänzerin, bevor sie in den 1950er-Jahren zum Film kam. Doch die Anfänge waren schwierig. So spielte sie etwa in Die schöne Helena mit, einer sehr freien Interpretation der Ilias, in der sich Paris in die schöne Helena verliebt und der Trojanische Krieg ausbricht. Eine Rolle wie gemalt für die Französin möchte man meinen. Aber Bardot spielte nicht diese schöne Helena, sondern hatte nur eine kleine Nebenrolle als deren Dienerin.
Ihren internationalen Durchbruch hatte Brigitte Bardot dennoch im selben Jahr. In Und immer lockt das Weib übernahm sie die Hauptrolle der Juliette und verdrehte in einer kleinen französischen Ortschaft mehreren Männern den Kopf. Der Film gipfelte in einem Tanzexzess, der damals in den Medien für viel Diskussion sorgte.
Damit war die in Frankreich bereits beliebte junge Frau mit Anfang 20 auch international bekannt und gefragt. Es folgten weitere Filmrollen, in denen sie überwiegend die schöne, naive Frau spielte, die mit einer gewissen Leichtigkeit durchs Leben stolperte und von der die Männer nicht lassen konnten. Etwa in Babette zieht in den Krieg, in dem Bardots Figur in den Zweiten Weltkrieg gerät, sich den Alliierten anschließt und die Wehrmacht um den Finger wickelt.
Anfang der 1960er-Jahre löste sich die Französin jedoch von diesem Rollenbild. So spielte sie in Die Wahrheit von Henri-Georges Clouzot die Angeklagte Dominique, die ihren Freund umgebracht haben soll und nun vor Gericht steht. Dargestellt werden die Gerichtsverhandlung und immer wieder Rückblenden, die das Zusammenleben von Dominique und ihren Freund zeigen. Der Film erhielt den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film und Brigitte Bardot wurde mit dem David di Donatello, einem angesehenen italienischen Filmpreis, als beste ausländische Schauspielerin ausgezeichnet.
Nur drei Jahre später folgte mit Die Verachtung ein ähnlicher Erfolg. Diesmal stand Bardot für Jean-Luc Godard vor der Kamera. In diesem Drama ist der Drehbuchautor Paul bei den Dreharbeiten zu einem Film anwesend, während seine Frau ihn bei diesem Projekt begleitet. Schnell wird deutlich, dass die beiden sich in ihrer Ehe bereits entfremdet haben und diese Distanz zunehmend spürbar wird. Bardot spielte dabei unter anderem mit Fritz Lang (Metropolis) und Michel Piccoli. Lang spielt interessanterweise sich selbst und ist im Film der Regisseur am Set von Die Odyssee – aus heutiger Sicht eine nette Randnotiz.
Weitere zwei Jahre später erschien mit Viva Maria! eine französisch-italienische Western-Komödie, die Bardot ebenfalls viel Anerkennung bescherte. So wurde sie für Louis Malles Werk als beste ausländische Schauspielerin für den BAFTA Award nominiert.
Später war Brigitte Bardot in weiteren Western zu sehen, etwa in Man nennt mich Shalako an der Seite von Sean Connery, der zu diesem Zeitpunkt zeitweise mit 007 abgeschlossen hatte. Zudem spielte sie in Petroleum-Miezen gemeinsam mit ihrem italienischen Pendant Claudia Cardinale, die ebenfalls im Jahr 2025 gestorben ist.
Ihre letzte Filmrolle hatte Brigitte Bardot Anfang der 1970er-Jahre in Don Juan ’73, einer Neuinterpretation der bekannten Geschichte. Als Frau, die selbstsichere Männer verführt, nur um sie anschließend zu brechen, spiegelt die Figur auf subtile Weise Bardots eigenes Verhältnis zur Öffentlichkeit wider: Wie ihre Rolle spielt auch sie mit den Erwartungen und Projektionen anderer und zeigt, dass das Bild, das man von ihr hat, nicht immer der Realität entspricht.
Anschließend beendete Bardot im Alter von 39 Jahren ihre Karriere als Schauspielerin und zog sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück.
Später engagierte sie sich verstärkt für den Tierschutz und sorgte zudem mit sehr kontroversen Aussagen im politischen und gesellschaftlichen Bereich für Aufsehen.
Ähnlich wie Marilyn Monroe stand Bardot in den frühen Jahren für das Sexsymbol ihrer Zeit. Mit einigen späteren starken Werken konnte sie sich von diesem Image lösen und sich auch schauspielerisch Akzente setzen. Wobei hier insbesondere Die Wahrheit, Die Verachtung und Viva Maria! zu nennen sind.
Mit einem bewegten Leben und einer interessanten Filmografie in ihrer knapp 20-jährigen Filmkarriere blieb Brigitte Bardot eine anerkannte, aber auch streitbare Frau, an die man sich noch lange zurückerinnern wird.
Brigitte Bardot Dies: 1960s Sex Symbol Turned Animal Activist Was 91 https://t.co/8EeYj8TYAF
— Deadline (@DEADLINE) December 28, 2025
