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Die spinnen, die Chinesen!

Projekt Chaos in China vereitelt: Der Kultfilm "Fight Club" hat ein neues Ende

Projekt Chaos in China vereitelt: Der Kultfilm "Fight Club" hat ein neues Ende
19 Kommentare - Mi, 26.01.2022 von A. Seifferth
David Finchers "Fight Club", einer der Kultfilme schlechthin, erhält eine unrühmliche Auswertung auf dem chinesischen Streaming-Dienst Tencent Video. Wir beziehen Stellung zur Zensurmaßnahme!
Achtung, diese Meldung enthält Spoiler!

Eine finale Hymne auf Übermut, Chaos und Seife

Bitte einmal alle tief für die folgende Schilderung zur kongenialen Verfilmung von Chuck Palahniuks Anarcho-Novelle durchatmen! Wir brechen tatsächlich die ersten zwei Regeln des Fight Club und schreiben aus gegebenem Anlass über David Finchers 1999 erschienenen Kultfilm mit Edward Norton und Brad Pitt in den Hauptrollen. Wir tun das allerdings nicht, damit wir Tyler Durdens diabolischen Plan eines wahrhaftigen Nullpunkts verhindern. Ganz im Gegenteil:

Wir wollen, dass die gesamte Welt dieses glorreiche Crescendo einstürzender Wolkenkratzer vernehmen kann, die am Ende des Films präsentiert werden! Warum wir darüber schreiben? In der Volksrepublik China ist man darüber offensichtlich anderer Meinung...

Doch beginnen wir von vorn, oder besser gesagt beim Ende (wie eben im Film auch): Stellt euch für einen kurzen Moment einfach mal vor, dass Tyler Durdens anarchistische Fantasie einstürzender Gebäude zu den explosiven Klängen von "Where is my Mind" der Pixies nicht das glorreiche Finale von Fight Club definieren würde. Wir sähen also leider nicht, wie Edward Nortons namenloser Erzähler sich in Anbetracht der verheerenden Szenerie an die Hand der von ihm gleichfalls geliebten wie verhassten Marla Singer (Helena Bonham Carter) klammert, nachdem er sich seines Alter Egos auf die wohl denkbar radikalste Art und Weise entledigt hat. Kein Herzflimmern, kein von Norton dahingesagtes „Du hast mich in einer seltsamen Phase meines Lebens getroffen...“.

Wir wären niemals Zeuge dieser schauderhaft verqueren Adam und Eva-Analogie, die das Absterben des Kapitals in seiner reinsten Form am Ende zum Ausdruck bringt. Keine explosive Hyperventilation unserer elektrisierten Hirnnerven mehr, die im Schulterschluss mit dem hämmernden Filmintro Fight Clubs gesehen werden kann. Und natürlich wäre da am Ende kein achtsam ins Filmmaterial hineingeschnittener Pracht-Phallus mehr zu bewundern, der uns an Tylers kruden Humor erinnert und verdeutlicht, dass dieser Film einem vor Selbstreferenzialität strotzenden Fiebertraum gleichkommt...

Das soeben vorgetragene Szenario klingt auch für euch furchtbar? Leider ist jenes geniale Ende bei der Freigabe von Fight Club für Chinas Streaming-Dienst Tencent Video nun tatsächlich gestrichen worden! Stattdessen erfahren wir nach dem symbolischen Absterben der anarchischen Stimme des Erzählers, dass die Polizei den Plan des Projekt Chaos erfolgreich verhindern konnte, weil sich "Tyler" (in Wahrheit der Protagonist, Anm. des Schreibers) kooperativ zeigte und den teuflischen Plan aufdeckte.

Zum Dank wurde unser Lieblings-Narkoleptiker in eine Irrenanstalt eingewiesen und konnte - geht man vom Erscheinungsdatum von Fight Club aus - nach weniger als 13 Jahren erfolgreich resozialisiert werden. So viel Zeit gesteht man dem Helfer der Polizei immerhin zu, sich von seinem aberwitzigen, mentalen Schockerlebnis zu erholen. All das präsentiert man natürlich nicht in neuen, spannungsreichen Bildern, sondern über eine behelfsmäßige Textbox:

"Durch den Hinweis von Tyler fand die Polizei schnell den ganzen Plan heraus, verhaftete alle Verbrecher und konnte erfolgreich die Explosion der Bombe verhindern. Nach dem Prozess wurde Tyler in eine Irrenanstalt eingewiesen, wo er psychologisch behandelt wurde. Im Jahr 2012 wurde er aus der Klinik entlassen."

Dabei hätten sich die Verantwortlichen doch wenigstens die Mühe machen können, Tylers bravouröse Schnitttechnik zu adaptieren, um wenigstens den losen Anschein von Authentizität für das frei interpretierte Ende zu wahren. Es entbehrt dabei im Übrigen nicht einer gewissen Komik, dass man in China damit sogar die Arbeitsweise der US-amerikanischen Einsatzkräfte aufwertet und so ein indirektes Lob an den Klassenfeind erstellt hat. Bevor ihr euch aber das Trauerspiel nun selbst zu Gemüte führt, vorher noch eine kleine Bitte: Kaut vorher eifrig an eurer Baldrianwurzel, um euch in Anbetracht des verschlimmbesserten Finales von Fight Club zu beruhigen!

Quelle: Collider
Erfahre mehr: #Thriller, #Debatte, #Adaption
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19 Kommentare
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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
09.03.2022 21:28 Uhr | Editiert am 09.03.2022 - 21:30 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.228 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@MobyDick

Die Maus-Problematik ist millerweile bekannter geworden, ist dir womöglich auch schon selbst aufgefallen, ich stoße jedenfalls oft auf Artikel darüber. Ich habe sogar ein Exemplar des Buchs neben mir auf dem Tisch liegen, weil mein Vater für sich, meinen Bruder und mich welche gekauft hat. Mein Cousin, großer Comic-Liebhaber, hat ebenfalls ein Exemplar im Regal stehen.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
09.02.2022 19:33 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.228 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@MJ-AndreSeifferth

Treffende Beispiele hast du da noch genannt, ja, die Liste ist wohl lang. Beim "Scarface"-Image muss ich auch an Videospiele wie GTA denken. Und mir fiel jetzt auch noch "The Matrix" ein, der sehr anfällig für eine verschwörungstheoretische Auslegung ist.

Gerade auf Jugendliche in einer Sturm-und-Drang- oder Rebellenphase wird "Fight Club" eine solche aufputschende Wirkung haben, wie von dir beschrieben, da wirst du bei weitem nicht der einzige sein. Ging mir ähnlich, wenn auch nicht so enorm. Aus einem anderen Forum kenne ich ansonsten noch einen, der den Film als Jugendlicher abgöttisch liebte, mittlerweile aber komplett ablehnt, weil er ihn als rechtspopulistisch betrachtet. Schon interessant diese Entwicklung.

Amüsanterweise habe ich "Fight Club" vor zehn Jahren oder so meinen beiden besten Freunden gezeigt, die fanden ihn aber furchtbar langweilig und sperrig, konnten damit gar nichts anfangen. Also es geht auch andersherum im Jugendalter^^

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MJ-AndreSeifferth : : Moviejones-Fan
03.02.2022 02:57 Uhr | Editiert am 03.02.2022 - 02:57 Uhr
0
Dabei seit: 05.01.22 | Posts: 60 | Reviews: 0 | Hüte: 5

@Luhp92

Memento ist auch einfach ein grandioser Film! smile Für mich der stärkste Beitrag von Nolan. Wohl auch deshalb, weil er sich da noch deutlich in seinen finanziellen Mitteln beschnitten sah und dieser Film eine unglaubliche Doppelbödigkeit und Tiefe besitzt, wie sie nur selten im Medium auf diese selbstreflexive Weise erreicht wird.

Da hatte mich neulich die Memento-Kritik von eli4s ganz kalt erwischt, weil sie so unglaublich liebevoll gestaltet ist und den Film perfekt beschreibt! Außerdem bin ich vor kurzem auf diesen wunderbaren Beitrag von Collider gestoßen, der noch einmal die tieferen Schichten des Films hervorkehrt. Interessant fand ich da, wie die Konstruktion der Identität von Leonard Shelby beschrieben wird.

"Nur wird diese Interpretationsmöglichkeit allzu oft von fragwürdigen politischen Gruppierungen aufgegriffen, seien es nun die Altrights und MAGA oder verquere Linke. Ich bin ja selbst der Ansicht, dass das zum Großteil nicht die Intention des Films ist, was allerdings nichts daran ändert, dass "Fight Club" von diesen Gruppierungen gerne herangezogen wird."

Ich glaube, dass das eher ein Zeichen unserer Zeit ist und nicht unbedingt etwas, das explizit der Film stark macht.

Ich erinnere da etwa an Fight Clubs geistigen Vater: Kubricks A Clockwork Orange, dessen Protagonist Alex den Ultras im Fußball als eine Art Symbolbild dient. Falscher kann man das Geschehen des Films zwar nicht interpretieren, aber das tut wenig für die popkulturelle Einprägsamkeit zur Sache.

Rapstars werben hingegen mit dem skrupellosen und gierigen Image von Scarface. Zumindest war das um die 2000er so: Da gab es kein Prolo-Zimmer ohne ein solches Poster von Tony Montana. Gleiches Spiel gilt für zahlreiche Merchandice-Artikel zu Breaking Bad ("I´m the one who knocks!"), das sich sogar in einer Schlüsselszene auf jene Medienwirkung von Scarface als Hybris bezieht... Die Leute ziehen aus Medienprodukten oftmals merkwürdige Schlüsse.

Um bei deinem Alt-Right-Beispiel zu bleiben und nicht der Gefahr von Äpfel- mit Birnen-Vergleichen ausgesetzt zu sein: Selbst das Postermaterial zum Videospiel Bioshock Infinite wurde von einer rückwärtsgewandten Tea Party-Fraktion in den USA missbraucht. Dabei steht das Spiel symbolisch für die Abkehr von den Werten des Krieges und der Versklavung. Es ist manchmal zum Haareraufen! shock

Trotzdem finde ich es ebenfalls wichtig, dass man Fight Club bei derartigen Anleihen ernst nimmt und es auf seine gewollte Provokation hin untersucht und sich darüber austauscht. Ich bin da ganz ehrlich: Als damals 18-jähriger hatte das schon eine extrem aufputschende Wirkung, die durchaus diskutiert werden kann.

"Das hat mich ebenfalls sehr fasziniert. Auch wie sich der Film mit Medieneinfluss und Konsum beschäftigt. Mir hat sich da zum Beispiel die Szene eingebrannt, in der Tyler Durden über sexuell und ästhetisch idealisierte Werbefiguren doziert."

Da fehlt noch etwas: "... und im selben Moment ebenfalls wie ein gottgleicher Adonis daherkommt, der selbst in den abgefucktesten Klamotten noch anziehend wirkt."

Diese diabolische Doppelzüngigkeit erinnert mich in der Tat an die Werbebotschaften, die stets ausdrücken wollen, dass man es ja ebenfalls wolle und es nicht mehr um Verführung zu etwas ginge, sondern um eine persönliche Einsicht. Das ist echt ein total interessanter Aspekt des Films. Natürlich war sich Pitt dieser Wirkung bewusst. Anders kann (will) ich mir dieses Spiel mit Identität und propagiertem Grenzgängertum nicht erklären.

Das gilt aber nicht nur für die männliche Seite: Helena Bonham Carters Marla Singer könnte beispielsweise exakt so über manchen Laufsteg stolzieren und die Modewelt würde sie lieben.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
02.02.2022 19:23 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.228 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@MobyDick
Danke für den Hinweis, davon hatte ich gar nichts mitbekommen. Der Umstand ist natürlich traurig genug, nur geht es hier eben nicht um Bücher in den USA sondern um Filme in China. Das eine ist das eine und das andere ist das andere und nur weil das eine das größere Übel ist, heißt dies ja nicht, dass man über das andere, kleinere Übel nicht berichten sollte. Zumal wir uns hier immer noch auf einer Filmseite befinden.

@MJ-AndreSeifferth
Ui, ein spannender Erläuterungstext. Meine Initialzündung in dieser Hinsicht war "Memento", den ich mir im Jahr 2011 zum ersten Mal angesehen habe.

"Insofern ist das angesprochene "Absterben des Kapitals" eher als eine vom Film nahegelegte Interpretationsmöglichkeit zu sehen"

Ja. Nur wird diese Interpretationsmöglichkeit allzu oft von fragwürdigen politischen Gruppierungen aufgegriffen, seien es nun die Altrights und MAGA oder verquere Linke. Ich bin ja selbst der Ansicht, dass das zum Großteil nicht die Intention des Films ist, was allerdings nichts daran ändert, dass "Fight Club" von diesen Gruppierungen gerne herangezogen wird.

"Hier zählt eher das durch den Film provozierte Gedankengebäude eines anarchistischen bzw. proto-faschistischen Lifestyles."

Das hat mich ebenfalls sehr fasziniert. Auch wie sich der Film mit Medieneinfluss und Konsum beschäftigt. Mir hat sich da zum Beispiel die Szene eingebrannt, in der Tyler Durden über sexuell und ästhetisch idealisierte Werbefiguren doziert.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MJ-AndreSeifferth : : Moviejones-Fan
29.01.2022 14:12 Uhr | Editiert am 29.01.2022 - 14:15 Uhr
0
Dabei seit: 05.01.22 | Posts: 60 | Reviews: 0 | Hüte: 5

@PaulLeger

Dein filmisches Erwachen ist auch nicht von schlechten Eltern! smile

Ich muss zugeben, dass ich den damals in einem recht gefestigten Stadium gesehen habe und beim Schauen schnell verstand, was der Stoff ausdrücken möchte. Das ändert aber für die Faszination nicht das Geringste. Der Film ist ein Kunstgriff!

Dann dürfte für dich die aktuelle Wiederaufführung von Mulholland Drive im Kino doch eine Art Pflichtveranstaltung sein, oder? Irgendwie reizt mich das jedenfalls. Der Film ist ein einziges filmisches Rätsel. Das Wort "Fiebertraum" passt bei Lynchs Film noch deutlich besser. surprised

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
29.01.2022 13:53 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 1.396 | Reviews: 10 | Hüte: 164

@ MJ-AndreSeifferth

Wenn vielleicht nicht exakt durch Fight Club initiiert, denke ich, dass dieser Blickwinkel manchen Menschen vertraut vorkommt:

Für mich war die allererste Sichtung von Fight Club wie Batteriesäure für meine Hirnwindungen! Ich war von der Inszenierungsweise völlig gebannt und seitdem wollte ich noch viel tiefer in die Wirkmacht von Filmen eintauchen. Das war ein für mich prägender Moment für meine Auseinandersetzung mit Medien und künstlerischen Erzeugnissen im Allgemeinen.

Kann ich nachvollziehen, bei mir war es Mulholland Drive, der diese Wirkung hatte.

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MJ-AndreSeifferth : : Moviejones-Fan
29.01.2022 02:06 Uhr | Editiert am 29.01.2022 - 09:18 Uhr
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Dabei seit: 05.01.22 | Posts: 60 | Reviews: 0 | Hüte: 5

Hallo liebe MJ-User,

nach den regen Kommentaren hier möchte ich mich natürlich einmal zu den Gründen dieses Artikels äußern:

Einerseits ging es natürlich um die Information und Sensibilisierung für derartig einschneidende Maßnahmen in China. Selbstverständlich stellt das skizzierte Vorgehen keinesfalls einen Einzelfall dar und bei MJ sind wir uns darüber bewusst, dass zahlreiche User in dieser Hinsicht bereits eine unglaubliche Einsicht in derartig problematische Themengebiete besitzen. Allerdings bietet der vorliegende Zugang die Möglichkeit, sich einmal exemplarisch die mannigfaltigen Schieflagen solcher Zensurverfahren vor Augen zu führen und einen größeren Interessenkreis zu erreichen. Auf diese Weise kann man eventuell im breiteren Maße ein Bewusstsein für entsprechende Standpunkte, Diskussionen und Ideen generieren.

Ein weiterer Grund für die Aufbereitung des Endes von Fight Club ist durchaus sentimentaler Natur: Nach dem kürzlichen Tod von Meat Loaf habe ich noch einmal über meinen persönlichen Werdegang nachgedacht. Wenn vielleicht nicht exakt durch Fight Club initiiert, denke ich, dass dieser Blickwinkel manchen Menschen vertraut vorkommt:

Für mich war die allererste Sichtung von Fight Club wie Batteriesäure für meine Hirnwindungen! Ich war von der Inszenierungsweise völlig gebannt und seitdem wollte ich noch viel tiefer in die Wirkmacht von Filmen eintauchen. Das war ein für mich prägender Moment für meine Auseinandersetzung mit Medien und künstlerischen Erzeugnissen im Allgemeinen.

Es gab eine Zeit, da habe ich diesen Film wirklich oft gesehen, weil er so viele interessante Ideen und Fragen in den Ring warf, die mich faszinierten. Natürlich ist Finchers Opus Magnum an vielen Stellen unglaublich roh und gelangt mit seinen durch Tyler zum Ausdruck gebrachten Aphorismen (Nietzsche lässt grüßen) an zahlreiche gedankliche und ideologische Grenzen. Doch jedes Mal bin ich beim Schauen von dieser Spiel- und Inszenierungsfreude so gebannt, dass ich mir wieder wie beim ersten Schauen vorkomme. Fight Club hat für mich etwas Aufwühlendes und besitzt gleichzeitig eine fast schon meditative Wirkung.

Spätestens mit diesem initialen Moment wollte ich mehr von solchen Stoffen. Von da an wollte ich wissen, wie ich möglichst effizient an denkwürdige und interessante Filme herankomme und die Spreu vom Weizen bereits im Vorfeld einigermaßen trennen kann. Manchmal tut es eben gut, wenn man solche Dinge einfach mal Revue passieren lassen kann, indem man sie ordnet und sich vor den großen Klassikern verneigt. Eine Gesamtbesprechung des Films gestaltet sich für mich persönlich aus vielerlei Gründen problematisch. Da schwirren mir in der Tat bis heute zu viele Gedanken und potenzielle Abzweigungen im Kopf herum.

Das veränderte Ende dieses popkulturellen Ereignisses im chinesischen Raum bot insofern ein passendes Ventil, um sich zumindest diesem konkreten Aspekt von Fight Club zu widmen und den Film anhand des finalen Hergangs aufzurollen. Hierbei bin ich mir natürlich im Klaren darüber, dass die vorgebrachte Interpretation genau das bleibt: Ein möglicher Zugang von vielen! Die Betrachtung erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit und soll eher als Anlass dienen, über das Finale von Fight Club, denkwürdige Filmenden im Allgemeinen und natürlich entsprechende Zensurmaßnahmen nachzudenken.***

Die Motivation für den Kommentar bestand auch darin, ein wenig mit den Möglichkeiten der News-Sektion zu spielen und einen Blick über den alltäglichen Tellerrand zu bieten. Und mal Hands auf´s Herz: Welcher Film eignet sich für eine solche Herangehensweise besser als Fight Club?

Natürlich gibt es aus soziokultureller und politischer Sicht deutlich problematischere Zensurmaßnahmen in der chinesischen Kultur- und Medienlandschaft. In dieser Hinsicht darf der Artikel in seiner Relevanz natürlich keinesfalls überstrapaziert werden. Denn es ist richtig: Es gibt deutlich grausamere und herbere Einschnitte, die für zahlreiche Menschen der Nation kaum zu verkraften sein dürften. Dennoch fängt Zensur auch mit dem Tod unschuldiger Unterhaltungsprodukte an. Gewissermaßen zeigt sich da schließlich, wie weit die ideologischen Maßnahmen bereits in der Bevölkerung gediegen sind und die Indoktrination ihre Wirkung zeigt. Plötzlich sieht man überall Feindbilder, die es zum Volkswohl zu tilgen gilt. Frei nach Arrival: Wenn man einen Hammer hat, ist die ganze Welt ein Nagel.

Solche Themen sind natürlich schwere Kost und es wäre eine überaus anspruchsvolle Aufgabe, für diese Tendenzen und Beispiele eine angemessene Betrachtung in unserem Alltagsgeschäft zu liefern. In diesem Fall sollte es um einen etwas leichteren Zugang gehen, der sich mit den individuellen Problemen auseinandersetzt.

***@Luhp92: Insofern ist das angesprochene "Absterben des Kapitals" eher als eine vom Film nahegelegte Interpretationsmöglichkeit zu sehen: Einstürzende Wolkenkratzer des Finanzsystems sind natürlich eine unglaublich starke Metapher für die Probleme der modernen Welt. insofern deutet der Film einen aberwitzigen Ausweg an, der natürlich mitnichten zu realisieren wäre bzw. irgendetwas zu ändern imstande wäre. Hier zählt eher das durch den Film provozierte Gedankengebäude eines anarchistischen bzw. proto-faschistischen Lifestyles.

Fight Club hat freilich keine Lösung für das Danach parat, weil es sich zu sehr auf das Feindbild des Konsums in der Moderne stürzt. Tyler spricht im Buch doch in einer Strandszene selbst davon, wenn er sich ein schattiges Plätzchen in der prallen Sonne herzurichten versucht: 5 Minuten Perfektion seien alles, was man sich im Leben wünschen könne. Danach würde alles wieder weitergehen und man wäre erneut darauf geworfen, auf die Veränderungen der Umwelt reagieren zu müssen. Insofern spricht er wunderbar die menschliche Natur des nimmer-fertigen Sisyphus oder des griechischen Titanen Atlas an, der die Welt stetig zu schultern hat.

Im Übrigen finde ich, dass das vom Film abweichende Buchende in dieser Hinsicht äußerst perfide ist: Es geht ja um die Einebnung des Individuums in eine vermeintliche Schutzzone, die sich wiederum als Hort der Reformierung des Verschwörungsprojekts äußert. In diesem Zusammenhang finde ich auch den Begriff des Weltraumaffen äußerst interessant: Wir alle drücken irgendwo Knöpfchen und wissen nicht genau, was uns damit blüht. Jeder Mensch versucht ja irgendwo Kapital und Prestige aus seinen Handlungsoptionen zu schlagen. Allerdings gibt es da immer Kräfte, die größer als man selbst sind.

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
27.01.2022 18:08 Uhr
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@luhp92

Ich habe ebenfalls bei einem großen Versandhändler geschaut. Gebraucht ist man zwar ab 10 bzw. 13 Euro dabei, aber neu sind das 30 bzw. 69 Euro. Zudem wird Episode 6 war nicht mehr gelistet (in der deutschen Fassung)

Wenn man dann noch weiß, was für eine Qualität diese DVDs haben, dann sind die Preise ein verbrechen. Diese Editionen zeigen, dass man an der Fassung kein großes Interesse hat.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
27.01.2022 17:40 Uhr
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Nur um das Thema China, Zensur usw. mal weiter zu fassen:

Gestern hat die Schulbehörde in Tennesse den Pulitzer Preisträger-Comic Maus, welches übrigens auch als eines der wichtigsten 100 literarischen Werke des 20. Jahrhunderts mit einem fadenscheinigen pseudoargument komplett aus dem Lehrprogramm genommen. Das ist nur ein weiteres Mosaik-Steinchen dessen, was in den letzten Jahren in der ach so freien westlichen Hemisphäre immer häufiger zur Regel wird, inklusive diverser öffentlicher Bücherverbrennungen.

Ehrlich gesagt finde ich das deutlich skandalöser als diese Fight Club Chose hier, da hier wirklich systematisch auch Geschichtsverfälschung und Revisionismus unter dem fadenscheinigen Deckmantel des Schutzes der Kinder betrieben wird. Wer sich für dieses Thema interessiert sollte das einfach mal googeln, ist ganz interessant und traurig...

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
27.01.2022 17:40 Uhr
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@MobyDick und TiiN

Wenn ich beim größten Versandhändler suche, finde ich sofort Treffer für annehmbare Preise zwischen 14 und 30 Euro. Natürlich teurer als normale DVDs, aber es sind schließlich auch Special Editions.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
27.01.2022 17:15 Uhr
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@MobyDick & luhp92

Steven Spielberg hat E.T. zwar dahingehend persönlich geändert, aber er hat diese Handlung ein paar Jahre später bedauert und als großen Fehler eingestuft. Zudem ist die Originalfassung seit langer Zeit auch auf Bluray zu bekommen und die Walkie-Talkie-Edition ist kaum noch verbreitet.

Aber die Original-Versionen der OT sind ja weiterhin frei auf dem Markt verfügbar, da kann also jeder die Versionen schauen, die er für die bessere hält.

Die Originalversion auf DVD, welche 2006 erschienen ist, wird kaum noch vertrieben. Da muss man eher hohe Preise für zahlen. Zudem ist diese Version nur eine Kopie der damaligen Laserdisk-Fassung. Also "weiterhin frei auf dem Markt verfügbar" würde ich hier mit vorsicht genießen.

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DrGonzo : : Zauberer
27.01.2022 08:39 Uhr
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Dabei seit: 02.12.10 | Posts: 2.188 | Reviews: 0 | Hüte: 89

Chinesen machen sich die Welt
Widdewidde wie sie Ihnen gefällt

Warum? Weil die Chinesen einen an der Klatsche haben.
Das is so dämlich und schlecht, ich brauch erstmal noch nen Kaffee.

"Fuck the kingsguard, fuck the city, fuck the king."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
26.01.2022 18:00 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.666 | Reviews: 193 | Hüte: 529

luhp92:

Ich sehe zwar woher du kommst und wohin du willst, auch hier ein jein, ich gaube es ist nicht so ohne Probleme möglich, die Star Wars Episode IV zu bekommen, in der Leia Luke auf die Lippen küsst wink

Aber wir schweifen ab :-p

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
26.01.2022 17:56 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.228 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@MobyDick

Das mit dem popkulturellen Allgemeingut stimmt natürlich. Aber die Original-Versionen der OT sind ja weiterhin frei auf dem Markt verfügbar, da kann also jeder die Versionen schauen, die er für die bessere hält.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
26.01.2022 16:38 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.666 | Reviews: 193 | Hüte: 529

luhp

Jein, irgendwann wird sowas zum popkulturellen Allgemeingut, man beachte nur solche Perlen wie "Han Shot First" oder the People vs George Lucas wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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