
Bewertung: 3.5 / 5
War Machine ist ein Film für Actionsfans, die sich einfach mal wieder daheim mit einer Tüte Popcorn eine gute Zeit machen wollen. Statt sich in überambitionierten Ideen zu verlieren, setzt der Film auf wuchtige Action, eine klare Prämisse und einen Hauptdarsteller, der physisch perfekt in diese Rolle passt. Für Fans kerniger Action ist das bereits die halbe Miete. Dazu gibt es einen Gegenspieler, der wohl nicht nur uns an Metal Gear erinnert und somit nicht nur den Nerd- sondern auch den Spaßfaktor noch einmal nach oben schraubt.
War Machine Kritik
Eines Tages ein Ranger zu werden und mit zu den besten Kampftruppen zu gehören, davon träumt so mancher Soldat. Doch dazu muss erst das Ranger Boot Camp durchlaufen werden und die Durchfallquote ist hoch. 81 (Alan Ritchson) ist einer von ihnen und will es sich und seinem verstorbenen Bruder beweisen, dass er das Zeug dazu hat. Doch bei der finalen Prüfung, bei der ein echter Einsatz simuliert werden soll, kommt es zu einem unvorhergesehenen Ereignis. Die bunt zusammengewürfelte Ranger-Truppe trifft im Zielgebiet auf ein seltsames Metallgebilde. Dieses stellt sich als zweibeiniger, gigantischer Mech heraus, dessen einziges Ziel es zu sein scheint, die Rangertruppe auszulöschen. 81 muss nicht nur versuchen seine Männer vor dem Metallungetüm zu beschützen, sondern dabei auch noch mit seinen eigenen Dämonen der Vergangenheit klarkommen.
Trailer zu War Machine
Action und SciFi ist eigentlich eine geniale Kombination. Doch nicht nur wir sind bei Streamingproduktionen inzwischen vorsichtig geworden. So manch coole Prämisse wurde in den letzten Jahren in den Sand gesetzt. Gerade Netflix ist nicht unbedingt dafür bekannt, hochwertige Blockbuster zu liefern. Häufig fließt viel Geld in Produktionen, die mit extremen Budgets umgesetzt werden, am Ende aber überraschend billig wirken, wenig Handlung bieten und weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Umso erfreulicher ist es, wenn ein Film diese Erwartungen unterläuft. War Machine will kein tiefgründiges Sci-Fi-Dram sein, sondern in erster Linie mit einer coolen Idee unterhalten - und genau das gelingt dem Film überraschend gut.
Gerade diese Ehrlichkeit macht War Machine zu einer positiven Überraschung. Hier wird gar nicht erst versucht eine hochkomplexe SciFi zu verkaufen, sondern Soldaten links, Kampfmaschine rechts - mal sehen wie das ausgeht. Tempo, klare Konflikte und ordentlich Action sind das Ziel. Viele Szenen besitzen eine spürbare Wucht, die Kämpfe wirken körperlich und man setzt eben nicht nur auf bunte Effekte, sondern inszeniert die Gefechte überdurchschnittlich saftig. Regisseur Patrick Hughes scheut sich keineswegs davor, mit der Kamera ordentlich draufzuhalten, wenn Blut spritzt und die Truppe dezimiert wird. Gerade der hohe Gewaltgrad gibt dem Film trotz seiner Geschichte einen gewissen Realismus und hebt ihn von den weichgespülten sonstigen Actionproduktionen wohltuend ab. Gleichzeitig bleibt die Inszenierung angenehm geradlinig. Der Film verliert nie aus den Augen, dass das Publikum vor allem unterhalten werden will.
Hier passt natürlich Alan Ritchson wunderbar ins Bild. Nachdem er mit Reacher drei Staffeln lang bewiesen hat, dass er genug Charisma hat, um eine Geschichte allein zu tragen, passt er hier als Soldat überzeugend hinein. Schauspielerische Meisterleistungen sollte man natürlich nicht erwarten, er bringt aber genug Präsenz für glaubhafte Actionszenen mit und schafft es seiner Figur genug Tiefe zu verleihen, die vor allem durch die Vorgeschichte mit seinem Bruder geerdet wird. Hier wurde überraschend für eine Minirolle auf Jai Courtney gesetzt, den wir ein wenig in aktuellen Actionfilmen vermissen.
Bei den Trickeffekten ergibt sich hingegen ein gemischtes Bild. Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall, dass nicht alle Szenen dem Computer entspringen. So scheint man durchaus immer wieder auf echte Militärtechnik gesetzt zu haben. An anderen Stellen wirken die gleichen Objekte in der Kamera aber wieder extrem künstlich. Ob dies durch die digitale Nachbearbeitung entstanden ist oder zu geringes Budget, ist schwer zu sagen. Aber es ist absolut unverständlich, warum nicht etwas mehr auf echte Explosionen und Technik gesetzt wird, am Set war sie auf jeden Fall vorhanden. Deutlich besser schneidet unser mechanisierter Antagonist ab. Der Kampfroboter, bei dem durchaus Anleihen an der Metal Gear Solid-Reihe genommen wurden, ist wuchtig inszeniert und sieht eigentlich in jeder Szene gut aus. Einziger Kritikpunkt, man hätte noch stärker ikonische Szenen integrieren können und mit der schieren Masse so eines Kampfroboters spielen können. Vor allem die Größenverhältnisse gehen zu oft unter, dennoch werden wir so dicht und so schnell keinem Metal Gear wieder kommen.
Neben der schwankenden Tricktechnik muss man ebenfalls akzeptieren, dass die Handlung zwar gradlinig ist, aber auch kaum Überraschungen bietet. Das meiste wird so inszeniert, dass man schon zu Beginn weiß, wo der große Showdown stattfindet und wie wohl die Handlung verlaufen wird. Die positiven Elemente kaschieren dies aber so gut, dass man in den 100 Minuten kaum Zeit hat darüber nachzudenken.
Am Ende ist War Machine genau das, was viele Actionfans sich von so einem Film wünschen: ein schnörkelloser, überraschend kurzweiliger Actionfilm. Er erfindet das Genre nicht neu, will es aber auch gar nicht. Hier soll ganz klar eine bestimmte Zielgruppe mit vertrauten Elementen bedient werden und das gelingt. Hier wird ein Konzept konsequent durchgezogen. War Machine liefert knackige Gefechte, einen passenden Hauptdarsteller und einige wirklich wuchtige Momente. Trotz vorhersehbarer Handlung und schwankender Effekte bleibt der Film über die Laufzeit hinweg immer unterhaltsam. Das Ende lässt zudem genug Spielraum für eine mögliche Fortsetzung – und wenn diese auf dem Niveau des ersten Films bleibt, hätten wir auf keinen Fall etwas einzuwenden.


