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Ein ganzes halbes Jahr

Prädikat: wertvoll

Ein ganzes halbes Jahr Kritik

0 Kommentar(e) - 18.06.2016 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Filmkritik

Ein ganzes halbes Jahr Bewertung: 3.5/5

Louisa Clark ist Mitte zwanzig und hat gerade ihren Job verloren. Wieder einmal. Irgendwie scheint die quirlig fröhliche und immer ein bisschen zu schräg gekleidete junge Frau kein Glück auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Doch Louisa, die bei ihren Eltern lebt und deren Unterhalt unterstützen möchte, ist offen für jedes Arbeitsangebot, und so sagt sie auch sofort zu, als sie davon erfährt, dass die reiche Familie Traynor eine Art persönliche Assistentin für ihren querschnittsgelähmten Sohn William sucht. Vor zwei Jahren war William noch ein lebenslustiger junger Mann, ein erfolgreicher Banker, ein guter Sportler. Doch seit drei Jahren sitzt er nur noch in seinem Stuhl, schaut ins Leere und hat mit dem Leben abgeschlossen. Als Louisa in das Haus der Treynors kommt, wird sie von Williams Härte immer wieder vor den Kopf gestoßen. Doch Louisa beschließt, sich nicht unterkriegen zu lassen. Und sie setzt sich ein Ziel: William soll sich der Welt wieder öffnen. Und das Leben wieder lieben lernen.

Mit "Ein ganzes halbes Jahr" feierte Jojo Moyes 2012 ihren Durchbruch als Schriftstellerin, 2013 erschien die deutsche Übersetzung des Bestsellers. Auf den ersten Blick könnte er auch die französische Komödie Ziemlich beste Freunde inspiriert haben. Doch der kam zeitgleich heraus, die wahre Begebenheit hinter diesem Welterfolg dürfte eher Stichwortgeberin für die Autorin gewesen sein. Sie weitet das Sujet des Lebens mit einer Behinderung zudem um das brisante Thema Sterbehilfe aus, dem sich Filmemacher europaweit in berührenden Geschichten wie Hin und weg sowie Und morgen Mittag bin ich tot oder den dänischen Filmen In deinen Armen und Silent Heart - Mein Leben gehört mir stellen.

Der britischen Regisseurin Thea Sharrock gelingt mit Ein ganzes halbes Jahr eine wunderschöne und werkgetreue Umsetzung der gleichnamigen Bestseller-Vorlage von Moyes, die auch das Drehbuch verfasst hat. Schon in der ersten Szene begegnet der Zuschauer der Hauptfigur Louisa, die von Emilia Clarke mit großem Charme und Liebreiz verkörpert wird. Ihre Augen scheinen permanent zu strahlen, das Gesicht verspricht Lebensfreude pur. Nicht alles gelingt Louisa, oftmals stellt sie sich tollpatschig an - und doch ist ihr Verhalten so authentisch und ihre Begeisterung so mitreißend, dass man sich dem Zauber der Figur nicht entziehen kann. Dazu dienen sicherlich auch die bis ins kleinste Detail stimmigen Kostüme. Vom ausgefallenen Haarschmuck über gelb-schwarz gestreifte Strumpfhosen bis hin zu kunstvoll designten 50er Jahre Pumps - in jeder Farbe, in jedem Stoffmuster spiegelt sich der verspielte Charakter Louisas wieder.

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Als perfekter Gegenpart dazu agiert Sam Claflin als William Traynor, der gerade zu Beginn der Geschichte zugeknöpft und mürrisch wirkt und doch mit jeder Minute der Geschichte mehr auftaut und seinem schweren Schicksal mit größerer Hoffnung zu trotzen scheint. Zwischen beiden Darstellern stimmt die Chemie und so folgt man der romantischen Geschichte gern, die die perfekte Balance zwischen heiteren und tieftragischen Momenten zu finden scheint. Auch der restliche Cast begeistert mit seinem authentischen Spiel, und das Drehbuch erlaubt auch Nebenfiguren mit wenig Handlungsraum komplexe Rollen, die sich entwickeln und mit denen der Zuschauer mitfühlen kann.

Trotz der Schwere des Themas ist Ein ganzes halbes Jahr ein berührender und sehr unterhaltsamer Feelgood-Film mit perfektem Geschick für gutes Timing, der Mut zu großen Gefühlen beweist. Leider jedoch kann die deutsche Synchronisation nach Ansicht der Jury nicht immer mit der Qualität des Films mithalten.

Prädikat: wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung



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710
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