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Labor Day

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Toll und abstrus

Labor Day Kritik

Labor Day Kritik
0 Kommentare - 15.04.2014 von Moviejones
Wir haben uns "Labor Day" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Labor Day

Bewertung: 3 / 5

New Hampshire im Sommer, 1987. Adele Wheeler (Kate Winslet) ist einsam, seit ihr Mann sie sitzen gelassen hat. Ihr pubertierender 13-jähriger Sohn Henry (Gattlin Griffith) versucht, ihr als "Mann im Haus" darüber hinwegzuhelfen, doch ohne großen Erfolg. Als ihn eines Tages ein Fremder (Josh Brolin) in einem Supermarkt mit einer Verletzung bittet, seine Mutter um Hilfe in der Not zu fragen, sieht Henry darin wohl den Wink des Schicksals. Adele dagegen sieht die Hand, die sich bedrohlich bei der freundlichen Bitte um den Hals ihres Sohnes legt und nimmt den Fremden notgedrungen mit in ihr Zuhause. Obwohl der Fremde namens Frank offensichtlich gefährlich ist, zeigt er sich andererseits nicht nur als sanft und freundlich, sondern beginnt, sich mit Arbeiten im Haus für den erzwungenen Unterschlupf zu revanchieren. Adeles Angst schwindet, das Vertrauen wächst...

Nach Jason Reitmans Erfolgsfilmen Juno und Up in the Air, die für das beste Drehbuch (Up in the Air, Golden Globe) beziehungsweise das beste adaptierte Drehbuch (Juno, Oscar) prämiert wurden, sollte man meinen, dass mit seinem neuesten Werk Labor Day, einer Kinoadaption des Joyce Maynard-Romans "Der Duft des Sommers", nicht viel schiefgehen kann. Zumal das Hauptdarsteller-Duo mit Kate Winslet (Titanic) als Adele und Josh Brolin (Oldboy) als Frank top besetzt ist und auch Gattlin Griffith (Der Fremde Sohn) als Sohn Henry mit pubertären Fantasien und Gefühlen seine Sache gut macht. Doch im Falle von Labor Day hat sich Reitman vielleicht für das falsche Buch entschieden, denn die Story ist trotz hervorragender Darstellerleistung und traumhafter Bilder höchst unglaubwürdig. Leider kennen wir das Buch nicht, würden es nun aber gern nachholen um zu erfahren, ob es als Roman glaubhafter wirkt.

Trailer zu Labor Day

Buch wie Film thematisieren eine Liebe, die sich innerhalb von fünf Tagen so weit entwickelt, dass Adele bereit ist, alles für diesen Mann zu tun und aufzugeben. Ein Mann, den sie nicht einmal fragt, wie es zu dem gekommen ist, dessen er beschuldigt wird und wofür ihn die Polizei verfolgt - zumindest nicht on screen. Hierfür wäre eine Art Wendepunktszene in der Vertrauensbildung mehr als hilfreich, um nicht zu sagen höchst notwendig gewesen. Denn dass Adele nach bereits zwei Tagen in der zweiten Nacht mit ihm intim wird - was off screen wirklich überdeutlich anhand von Geräuschen zu erraten ist - wirkt einfach absurd. Und das, nachdem dieser Mann ihren Sohn bedroht hat. Man kann das Stockholm-Syndrom anführen, ihre Einsamkeit, ihre Tendenz, sich gern führen, einen Mann ihr Leben bestimmen zu lassen.

Doch Adele hat zuvor erlebt, dass genau so ein Mann, dem sie sich vollen Herzens anvertraut hat, sie sitzen gelassen und ihr Herz gebrochen hat. Ist es psychologisch nach so langer Zurückgezogenheit und auch emotionaler Einigelung glaubhaft - sie verlässt kaum das Haus, ist kaum mit irgendetwas zu erfreuen -, dass sie sich innerhalb von zwei Tagen so sehr öffnet? Und innerhalb von fünf Tagen, verliebt hin oder her, komplett verändert? Einem Mann vertraut, dem sie allen Grund hat zu misstrauen, nur, weil sie sich nach Berührung sehnt? Weil er tolle Muskeln, einen intensiven Blick hat, alles Mögliche reparieren kann, Frühstück machen und backen kann? Und auch unglaublich nett zum zurückgebliebenen Sohn ihrer Nachbarin ist? Nach dem Motto, harte Schale, weicher Kern? Und ist es glaubhaft, dass ein Mann, egal ob schuldig oder nicht, sich nach so langer Gefängniszeit und nach dem, was er selbst erlebt hat, so verhält, als könne er all das mal eben abschütteln?

Apropos Nachbarn: Dass in der Kleinstadt bei so neugierigen Nachbarn diese nicht schon früh Wind vom Fremdling im Haus bekommen, der zum Beispiel die Dachrinne säubert an einem Haus, von dem man erfährt, dass es die Nachbarn gegenüber gut sehen können, ist auch nicht besonders glaubhaft. Und das ist nicht das einzige Logikproblem von Labor Day. Man kommt nicht umhin zu schmunzeln, wenn jemand so ratzfatz als Super-Ehemann und Super-Ersatzdaddy dargestellt wird. Sein Charakter wirkt einfach zu überzeichnet. Mit mehr erzählter Zeit und weniger Klischees hätte man das Ganze vielleicht abkaufen können, so aber wirkt Labor Day wie ein Kitschromantikfilm in Reinkultur.

Die eigentlich wirklich tollen, intensiven, ästhetischen Bilder, die unglaublich guten darstellerischen Leistungen Winslets wie auch Brolins, die Sinnlichkeit und Leidenschaft in kleinen Blicken, Berührungen darzubieten, angefangen schon beim Fesseln der anfänglichen Geisel bis zum einträchtig familiären, aber auch erotischen Pfirsich-Pie-Backen, ließen uns leider unfreiwillig schmunzeln, statt gebannt zu sein. Selten lagen Glaubhaftigkeit der Story und visuelle wie darstellerische Qualität in einem Film so weit auseinander.

Hätte das Ende offenbart, dass das Ganze nur der feuchte, übersteigerte Traum eines pubertären Jungen ist, der seine Mutter glücklich sehen will, okay. Dann wäre es ein wirklich hervorragender Film, der mehrere Oscars verdient hätte. Aber das ist nun mal leider nicht das Ende. Wie also einen Film bewerten, der in manchen Kategorien die volle Punktzahl verdient, in puncto Story aber unter Durchschnitt rasselt? Da bleibt für Labor Day nur knapp mehr als die goldene Mitte.

Labor Day Bewertung
Bewertung des Films
610

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