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Sinn und Sinnlichkeit

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Sinn und Sinnlichkeit Kritik

Sinn und Sinnlichkeit Kritik

Sinn und Sinnlichkeit Kritik
0 Kommentare - 08.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Sinn und Sinnlichkeit" ist.

Bewertung: 4 / 5

Nachdem der Patriarch der Familie Dashwood verstorben ist, wird John Dashwood (James Fleet) der neue Hausherr der Familie. Gezwungenermaßen muss das Geschwisterpaar Elinor (Emma Thompson) und Marianne Dashwood (Kate Winselt) zusammen mit ihrer Mutter auf die Grafschaft eines anderen Verwandten ziehen. Unterdessen haben die Schwestern aber viel größere Probleme, weil sie ihre große Liebe nicht finden. Eines Tages treffen sie jedoch auf Edward Ferrars (Hugh Grant) der alles ändern wird.

Ang Lees Adaption des Romanes Verstand und Gefühl nach Jane Austen ist ein spannendes Unterfangen. Ohnehin ist die Einordnung dieses Romanes wirklich interessant. So lässt sich der Roman in die Zeit der Regency einordnen, einer Epoche, die zwischen der Romantik und der Spätromantik stattfand und große politische Änderung bedeutete. Dabei sind es vor allem die beiden Hauptfiguren, die diesen Übergang perfekt porträtieren, weil sie zum einen den Verstand repräsentieren. Daß vor allem in der Form, daß Bedürfnisse und Träume nicht sofort ausgesprochen, sondern durchdacht und überlegt werden. Und auf der anderen Seite ist es das impulsive und ehrliche Auftreten, daß hier die Vergangenheit betont. Dabei führt der Film die Figuren und damit die Gesellschaft vor eine vollendete Realität, indem der Vater der Familie verstirbt, wird klar, daß dieser nun nur noch aus Frauen bestehende Teil seinen gesamten Besitz verloren hat. Dieser wurde dabei an den Sohn aus erster Ehe vermacht und es wird klar, daß die Damen nun erst einmal heimatlos sind und dabei bei Verwandten unterkommen muss. Daraus resultiert natürlich, wie für Jane Austen üblich, ein Kampf der Liebe, nach welchem sich die Figuren vor Verehrern nicht mehr retten können.

Es ist kein Wunder, daß Emma Thompson 1996 den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch gewann. Denn was Thompson mit dem Material macht ist zu weilen recht amüsant auf eine Weise, die die Figuren in stellenweise absurde Situationskomik verfrachtet. Auf der anderen Seite hebt das Drehbuch aber auch die Charaktere hervor und lässt sie neben den üblichen Charakteristika einer Austin auch tatsächlich relativ nahbar wirken. Klar sind dabei die Rollenverteilungen und Probleme immer noch nicht eins zu eins auf unsere heutige Zeit übertragbar. Auf der anderen Seite ist es aber dennoch so, daß dieses Werk vielleicht zu den wirklich kritischsten gehört, die Austin verfasste. Denn die Tatsache, daß Frauen nun mal ohne das wache Auge eines Mannes gar keinen sozialen Stellenwert hatten, ist auch etwas, was sich auch in Deutschland noch mindestens in die 1990er Jahre zog. Klar redet man sich dabei ein, daß die Frauenbewegungen der 1960er Jahre dieses Problem beseitigte, doch wenn man ehrlich ist, so hat man nach wie vor noch eine Menge Felder, die es zu bearbeiten gibt. Und damit begründet der Film auch seine eigene Daseinsberechtigung, weil es natürlich dahingehend Redebedarf gibt. So ist der Gedanke einer Gegenüberstellung von weiblichen Charakteren hier vorprogrammiert, weil die Geschichte natürlich zum einen die Abhängigkeit und das Verlangen nach Männern, in Form von Elinor Dashwood. Und auf der anderen Seite hat man dann diese freigeistige Marianne, die einfach nur Leben möchte.

Darüber hinaus wählt der Film ziemlich erwartbare, aber gute Komponenten für einen Cast in dieser Form. Der größte Schwachpunkt, wenn man so will, dabei ist dann wohl Hugh Grant. Klar ist, daß Hugh Grant eben das spielt, was ein Hugh Grant spielt. Auf der anderen Seite wirkt sein Spiel immer so ein wenig deplatziert. Ist er frustriert oder traurig, schaut er bedeutungsschwangere Löcher in die Luft. Ist er glücklich, schaut er bedeutungsschwangere Löcher in die Luft. Ist er emotional gebrochen, so tut er selbiges. Es ist natürlich klar, daß ein Hugh Grant häufig völlig überzeichnet spielt und vor allem dann gut ist, wenn das gesamte Werk auch irgendwie überzeichnet ist. So war es in Paddington 2 (2017), so war es in The Gentlemen (2019) und so war es teilweise auch in dem ebenso überzeichneten Kitsch von Tatsächlich... Liebe (2003). Hier allerdings wirkt Grant völlig überfordert und auch deplatziert. Gerade wenn er dann gegen die anderen Darsteller anspielen soll, ist sein Spiel irgendwie lachhaft und unscheinbar. Ebenso hat der Film auch große Probleme darin, eine wirkliche Katharsis zu finden. Das ist leider auch ein paradoxes Problem, was aus einer Stärke der Adaption resultiert. Weil nämlich der gesamte Film so zwischen den Zeilen stattfindet und mehr eine Bestandsaufnahme, als ein wirklich gewagtes und bahnbrechendes Werk ist, gelingt es der Adaption auch nicht dies zu sein. Natürlich hätte der Film das machen können.

Dann wiederum sind die restlichen Schauspielerinnen und Schauspieler vollends gut gewählt. Greg Wise als Retter in Nöten wirkt glaubwürdig und definiert hier zwar altbackene, aber sympathische Vorstellungen von Männern wieder, weil das natürlich auch im Gesamtkontext völlig überzeichnet ist. Dann sind es aber vor allem Emma Thompson und Kate Winselt, die als Geschwistergespann zum einen die Verbundenheit untereinander gut porträtieren und dadurch glaubwürdig sind. Zum anderen gelingt es ihnen aber auch, die Ängste und freudvollen Momente spielend leicht auf die Leinwand zu bringen. Der große Star ist natürlich mal wieder Alan Rickman, dessen Schauspiel so tieftraurig anmutet und die Figur immer gleich auch ihre Würde dabei behält. Davon abgesehen ist dieser Film in vielerlei Hinsicht auch wirklich lustig, weil er in den besten Momenten wirklich herzhaft neckisch, aber auch mitunter sehr analytisch und bissig sein kann. Es ist wohl das, was man am ehesten als britischen Humor bezeichnen würde. Dazu profitiert der Film hier an der Stelle auch davon, daß mit Ang Lee ein Mann inszeniert, dessen Stärke immer die Ruhe der Szenerie war, wodurch diese Dialoge und Momente auf den Zuschauer wirken können und ihre Kraft entfalten.

Ruhig inszeniert, mit bissigen Kommentaren und großartigen Schauspielern schafft Ang Lee einen Film, der zu unterhalten weiß. Das hat zwar seine Schwächen, besonders wenn es um eine bestimmte Figur geht und dennoch sind die meisten Leistungen in Sinn und Sinnlichkeit wirklich großartig. Da kommt sofort gute Laune, wenngleich das Werk nicht immer lustig ist. Und auch im Subtext werden hier Dinge angesprochen, die noch lange nicht fern scheinen.

Sinn und Sinnlichkeit Bewertung
Bewertung des Films
810

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