
James Gunn steht im neuen DCU stark unter Beobachtung. Nach unserem Artikel über die Kritik an seiner Arbeit lohnt deshalb der Gegencheck: Was spricht eigentlich für Gunn und seinen bisherigen Kurs?
Der erste Artikel wurde dabei auch kritisch aufgenommen. Ein Vorwurf lautete, dass eine Zusammenfassung der Kritik diese zwangsläufig reproduziere und damit die aufgeheizte Debatte um Gunn womöglich weiter befeuere.
Genau deshalb folgt nun bewusst die andere Perspektive. Für diesen zweiten Blick haben wir erneut die öffentliche Debatte ausgewertet und dabei unter anderem Social-Media-Kommentare, Fan-Diskussionen, Medienberichte und Kritiken berücksichtigt. Ziel ist auch diesmal nicht, einzelne Meinungen wiederzugeben, sondern wiederkehrende Argumente zu identifizieren, diesmal jene, die für Gunn und seine Strategie sprechen.
1. Es ist schlicht noch zu früh für ein Urteil
Das neue DCU steht erst am Anfang. Mit Superman und Supergirl gibt es bislang nur zwei große Kinofilme. Gleichzeitig befinden sich zahlreiche weitere Projekte noch in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Ein endgültiges Urteil über Gunns Universum ist deshalb zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich. Gerade bei einem langfristig angelegten Franchise muss sich erst zeigen, ob die einzelnen Bausteine tatsächlich zu einem funktionierenden Ganzen zusammenwachsen.
2. Gunn gibt DC eine erkennbare Identität
Gunn bringt eine sehr klare persönliche Handschrift mit. Seine Filme sind emotional, humorvoll, comicnah und häufig ausgesprochen eigenwillig. Das kann man mögen oder ablehnen, beliebig ist seine Herangehensweise jedenfalls nicht. Nach Jahren wechselnder Strategien bei DC ist eine klare kreative Führung durchaus ein Argument für Gunn. Er steht für eine konkrete Vorstellung davon, wie dieses Universum aussehen soll.
3. Er traut sich an ungewöhnliche Figuren heran
Nicht jedes DC-Projekt muss Batman, Superman oder Wonder Woman ins Zentrum stellen. Gunn hat bereits mehrfach bewiesen, dass er auch aus ungewöhnlichen oder zunächst weniger bekannten Figuren interessante Ensembles machen kann.
Marvel hat mit Iron Man, Thor oder Captain America - The First Avenger gezeigt, dass Figuren durch erfolgreiche Filme selbst zu großen Publikumslieblingen werden können.
Gunn setzt ebenfalls auf dieses Prinzip. Gerade Lanterns, Clayface oder Creature Commandos zeigen, wie groß die stilistische und thematische Bandbreite von DC sein könnte.
4. Das DCU könnte vielseitiger werden als seine bisherigen Filme
Der Vorwurf einer einheitlichen „Gunn-Formel“ lässt sich zumindest nicht ohne Weiteres auf das gesamte DCU übertragen. Superman ist deutlich von Gunns Stil geprägt. Lanterns dagegen wird als wesentlich ernstere, erwachsenere Geschichte angelegt, während Clayface in Richtung Body-Horror geht.
Das ist möglicherweise sogar eine der größten Chancen des neuen Universums: ein gemeinsames DCU, in dem nicht jeder Film gleich aussieht oder sich gleich anfühlt.
5. Gunn arbeitet mit Menschen, denen er vertraut
Gunn holt immer wieder Schauspieler und Kreative zurück, mit denen er bereits erfolgreich gearbeitet hat. Das gilt unter anderem für Nathan Fillion, Sean Gunn und Steve Agee.
Das kann man als zu starke Konzentration auf das eigene Umfeld kritisieren. Es lässt sich aber ebenso als klassische Arbeitsweise eines Regisseurs verstehen: Wer mit bestimmten Menschen gute Erfahrungen gemacht hat, arbeitet erneut mit ihnen. Gunn praktiziert dieses Prinzip bereits seit seinen frühen Independent-Filmen.
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6. Gunn versucht, ein autorengeführtes DC aufzubauen
Gunn und Peter Safran haben mehrfach betont, dass bei DC nicht jedes Projekt automatisch produziert werden soll. Drehbücher sollen funktionieren, bevor eine Produktion grünes Licht bekommt.
Das kann zu Verzögerungen und verworfenen Projekten führen. Gleichzeitig spricht es für den Versuch, nicht erneut ein Universum unter Zeitdruck zusammenzuschieben. Wenn diese Strategie funktioniert, könnte das DCU langfristig von einer größeren kreativen Geschlossenheit profitieren.
7. Gunn stellt sich der öffentlichen Debatte
James Gunn ist ungewöhnlich präsent und äußert sich regelmäßig zu Fragen rund um das DCU. Er kommuniziert direkt mit Fans, beantwortet Fragen und nimmt damit an Diskussionen teil, denen sich andere Studioverantwortliche eher entziehen.
Das kann durchaus als Stärke gesehen werden. Gunn versteckt sich nicht hinter Pressemitteilungen, sondern stellt sich der öffentlichen Debatte und erklärt immer wieder Entscheidungen oder Pläne. Gerade bei einem Franchise, das in der Vergangenheit unter wechselnden Strategien und mangelnder Kommunikation gelitten hat, kann diese Transparenz Vertrauen schaffen.
Unterm Strich
James Gunn hat durchaus Schwächen und sein Kurs ist keineswegs garantiert erfolgreich. Aber gerade deshalb lohnt ein differenzierter Blick. Seine klare kreative Handschrift, der Mut zu weniger bekannten Figuren, die mögliche Genrevielfalt und der Versuch, DC stärker als eigenständiges Universum zu etablieren, sind Argumente, die für ihn sprechen.
Ob daraus tatsächlich ein erfolgreiches DCU entsteht, wird letztlich nicht Superman allein entscheiden. Entscheidend werden die nächsten Projekte sein, insbesondere Lanterns, Clayface und die weitere Entwicklung des Universums.
Die bisherige Debatte zeigt deshalb vor allem eines: Für ein endgültiges Urteil über James Gunn ist es noch zu früh.
