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Aufbruch zum Mond

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Aufbruch zum Mond Kritik

Aufbruch zum Mond Kritik

Aufbruch zum Mond Kritik
0 Kommentare - 22.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Aufbruch zum Mond" ist.
Aufbruch zum Mond

Bewertung: 2 / 5

Neil Armstrong (Ryan Gosling) ist Ingenieur und Testpilot für Jets und Raketen. Zusammen mit seiner Frau Janet (Claire Foy) und seinen zwei Kindern lebt er ein gemütliches Leben. Doch als seine Tochter an einem Tumor stirbt, ändert sich alles. Kurz danach wird er von der NASA aufgesucht und wegen seiner Talente für das Mondprogramm eingespannt. Nach langen Strapazen wird er zusammen mit Buzz Aldrin (Corey Stoll) und Mike Collins (Lukas Haas) mit der Apollo-11-Mission zum Mond geschickt.

Manchmal bekommt man den Eindruck, als wäre man im falschen Film, wenn eine Debatte um eine nicht vorhandene amerikanische Flagge in einem Film eine Diskussion über Antiamerikanismus auslöst, dann ist wirklich einiges schiefgelaufen. Und ja, man kann das so pauschal sagen, schließlich redet man hier über einen Film, der zur Zeit des Kalten Krieges angesiedelt ist und der offenbar die Mondlandung, wie es wohl viele begreifen, als einen energetischen Fixpunkt im Wettrüsten begreift. Ob das so ist, oder eher auch nicht, müssen Historikerinnen und Historiker entscheiden. Aufbruch zum Mond ist nämlich alles andere als Antiamerikanisch, viel mehr handelt es sich hier um einen ganz klassischen und vielleicht verspäteten Propagandafilm, der vielleicht auch mit den jüngsten Ereignissen der Geschichte nochmal an Brisanz gewinnt. Man dachte ja eigentlich, daß sei vorbei, ist es wohl nun nicht. Und dieser Propagandafilm, der durchaus, den ein oder anderen Moment zu sich hat, den man Unterhaltung nennen kann, leidet ja ganz eindeutig auch an Inhalt. Zugegeben, Filme müssen nichts erzählen, sondern zeigen. Doch wie auch viele dieser modernen Science-Fiction, besser gesagt Weltraumfilme à la Gravity (2013) unter Beweis stellen, geht es bei diesen Filmen, wie vielleicht bei kaum anderen Filmen, nur darum, bestimmte Bilder erzeugt zu bekommen. Es ist erstaunlich, wie man im Arthouse-Segment in Hollywood immer wieder davon hört, wie inhaltsleer und abgedroschen vermeintliche Superheldenfilme doch seien, während man auf anderer Seite inhaltsleere, pathosgetänkte, vermeintlich bedeutungsschwangeres Lamentieren über Banalitäten abfeiert.

Trailer zu Aufbruch zum Mond

Über eine viel zu lange Laufzeit quält Damien Chazelle den Zuschauer mit den für ihn brennenden Fragen des Seins: Soll Daddy die Familie verlassen, um zum Mond zu fliegen? Wer war dieser Neil Armstrong? Wie kann man Spannung im All erzeugen? Wie war die Realität? Ja, es mag vielleicht einer Gesellschaft geschuldet sein, die schon einiges erlebt hat und vielleicht zu zynisch auf Filme wie Aufbruch zum Mond blickt. Doch mal ganz salopp gesagt, ist dieses Werk auch einfach inhaltlicher Müll. Die gesamte Geschichte lässt sich wie folgt zusammenfassen: Armstrong und ein paar andere sollen zum Mond fliegen, scheitern zunächst, ein paar Leute sterben, dann packen sie es. Fertig. Zwischendurch präsentiert der stoische Gosling noch, wie gut er in die Ferne blicken kann und man fragt sich derweil, warum man nicht ein Werk wie Interstellar (2014) vor sich hat, indem es tatsächlich auch um brennende Fragen geht. Denn auch wenn man es nicht wahrhaben will, leidet Aufbruch zum Mond auch darunter keinerlei Relevanz zu haben. Ja, wem nutzt das denn zu sehen, was jeder schon weiß? Das ist kein Pauschalurteil, sondern bezieht sich einzig und allein auf dieses spezielle Thema. Es geht nur darum, daß sich irgendwelche versnobten Amerikaner mal auf die Schulter klopfen können und einander sagen, wie geil sie doch eigentlich sind. Sicher, die Mondlandung war ein Ereignis und sicherlich kann man da auch irgendwo Stolz drauf sein. Doch Chazelle hat hier keinerlei Einfälle, keine visuellen Spielereien, nur das, was schon jeder kannte und auch jeder wusste.

Und man muss es auch mal ganz deutlich sagen: Ihr seid nicht Kubrick! Hätte Kubrick seiner Zeit wirklich die Mondlandung nur „inzeniert“, dann wäre sie sicherlich nicht so langweilig geworden. Natürlich ist das gemein irgendwen, der nicht Sergio Leone heißt, mit Kubrick messen zu wollen, doch gibt es auch in jüngeren Zeiten durchaus spannendere und inhaltsvollere Filme, als eben Aufbruch zum Mond. Da wäre vielleicht Ad Astra – Zu den Sternen (2019), der zwar auch vom endlosen Daddykomplex berichtet, zumindest aber auch starke, philosophische Thesen einstreut. Ein Passangers (2016), der eine unglaublichen ethischen Konflikt in Szene setzt. Selbst ein Moonfall (2022), der endloser Trash ist, kann durch eine gewisse Originalität und einen B-Movie-Charme mehr leisten, als es Aufbruch zum Mond jemals getan hat und tun wird. Natürlich ist dieser Film auch nicht gänzlich frei von Qualität und so weist er einen Cast auf, der sich durch die Bank weg sehen lassen kann. Vom großartigen Minimalisten Ryan Gosling, über Jason Clarke, Kyle Chandler, bis hin zu Ciarán Hinds, der eigentlich in endlos vielen schlechten Filmen verheizt wird und dennoch immer brilliert. Auch versucht sich Damien Chazelle sehr gut daran, Bilder mit Bedeutung zu kreieren. Er weiß die Stärken eines Ryan Gosling in Szene zu setzen und lässt ihm auch den nötigen Raum, um sein Gesicht, wie so oft, gekonnt in die Kamera zu halten.

Hin und wieder lässt der Film den Eindruck aufkommen, daß die Mondlandung auch ein unglaublich politisches Ereignis war, daß innerhalb der amerikanischen Gesellschaft der 1960er Jahre auf heftig diskutiert wurde. Aber selbst daran scheitert dieser Film. Er erwähnt das, will sich aber auch zu sehr auf die ach so spannende Persona Neil Armstrong versteifen, der dadurch unnötig in den Fokus der Geschichte gerät, die so viel größer ist, als er. Also zumindest politisch. Warum werden die Zweifel, die die Gesellschaft hat, der Konflikt in der Welt außerhalb des eigenen Hauses und auch die politischen Spannungen zu Zeiten von Johnson immer nur erwähnt, statt Zentrum der Geschichte? Dann hätte man sie auch komplett außen vor lassen können. Doch das tut dieser Film nicht, er will, daß der Zuschauer weiß, wie es damals war. Auch die Bedeutung der Mondlandung, in wissenschaftlicher Hinsicht und im Blick auf den Fortschritt wird hier zu keinem Zeitpunkt deutlich. Aufbruch zum Mond scheint banal sein zu wollen, damit er auch ja niemanden verärgert und diese Feigheit ist wirklich der letzte Tropfen auf dem heißen Stein.

Es lässt sich streiten, ob man die Mondlandung als ein Schlüßelereignis der Menschheit begrifft. Denn was zum einen zeigt, wie viel der Mensch imstande ist zu tun, lässt auf der anderen Seite auch die Frage zu, was es der Menschheit letztlich gebracht hat, dort oben angekommen zu sein. Doch das Ereignis selbst will man hier gar nicht anzweifeln, viel mehr ist doch die Frage, was der Film den Menschen bringen kann. Und da Kunst nichts muss und alles darf, ist es irgendwie auch schade, daß diese Kunst nichts tut und auch nichts macht.

Jener schicksalshafte Tag, den Aufbruch zum Mond so sorgsam vorbereitet, um ihn zu zeigen, wird durch die banalsten und inhaltslosesten Geschichten um Familie und Gedöns angereichert. Das Werk hat tolle Schauspieler und ist an sich auch handwerklich in Ordnung. Doch immersiv, mitreißend, nachdenklich, kritisch und alles andere, was einen guten Film von einem schlechten abhebt, fehlt diesem Werk. Es ist nichts Gewagtes daran, ein patriotisches Ereignis, daß teils entkontextualisiert wurde, abzufilmen.

Aufbruch zum Mond Bewertung
Bewertung des Films
410

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