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Anna Karenina

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Anna Karenina Kritik

Anna Karenina Kritik

Anna Karenina Kritik
0 Kommentare - 10.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Anna Karenina" ist.
Anna Karenina

Bewertung: 3 / 5

Die Adlige Anna Karenina (Keira Knightley) ist unglücklich mit dem deutlich älteren und gefühllosen Beamten Alexei Alexandorwitsch Karenin (Jude Law) verheiratet. Eines Tages lässt sie sich auf eine Affäre mit dem Grafen Vornskij (Aaron Taylor-Johnson) ein. Auch ihr Bruder Fürst Oblonski (Matthew Macfadyen) ist seiner Frau Dolly (Kelly MacDonald) untreu und betrügt diese mit einer ehemaligen Prostituierten. Derweil hält der Gutsbesitzer Levin (Domhnall Gleeson) um die Hand von Dollys jüngerer Schwester Kitty (Alicia Vikander) an, die sich aber ebenso von Vronskij einen Antrag erhofft.

Die Liebe ist ein Konzept, welches nie ergründet werden kann. Liebe ist vieldeutig, Liebe ist Grotesk, Kitschig, Infantil, Wahrhaftig, Gewaltig, ängstlich und so weiter und so fort. In Anna Karenina wird viel von der Liebe berichtet und so entlarvt der Film schon recht schnell, die Die Welt ist ein Dorf-Mentalität des blauen Blutes. Jeder kennt da Jeden, jeder ist mit jedem verwand und irgendwie sind alle vom eigentlichen Willen ihres Lebens übergangenen zu einer Übereinkunft der minimalen Bedürfnisse. Man merkt der Romanverfilmung gleich aber dabei an, daß man hier einen relativ komplexen Roman verfilmt hat. Da kommen Leerstellen auf, Geschichten werden miteinander verwebt und der eigentliche Kern, nach welchem ein ganz bestimmter Subplot aufgebaut wird, ist bemerkenswert unübersichtlich. Häufig verpasst das Drehbuch von Tom Stoppard den Anschluß an den Zuschauer. So etwa die Geschichte um den von Domhnhall Gleeson gespielten Kostya Dmitrievich Levin, der hier so ein wenig den Blick auf das normale Volk werfen soll. Sein gesamter Story-Arc erscheint im gesamten Film, im Vergleich zur Vorlage, aber etwas rudimentär daherzukommen, weil auch seine Bedürfnisse und sein Handeln nie im Einklang mit dem Rest der Handlung stehen. Im Prinzip entspricht er ganz einfach nur nicht dem Schönheitsideal, nach welchem in diesen Kreisen gemessen wird. Ohnehin sorgen viele Momente im gesamten Film, ob ihrer gewollt erzwungenen Tragik häufig etwas langatmig, sodass das Werk sich mehr noch in die Länge zieht, als es eigentlich sein will.

Trailer zu Anna Karenina

Zyniker, werden sich in Anna Karenina bestätigt wissen. Während Regisseur Joe Wright mit Stolz und Vorurteil (2005) und Abbitte (2007) noch Werke inszenierte, deren inhaltliche Aussagen eher für die Monogamie und das Konzept der Liebespartnerschaft stehen, herrscht in diesem Fall das Unvermögen. Und dieses Unvermögen zeigt, wie sich Anna danach sehnt, mit ihrer großen Liebe Alexei Kirillovich Vronsky für ewig vereint zu sein und auch mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Doch je länger das nun ach so glückliche Paar miteinander zutun hat, desto mehr übernehmen Verlustängste und Einsamkeit die titelgebende Hauptfigur. Gerade den Verfall von Liebe zu Verlustängsten porträtiert Keira Knightley besonders gekonnt. Überdies ist auch ihre Aura natürlich etwas, daß zu einer Figur wie Anna Karenina passt. So verfällt die Figur immer wieder in den Druck, sich an eine Gesellschaft und vor allem deren Erwartungen anzupassen. Die gute Frau zu sein, die dem Mann im besten Falle noch einen oder mehrere Söhne gebärt, um den Fortbestand des eigenen Ideals zu bestätigen. Nun ist das nichts, was so explizit ausformuliert wird und dennoch ist es klar, daß man das erwartet. Eine Kritik am patriarchalen System schreibt sich hier im Prinzip von selbst. Besonders zum Ausdruck kommt es dann natürlich durch die extrem brisante Ehebrechung durch Anna. So bedeutet dieser Umstand natürlich den sozialen Abstieg und auch öffentliche Diffamierung. Gerade in diesem Bereich scheint der Film auch noch aktueller denn je, weil man auch heute noch Frauen vermehrt die Schuld daran gibt, wenn sie ihren Mann betrogen haben. Andersherum ist man da weniger gesellschaftlich geächtet.

Das Ganze wird natürlich dramatisch aufgeladen und man könnte da sehr schnell in einen eher unglaubwürdigen Kitsch verfallen, der einem den Glauben vermittelt, daß man sich hier in einer Seifenoper befindet. Doch gerade in dieser Hinsicht ist der Film inszenatorisch sehr spannend. Denn Joe Wright nimmt durch seine bewusst theatralische Inszenierung und die explizitere Einarbeitung vieler Szenen auf einer Bühne, diese Kritik schon vorweg. Ob eine solche Theatralik nun heute nicht mehr funktioniert, ohne ein solches Gimmick zum Einsatz zu bringen, darf bezweifelt werden. Schließlich brachte Joe Wright mit seinen anderen Kostümen dafür ja auch den Gegenbeweis. Und ohnehin wirkt das Gimmick hier mehr noch als reine Ablenkung, vom eigentlichen Plot, weil es weder dem Film in irgendeiner Weise hilft, noch das Gegenteilige hervorruft. Es ist einfach da. Kreativ, aber eben auch einfach nur da. Das soll dann wohl eine ganz eigene Dramatik unterstreichen, die auch gelingen mag. Doch das könnte eben genauso auch den Schauspielern liegen. Denn gerade Knightley und der sowieso fast immer gute Jude Law spielen hier sehr überzeugend. Das Zurückhaltende am Charakter von Law ist auch sehr spannend, weil der Mann hier eigentlich ganz anders vorgehen könnte und der Frau gegenüber einen ganz anderen Machtaspekt hat.

Vom rein inszenatorischen hier könnte man hier von Wrights besten Film sprechen. Denn er spielt eben sehr gut mit seinem kleinen Gimmick, schafft gekonnte Szenenübergänge, spielt gekonnt mit eher subtilen Informationen, die für den weiteren Verlauf der Handlung von Wichtigkeit sind und hat den Zuschauer komplett in seiner Hand. Das wird nur noch durch die großartige Kameraarbeit von Seamus McGarvey unterstrichen, die hier tatsächlich auch mehr, als bloßes Beiwerk ist. Denn die Kamera spielt hier sehr gekonnt mit Zeit und all dem, was Zeit aus den Charakteren macht. Zuweilen wirken die Bilder wie eine Traumwelt, doch auch die Schärfe der Bilder stehen hier wieder zusammen im Kontrast mit der drastischen Realität der Hauptfigur. Und so vereint McGarvey hier beides, indem er Fiktion und Realität zu einem Farbspiel macht, indem immer auch eine gewisse Härte teil der Geschichte bleibt. Dies wird zu dem von dem großartigen Ende unterstrichen, welches für einen solchen Film dann doch sehr unerwartet und unerwartet ehrlich daherkam. Das Ende könnte man dabei als zynisch betrachten oder als konservativ. Wenn man nämlich von Karenina als die Ehebrecherin spricht, dann bekommt sie ihre gerechte Strafe im Film. Wenn man von Karenina als die hoffnungslose Liebende spricht, dann hat man hier eine Beziehung, die aufgrund von pervertierten Strukturen niemals funktionieren kann. So kann es für sie keine Liebe mit einem glücklichen Ende geben. So oder so, hätte der Film da ein wenig eleganter sein können und dennoch macht diese Vieldeutigkeit das Werk interessant.

In Anna Karenina sucht man lange Zeit vergeblich nach einem Zweck. Das gilt für die sehr langatmige Exposition und auch im späteren Verlauf ist der Film etwas zu inkonsequent. Davon abgesehen bietet der Film eine recht simple, aber wirkungsvolle Metapher, ein sehr spannendes Finale, daß über einfache Deutungen hinaus geht und auch die Frage nach Emanzipation wird hier immer wieder mitschwingen. Schauspielerisch ist Knightley überzeugen, während Jude Law souverän aufspielt. Das gesamte Werk hat atemberaubende Bilder, die einen nicht so schnell loslassen.

Anna Karenina Bewertung
Bewertung des Films
610

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