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Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

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Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Kritik

Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Kritik

Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Kritik
0 Kommentare - 24.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Mitten im 19. Jahrhundert wird der wohlhabende Victor van Dort (Johnny Depp) verheiratet. Zusammen mit der Leiche Emily (Helene Bonham Carter) wird er in die Unterwelt entführt, während seine eigentliche Braut Victoria Everglot (Emily Watson) zurückbleibt. Nun muss Victor versuchen, das Reich der Toten zu verlassen, um wieder ein normales Leben führen zu können.

Die Herrschaft der Reichen zu versimpeln sorgt unter anderem dafür, daß man sich in verschwörungstheoretischen Diskursen über die Macht des Kapitals verstrickt. Amerikanische Filme suchen spätestens seit der Ergründung durch die New Hollywood-Ikone Martin Scorsese mit Taxi Driver (1976) den Feind in einer Macht, die kein eigenes Leben zu sich hat. Dabei ist klar, daß das korrumpierende an monetärem im sozialen Umfeld von Figuren und auch in den Hauptfiguren für Veränderung und Verlust von Moral und Werten sorgt. In Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche wählt das Drehbuch von John August, Caroline Thompson und Pamela Pettler einen Blickwinkel, der allzu bekannt und auch damit allzu faul wirkt. Die Klassen sind es hier, die bestimmen, welches Kind an welches andere Kind vermählt wird. Vornehmlich inzestuöses, blaues Blut und das Wissen um den eigenen sozialen Stand in der Gesellschaft. Natürlich wird das kritisch begutachtet und natürlich kann man das nicht oft genug sagen. Doch genauso natürlich ist, daß dieser Film im Kern, auch im Hinblick auf die Verstrickung der Geschichte, dann eine ganz gewöhnliche Geschichte darstellt, die nur durch die Kraft der Prämisse wirklich in etwas Eigenständiges verwandelt wird. Zumindest auf inhaltlicher Ebene.

Denn Mike Johnson und Co-Regisseur Tim Burton sorgen mit ihrem Werk eigentlich für einen regelrechten Skandalfilm. Denn während die Hauptfigur Victor Van Dort zwischen den Welten wandelt, ist es vor allem die Faszination zum Tod, der diesen Film ausmacht. Das findet sich in vielen Werken von Tim Burton wieder, und ist sozusagen eigentlich vorprogrammiert. Doch erstaunlich ist, daß die Welt der Toten hier wesentlich lebendiger gestaltet ist, als die Welt der Lebenden. So finden sich die Figuren aus gutem Hause in einer sehr sterilen Welt wieder, in der zwar die gezeigten Gebäude der abstrakten Menschenwelt bewohnt, aber keineswegs lebendig aussehen. Alles ist glatt und hat eine Möbelhausästhetik zu sich. Alles ist steril. Nun haben ja viele Filme das Problem, daß die Einrichtungen der gezeigten Häuser, Schlösser oder ganz anderen Unterkünfte einfach zu steril und gewöhnlich aussehen. Auch das ist natürlich im Grunde auch davon abhängig, welcher gesellschaftlichen Klasse man angehört. Ganz anders hingegen sieht es da im Zusammenspiel mit dem Tod als solchem aus. Nun ist natürlich offenkundig klar, daß die titelgebende Corpse Bride Leichenbraut etwas blass daherkommt. Aber das eigentlich erstaunliche ist ja, daß gerade ihr Gewand und die Blässe, die eine Leiche so zu sich hat, sie viel heller strahlen lässt, als es die offenkundig lebenden Wesen hier tun. Dabei suchen Johnson und Burton das faszinierende im Tod und sehen gleichzeitig soviel Leben im Ableben. Man würde natürlich sofort sagen, daß dies ein Widerspruch in sich sei. Doch auf der anderen Seite eröffnet sich dadurch ein morbider, philosophischer Diskurs, der auch das Sein und vermeintliche Nichtsein infrage stellt. Denn das „Danach“ obliegt letztlich nicht unserem Ermessen.

Es bleibt aber dennoch nicht bei einer Deutung im gesamten Werk. Dazu ist der Film eigentlich viel zu komplex. Spinne man also den Gedanken, daß der Tod hier als freudvolles Faszinosum begriffen wird, dann bleibt immer noch die Frage, wie sich denn die Ehe zu dem gezeigtem Werk fügt. Es wäre vielleicht eine Idee wert, sich zu überlegen, ob nun die Ehe zur Flucht des Individuums führt. Das wäre eine Lesart, die allerdings dann auch ein wenig plump daherkäme. Viel interessanter wäre ja, die auf ihre weiteren Ebenen zu deuten. Dazu benutzt Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche, natürlich durch die Einführung verschiedener sozialer Schichten, ein altes Klischee, welches besagt, daß die Ehe eine Zweckgemeinschaft ist. Das Klischee wird hier weitergesponnen, und es geht dann letztlich über die Befugnisse der eigentlich betroffenen hinaus. So entscheiden die Väter über einen Bund, der ihnen beiden im besten Falle eine wirtschaftliche und gesellschaftlich bessere Stellung gibt. Daß solche Konzepte zumindest im westlichen Teil der Welt weitestgehend verschwunden sind, ist schon mal erfreulich. Dadurch, daß es solche Ehen nach wie vor gibt, bleibt das Werk aber dennoch aktuell. Auch schon im Hinblick darauf, daß bestimmte, freiere Staaten der Welt ja auch letztlich einen pädagogischen Lohn für eine Ehe, in Form einer Steuererleichterung aussprechen.

Indes sind es hier auch die Hauptfiguren, die den Reiz am Werk ausmachen. So stehen sowohl Emily, als auch Victor in dem Konflikt, nicht perfekt sein zu können. Hier könnte man dem Werk auch erstmals altbackene Muster und die Verbreitung schwieriger Ideologien unterstellen. So ist es vor allem Emily, die versucht ihren Liebsten stark an sich zu binden. Das ist zwar lange nicht so grotesk und nervig wie Ron Weasley und Lavender Brown in Harry Potter und der Halbblutprinz (2009) und dennoch trifft hier die Emanzipation das falsche Geschlecht. Gut, auch das wäre vielleicht nochmal eine Diskussion wert, dennoch plädiere ich darauf, daß sich die meisten Männer eben nicht emanzipieren müssen. Und dennoch gibt es solche, die in ihrer Unbeholfenheit in eine Situation geraten, in die sie gar nicht wollen. Auch solchen Männern kann man sehen, wie vielseitig das Geschlecht letzten Endes ist und insofern ist der Film vielleicht antifeministisch und feministisch zugleich. Denn er spielt mit Stigmen, aber dann wiederum dreht er klassische Rollenbilder ein wenig um. Es hat natürlich auch etwas Humorvolles, wenn jemand nicht in der Lage ist, zu sagen, daß er nicht heiraten möchte.

Das spiegelt aber auch ein wenig die überdrehte Welt des Tim Burton wider. Ohnehin wird die gesamte Geschichte durch clevere Kniffe und Wendungen von einer herkömmlichen Liebesgeschichte abgehoben. Und dann sind es vor allem die schrillen Figuren, die in jedem Fall überzeichnet dargestellt werden. So spiegeln die von Richard E. Grant und Christopher Lee gesprochenen Figuren natürlich die Kernrollen von patriarchalen Gedanken wider. Doch das gesamte Konstrukt ist nicht nur in seiner reinen Zeichnung weit weg von richtigen Menschen, sondern auch grundlegend überzeichnet. Natürlich sind das Filme immer so ein wenig, dennoch suhlen sich die Figuren in ihrem Stolz und ihren eigentlichen Interessen, daß sie die eigene Umwelt komplett ausblenden. Dabei stellt der Film auch den Wert der Familie infrage, was natürlich das konservative Amerika so gar nicht abkann. Und dabei ist der Film vor allem durch seine Situationskomik und seine klasse, absurden Dialoge so unterhaltsam.

Durch Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche verstehen wir den Tod nicht wirklich besser. Aber die morbiden Gedanken und das Lebendige am unwahrscheinlichsten Ort des Lebens zu suchen, darin steckt eine Wahrheit, die nur noch von einem absurd pointiertem Humor übertroffen wird. Daß hierbei Klassen aufeinandertreffen, macht dieses Märchen nur noch beeindruckender und zeigt durch die gekonnte Verbindung eben jener Kontraste die Stärken eines Tim Burton auf.

Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Bewertung
Bewertung des Films
710

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