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Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm? Nö!

Dark Review

Dark Review
1 Kommentar - 30.06.2020 von MobyDick
In dieser Userreview verrät euch MobyDick, wie gut "Dark" ist.
Dark

Bewertung: 4.5 / 5

"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm"

Meine persönliche Meinung ist, dass solch ein Anfang und Ende zwar funktionieren kann, aber nicht wenn es um ein episches Opus Magnum geht. Man kann so etwas vorgesetzt bekommen, doch eigentlich ist so eine Auflösung eigentlich eher für einen kleinen schäbigen Pulp Roman oder ein B-Movie angebracht. Wenn der Leser des Romans oder der Zuschauer einer Serie sich die Mühe macht so viel Zeit und Energie in ein Projekt zu investieren, dann möchte er am Ende auch eine tatsächliche befriedigende Auflösung bekommen. Und das bedeutet eine Auflösung per se. (Auch wenn ich nachvollzihen kann, warum King sein Ende verhunzt hat)

Trailer zu Dark

Dark macht von Anfang an klar, dass es sich bei der vorliegenden Geschichte um eine sich in den Schwanz beissende Schlange handelt, einer Story, in der Huhn und Ei gleichzeitig existieren und eins ohne das andere nicht existieren kann. Irgendwann - vor allem in Staffel drei - werden manche Phrasen plötzlich Dampfhammermässig auf den Zuschauer losgelassen, während die ganzen Zusammenhänge immer noch recht vage gehalten werden und teilweise wie Easter Eggs versteckt wirken. Das ist teilweise sehr vertrackt und teilweise recht plump und Dark findet nicht immer den richtigen Ton.

Auch ist die Story wenn man sich ein bißchen mit Zeitreiseparadoxa beschäftigt hat, in keinster weise neu oder innovativ, es wird einfach jegliche Story, die was auf sich hält, durch den Fleischwolf gedreht und zu einem 3 Staffeln grossen Monstrum verwurstet. Dabei ist sich die Serie auch nicht zu schade, die Vorbilder teilweise auch namentlich zu nennen oder zitieren. Aber im Vergleich zur oberflächlich ähnlich konzipierten Serie Stranger Things macht Dark das alles komplett ironiefrei, so als befänden wir uns in einem skandinavischen existentialistischen Seelenstriptease.

Aber das stört nicht wirklich, denn das Ganze ist von vorne bis hinten komplett durch strukturiert, mit einem Anfang, Mitte und einem Ende. Dabei hilft ungemein, dass die Macher wohl ganz genau durchschaut haben, wer das Zielpublikum ist, denn was Anfangs wie ein düsterer Mystery-Thriller mit starkem männlichem Lead (ganz stark in Staffel 1: Oliver Mazucci) aufgebaut wirkt, wendet sich immer stärker in ein (immer noch düsteres) Zeitreise-Paradoxon-Drama, wo plötzlich der angebliche Lead aus Staffel 1 komplett in den Hintergrund rückt. Und die ganze Tragödie für die beteiligten Figuren ist teilweise schon extrem brutal und pechschwarz. Jegliche Hoffnung wird immer wieder im Keim erstickt.

Und hier kommt ein weiterer Trumpf der Serie zum Tragen: Sie nimmt sich am Anfang eben genau die Zeit, die Figuren zu zeichnen, ihre Fallhöhen zu etablieren, die - mit all ihren Schwächen, uns näher zu bringen, so dass sie uns ans Herz wachsen, und so dass uns ihr Scheitern - immer wieder - wirklich Nahe geht.

All das funktioniert natürlich nur dann, wenn neben der Story, der Inszenierung, der inneren Logik eben auch die Darsteller abliefern. Und da wird hier ein absoluter Höhepunkt abgeliefert, es gibt nicht einen, der negativ rausfällt, nur solche die positiv glänzen. Für solch eine Ensemble-Serie ist das schon allererste Güte schauspieltechnisch, was hier abgeliefert wird.

Inszenatorisch zeigen die Macher ein feines Händchen, Setdesign überzeugt, Story ebenso, und vor allem der Sound-Design (und hier im Besonderen Staffel 1) ist absolut überragend. Die Special Effects sind nun nicht ganz Hollywood Niveau, aber das wird durch alles andere mehr als nur kompensiert!

Und nun kommen wir zur Königsdisziplin: Wenn etwas sich als Epos anfühlt und als solches auch konzipiert ist, dann muss es am Ende auch ein sitzendes Ende haben.

Und was soll ich sagen: Weder floh der Schwarze Mann durch die Wüste, noch folgte ihm jemand.

Und das ist in diesem Fall auch gut so.

Eine der ohne Frage besten jemals konzipierten und durchgeführten Genreserien aller Zeiten - egal aus welchen Landen!

9 Punkte

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MobyDick : : Moviejones-Fan
30.06.2020 12:07 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.577 | Reviews: 116 | Hüte: 395

Quasi ergänzend zur MJ Kritik auch von mir die dringende Empfehlung wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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