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Isle of Dogs - Ataris Reise

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Isle of Dogs – Ataris Reise Kritik

Isle of Dogs - Ataris Reise Kritik

Isle of Dogs - Ataris Reise Kritik
0 Kommentare - 22.06.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Isle of Dogs - Ataris Reise" ist.
Isle of Dogs - Ataris Reise

Bewertung: 4 / 5

Im Japan der nahen Zukunft hat die Geburtenrate von Hunden ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Als dazu noch eine Hundegrippe ausbricht, verbannen die Menschen die Hunde aus der Metropole Megasaki City und verlagern sie auf die abgelegene Insel Trash Island. Die Insel besteht nur aus Müll und so beschließen die frusttierten Hunde Boss (Bill Murray), Chief (Bryan Cranston), Rex (Edward Norton), Duke (Jeff Goldblum) und King (Bob Balaban) neues Futter zu suchen. Zu allem Überfluß landet auch noch der zwölfjährige Atari Kobayashi (Koyu Rankin) mit einem abgestürzten Flugzeug auf der Insel und sucht verzweifelt sein Haustier Spots. Also beschließt die Gruppe kurzerhand ihren Plan zu ändern, und dem Jungen zu helfen.

Es entspricht eigentlich gar nicht dem Typus eines Wes Andersons, sich auf Dinge zu stürzen, die jeder Filmemacher irgendwann angeht. Da gibt es natürlich die großen Themen, die Künstlerinnen und Künstler herumtreiben und die, daß muss vielleicht an der Stelle gesagt sein, auch so ein wenig in Richtung große Filmpreise schielen. Man kann eigentlich gar nicht anders, als Andersons Vorgängerfilm Grand Budapest Hotel (2014) als Oscar bait abzutun. Denn klar ist, daß der Nationalsozialismus bei der Academy immer zieht. Doch das stellt auch eine Frage in den Raum, die Isle of Dogs – Ataris Reise beantworten wird. Ist Wes Anderson mehr als nur gehobener Klamauk? Und die ganz einfache Wahrheit ist, daß er das definitiv ist. Wenngleich sich sein Film hier vor allem nach hinten heraus äußerst zäh anfühlt. Also in etwa, wie wenn ein Hund auf einem Knochen herumkaut. So ist dennoch klar, daß da auch viel mehr drinsteckte. Doch die Wege, die Andersons Figuren auf dieser Odyssee bestreiten, sind im Kernmotiv nicht so komplex, wie der Film sie vielleicht machen will. Und das spürt man dann auch, gerade wenn sich die Gruppe, die um Hunde und den jungen Ataris mal trennen. Auch der Klimax lässt für diese Art von Geschichte dann doch etwas auf sich warten und so kann mitunter auch ein wenig Langeweile im Film aufkommen.

Trailer zu Isle of Dogs - Ataris Reise

Insgesamt lässt sich sagen, daß das gesamte Stop-Motion-Subgenre eines ist, daß sehr spärlich wirkt. Nicht jeder kann mit dieser Art von Künstlichkeit leben und beobachtet man dann diese Stop-Motion-Filme mal genau, dann fällt auf, daß sie sich am ehesten noch mit Anime-Werken vergleichen ließen, weil auch die zur Schau gestellten Mimiken in die Gesichter manchmal in Isle of Dogs – Ataris Reise sehr grotesk anmuten. So etwa, wenn es um die Darstellung von Kampfsequenzen oder weit aufgerissenen Augen geht. Ob man sich hier allerdings bewusst orientiert hat, steht in den Sternen. Dabei sind es vor allem aber auch die Animationen, an denen man sich in diesem Werk nicht sattsehen kann. Da entstehen Mülllandschaften, da ist die Welt rau und alles hat dennoch eine Leere und Symmetrie zu sich. Dafür ist Anderson ja berühmt und berüchtigt. Gleichsam werden die Figuren auch durch den wunderbaren Score in eine allumfassende Melancholie geworfen, die sich stilbewusst und immer mit einem abgeklärten Blick auf die Probleme unserer Welt, subtil in den Vordergrund rückt. Andersons Werke haben dabei auch immer etwas Hyperaktives, weil sie ein Sammelsurium des gehobenen Klamauks sind. Es scheint da immer um nichts zu gehen. Doch diesmal wird man dahingehend klar irren, weil dieser Film in vielerlei Hinsicht die logische Konsequenz aus Grand Budapest Hotel (2014) ist. In dieser Hinsicht ist es dem Regisseur auch gelungen, trotz der skurril anmutenden Prämisse, die Geschichte glaubhaft in dieses Medium zu transportieren.

Anderson als Person scheint ein Nostalgiker zu sein, nicht umsonst lassen sich alte Dinge – seien es Musik, Werte wie Stolz, die Abrechnung mit Fehlern, etc. – immer wieder in seinen Filmen. Doch Anderson trifft mit diesem Werk genau ins Schwarze und wühlt in Wunden der Gegenwart herum, indem er vielleicht auch mit ein wenig Groteskem provoziert. Die gängigste Lesart für Ilse of Dogs – Ataris Reise ist, daß der Film sich auf die aktuelle Umweltkatastrophe bezieht und die Folgen des Kapitalismus und der humanistischen Verwahrlosung zeigt. Da gibt es Müllberge um Müllberge und die Hunde werden, auch ob ihrer großen Anzahl auf diese Müllberge deportiert. Dabei steht vor allem der Bürgermeister von Megasaki City als Aggressor dieser Taten im Vordergrund. Es mag seltsam anmuten, so etwas zu schreiben, aber wie Wes Anderson hier gekonnt die Problematik der Überbevölkerung, des stetigem Rassismus, der Umweltzerstörung, der Exklusion von Minderheiten, dem dauerndem Aufkeimen von Autokraten innerhalb der demokratisch geprägten Welt und dazu noch die Geschichten der Vergangenheit vereint, ist bemerkenswert. Dabei ist der Film natürlich als Fabel zu verstehen, wenngleich Anderson hier nicht versucht in irgendeiner Weise subtil auf Themen anzuspielen, sondern Probleme klar benennt.

Doch eine Frage, die sich nach wie vor durch das Werk nicht gänzlich offenlegen lässt, ist doch eigentlich, warum man statt Menschen, Hunde in den Vordergrund stellt und diese auf Müllberge verschiebt. Es ist natürlich möglich, daß Anderson seinen Figuren die Menschlichkeit abspricht. Doch diese Lesart würde bedeuten, daß man, mit Verlaub gesagt, ein ziemlicher Idiot ist. Viel eher ist doch das Problem, daß die Machthaber diktatorischer und rassistischer Regime vielen Menschen die Menschlichkeit absprechen. Gleichsam provoziert hier Anderson auch den westlich geprägten Teil der Welt, indem er uns vorführt, daß wir das indirekt, durch unsere Konsumgeilheit und das ständige Streben nach neuen Maßstäben, indirekt auch getan haben. Dabei ist die Euthanasie, die für die Machthaber dieser Welt logische Konsequenz aus dem immer wieder hinweisen, auf zum großen Teil, irreale Probleme. Man kann nicht anders, als diesen Film natürlich als eine Abrechnung mit autokratisch und ganz offen faschistisch geführten Regimen zu verstehen. Am ehesten vielleicht mit der damaligen Trump-Adiministration. Wenngleich das natürlich auch die Frage aufwirft, warum der Film denn seine Geschichte nach Japan verlegt. Die Rassismuskarte wurde hier natürlich sofort ausgespielt, wenngleich sie an den Haaren herbeigezogen ist. Es ist vermutlich eher, eine Abrechnung mit einem Staat, der einerseits stark konservativ ist und eigentlich auch davon bedroht ist auszusterben, und auf der anderen Seite baut Anderson hier natürlich auch die ein oder andere Hommage an den großen Akira Kurosawa ein. Ob das nun aber als schmaler Grat geglückt ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Nun wählt Anderson seine Figur nach den üblichen Schemata aus: Ein wenig skurril, ein wenig sarkastisch und irgendwie geht es immer um die große Reise. Doch auf der anderen Seite zieht dieser Film so viel Kraft aus dermaßen absurden Momenten, daß man eigentlich nicht anders kann, als zu lachen. Dabei sind die Szenen für sich, in ihrem Kontext gar nicht mal lustig. So etwa eine brillante Szene, die in einem Gruppenkampf unter Hunden mündet. Denn auch hier offenbart Anderson die Absurdität des animalischen Treibens im Menschen, weil er aufzeigt, wofür der Mensch zu kämpfen bereit ist. Gleichsam ist es auch tragikomisch, weil man diese Momente rational kaum greifen kann. Und dennoch gelingt es Anderson, daß einem das Lachen hier nicht im Halse stecken bleibt, sodass er sich quasi moralisch erheben würde, oder dergleichen. Es gibt hier viele dieser Momente, die auch dann von der wundervollen und völlig in Takt bleibenden Musik untermalt werden. Es ist ohnehin besonders, daß der gesamte Score eigentlich durch die Bank weg weiterläuft, während andere Filme vermutlich schon in dieser Hinsicht darauf hingewiesen hätten, daß der gezeigte Moment nun witzig ist. Doch daß dieser Film das strickt ablehnt, zeigt auf, wie clever und pointiert er ist. Über das Star-Ensemble muss man an der Stelle wohl wirklich nicht reden.

Und trotz der schmutzigen Welt, die Anderson mit Isle of Dogs – Ataris Reise zeichnet, ist dieser Film auf so vielen Ebenen wunderschön. Zwar zieht sich die Geschichte ein wenig. Doch hinter all diesen Bildern steckt der Kontrast aus Schönheit der Animation und Hässlichkeit der Realität. Dabei kombiniert der Film clever alt mit neu und ist ein politischer Rundumschlag und ein Statement auf das moderne Leben in der westlichen Zivilisation. Zudem geht der Film sehr behutsam mit den Themen um und vergreift sich auch keineswegs im Ton, sodass der Film für sich genommen, immer sein Stilbewusstsein wahren kann.

Isle of Dogs - Ataris Reise Bewertung
Bewertung des Films
810

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