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Time Bandits

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Eine andere Art Nachruf auf Sean Connery

Time Bandits Kritik

Time Bandits Kritik
3 Kommentare - 30.11.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Time Bandits" ist.

Bewertung: 5 / 5

Vor ein paar Wochen hat Sean Connery seine letzte Reise angetreten, und vor diesem Hintergrund habe ich mir gedacht, dass ich mir seine besseren Werke mal antue. In dem Zusammenhang wäre es ja natürlich auch angebracht, diese kleinen Perlen irgendwie auch der breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Gesagt, gedacht, aber leider nicht getan. Denn - oh Wunder - diese besonderen kleineren Perlen, sind nicht in der MJ Datenbank. Denke ich mir: "Umso besser, such ich mir EINEN dieser Filme raus, und schreibe eine große lange Rezension, die diese Filme abdeckt, anstatt mich mit 4-5 Filmkritiken abzumühen, geil!"

Also dann, viel Spass :-)

Sean Connery hat sich schon immer versucht, von seinem James Bond Alter Ego zu emanzipieren, doch ausbleibender Erfolg ausserhalb der Reihe oder der schnöde Mammon haben ihn immer wieder zu dieser einen Rolle zurück geführt. Selbst wenn er mal nicht diese Rolle gespielt hat, hat er sie doch irgendwie gespielt (siehe zB die sehr deutlichen Bezüge zu dieser Figur in The Rock). Irgendwann - im höheren Alter - konnte er sich dann tatsächlich vollkommen von dieser Rolle befreien und konnte sogar im sehr hohen Alter noch einen Blockbuster nach dem anderen hinlegen, welche alleine durch seine Star Power zogen (Jagd auf roter Oktober, Presidio, Name der Rose etc.). So kam es auch, dass er ohne Probleme die Rolle des Gandalf im Herrn der Ringe mit der lapidaren Begründung, dass er die Geschichte nicht verstanden hat, ablehnen konnte, und trotzdem als einer letzten großen Seigneuers abdanken konnte. Connery ging irgendwie immer seinen Weg und machte auch kaum Kompromisse, gegen Ende seiner Karriere verlagerte er sich zwar auf sichere banken aber in der Höhezeit seines Schaffens war er in manch einem großartigen Film involviert, der auch heute noch zu begeistern vermag. Und ich rede jetzt nicht von solchen kleinen Genreklassikern wie Highlander oder Outland. Nein, ich rede von den wirklichen kleinen, teilweise wirklich gemeinen Perlen, die sich in seine Vita schlichen. Fangen wir mal an, nicht ganz chronologisch, aber dafür umso intensiver.

The Hill (Ein Haufen toller Hunde)

Ein ganz feiner Antikriegsfilm der Sorte Dialogfilm, der aber durch seine für damalige Verhältnisse extrem agressive Art dennoch zu fesseln vermag und einem den Magen umzudrehen in der Lage ist. Connery spielt einen aufmüpfigen in Ungnade gefallenen Soldaten, der in eine Gefangenenlager kommt und dort gegen die unmenschlichen Verhältnisse anzugehen gezwungen wird. Ein ganz bitterer Streifen, der durch seine nüchterne Art und fast völlig vom spitzen Dialog lebenden fast schon dokumentarisch anmutenden, in Schwarz-Weiss gehaltenem Stil, fast schon Fernsehspiel Niveau hat, der aber mit famosesten Schauspielleistungen komplett in den Bann zieht. Connery dreht diesen Film zwischen 2 Bond Filmen und hat hier noch eine gewisse charismatische und sympathische Art, die es dem Publikum leicht ermöglicht, mit ihm zu fühlen. DerFilm ist klasse, aber bei weitem noch nicht wirklich weg von Mainstream. Aber inhaltlich sehr weit über den üblichen Bond-Filmen angesiedelt. Und vor allem auch heute sehr sehenswert: 8-9 Punkte allemal.

Zardoz

Nachdem er aus den Bond-Filmen ausgestiegen war, versuchte sich Connery in vielem, unter anderem auch in diesem anspruchsvollen Sci-Fi Machwerk, das sich dem Klassenkampf annimt, und diverse Themen adressiert, welche ja bis zum Jahr 2019 (vor Corona) plötzlich wieder modern wurden. Das Schöne an den guten Dystopien der 1970er ist ja, dass sie nach über 40 jahren immer noch brandaktuell erscheinen (siehe 2022, Rollerball oder eben Zardos), dabei ist Connerys Figur keinesfalls sonderlich sympatisch oder großartig sondern es ist die bisweilen zwar aus heutiger Sicht etwas altbackene Inszenierung, die dennoch irgendwie künsterlisch wirkt und zudem auch recht frisch rüberkommt, da es eben kein typischer Sci-Fi Reisser ist. Es ist eher tatsächlich der Versuch, einen Roman auf den Bildschrim zu bannen. Etwas sperrig, aber allemal sehenswert mit einem überragenden Connery, der alle mit seiner wuchtigen und haarigen Präsenz an die Wand nagelt. Leidlich gerade mal so 7 Punkte. Aber dennoch eine absolute Perle in der Vita Connerys.

Kleine Randnotiz: Immer mal wieder versuchte sich Connery auch während seiner Zeit als Bond auf etwas abseitigen Pfaden, aber diese waren zumeist nur Alibiversuche, die sein Sunnyboy-Image nur nutzten, um dem Publikum eine falsche Sicherheit vorzugaukeln, und später den Boden unter den Füssen wegzuziehen (so etwa in Marnie oder die Strohpuppe), dennoch waren dies alles astreine geplante Publikumshits und werden hier nur in dieser Randnotiz vermerkt. Nur kurz noch Marnie: Der Film ist sicherlich den einen oder anderen wirklich ausufernden Aufsatz wert, da hier Hitchcock mit dem Versuch der Psychoanalyse sehr viele eigene unterschwellige Probleme offenlegt!

Also weiter im Text...

Sein Leben in meiner Gewalt

War schon Zardos gefühlt der Versuch, einen Roman auf die Leinwand zu bannen, so ist "Sein Leben in meiner Gewalt" die Perfektion dieses Vorhabens. Der Film ist schonungslos brutal und offenbart die Charaktere als das was sie sind: Menschen. Es gibt hier keine Helden sondern nur gebrochene Charaktere, und selbst unser Antiheld ist irgendwann so verdorben und kaputt, und das in einer so hilflosen Art und Weise, dass es ihm selbst so ungeheuer ist, dass er in gewalt flüchtet. Dieser Film ist Connery auf dem Höhepunkt seines Schaffens, hier kollidiert sein extrem rauhes Charisma mit seinem rohen Können. Das ist der Diamantstandard in Connerys Vita. Und erneut spielt er in einem Ensemble, das sich vor ihm nicht zu verstecken braucht, hier wird vieles was später in der sogenannten "HBO Men of Middle Age Ära" die Fernsehlandschaft für immer verändern wird vorweggenommen und ein erschreckend realistisches Bild vom Polizeialltag und was der Beruf mit dem Menschen anzurichten in der Lage ist aufgezeigt. Viel extremer wird Connery danach nicht mehr gehen, aber nach diesem Film ist es auch nicht mehr nötig. irgendwo in der ästhetischen Machart zwischen semi-dokumentarisch wie es später Soderbergh später perfektioniert und rauh wie Get Carter angesiedelt, ist der Film für Connery fans mit starkem Magen und gefestigter Psyche durchaus eine Empfehlung wert. 8 Punkte

Time Bandits

Hier befinden wir uns nun am Scheideweg: Connery hat sich seine Hörner im Verlauf der 1970er abgestossen und ist quasi bereit die Mainstreambühne wieder zu betreten, Time Bandits landet irgendwo zwischen den Stühlen: Er ist gewitzt (aberwitzig), aber dennoch sehr dunkelhumorig, und er ist sarkastisch und böse. Connery spielt zwar eine (größere) Nebenrolle, aber er wird immer wichtiger im Verlauf der Handlung, welche immer wieder Haken schlägt. Der Film ist in erster Linie ganz klar ein Gilliam Vehikel, aber er geht trotzdem zu Herzen und hat wieder einmal ein gebrochenes Happy End (wie sehr oft üblich bei Gilliam), dennoch passt alles haarklein zusammen. Und wer jetzt beispielsweise behauptet, so ein alter Pseudo-Fantasy-Streifen würde heute niemanden mehr hinter dem Ofen vorlocken, der hat erstens keine Ahnung und zweitens weiss diese Person auch nicht, dass der Film auch heute noch fleissig zitiert wird - zuletzt noch mit dem Ende vom höchstens mittelmäßigen Dunklen Turm. da ich den Film wirklich toll finde und ihn auch zeitlich in die richtige Ära verfrachten muss, würde ich dem Film locker mal 9 Punkte geben.

Auch hier noch eine kleine weitere persönliche Einwertung meinerseits: Connery hat also in zardos und Time Bandits mindestens prominent mitgespielt und hat damit keinerlei Probleme, aber ihm ist der Herr der Ringe zu komplex? Hahaha. ich gehe mal davon aus, dass der Mann einfach keinen Bock hatte, jahrelang fern der heimat irgendeine "schnöde belanglose Fantasyreihe" zu drehen, dafür war ihm wohl seine Zeit zu kostbar. Und ganz ehrlich, der Mann hat es doch zu dem zeitpunkt gar nicht mehr nötig gehabt, irgendwem irgendwas zu beweisen. Also durfte ein anderer alter Mann späten Weltruhm geniessen.

Abschliessend noch ein weiteres Wort: Connery war ein überragender Charismabolzen, der auch wusste, wie er seine Ausstrahlung einzusetzen hatte, seine frühen Filme waren zumeist astreine Blockbuster, in der Mitte der für viele möglicherweise Durchhänger mit dem künsterlisch ambitionierten Ansatz und dann später sein dritter Frühling. Dennoch er hat kompromisslos sein Ding durchgezogen und auch rechtzeitig die Reissleine gezogen und sich aus dem Schauspielgeschäft zurück gezogen, ohne sich der Lächerlichkeit preis zu geben. Er hat nicht immer die richtigsten Entscheidungen getroffen, aber er hat zumeist die richtige getroffen. Und dass er sich zeitlebens dagegen gewehrt hat, nur als Bond angesehen zu werden, ist vor allem in seiner sehr wandelbaren und durchaus anspruchsvollen und großartigen Filmvita absolut gerechtfertigt.

Und trotzdem, trotz allem, er hat sich von Bond emanzipiert, er hat sich durchgesetzt, er hat mit einer für seine Verhältnisse, mittelmäßigen performance sogar einen Oscar gewonnen (Untouchables, für die die es immer noch nicht wissen), und dennoch: Dieser mann ist und bleibt was Bond angeht einfach der Goldstandard, denn zu dem, was er ausserhalb von Bond schauspielerisch geleistet hat, hat er Bond auch als das definiert, was bis heute keiner ausser ihm je wieder perfektionieren konnte: Er ist der eiskalte, charmante Ladykiller, der wir selbst sein wollen. Er war rauh, aber herzlich, er war männlich, aber er war auch irgendwie für uns Männer auch sexy. Er war niemals auch nur ansatzweise glattgebügelt oder zu forciert ein Klotz. Der einzige andere Schauspieler, der diese Eigenschaften sich zu eigen machen konnte, war ausgerechnet eine gewisser Jean Dujardin, der eine französischen Agentenikone zwar persiflierte, aber sich so stark an Connery orientierte, dass er besser als jeder andere Connery-Nachfolger als Bond hätte durchgehen können.

Bumm!

Und der Vorhang fällt

Time Bandits Bewertung
Bewertung des Films
1010
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3 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
02.12.2020 08:54 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.820 | Reviews: 130 | Hüte: 431

PaulLeger:

Danke für den Hut :-)

Ich finde es auch amüsant, dass ausgerechnet die Nulpe Stephen Norrington als derjenige Regisseur in die Filmgeschichte eingehen sollte, der Sean Connery von der Filmbühne verbannte...

Ja, so richtig bin ich noch nicht im Flow, das war aus der Erinnerung heraus geschrieben und nichts Aktuelles. ich werde mal versuchen, in den nächsten Wochen Mank zu sehen und meinen Senf dazu abzugeben :-)

MB80:

Ich sehe gerade, daher auch dir einen schönen Dank für den Hut :-)

Dünyayi Kurtaran Adam
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
01.12.2020 22:43 Uhr | Editiert am 01.12.2020 - 22:43 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 618 | Reviews: 5 | Hüte: 86

@ MobyDick

Endlich hast du die Trash-Gefilde verlassen.^^ Schöne Würdigung.

Meine Lieblings-Anekdote zu Connery: Als ihm Michael Bay beim Dreh von "The Rock" eine Anweisung geben wollte, wie er eine Szene zu spielen habe, antwortete er nur: "Why dont you go blow up a bridge?"

"The Rock" ist übrigens auch ein Paradebeispiel dafür, wie Connery quasi im Alleingang (zugegeben, auch das wohl stark von Sorkin bearbeitete Skript verdient Anerkennung) mit seinem Charisma und Können einen Film, bei dem fast alles bestenfalls nach Durchschnitt schreit, auf ein überraschend hohes Niveau (für einen Bay-Actioner) heben konnte.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
30.11.2020 12:59 Uhr
2
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.820 | Reviews: 130 | Hüte: 431

Rest in Peace, Mr Connery

@all: Schaut euch das Werk dieses Mannes an!

Dünyayi Kurtaran Adam
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